Personalnot in Kitas – alarmierende Studie: „Situation hat sich deutlich verschlechtert“

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BERLIN. Das Gute-Kita-Gesetz von 2019 sollte für eine bessere Betreuung an den Kindertagesstätten sorgen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall, heißt es in einer neuen Studie: 125.000 Fachkräfte fehlen danach.

Die Situation in den Kitas ist wenig befriedigend (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Die aktuelle Situation in vielen Kindertageseinrichtungen ist besorgniserregend. Das zeigen die Ergebnisse einer Befragung durch den Paritätischen Gesamtverband, die nun im aktuellen Paritätischen Kita-Bericht veröffentlicht wurden. «Besonders alarmierend ist, dass sich die Situation in vielen Kindertageseinrichtungen in den vergangenen zwei Jahren deutlich verschlechtert hat. Die bisherigen Bemühungen von Bund und Ländern, die Qualität in Kitas zu sichern, konnten diese Entwicklung nicht aufhalten», so heißt es darin.

Den Kindertagesstätten in Deutschland macht anhaltender Personalmangel zu schaffen, der Studie zufolge fehlen im Schnitt mehr als zwei Fachkräfte pro Einrichtung. Das entspreche aktuell 125.000 fehlenden Fachkräften im gesamten Bereich der Kindertagesbetreuung. Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) hatte unlängst von 50.000 bis 90.000 fehlenden Fachkräften in Deutschlands Kitas bis 2030 gesprochen.

Juliane Meinhold, die Leiterin für soziale Arbeit beim Gesamtverband, sieht in dem Fachkräftemangel ein «ein doppeltes Problem». «Personalmangel führt zu zusätzlichen Überstunden und einer zunehmenden Überlastung der vorhandenen Mitarbeiter*innen. Damit drohen weitere Personalausfälle», warnte sie. Die Kinder hätten das Nachsehen, weil Aktivitäten und Förderung eingeschränkt werden.

Mit dem Kita-Bericht liegen erstmals Erkenntnisse zu der Umsetzung von Inklusion in Kindertageseinrichtungen vor. «Kinder mit Behinderung sind die besonders Leidtragenden in dieser Situation“, betont Meinhold. «Fehlende personelle Ausstattung und lange Verfahren verhindern, dass Kinder rechtzeitig die notwendige Unterstützung erhalten. Viele Fachkräfte und Eltern fühlen sich alleine gelassen».

Mit dem sogenannten Gute-Kita-Gesetz habe der Bund ab dem Jahr 2019 die Hoffnung geweckt, dass sich die Situation in Kindertageseinrichtungen flächendeckend verbessern könnte, stellte der Verband fest. Der Kita-Bericht zeige aber, dass sich zwischen 2021 und 2023 die Rahmenbedingungen in den meisten Kitas verschlechtert hätten, insbesondere weil sich der Fachkräftemangel als große Belastung erweise.

Der Paritätische Gesamtverband forderte, mehr Fachkräfte durch bessere Rahmenbedingungen in der Ausbildung zu gewinnen. So sollte grundsätzlich kein Schulgeld mehr gezahlt werden müssen, die Anrechnung von Auszubildenden auf den Personalschlüssel müsse aufhören. Gleichzeitig sei zusätzliches Personal in inklusiv arbeitenden Kindertageseinrichtungen und in Einrichtungen mit einem hohen Anteil von Kindern, die von Benachteiligung bedroht sind, notwendig.

Die Kita-Förderung ist aktuell auch Gegenstand eines Ringens zwischen Paus und Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP). Auf Basis des Kita-Qualitätsverbesserungsgesetzes (Gute-Kita-Gesetz) hatten die Länder sich zur Einhaltung bestimmter Standards verpflichtet. Die finanzielle Beteiligung des Bundes endet jedoch Ende dieses Jahres. Eine Fortsetzung ist bisher nicht vorgesehen. Im Rahmen des Kita-Qualitätsgesetzes hatte der Bund die Länder 2023 und 2024 mit rund vier Milliarden Euro unterstützt. Paus und die Bundesländer pochen bei Lindner auf hohe Fördersummen für Deutschlands Kitas auch ab dem kommenden Jahr. News4teachers / mit Material der dpa

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Gelbe Tulpe
21 Tage zuvor

Die Entwicklung wird die Löhne der Arbeitnehmer erhöhen und so die Demokratie stabilisieren.

DerechteNorden
21 Tage zuvor

Die Schwarze Null als Ziel? Da müssen Kinder eben zurückstehen. Wir sollten alle etwas mehr Verständnis mit Herrn Lindner haben.//

Lisa
21 Tage zuvor

„Besonders alarmierend ist, dass sich die Situation in vielen Kindertageseinrichtungen in den vergangenen zwei Jahren deutlich verschlechtert hat. Die bisherigen Bemühungen von Bund und Ländern, die Qualität in Kitas zu sichern, konnten diese Entwicklung nicht aufhalten»
Das ist wieder so eine Information, die in sich wenig Substanz hat. Was genau ist in den letzten zwei Jahren geschehen? Haben Fachkräfte wegen Long COVID ihren Beruf aufgeben müssen?
Denn die Fachkräfte, die 2019 noch da waren, sind doch nicht 2021 geschlossen in Rente? Oder war es genauso?
Wenn das so war, war das vorhersehbar. Das bedeutete, dass der Bund, um junge Leute anzuwerben, das Schulgeld hätte übernehmen müsste. Stattdessen wird jetzt gerade die Förderung gestrichen? Vermutlich weil eine Verlängerung des Gesetzes es nicht auf die Agenda geschafft hat?
So viele Fragen.

TaMu
21 Tage zuvor

Die Kinder U3 haben nicht nur das Nachsehen, weil Förderung und Aktivitäten eingeschränkt werden, wenn Kitas unterbesetzt sind.
Förderung und besondere Aktivitäten sind nachrangig hinter Bindungsverhalten, emotionaler Sicherheit und der stabilen Gewährleistung von zeitnah gewechselten Windeln, damit die empfindliche Haut nicht wund wird, Ruhe und Schlaf sowie Hilfe und genügend Zeit beim Essen, damit die Kinder ein gutes Verhältnis zur gesunden Ernährung aufbauen können.
Bereits das Fehlen einer festen Bezugsperson wegen Personalmangel und Schichtbetrieb schadet den Kleinsten in ihrem Bindungsverhalten. Das ist durch Forschung bewiesen, wird aber zugunsten von immer längeren Betreuungszeiten notgedrungen über Bord geworfen.
Man müsste Eltern, die bereit sind, auf den Rechtsanspruch auf „Frühkindliche Förderung“ in Form von Betreuung in hohem Stundenumfang, zu verzichten, deutliche finanzielle Ausgleiche schaffen. Die eigentliche Frühkindliche Förderung könnte für diese Kinder auch an drei Tagen pro Woche in kleinen Gruppen stattfinden. Frühkindliche Förderung ist eben etwas ganz anderes als Betreuung. Das müsste auseinander gehalten werden!
Wie mich diese Vermengung von echter frühkindlicher Förderung U3 mit langen Betreuungszeiten ärgert. Das hat nun dazu geführt, dass niemandem mehr geholfen ist.
Bei dermaßen gestiegenen Betreuungszeiten fehlen selbstverständlich die Betreuungskräfte. Man kann nicht einfach mit bestehendem und noch gar nicht existierendem Personal aus Kindergärten mit VÖ von 8 Uhr bis 14.30 eine Vollzeit-Kita machen. Man kann schon gar nicht im U3 Bereich zu solchen Arbeitszeiten genügend dauerhaft anwesende Bezugspersonen bereitstellen.
Gleichzeitig planen Eltern bereits im Glauben an Betreuung ab dem ersten Geburtstag ihre Familien. Und Arbeitgeber rechnen nach einem Jahr mit der Rückkehr der jeweiligen Eltern an den Arbeitsplatz. Zudem hat man 2021 Gesetze so verändert, dass kein Unterhalt für kinderbetreuende Elternteile bei Trennung mehr bezahlt werden muss. Beim Kind zu bleiben ist für viele Familien nach dem ersten Lebensjahr finanziell nicht möglich.
Und so muss das schwächste Glied, dem man die Bürde des Rechtsanspruchs auf Frühkindliche Förderung auferlegt hat, in überfüllte Einrichtungen gehen, in denen es viel Glück hat, wenn es wenigstens rasch die volle Windel gewechselt bekommt und nicht erst beim allgemeinen „Windelappell“. (Meinen Tageskindern habe ich immer sofort die Windeln gewechselt und ich meine damit nicht nur Pipi. Es kamen bei 5 Kindern U3 bei einer Kernzeit von 5,5 Stunden insgesamt zwischen 10 und 14 Windeln zusammen. Häufig war nach der Anreise bereits etwas in der von zu Hause aus frischen Windel, dann nochmal gegen 10 Uhr und dann gab es immer frische Windeln vor dem Abholen, was auch durch das Mittagessen wieder notwendig war). Ich weiß, dass in vielen Einrichtungen kaum Zeit für extra Windelwechsel bleibt.
Dazu kommen Lärm und fehlende Ruhemöglichkeiten außerhalb des vorgesehenen Mittagsschlafes.
Kinder gewöhnen sich an viele Zustände und sind sehr resilient. Sie lernen kognitiv, dass das, was sie erleben, normal ist. Sie können auch in Schuhen laufen, die zwei Nummern zu klein sind. Sie passen sich auch an wesentlich größeres Elend an. Die Frage ist nur, ob man das weiter unterstützen sollte.
Der Rechtsanspruch ist so nicht einlösbar. Die Umsetzung entwickelt sich mehr und mehr gegen das Wohl der Kinder. Ich musste für meine Betreuung einen Plan zur Wahrung des Kindswohl ausarbeiten, der beim Jugendamt eingereicht werden musste. Zeitgleich war ich schwer erkrankt und musste die Kinderbetreuung aufgeben. Es hat mich tatsächlich entlastet, nicht mehr Teil dieses Systems sein zu müssen, obwohl oder gerade weil ich meine Arbeit, die Kinder und ihre Familien sehr geliebt habe.
Ich wünschte mir ein Zurückfahren auf den Stand vor 2013 und echte, abgesicherte Wahlmöglichkeiten für Eltern, ab wann sie wieder arbeiten gehen wollen. Der in meinen Augen für Berufstätigkeit der Eltern wirtschaftlich missbrauchte Rechtsanspruch des Kindes müsste ergänzt werden durch einen Rechtsanspruch auf Betreuung durch die Eltern bis zum dritten Geburtstag mit finanziellen und steuerlichen Paketen und Gesetzen, wobei auch in dieser Zeit frühkindliche Förderung in zeitlich kleinem Rahmen in einer Einrichtung ermöglicht werden müsste.

Urgestein
20 Tage zuvor
Antwortet  TaMu

Solange den Eltern das Zweitauto, der Zweiturlaub und 180qm Haus statt 100qm wichtiger sind als ihre Kinder, wird sich nichts ändern. Eltern sind heute leider eher konsumorientiert als verantwortlich für ihren Nachwuchs. Der Staat, also wir alle, ist nicht verantwortlich für diesen Konsumrausch von Eltern!!!!!!

Lisa
20 Tage zuvor
Antwortet  Urgestein

Meine Schülereltern waren das nie, von denen sie schreiben. Zumindest nicht hier in Deutschland.
Eher: Mietwohnung, ein Auto, im Sommer vielleicht Besuch der Familie, die im Ausland wohnt.

TaMu
20 Tage zuvor
Antwortet  Urgestein

Ich stimme Ihnen bedingt zu. Letztendlich, wenn Eltern ihr einjähriges Kind dann tatsächlich in eine Betreuung geben, sind sie in den allermeisten Fällen sehr verunsichert und voller Sorge um das Wohlergehen ihres Kindes. Das steht dann in meiner Erfahrung und in der meiner Kolleginnen absolut im Vordergrund. Da wird sogar laut darüber nachgedacht, den Wiedereinstieg zu verschieben oder wesentlich langsamer damit anzufangen, als zunächst geplant, weil das Kind eindeutig zeigt, dass es eben nicht ganz so einfach einzugewöhnen ist wie erhofft. In allen Fällen, in denen das notwendig war, haben Eltern es zugunsten ihrer Kinder an ihren Arbeitsstellen arrangiert. Nach der Eingewöhnung tendierten viele Eltern dann aber zu weniger Rücksicht, was ich vor allem bei Kolleginnen miterlebt habe.
Was ich oft gehört habe und wo ich den Rechtsanspruch und damit die Politik in der Verantwortung sehe ist, dass Eltern gerade wegen des Rechtsanspruchs ihre Kinder und ihr in vielen Fällen wohlsituiertes Leben so geplant haben, dass die Betreuung ein absolut notwendiger und selbstverständlicher Bestandteil ist.
Mängel am Betreuungsplatz, Ausfälle, Krankheit des eigenen Kindes und verringerte Öffnungszeiten werden von den Eltern als Gefährdung ihrer Lebensplanung wahrgenommen. Es gibt Eltern, die mit dem Hausbau vor der Geburt ihres Kindes begonnen haben, die mit zwei guten Einkommen ihre Kredite berechnet haben, die mit dem fast einjährigen Kind zusammen Richtfest feiern… und dann klappt die Betreuung nicht.
Auch wenn wir alle wissen, dass zur selben Zeit anderswo Kinder verhungern, ist es dennoch für diese „reichen“ Eltern eine schwer erträgliche und handhabbare Situation.
Ich glaube, dass die meisten Kinderwilligen mittlerweile aber mitbekommen haben, dass sie einen Plan B brauchen, falls die Kinderbetreuung nicht funktioniert. Ich habe schon junge Menschen sagen gehört, dass sie aus diesem Grund erstmal keinen Nachwuchs bekommen wollen.
Da der Rechtsanspruch besteht, kann man es niemandem verdenken, dass er sich entsprechend darauf verlassen hat, ob aus Not oder aus Wohlstand heraus.
Wegen der mangelnden Einlösbarkeit sollte man politisch aber dringend noch einmal über eine realistische Umsetzung nachdenken und eben auch wieder über eine echte Wahlmöglichkeit.

Se Länd
12 Tage zuvor
Antwortet  Urgestein

Wie viel Prozent der angesprochenen Eltern leben denn schätzungsweise in einem 180 qm großen Haus mit Zweitauto und machen einen Zweiturlaub? Anscheinend lebe ich irgendwie in einem Paralleluniversum.

potschemutschka
20 Tage zuvor
Antwortet  TaMu

Eine enge Bindung der Kinder an die Kita-Erzieher? Ganz schlecht! – nicht meine Meinung, im Gegenteil. Ich finde es wichtig und gut, wenn die Kita-Kinder eine feste Erzieherin/Erzieher haben. So kenne ich es aus meiner eigenen Kindergarten-Zeit, von meinen eigenen Kindern und auch noch von meinen Enkeln. Aber bei der „Evaluation“ der zweisprachigen Kita in meinem link, wurde u. a. auch das bemängelt.
https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2024/05/brandenburg-burg-witaj-hort-lipa-diskussion-evaluation-paedagogik-wolf.html
Dadurch gewinnt man sicher mehr gutes, motiviertes und engagiertes Personal (Ironie)

Realistin
21 Tage zuvor

Konsequenter aufwerten. Es darf nicht sein, dass die Leute im homeoffice Benzingeld und Steuern sparen und sogar Bonusse abkassieren, während Kita Personal weite Strecken im Stau steht und das Nachsehen hat.
Schon die mauen Verhandlungen im ÖD mit ca. 4% sind im Vergleich zu 12% woanders schwach.

So kommt dann auch keiner mehr nach! Job 2. Klasse?

Realist
21 Tage zuvor
Antwortet  Realistin

Holzklasse mittlerweile…

Chris
21 Tage zuvor

In welchem Umfang sind die Löhne seit 2019 in dem Bereich der Kinderbetreuung angestiegen, um ausreichend Fachkräfte zu gewinnen? 50% Lohn zusätzlich? Wahrscheinlich nicht.
So lange die IG Metall in jedem Jahr bessere Lohnabschlüsse einfährt als die GEW ist es kein Wunder das Fachkräfte fehlen. Kumuliert man die Lohnabschlüsse auf, müßte die GEW besagte 50% fordern, allein um die Abschlüsse der IG Metall aus den letzten 40 Jahren wieder einzuholen, dem Zinses-Zins-Effekt sei dank.

Madame Butterfly
21 Tage zuvor
Antwortet  Chris

Stimme völlig zu. Ob Lehramt oder Kita. Diese Erhöhungen sind lächerlich bei den Arbeitsbedingungen.
Ab Oktober 24 zwischen 4 und 5 %, das nennt sich Reallohnverlust.
Während der Ostseeurlaub 20% tuer wird und die Currywurst da 16 % mehr kostet.

Gen Z., ich bin doch nicht blöd

potschemutschka
18 Tage zuvor

Den Stellenwert der Kinder in DE erkennt man ganz einfach an diesen 2 Fakten:

  • Mehrwertsteuer auf Babynahrung 19% , auf Tiernahrung 7%
  • Mitgliederzahl Kinderschutzbund 50.000, Tierschutzbund 800.000
potschemutschka
13 Tage zuvor