Was Beliebtheit in der Schule und Schlafverhalten miteinander zu tun haben

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ÖREBRO. Wissenschaftler beleuchten den Zusammenhang von Beliebtheit, Schlafdauer und Schlaflosigkeit bei Jugendlichen. Den Schlaf am Wochenende nachholen zu wollen, ist möglicherweise kontraproduktiv.

Laut medizinischen Studien setzt bei Teenagern die Produktion des schlaffördernden Hormons Melatonin durchschnittlich erst zwei Stunden später ein als bei kleineren Kindern. Verbunden mit einer allgemein erhöhten Aufmerksamkeit am Abend fällt es Teenagern daher naturgemäß oft schwer, jede Nacht die empfohlenen acht bis zehn Stunden Schlaf zu erreichen.

Eine junge Frau liegt auf dem Bett.
Beliebtheit bei den Mitschülerinnen und Mitschülern mag gut für den Tag sein, dem Schlaf scheint sie nicht zuträglich. Foto: Kinga Howard / Unsplash.com (U. L.)

Zugleich beginnen im Teenageralter steigende schulische Anforderungen, private Aktivitäten, mehr Unabhängigkeit von den Eltern und Beziehungen zu Gleichaltrigen mit dem Schlaf zu konkurrieren. Serena Bauducco von der Universität von Örebro und Katja Boersma von der Flinders University im australischen Adelaide und der ebenfalls in Adelaide beheimatete Schlafforscher Michael Gradisar weisen nun auf einen weiteren sozialen Faktor hin, der sich auf die Schlafgewohnheiten von Teenagern im Alter von 14 bis 18 Jahren auswirkt. Gemeinsam untersuchten sie, ob die Popularität von Jugendlichen in ihrem schulischen Umfeld mit einer kürzeren Schlafdauer einhergeht.

„Hier zeigen wir, dass beliebte Teenager von einer kürzeren Schlafdauer berichten. Insbesondere beliebte Mädchen – anders als Jungen – berichteten über mehr Schlaflosigkeitssymptome“, fasst Serena Bauducco die Ergebnisse zusammen. „Interessanterweise scheint sich die Popularität sowohl vor als auch nach der Einführung von Smartphones negativ auf den Schlaf auszuwirken“, so die Psychologin.

Beliebt und schlaflos

Die Untersuchung des Zusammenhangs der Beliebtheit von Teenagern und ihrer Schlafdauer stützt sich auf eine Stichprobe von etwas über 1.300 schwedischen Teenagern, knapp die Hälfte von ihnen weiblich. Die Forscherinnen und Forscher baten die Teenager, bis zu drei Freunde zu nominieren. Anhand der Nominierungen bestimmten sie dann die überdurchschnittlich beliebten Teenager. Diese Teenager schliefen weniger als ihre Altersgenossen, die beliebtesten bis zu 27 Minuten täglich.

Als das Team Jungen und Mädchen getrennt betrachtete, fand sich auch ein Zusammenhang zwischen Beliebtheit und Schlaflosigkeitssymptomen: Bei als beliebt eingestuften Mädchen traten häufiger Schlaflosigkeitssymptome auf, beispielsweise Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen oder zu frühes Aufwachen. Bei beliebten Jungen traten diese Symptome nicht im gleichen Ausmaß auf.

Eine mögliche Ursache für die Geschlechtsunterschiede bei Jungen und Mädchen sehen die Bauducco, Boersma und Gradisar darin, dass männliche und weibliche Jugendliche sich in Freundschaftsverhältnissen unterschiedlich verhielten. „Mädchen zeigen mehr Mitgefühl und Fürsorge gegenüber ihren Freunden und auch mehr Hilfsverhalten als Jungen. Das könnte bedeuten, dass sie diese Sorgen mit sich herumtragen, wenn es Zeit zum Einschlafen ist“, erklärte Bauducco.

Telefone erklären nicht den Zusammenhang zwischen Beliebtheit und Schlaf

Anhand der vorliegenden Daten sei laut Serena Bauducco deutlich erkennbar, dass die Popularität sowohl vor als auch nach der Entwicklung der mobilen Kommunikationstechnologie mit schlechterem Schlaf verbunden war. Dies deute darauf hin, dass es möglicherweise nicht Smartphones sind, die dazu führen, dass beliebte Teenager weniger schlafen.

Die Forscher spekulieren, dass mehr Freunde bedeuten könnten, dass ihnen mehr Zeit gewidmet wird, was wiederum dazu führen könnte, dass weniger Zeit zum Schlafen bleibt. Auch eine stärkere emotionale Belastung könnte zu Schlafstörungen führen. Beide Erklärungen würden für Zeiten vor und nach der Verbreitung von Smartphones gelten. Dies müsse jedoch noch im Detail untersucht werden.

Schlafschulden anhäufen

„Jugendliche sind im Laufe ihres Lebens wohl die Bevölkerungsgruppe mit dem größten Schlafmangel“, sagte Bauducco. Zugleich hätten frühere Studien gezeigt, dass 30 Minuten zusätzlicher Schlaf zu einer verbesserten psychischen Gesundheit und besseren schulischen Leistungen führen können.

Da die Schule früh beginnt, versuchen viele Teenager, am Wochenende Schlaf nachzuholen – eine Strategie, die nach hinten losgehen könne. „Angenommen, ein Teenager schläft am Sonntag bis 13 Uhr aus. In dieser Nacht einzuschlafen, um am nächsten Tag für die Schule bereit zu sein, wird schwierig, weil sie sich dann nicht müde fühlen“, erläutert Bauducco. „Eine zu starke Verzögerung der Aufwachzeiten kann dazu beitragen, das Problem der unter der Woche angehäuften Schlafschulden fortzuschreiben.“

Nach Ansicht von Serena Bauducco, Katja Boersma und Michael Gradisar könnten ihre Ergebnisse insbesondere dazu beitragen, die bestehenden Schlafinterventionen für Jugendliche zu verbessern, wenn die Diskussion über soziale Schlafnormen und die Erwartungen von Gleichaltrigen rund um die Schlafenszeit in die Konzeption entsprechender Maßnahmen einbezogen würden. Darüber hinaus seien weitere Untersuchungen erforderlich, um den wechselseitigen Zusammenhang zwischen sozialer Verbundenheit und Schlaf zu untersuchen und die entdeckten Geschlechtsunterschiede zu beleuchten. (zab, pm)

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potschemutschka
1 Monat zuvor

Eines verstehe ich nicht: Es wird ständig darüber diskutiert, dass Schule später am Morgen beginnen soll, weil die Schüler wegen Schlafmangels schlechter lernen. andererseits sind die unausgeschlafenen Schüler beliebter. ????? Kann mir das bitte jemand erklären, wie man diese beiden wissenschaftlichen Erkenntnisse in Einklang zum Wohle der Schüler bringt? (Wahrscheinlich bin ich heute nicht ausgeschlafen genug, um das zu verstehen 🙂 )

Canishine
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Eine Studie kommt aus Australien: Vielleicht spielt die Zeitverschiebung eine Rolle? 🙂

RainerZufall
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Es handelt sich wohl mehr um eine Kohärenz, keine Kausalität. In unserem Schulsystem, wo der Unterricht gegen acht Uhr beginnt, schlafen diese Personen nicht lang genug.
Dies bedeutet aber nicht, dass Müdigkeit die Beliebtheit steigern würde oder dass beliebte Menschen müde sein müssen.

tbd
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Es ist andersherum dargestellt und erklärt:
Die Schüler sind nicht deshalb beliebter, weil sie unausgeschlafen sind, sondern sie sind unausgeschlafener, wenn sie viele Freunde haben.

Meines Erachtens ist das aber nur ein weiterer Tropfen in einem aufgrund des zu frühen Unterrichtsbeginns bereits übergelaufenen Fass.

JoS
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Seit wann korreliert die Beliebtheit von Schüler*innen positiv mit ihren schulischen Leistungen?

447
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Mehr social media-posts = mehr Chancen im Schnitt auf Beliebtheit, das auch gerne bis nachts.

Digitales crack (weil ein massiver Anteil der Eltern, verwirrt durch jahrzehntelange Hippypäda, nicht einmal Handys einsammeln kann):
Jungs = eher Baller- und Lootbox-Clickspiele/tower-defense oder L.o.L-Klone
Mädchen= eher soziale Netzwerke

Muss nicht der ganze Grund sein, passt aber zu „Schlafmangel“ wenigstens in Teilen.

Indra Rupp
1 Monat zuvor

Vorweg: Es gibt auch Studien über Naturvölker, die ergaben, dass auch dort die Jugendlichen Abends am längsten wach waren und noch am Feuer saßen, während die Erwachsenen schon schliefen.

Zu der Beliebtheit mal eine andere Interpretation von mir:
Es gibt Menschen, die mehr und Menschen, die weniger Schlaf brauchen. Diejenigen, die mehr Schlaf brauchen, müssen idR auch mehr Eindrücke vom Tag verarbeiten. Das heißt, diese Menschen sind emotional gesteuerter, (hoch-) sensibler. Sie brauchen idR auch mehr wache Zeit im Bett, zum Nachdenken und grübeln und für Geborgenheit. Die Wärme unter der Decke, dem „Nest“, der vertraute Geruch vom eigenen „Nest“, die Decke umhüllt einen und ersetzt quasi die Arme eines Anderen. Auch bevorzugen solche Menschen gerne die Badewanne.
Auf der anderen Seite gibt es Menschen, denen 4h Schlaf schon durchaus reichen und für die 6h schon Ausschlafen bedeutet. Die denken eher praktisch und Zeit sparend und bevorzugen die Dusche. Das Bett ist in Augen dieser Menschen einfach zum Schlafen da und es dauert nicht lange, bis sie einschlafen und noch schneller kommen sie morgens wieder aus dem Bett. Solche Menschen „funktionieren“ besser als die anderen Menschen. Solche Menschen sind erfolgreicher, weniger depressiv und „cooler“.
Meine Interpretation: Die zweite genannte Gruppe ist beliebter! Da brauche ich mich nur im Tierreich umschauen oder mir meine Shetty-und meine Ziegen Herde anschauen. Alle verehren das Alphatier. Das Alphatier braucht auch keinen guten Charakter zu haben. Im Gegenteil, es setzt sich eher mit schlechten Charaktereigenschaften durch. Auch in Beziehungen ist das so. Selten sind beide Partner genau auf Augenhöhe und gleichberechtigt. Meist ist eine Person im Vorteil. Diese kann fordern und Ansprüche stellen und sich charakterlich auch mal gehen lassen, denn sie wird bewundert und, zumindest Augenscheinlich, mehr geliebt als die andere.Die bevorteilte Person ist in der Beziehung das Alphatier. Die andere Person ist kein Alphatier und muss etwas dafür tun, geschätzt zu werden. Sie muss also beweisen, dass sie liebenswert ist. Entsprechend haben wir in Beziehungen, egal welchen Geschlechts, oft eine Person, die eher forsch, fordernd, gleichgültig, rücksichtslos ist und eine außerordentlich verständnisvolle, liebenswerte, moralisch wohl überlegte Person. Mitunter stellt sich aber im Trennungsfall durchaus heraus, dass das Alphatier das Betatier mindestens genauso liebte und vielleicht sogar abhängiger war, als umgekehrt. Der Schein trügt also mitunter!
So ist es dann auch in Freundeskreisen, dass das Alphatier verehrt wird. Das dies bei Mädchen mehr auffällt liegt meiner Ansicht nach daran, dass Mädchen mehr Teamworker und Gruppentiere in dieser Sache sind. Btw: Das Alphatier in der Herde ist auch immer weiblich ( Leitstute, Alphaziege ).
Wer wird in so einer Gruppe am meisten bewundert? Ich stelle mir da zB eine kühle Blondine vor, die sich “ hippe“ Kleidung leisten kann, weil ihre Eltern schon keine Melancholiker , sondern leistungsfähig sind und deren Tochter genauso wenig ein Sensibelchen ist. Die kann also unbeschwert, fröhlich und auch mal ein bisschen oberflächlich/unempathisch sein und fünfe gerade sein lassen.
Also ja, da wäre ein Zusammenhang, dass die Beliebten weniger Schlaf brauchen.
Ob sie nur weniger Schlaf bekommen oder auch einfach weniger Bedarf haben, geht aus der Studie ja nicht hervor. Es wird nur vermutet, dass die sozialen Kontakte den Schlaf rauben, aber es könnte auch weniger Bedarf sein. Auch ein Beruf und die Geschehnisse dort können ja Schlaf rauben und auch da sind es die Sensiblen mit dem hohen Schlaf-Verarbeitungs-Bedarf, die das krank macht und die es entsprechend so nicht durchhalten können. Und auch hier ist es so, dass wir eher mit denen zu tun haben wollen, die das psychisch an sich abprallen lassen können. Ein Grund, weshalb Arbeitslose/Geringverdiener auch immer vereinsamen. Es gäbe ja auch außerhalb des Berufs Kontaktmöglichkeiten. Aber abgesehen davon, dass Arbeitslose/Geringverdiener/Teilzeitbeschäftigte/Minijobber für faul oder für Schmarotzer gehalten werden und „man“ nichts mit Armen zu tun haben will oder diese teilweise vorurteilhaft für Bildungsfern hält, spielt es auch eine Rolle, dass man diese Leute für LABIL hält!
Nicht LABIL =beliebter!
Schade eigentlich, denn wir brauchen diese „labilen“ Menschen genauso. Wir können froh sein, dass es Menschen gibt, die viel dafür tun, liebenswert zu sein und dies entsprechend hinterfragen. Wir hätten auch keine Kunst ohne speziell feinfühlig, sensible Menschen. Und in meiner Shetty Herde ist auf die rangniedrigen Tiere immer Verlass. Die testen nicht ständig meine Durchsetzungsfähigkeit und tragen brav auch die kleinsten Kinder zuverlässig durch die Gegend und verdienen letztendlich das Heu für die ganze Herde!

Lisa
1 Monat zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Schön beobachtet. Ich weiß auch, dass sich beliebte Mädchen extrem Sorgen um ihre Beliebtheit machen können. Sie sitzen bei mir in der Sprechstunde und weinen, dann wird das Krönchen gerichtet und raus geht es wieder in den Wettkampf. Der ist in den Cliquen knallhart. Das das zu Schlaflosigkeit führen könnte, ist eigentlich offensichtlich.

mama51
1 Monat zuvor

Also, mal unabhängig von „beliebt oder nicht“:

Meine Teenies seinerzeit:
Unterricht von 07:30h bis (wechselnd!) 12:30h -15:00h) = heute noch so!
Sie kamen vor etlichen Jahren von der Schule nach Hause, haben „irgendwas“ gegessen und sich erstmal für 1-3 Stunden aufs Ohr gelegt. Dann: Beginn der Hausaufgaben / Sport / Hobby… anschl.gemeinsames Abendessen (warm) mit der Familie. Danach gings weiter mit Hausaufgaben / Sport (wenn das Trainig abends war),- gegen 22h zu Bett, Aufstehen am nächsten Tag: 05:30h, der Schulbus fuhr um 06:35 (der nächste eine Stunde später, wir leben auf dem Land *!)- In der Schule war man dann um 07:10, Schulbeginn, s. o….und man hatte noch viel Zeit für die Hausaufgaben, die man am Tag zuvor nicht mehr geschafft hatte (abzuschreiben?). Die Busverbindung * ist noch heute so beschi….!
Und Handys gabs da auch schon!
Am WE habe sie viiiiel geschlafen und auch gefeiert – Party- Party! Und sie sagen heute:
Wir hatten eine tolle Jugend.

mama51
1 Monat zuvor

Nachtrag:
Schlafstörungen hatten sie keine, dazu waren sie insgesamt viel zu müde! 🙁

Exekutiver
1 Monat zuvor
Antwortet  mama51

Wenn man den Satz ohne Nachtrag liest, ist er zum Schmunzeln.