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Medien wollen junge Menschen für Nachrichten gewinnen (um Pressefreiheit zu sichern)

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HAMBURG. Eine Medien-Initiative will sich selbst und die Politik in die Verantwortung nehmen, um gegen Desinformation und für Vertrauen in die Medien zu kämpfen. Sie entwickelt auch neue Formate, um junge Menschen besser anzusprechen.

Um junge Menschen mit seriösen Informationen zu erreichen, muss die Ansprache bunter werden. Illustration: Shutterstock

Die Nachrichtenkompetenz-Initiative «#UseTheNews» hat zu mehr Anstrengung aufgerufen, um Presse- und Meinungsfreiheit zu stärken. In einer am Dienstag in Hamburg unterzeichneten Erklärung heißt es, Artikel 5 des Grundgesetzes zur Medien- und Meinungsfreiheit garantiere das demokratische Gespräch einer Gesellschaft. Man sei in Sorge um diese Grundlage des Gemeinwesens. «Diskussionen leben von unterschiedlichen Meinungen über unbestreitbare Fakten. Wenn aber das Vertrauen in die Medien- und Meinungsfreiheit schwindet und die gemeinsame Faktenbasis erodiert, geraten politische Meinungsbildung und das demokratische Streitgespräch in Gefahr.»

Das Bündnis #UseTheNews wurde vor Jahren von der Deutschen Presse-Agentur dpa und der Hamburger Behörde für Kultur und Medien initiiert. Die Initiative setzt sich dafür ein, dass Medienkompetenz bei jungen Leuten gefördert wird. Sie kämpft gegen Desinformation und für Vertrauen in Medien. Unterstützt wird das Projekt von einem Kuratorium aus Persönlichkeiten aus Medien und Politik. Zu den Partnern zählen zum Beispiel ARD und ZDF, ntv, die Funke Mediengruppe und «Der Spiegel». Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) ist Gründungsmitglied.

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In der Hamburger Erklärung des Kuratoriums heißt es, man nehme die eigene Verantwortung für eine starke digitale Öffentlichkeit ernst und wolle das Bewusstsein für Gefahren der Desinformation schärfen. Man wolle zudem das Vertrauen in journalistische Nachrichten fördern und neue Foren für das gesellschaftliche Gespräch und Angebote der aktiven Beteiligung entwickeln. Zudem sollen die Wege in den Journalismus erleichtert und die Ausbildung modernisiert werden. Darüber hinaus hält die Erklärung fest: «Die Vielfalt der Meinungen entspricht der Vielfalt der Gesellschaft. Als Journalismus getarnten Aktivismus lehnen wir ab.» In Richtung Politik heißt es zudem, dass die wirtschaftlichen Grundlagen redaktioneller Angebote regulatorisch und ordnungspolitisch gesichert werden müssen.

“Jetzt sollte man sich aufs Digitale konzentrieren, ohne dabei die traditionellen Plattformen aus den Augen zu verlieren”

Die Verlegerin und Aufsichtsratsvorsitzende der Funke Mediengruppe, Julia Becker, teilte mit: «Die Gefahren, die von Fake News, maßlosen Übertreibungen und dreisten Lügen ausgehen, müssen endlich ernst genommen werden – und wir müssen gemeinsam dagegen angehen.» Von ARD-Chef und SWR-Intendant Kai Gniffke hieß es: «In Zeiten von Künstlicher Intelligenz und Deepfakes ist die Antwort auf die Frage “Was ist Wirklichkeit und was Fälschung?” alles andere als einfach. Diese Herausforderung meistern wir nur, wenn wir zusammen für Qualitätsjournalismus einstehen: Verlage, öffentlich-rechtliche und privatwirtschaftlich geführte Qualitätsmedien.»

BDZV-Hauptgeschäftsführerin Sigrun Albert teilte mit: «Die in unserem Grundgesetz verankerte Pressefreiheit bedeutet für uns auch Verantwortung: für verlässliche Nachrichten, wahrhaftige Information, vertrauenswürdigen Journalismus.» Der Bundesgeschäftsführer des Medienverbands der freien Presse (MVFP, Zeitschriftenverleger), Stephan Scherzer, warb für ein Schulfach zu Medienkompetenz.

Wie erreichen Medien die Generation Z mit neuen Nachrichtenangeboten? Auch dies will #UseTheNews herausfinden. In interdisziplinären Teams arbeiten mehr als 30 Redakteur*innen, Produktmanager*nnen und Innovator*innen aus verschiedenen Medienhäusern zusammen in einem sogenannten News Literacy Lab. «Wir müssen zugänglicher werden», sagt zum Beispiel die junge britische Journalistin Sophia Smith Galer in einem Interview mit #UseTheNews. Denn wenn man keine Inhalte in den sozialen Medien poste, sei man «nicht zugänglich, weil junge Menschen ihre Informationen aus den sozialen Medien beziehen», sagt sie.

Deshalb müssten die Nachrichtenorganisationen zu einer «Digital-First»-Mentalität übergehen. «Natürlich ist jede Organisation anders, aber traditionell lag der Schwerpunkt der Medien auf Print, Fernsehen oder Radio. Jetzt sollte man sich aufs Digitale konzentrieren, ohne dabei die traditionellen Plattformen aus den Augen zu verlieren. Denn auch diese bedienen noch immer ein Zielpublikum. Und innerhalb der Nachrichtenorganisationen sollten diejenigen, die innovativ sind und über Grenzen hinausgehen, mehr Anerkennung erhalten.»

Hier gibt es weitere Infos zu der Initiative.

Bildungsoffensive für mehr Medienkompetenz gefordert – gegen Internet-Hass

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