Personalmangel auch bei Amtsärzt*innen: Untersuchungen zum Schuleingang fallen aus

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MAGDEBURG. In Sachsen-Anhalt müssen zahlreiche Erstklässlerinnen und Erstklässler den Unterricht ohne die amtsärztliche Untersuchung aufnehmen. Diese sollen nun im laufenden Betrieb nachgeholt werden, zu den Konsequenzen äußerte sich das Sozialministerium nicht.

Wegen Personalmangels haben zahlreiche Kinder, die im kommenden Sommer eingeschult werden sollen, keine Schuleingangsuntersuchung bekommen. Wie das Sozialministerium von Sachsen-Anhalt auf Anfrage mitteilte, wurden für das kommende Schuljahr 17 549 Schuleingangsuntersuchungen durchgeführt. Laut Bildungsministerium sollen aber rund 19 400 Kinder im Sommer eingeschult werden. Mehrere Landkreise teilten auf Anfrage mit, dass zum Teil ärztliches Personal gefehlt habe, um die Untersuchungen fristgerecht durchzuführen.

Die Vorschuluntersuchungen fallen oft aus. Foto: Shutterstock

Schuleingangsuntersuchungen seien unabdingbar und rechtlich verpflichtend, erklärte das Sozialministerium in Magdeburg. «Die amtsärztliche Untersuchung ist nicht nur für einen gelingenden Übertritt in die Schule notwendig, sie ist auch rechtlich zur Durchsetzung der Schulpflicht verpflichtend.» Es gehe dabei sowohl darum, mögliche Krankheiten oder Fehlentwicklungen zu erkennen und entsprechende Förderangebote einzuleiten, als auch um die Kontrolle des Nachweises von Impfungen. «Die nicht durchgeführten Schuleingangsuntersuchungen sollten unverzüglich nachgeholt werden», erklärte eine Sprecherin des Ministeriums. Gegebenenfalls auch nach bereits erfolgtem Schulbesuch in der 1. Klasse.

Die «Mitteldeutsche Zeitung» hatte zuletzt über Probleme bei den Schuleingangsuntersuchungen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld berichtet. Dieser hatte Anfang Februar mitgeteilt, dass die Untersuchungskampagne abgebrochen werden musste. Wegen der derzeitigen personellen Umstände hätten nicht alle einzuschulenden Kinder termingerecht untersucht werden können, hieß es im Mitteilungsblatt des Landkreises. Zuständig ist demnach der Kinder- und Jugendärztliche Fachdienst des Landkreises.

Auch weitere Kreise im Land teilten mit, dass Untersuchungen sich wegen fehlender Ärzte verzögert oder gar nicht stattgefunden hätten. Im Salzlandkreis könnten die Schuleingangsuntersuchungen seit Längerem bereits ausschließlich mit Honorarkräften auf Stundenbasis durchgeführt werden. Für das kommende Schuljahr seien daher erst 84 Prozent der Kinder untersucht worden. Der Schulbesuch sei auch trotz fehlender Untersuchung möglich, so eine Sprecherin des Salzlandkreises. Die Kreisverwaltung suche weiter angestrengt nach ärztlichem Personal.

Auch in Dessau-Roßlau hatten sich die Untersuchungen zunächst verzögert. Zu Beginn des Jahres habe hier nachgesteuert werden können, sodass bis Ende des Monats alle Kinder untersucht sein sollen. In den übrigen angefragten Landkreisen und kreisfreien Städten in Sachsen-Anhalt gibt es den Angaben zufolge nur vereinzelt angehende Schulkinder, die nicht untersucht wurden. Der Grund hier: Familien, die Termine nicht einhalten. (dpa)

2023 wieder flächendeckende Eingangsuntersuchungen für alle Erstklässler

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Lera
3 Monate zuvor

Da ohnehin jeder eingeschult wird, der atmen kann, ist es ziemlich egal, ob diese „Untersuchung“ durchgeführt wird.

#schulreife

Immerwiedergerne
3 Monate zuvor
Antwortet  Lera

Nö,
Weil viele Eltern die U 10 und U 11, ebenso J1 und J2 nicht wahrnehmen ( die AOK startete 2019/20 eine Befragung dazu: es waren um die 50%)
2022 wurden, weil die Hausarzt- und Kinderarztpraxen überlaufen, die Möglichkeit eingeräumt, Us zu verschieben.
Ist zudem ja alles unbequem für die Eltern und nicht verwunderlich, dass Entwicklungsrückstände und Erkrankungen erst in der ersten Klassse „entdeckt“ werden.

Ein schlechter Start zieht sich mMn weiter durch….

Katze
3 Monate zuvor

Mit unserem naturwissenschaftlichen Bildungsniveau auf Sinkflug, den immer mehr entschlackten „MINT-Leerplänen“, den stetig sinkenden Ansprüchen und dem „Spitzenabitur für alle“ werden wohl auch nicht viele zukünftige Ärzt*innen aus Deutschland die derzeitigen personellen Umstände verbessern können.  Geliefert wie bestellt.

Lisa
3 Monate zuvor
Antwortet  Katze

Man könnte auch damit anfangen, den NSC zu mildern. Nicht jeder 1,0 Generalist wird automatisch ein guter Arzt, nicht jeder 2,0 Abiturient schafft das anspruchsvolle Studium nicht.

HaroldTheTree
3 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Dann müsste die Uni Aufnahmetests durchführen. Wenn mehr Bewerber als Plätze vorhanden sind, muss man auswählen.

Der Uwe
3 Monate zuvor

Die Frage ist, ob das, bei der aktuellen Untersuchung ein Verlust ist. Bei uns im Kreis (NRW) ist jedes Kind schulreif, egal wie alt oder entwickelt. Eine Bekannte hat sogar gesagt bekommen: „Ihr Kind ist nicht schulreif.“ „Und jetzt??“ „Wird eingeschult.“
Wenn die Untersuchung schon keine Relevanz hat, sollte man das viele Geld vielleicht sparen und die ÄrztInnen ihren normalen Job machen lassen.

Wann wird in der Politik eigentlich mal klar, dass die Kinder unsere Zukunft sind? Oder baut man darauf, dass wir die Welt eh bald erledigt haben und keiner mehr eine Bildung braucht? Dann wäre aber Ackerbau und Viehzucht oder Waffenkunde nicht schlecht.
Notiz an mich: nicht immer so schwarz sehen!

GS in SH
3 Monate zuvor
Antwortet  Der Uwe

Während der Pandemie mussten bei uns Lehrer die Schuleingangsuntersuchung durchführen.
Vielleicht ein Zukunftsmodell für alle? Schließlich haben LuL ja sonst keine Herausforderungen.

Carsten
3 Monate zuvor

Die Bezahlung der Ärzte bei den Gesundheitsämtern ist gegenüber den Kliniken etwas mau. Also kein Personal – sondern ein Bezahlproblem.

Lisa
3 Monate zuvor

Ich schüttele nur noch den Kopf. Wo sind die Leute alle? Sind das die Boomer im Ruhestand, die jetzt fehlen?

unverzagte
3 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Viele sind auch auf der Flucht und werden hoffentlich nicht von „Völkischen“ attackiert und ermordet.

Und warum sollte es bitte im ebenfalls maroden Gesundheits- anders aussehen als im Bildunssystem ?

HaroldTheTree
3 Monate zuvor
Antwortet  unverzagte

Könnte auch am Mangel an Studienplätze für Medizin liegen oder daran, dass viele hier Medizin studieren, dann aber im Ausland arbeiten bei besserem Gehalt und/oder besseren Arbeitsbedingungen. Da sind bestimmt die völkischen Parteien dran schuld, die die letzten Jahrzehnte an der Regierung waren.

Gelbe Tulpe
3 Monate zuvor

Es gibt ein Vielfaches an Bewerbern auf ein Medizinstudium, aber leider zu wenige Studienplätze, da diese dem Staat zu teuer sind. Somit hat man zu wenig Ärzte und so auch zu wenige Amtsärzte. Also wieder mal ein Politikversagen, um wirtschaftspolitische