Rabe: „Besser Rücktritt, als sich mit Krankheiten durchs Amt zu schleppen“

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HAMBURG. Deutschlands dienstältester Kultusminister ist in Hamburg verabschiedet worden. Nach seinem Rückzug aus gesundheitlichen Gründen würdigten Bundes- und Landespolitiker im Rathaus Ex-Schulsenator Rabe.

Jetzt im Ruhestand: Hamburgs langjähriger Bildungssenator Ties Rabe war als Sprecher der SPD-geführten Kultusministerien in Deutschland auch auf Bundesebene ein einflussreicher Mann. Foto: Daniel Reinhardt / Senatskanzlei Hamburg

Großer Bahnhof für Hamburgs früheren Schulsenator Ties Rabe: Deutschlands dienstältester Kultusminister wurde rund dreieinhalb Wochen nach seinem Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen mit einem Empfang im Rathaus offiziell verabschiedet. «Lieber Ties, jedes Kind, das heute in Hamburg zur Schule geht, kann darauf vertrauen, dass es gesehen wird», zitierte Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt (SPD) im großen Festsaal vor rund 300 Gästen aus einem Schreiben des früheren Hamburger Bürgermeisters und heutigen Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD).

Das habe viel mit Rabes Schulpolitik der vergangenen 13 Jahre zu tun. «Deshalb hat nicht nur Hamburg dir viel zu verdanken, sondern auch ganz Deutschland», schrieb Scholz, der als Hamburger Bürgermeister Rabe 2011 zum Bildungssenator gemacht hatte.

Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) betonte, ohne Rabe wäre das neue milliardenschwere Programm zur Förderung von Schulen in schwierigen sozialen Lagen nicht möglich gewesen. Er habe die Grundlagen gelegt. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) nannte Rabe den wohl erfolgreichsten Kultusminister Deutschlands, verwies etwa auf die Einführung des Ganztagsangebots in Hamburgs Schulen, die digitale Ausstattung, die Einführung der Stadtteilschulen oder das milliardenschwere Schulbauprogramm in der Hansestadt. «Ich könnte jetzt noch weiter und weiter Dinge vortragen», sagte Tschentscher. Und das Ergebnis: «Nie zuvor waren die Leistungen von Hamburgs Schülerinnen und Schülern so gut wie heute.»

Zum Abschied erschienen neben zahlreichen Schulleitungen auch Hamburgs Ehrenbürger, die Autorin Kirsten Boie und Unternehmer Michael Otto. Geladen waren auch der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz (KMK), Udo Michallik, sowie zahlreiche Kultusministerinnen und -minister aus anderen Ländern, etwa Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Bremen. Die rheinland-pfälzische Fachministerin und Rabes Nachfolgerin als Koordinatorin der A-Länder in der KMK, Stefanie Hubig (SPD), sagte, Rabe habe es als Bildungsminister geschafft, mit Lob überschüttet zu werden. Das habe es praktisch noch nie gegeben. Medien hätten im Grunde bereits gefragt: «Kann die KMK ohne Ties Rabe fortbestehen?»

Rabe sagte in seiner Dankesrede, «ich werde Sie alle vermissen». Er danke für die 13 Jahre, in denen er das Hamburger Schulsystem mit vielen anderen habe weiterentwickeln dürfen. Rabe war Mitte Januar überraschend aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. «Meine Gesundheitsprobleme haben im letzten Jahr deutlich zugenommen. Ich war im letzten Jahr so oft krank wie in den zwölf Jahren zuvor», sagte der 63-Jährige damals, ohne auf Details der Erkrankungen einzugehen. Der Abschied falle ihm schwer. «Aber es ist besser so, als sich mit schwierigen Krankheiten noch durchs Amt zu schleppen.»

Rabe, geboren in Hamburg-Bergedorf und seit 1992 SPD-Mitglied, ist in seinem ursprünglichen Beruf Gymnasiallehrer für Deutsch, Geschichte und Religion; legte sowohl das erste als auch das zweite Staatsexamen als Jahrgangsbester mit der Note 1,0 ab. Er trat mit dem Regierungswechsel 2011 unter Bürgermeister Scholz in den Senat ein, war zuvor schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion und Vorsitzender des Schulausschusses. News4teachers / mit Material der dpa

Vorbild Hamburg: Wie haben Sie es geschafft, die Schulen der Hansestadt nach oben zu bringen, Herr Rabe?

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6 Kommentare
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Enjoy your chicken Ted
24 Tage zuvor

«Meine Gesundheitsprobleme haben im letzten Jahr deutlich zugenommen. Ich war im letzten Jahr so oft krank wie in den zwölf Jahren zuvor», sagte der 63-Jährige damals, ohne auf Details der Erkrankungen einzugehen. Der Abschied falle ihm schwer. «Aber es ist besser so, als sich mit schwierigen Krankheiten noch durchs Amt zu schleppen.»

Was sollen erst wir KuK sagen??

JoS
24 Tage zuvor

Mit 63 Jahren abschlagsfrei in den Ruhestand zu gehen, weil die Krankheiten zunehmen, ist für den verhältnismäßig entspannten Job eines Ministers also kein Problem. Warum gilt das nicht auch für seine Untergebenen?

Realist
23 Tage zuvor
Antwortet  JoS

Warum gilt das nicht auch für seine Untergebenen?“

Meinen Sie die Frage ernst? Haben Sie in den vielen Jahren des Schuldienst noch nicht verstanden, wie der Laden läuft???

Riesenzwerg
24 Tage zuvor

Besser Teilzeit oder raus aus dem Schuldienst, als sich mit Krankheiten durch den Schuldienst SCHLEPPEN ZU MÜSSEN!

Riesenzwerg
23 Tage zuvor

„“Besser Rücktritt, als sich mit Krankheiten durchs Amt zu schleppen““

ODER AUCH

Besser Teilzeit und raus aus dem Schuldienst, als sich mit Krankheiten und Burn Out durch den Schuldienst zu schleppen!

Aber WIR müssen…. weiter durchhalten wegen der Fehlplanungen und Fehlentscheidungen von Vorgesetzten, die finanziell reichlichst bestückt nur den Rücktritt zu erklären brauchen.

kanndochnichtwahrsein
22 Tage zuvor

Ihm sei es gegönnt.

Ähnliches müsste aber für jeden im System Schule möglich sein – ab einem festzusetzenden Alter sollte es grundsätzlich möglich sein, reduziert zu arbeiten oder auch frühzeitig aufzuhören.
Unter den gegebenen Bedingungen ist es eine Illusion, bis 67 durchhalten zu können ohne sich selbst – und vielleicht auch anderen – zu schaden.

Meine Gesundheitsprobleme haben auch deutlich zugenommen. Aber nicht nach 13, sondern nach 30 Jahren in meinem Job.
Könnte ja mal jemand „Danke“ sagen und fragen, was getan werden kann, damit man möglichst lange durchhält.
Statt dessen wird Teilzeit nicht mehr genehmigt und die Altersentlastung ab 55 um 1 Unterrichtsstunde ist ein schlechter Witz (meist ist das nur eine Springstunde mehr), wenn man auf dem letzten Loch pfeift.

Schule hat sich nicht verändert, aber die Schüler und die Gesellschaft.
Das wirkt sich auf unser aller Gesundheit aus. Man hat von Jahr zu Jahr mehr den Eindruck, den Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein, immer mehr Energie zu investieren für immer weniger Erfolg bei den Kindern in Form nachhaltiger Lernerfolge.
Diese Energie tagtäglich ungeachtet eigener Befindlichkeiten aufbringen zu müssen, um Schüler wie Kollegen nicht im Regen stehen zu lassen und die Missstände dadurch noch anzuheizen, verlangt uns so viel Anstrengung ab, dass man sich manchmal morgens nicht mehr vorstellen kann, wie der Tag zu bewältigen sein könnte.
Und man bekommt Angst vor Krankheit. Das beobachte ich zunehmend bei mir selbst – die Angst, krank zu werden und dann gar nicht mehr auf die Füße zu kommen, weil jahrzehntelang alles zu viel war. Bei mir bemerke ich die Angst, dass ein Damm brechen könnte.
Geht das nur mir so?

Wäre es nicht schön, wenn wir ab 55 (oder nach 30 Jahren oder wie auch immer) zu unsern Chefs gehen und sagen könnten: So oder so kann ich mir vorstellen, in den nächsten Jahren noch einen guten Job zu machen, das brauche ich dazu, diese oder jene Entlastung könnte ich mir vorstellen.
Vieles wäre sicher denkbar: Konferenzen komprimieren, statt Jahrzehnte immer das Gleiche zu diskutieren… bestimmte Klassen oder Fächer abgeben können… vielleicht Unterricht in kleineren Lerngruppen/Fördergruppen… eine bessere Verteilung der Stunden über den Tag/die Woche… Routinegeschäfte nicht jedes Jahr mit neuen Arbeitsgruppen zum arbeitsaufwendigen Event machen… Verzicht auf Mammuttage von 7 bis 20 Uhr oder länger – und vor allem eine deutlichere Stundenentlastung, die auch wirklich dazu führt, dass neben Unterricht, Vorbereitung und allen anderen kleinen und großen Dingen, die getan werden müssen, auch mal wieder Raum für Erholungszeit bleibt.