DÜSSELDORF. Schule, das wurde nun auf dem Deutschen Schulleitungskongress (einmal mehr) deutlich, steht vor einer Vielzahl von Herausforderungen: sinkende Schülerleistungen, Frustration unter Schülern und in den Kollegien, wachsende Unsicherheiten in Politik und Gesellschaft, die auch für wachsende Ansprüche an Schule sorgen. Was tun? Bei einer Vielzahl von Vorträgen der insgesamt mehr als 100 Referentinnen und Referenten wurde deutlich: Es braucht einen ganzheitlichen Ansatz – ein Verständnis von Schule als lebendiger Organisation, in der Kooperation im Mittelpunkt steht. Nur so gelingen Daueraufgaben wie Digitalisierung und Demokratieerziehung nachhaltig.

„Es herrscht ein Gefühl, dass die Welt ein kleines bisschen am Arsch ist und das ist – zur Hälfte – berechtigt.“ Die Komplexität der Welt habe zugenommen, „alles ist irgendwie größer und schneller als vor 20 Jahren“. Und: „Wir haben eine junge Generation, die so negativ in die Zukunft blickt wie keine vor ihr. Die einsam ist – einsamer als Erwachsene –, die psychisch belastet ist.“ Die Analyse der Psychologin, Demokratie-Aktivistin und Geschäfsführerin der gemeinnützigen aula Gmbh Marina Weisband zum Auftakt des Deutschen Schulleitungskongresses (DSLK) fiel zunächst düster aus.
Und es stimmt ja auch: Schule steht gehörig unter Druck. Sinkende Leistungen, überlastete Kollegien, eine gesellschaftliche Stimmung zwischen Unsicherheit und Überforderung, die auf die Schulen einwirkt – die Herausforderungen sind tiefgreifend. Und doch war die Stimmung beim DSLK unter den rund 3.000 Teilnehmenden und mehr als 100 Referent*innen alles andere als niedergeschlagen.
Deutlich wurde in vielen Vorträgen und Workshops: Gemeinsam lassen sich Lösungen finden. Es braucht einen ganzheitlichen Ansatz: Schule muss sich als lernende Organisation verstehen, als lebendiger Ort, an dem junge Menschen (wie die Mitglieder des Kollegiums) Verantwortung übernehmen und Selbstwirksamkeit erfahren. Das verbindet Themen wie Demokratiebildung, Digitalisierung und nachhaltige Schulentwicklung – und genau das leben die fünf Schulen vor, die mit dem diesjährigen DSLK-Schulpreis ausgezeichnet wurden (siehe Info-Kasten unten).
Zurück zu Weisbands eindrücklicher Diagnose: Angesichts permanenter Krisenrhetorik entstehe ein gefährlicher Resonanzraum. Mit Blick auf die Kinder und Jugendlichen stellte sie fest: „Wenn alle Erwachsenen um sie herum ständig von Krise reden, dann ist das keine stabile Umgebung zum Aufwachsen. Und dann gibt es Leute, die eine Geschichte erzählen, die alles viel leichter macht: Die da oben sind schuld. Und das ist der Einstieg in den Extremismus.“
Was tun? Weisband sieht die Lösung nicht in Demokratiebildung als klassischer Institutionenkunde („Wichtig, aber nicht hinreichend“), sondern in echter Verantwortungsübernahme: „Was ich meine, ist tiefgreifender: nämlich Sozialisation in eine demokratische Rolle hinein.“ Das funktioniere nur über praktische Erfahrung: „Verantwortung kann nur lernen, wer Verantwortung trägt. Es gibt keine Trockenschwimmübung. Was hilft, sind Selbstwirksamkeitserfahrungen – wieder und wieder und wieder.“
Weisband illustrierte das nachvollziehbar: Schultoiletten seien „für Schülerinnen und Schüler in vielen Schulen der letzte gestaltbare Raum – und deshalb sehen sie so aus, wie sie aussehen: wenigstens kaputt.“
Ziel müsse sein, aus Konsument:innen Gestalter:innen zu machen. Sie berichtete: „Ich gehe seit zehn Jahren mit aula in Schulen – und dort, wo junge Leute in die Verantwortung genommen werden, entstehen ganz erstaunliche Dinge: Es werden Bäume gepflanzt und Festivals gestaltet. Sie geben sich Regeln fürs Kaugummi-Kauen und für die Smartphone-Nutzung, die genauso streng sein können, als das, was ihnen Erwachsene auferlegen würden. Aber es sind ihre Regeln“ – und würden deshalb akzeptiert. Außenstehende seien dann stets überrascht, „wie verantwortungsvoll Schülerinnen und Schüler sein können“.
Die Vorteile einer echten Mitbestimmung lägen auf der Hand: „bessere Compliance, weniger Gewalt und Vandalismus, stärkerer sozialer Zusammenhalt, eine bessere psychische Gesundheit.“ Das häufig gebrachte Argument, man habe doch eine Schülermitwirkung, überzeuge nicht: „Dabei ist ja nur jeder 30. Schüler aktiv. Wir sagen ja auch nicht: Du musst keine Brüche lernen, dein Klassenkamerad hat schon Brüche gelernt. Wir nehmen nicht alle mit.“ Das gelte übrigens auch für Lehrkräfte – was Folgen habe: „Wer selbst keine Selbstwirksamkeit erfährt, kann auch keine vermitteln.“
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Über 100 Speaker*innen, mehr als 3.000 Teilnehmende: Der Deutsche Schulleitungskongress (DSLK) ist die zentrale Plattform für Schulleitungen, um die Zukunft der Bildung aktiv zu gestalten und dabei nachhaltige Impulse für eine gerechte und zukunftsfähige Gesellschaft zu setzen. Jetzt schon fürs nächste Jahr buchen!

Mit einem breiten Spektrum an innovativen Formaten – von praxisnahen Workshops über inspirierende Keynotes bis hin zu interaktiven Diskussionsforen – unterstützt der DSLK Schulleitungen dabei, ihre Rolle erfolgreich weiterzuentwickeln. Er findet vom 12.-14. November 2026 in Düsseldorf statt. Unter den Speaker*innen: Soziologie-Professorin Jutta Allmendinger, Wetter- und Klimaexpertin Claudia Kleinert und die Fußball-Nationaltorhüterin Almuth Schult.
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Dass die Unsicherheiten hierzulande in den nächsten Jahren noch deutlich größer werden, machte Thomas Kiefer, für den Bereich Bildung zuständiges Vorstandsmitglied des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), deutlich. Er beschrieb eine Welt, deren Tempo und technische Dynamik heutigen Kindern und Jugendlichen viel abverlangen wird. „Was die nächsten Jahre, gar Jahrzehnte bringen werden, können wir nicht voraussehen.“ Klar sei aber bereits jetzt, dass Deutschland „eine Innovationslücke gegenüber den USA, gegenüber China“ aufzuholen habe und (so oder so) „ein Fünftel der Industriekapazitäten wegbrechen“ werde. Es gehe also nicht um kleine Korrekturen, sondern um tiefgreifende Strukturveränderungen – und um die Frage, ob der Standort Deutschland in einer digitalisierten, von KI geprägten Welt seinen Wohlstand sichern könne.
„KI wirkt wie ein Brennglas – sie ist der Impuls, Schule neu zu denken“
Die Antwort darauf: „Schule ist die Wegbereiterin.“ Sie entscheide darüber, ob junge Menschen später Innovationen entwickeln – oder solchen nur hinterherlaufen. Sie müsse Schülerinnen und Schüler darauf vorbereiten, in komplexen Systemen zu agieren, statt nur fertige Lösungen zu reproduzieren. Junge Menschen müssten lernen, vernetzt zu denken, Probleme zu lösen und Verantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen. Das seien Fähigkeiten, die sie in einer Welt voller technologischer und gesellschaftlicher Umbrüche brauchen werden – und die zugleich das Fundament für eine zukunftsfähige Industrie bilden.
Eine Mitgliederbefragung des VDI zeigt, welche Kompetenzen aus Sicht der Ingenieurinnen und Ingenieure in Zukunft zählen werden. Auf der fachlichen Seite stehen KI-Kompetenzen, der souveräne Umgang mit Big Data und Datenanalyse sowie Cybersicherheit im Zentrum – also Fähigkeiten, die unmittelbar mit den Schlüsseltechnologien der kommenden Jahrzehnte verknüpft sind. Auf der überfachlichen Ebene rücken Problemlösungsfähigkeit, systemisches Denken und Projektmanagement in den Vordergrund. Gefragt sind Menschen, die Zusammenhänge erkennen, in Teams über Fächergrenzen hinweg arbeiten und komplexe Vorhaben strukturiert zum Ziel bringen können. Für Schulen bedeutet das: nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern Lernumgebungen zu schaffen, in denen genau diese Haltungen und Kompetenzen eingeübt werden.
Wie schwer sich das deutsche Schulsystem mit Veränderungen tut, lässt sich allerdings an der Digitalisierung exemplarisch ablesen. Zwei Schritte vor – einer zurück. So lasse sich die Entwicklung beschreiben, erklärte die Paderborner Bildungsforscherin Prof. Birgit Eikelmann. Sie muss es wissen: Eikelmann leitet den deutschen Teil der internationalen Vergleichsstudie ICILS, bei der Schülerkompetenzen im Umgang mit IT getestet wurden (mit einem für Deutschland niederschmetternden Ergebnis – News4teachers berichtete).
Deutschlands Schulleitungen seien im internationalen Vergleich besonders zurückhaltend, wenn es darum gehe, digitale Medien als Lernchance zu sehen – nur 27,8 Prozent stimmten der Aussage zu, dass digitale Technologien das Potenzial hätten, das Lernen zu verbessern. Ein Wert, der weit unter jenen der meisten Vergleichsländer liegt. Nach der Pandemie, die in deutschen Schulen vielerorts einen „Digitalisierungsschub“ ausgelöst hatte, hätten sich „die Hälfte der Schulleitungen … wieder zurückgezogen“.
Eikelmanns Warnung: „Als Add-on wird die Digitalisierung nicht gelingen.“ Sie funktioniere nicht als zusätzlicher Baustein, der einfach nur oben draufgesetzt werde – sondern müsse Teil eines grundlegenden Wandels auch der Lernprozesse sein. Mit Blick auf die Lehrpläne fragte Eickelmann: „Müssen wir nicht etwas weglassen?“ Ohne auszusortieren, könne das „next level“ kaum erreicht werden. Dass dabei auch der finanzielle Rahmen stimmen muss, um für genügend Personal und Ausstattung zu sorgen, sei ohnehin Grundvoraussetzung (allerdings scheitere Deutschland mit seinen unterdurchschnittlichen Bildungsausgaben schon daran).
„Das ist ein Learning, und zu dem gehört: Demokratie ist anstrengend, Beteiligung ist anstrengend“
Und schon kommt der nächste Booster: Künstliche Intelligenz (KI). „KI wirkt wie ein Brennglas – sie ist der Impuls, Schule neu zu denken“, sagte Norman Graf, stellvertretender Schulleiter der Hoffmann-von-Fallersleben-Realschule Wolfsburg (die als digitale Vorzeigeschule gilt). Graf betonte die Führungsdimension der Transformation: „Schulleitung muss als KI-Leader vorangehen.“
Digitalisierung sei kein Zusatz, sondern eine strukturelle Entlastung – gerade auch für Leitungen. Sie ermögliche effektive Verwaltung und mehr Gestaltung („klingt platt, ist aber so“). KI werde damit zu einer zentralen Zukunftsaufgabe der Schulentwicklung. Es gehe, so Graf, um nichts Geringeres, „als KI-Kompetenzen in allen Schulfächern zu verankern“. An seiner Schule geschehe das systematisch: durch regelmäßige interne Micro-Fortbildungen, in denen Kolleginnen und Kollegen Erfahrungen teilen, Werkzeuge testen und neue Unterrichtsideen entwickeln.
All dies funktioniere jedoch nur unter einer Voraussetzung: „KI verlangt eine klare Haltung – Wir müssen Schule als lernende Organisation verstehen.“
Selbst bei gutem Willen: Das ist in der Praxis mitunter nicht so leicht. Nach dem Vortrag von Marina Weisband meldete sich eine Schulleiterin zu Wort: Demokratieerziehung stehe in ihrer Schule, einer privaten Ersatzschule in NRW, oben an. „Wir arbeiten schon genau so – und stoßen dabei an Grenzen. Die Schülerinnen und Schüler werden beteiligungsmüde. Es herrscht ein großer Wunsch nach Konsum: Sie möchten wissen, was sie tun sollen.“

Weisband antwortete: „Wir machen diese Erfahrungen auch bei aula. Erst ist das Engagement sehr groß, dann – nach einem halben Jahr – kommt ein Tief, macht scheinbar keiner mehr mit. Danach aber geht es wieder hoch auf eine gesunde Arbeitsebene. Es erreicht nicht mehr den ersten Hype. Das macht aber auch nichts. Es müssen nicht immer alle beteiligt sein – der Punkt ist: Es können alle beteiligt sein, wenn sie sich beteiligen wollen. Das ist ein Learning, und zu dem gehört: Demokratie ist anstrengend, Beteiligung ist anstrengend.“
Und doch: Die Mühe lohnt sich. Andrej Priboschek / News4teachers
Ein ganzheitlicher Ansatz in der Bildung? Funktioniert in der Praxis. Fünf Schulen aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen wurden dafür nun mit dem DSLK-Schulpreis „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet. Der Preis würdigt Einrichtungen, die Nachhaltigkeit nicht als Einzelprojekt, sondern als Ziel von Schulentwicklung verstehen – und dabei aktiv Verantwortung an Schülerinnen und Schüler übertragen. Die ausgezeichneten Schulen zeigen, wie BNE im Alltag wirkt, wenn Schulen sich konsequent öffnen, Beteiligung ermöglichen und Lernen als gemeinsames Gestalten begreifen.

Grundschule am Dichterviertel, Mülheim an der Ruhr (NRW)
Die Schule hat BNE in ihre DNA eingeschrieben: Schulgarten, grünes Klassenzimmer und ein lebendiges Kinderparlament bilden die Grundlage für demokratische Mitgestaltung. Internationale Kooperationen – etwa mit Schulen in Athen – erweitern den Horizont der Kinder über das Lokale hinaus. Das Kollegium arbeitet klar profilorientiert und schafft Lernorte, in denen Verantwortung und Nachhaltigkeit selbstverständlich sind. Die Jury lobte besonders die gelebte demokratische Kultur und das sichtbar engagierte Team.
Johannes-Falk-Haus, Hiddenhausen (NRW)
Die Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung beweist, wie eng Inklusion, Nachhaltigkeit und demokratische Teilhabe zusammengedacht werden können. Vom bewussten Umgang mit Energie und Wasser über Mülltrennung und einen vielfältigen Schulgarten bis hin zu Bienenhaltung und Upcycling-Projekten: BNE ist hier Alltag. Die Schülerinnen und Schüler erfahren unmittelbar, wie eigenes Handeln Wirkung entfaltet. Jede Stimme zählt – ein Ansatz, den die Jury besonders hervorhob.
FGZ Sonnenstraße, Düsseldorf (NRW)
Die Schule sieht Vielfalt und Mehrsprachigkeit als Stärke. Mit dem „FreiDay“ schafft sie systematische Lernräume, in denen Kinder Verantwortung übernehmen und sich intensiv mit Zukunftsfragen auseinandersetzen können. Eine offene und verlässliche Schulleitung sowie klare pädagogische Leitlinien fördern ein Klima, in dem sich Kinder fachlich wie persönlich weiterentwickeln. Die Jury lobte das starke Miteinander und die konsequent wertschätzende Haltung im Kollegium.
Realschule am Kattenberge, Buchholz (Niedersachsen)
Die Schule überzeugt mit ihrem Projekt „Grünes Lesen“, das Leseförderung, Umweltbildung und Kreativität innovativ verbindet. Hochbeete, Saatgutbibliothek, Outdoor-Bücherei, Bewässerungssysteme, Podcasts und eine eigene Pflanzendatenbank machen Lernen zu einem aktiven, gemeinschaftlichen Prozess. Kooperationen mit NABU, lokalen Betrieben und sozialen Einrichtungen stärken den sogenannten Whole-School- und Whole-Institution-Ansatz. Aus einem Projekt ist ein Schulprofil geworden.
Berufsbildende Schulen am Museumsdorf Cloppenburg (Niedersachsen)
Die Schule lebt seit 2008 das Profil „Umweltschule in Europa“ und hat BNE tief verankert. Projekte wie die „Woche der Nachhaltigkeit“, der MakerSpace, die Schülerfirma „Die BlätterRetter“ oder die Zusatzqualifikation im Nachhaltigkeitsmanagement greifen nahtlos ineinander. Besonders beeindruckte die Jury, wie eigenverantwortlich die Schülerinnen und Schüler agieren, Lösungen entwickeln und ihre Lernprozesse gestalten. Ein Beispiel dafür, wie BNE gerade im berufsbildenden Bereich strukturell wirken kann.









“Junge Menschen müssten lernen, vernetzt zu denken, Probleme zu lösen und Verantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen.”
Das beschreibt ziemlich genau die Eigenschaften derjenigen Schülerinnen und Schüler, die bereits jetzt Spitzenleistungen erbringen. Selbstverständlich kann man das – entsprechende Ressourcen vorausgesetzt – fördern. Ob man allerdings alle Schülerinnen und Schüler auf dieses Level wird bringen können – oder auch nur einen Großteil – wird sich erst zeigen müssen und darf mit einem deutlichen Fragezeichen versehen werden: Es wäre selbstverständlich schön, wenn die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler ein dafür hinreichend hohes Maß an Metakognition aufwiese – nur realistisch ist das vermutlich nicht.
Die Toiletten sehen aus wie sie aussehen, weil ein (ziemlich kleiner) Teil der Schüler wenigstens dort ‘gestalten’ kann? Warum reichen dann den anderen 95% die Klassenräume, die Flure, der Schulhof? Zerstörung als Ausdruck nicht erlebter Selbstwirksamkeit? Warum kommen dann so viele dieser 5% aus Familien, die diese Bezeichnung nicht verdienen? Sie haben nicht nur keine Selbstwirksamkeit, sie haben vor allem keine Anerkennung, keine Erfolge, die Erfahrung, in einer jeder-gegen-jeden-Gesellschaft zu leben.
Jeder 30. ist in der SV aktiv, grob gerechnet jeder 100. Erwachsene ist Mitglied einer Partei. Ist es so unnormal, dass viele das Engagement einer kleinen Gruppe überlassen? Demokratie ist anstrengend, wir wollen, dass sich alle freiwillig anstrengen? Klingt sehr nach ‘intrinsischer Motivation’, die wir auch in der restlichen Schule seit Jahrzehnten meist vergeblich versuchen zu wecken. Du fühlst dich gut, wenn du dich für die Gemeinschaft einsetzt, auch wenn es kleine Schritte sind, versprochen? Klingt so richtig motivierend, da springen sofort alle problematischen Schüler auf.
Noch eine Frage: Und was ist mit ‘Bildung’, mit Humboldt und allen danach? Vergraben unter Zukunftsaufgabe KI, gedüngt mit systemischem Denken und Problemlösungskompetenzen? Die Welt wird sich verändern und den Schülern immer mehr abverlangen… Also den Hochbegabten, den Hyperaktiven, den Förderschülern und Migrantenkindern gleichermaßen? Was soll Schule vermitteln, dass sich alle den ‘heutigen Anforderungen’ anpassen müssen oder dass Gesellschaft etwas ist, in dem alle ihren Platz finden sollen? Wer passt sich an wen an? Einfach mal ein paar Kanten akzeptieren und nicht nur stromlinienförmige perfekt angepasste ‘Mitglieder der Gesellschaft’ produzieren wollen? Es könnte auch der Selbstwirksamkeit dienen, wenn nicht jeder Gedanke einem hoffnungslosen Kampf gewidmet werden muss, wenn das eigene ‘Nicht-Können’ nicht sofort den Wert einer Person definiert.
Selbstgegebene Regeln haben bessere Compliance, schön. Ist das echte Compliance aus Einsicht oder wird nur die ‘vernünftige’ Mehrheit zu Wächtern per Peer-Pressure gemacht? Die Rebellen jetzt nicht nur ‘von oben’ sondern auch von ihren Mitschülern ausgesondert?
Schöne neue Welt, Umweltzerstörung, Wirtschaftskrise, Kriege und Hunger werden zu Krisenrhetorik, wenn die Schulen nur für Demokratieerziehung sorgen und alle Frustrierten und Verzweifelten werden zu problemlösenden Aktivisten.
Das kann man versuchen, aber bitte ohne diesen permanenten ‘dann wird alles besser’-Unterton, das sind Ideen und Ansätze, sicherlich nicht die eine Lösung.
Förderschule Johannes-Falk-Haus? Wenn doch Förderschulen so bäh sind?
Übrigens, am Eingang meiner Schule hängen auch diverse Schilder, wir haben verschiedene Preise gewonnen …
Eine Schule in der Nachbarschaft hat es vor ein paar Jahren auf Platz 3 bei “Schule des Jahres” geschafft. Die Anmeldezahlen sind aber unterirdisch.
…
Nichts für ungut, aber wir brauchen keine vermeintlichen Vorzeigeschulen, sondern eine allgemeine Aufwertung von Bildung!
Es ist absolut kontraproduktiv immer irgendwelche Schulen als besonders gut herauszustellen, weil genau das gar nichts ändert. Die Botschaft, die vermittelt wird, lautet “Die Schulen selbst müssen doch einfach nur machen.” Das bedeutet allerdings gleichzeitig, dass es eben nicht Aufgabe von Politik ist, etwas zu tun.
In meinem Bundesland wird gekürzt wie blöd. Die Stadt, in der ich arbeite ist so pleite, dass sämtlich Schuletats um 20% gekürzt wurden. …
Und hier schreiben Eltern im Forum, wie toll Wutöschingen usw. ist. Die denken nach Ihren Artikeln, dass das ganz einfach überall so möglich wäre …
Eltern beschuldigen Schulen, weil sie zu untätig sind, nicht die Schulpolitik. Das erleben wir indirekt immer wieder in den Schulkonferenzen. Und dabei haben wir ein eher wohlgesonnene Elternschaft.
Das Problem mit dem Selbstwirksamkeitsansatz ist, dass die jungen Menschen in Gießen gerade auch Selbstwirksamkeitserfahrungen gemacht haben (zu haben glauben) und dazu noch ganz praktische Ratschläge von ihrem Vorsitzenden bekommen.
Der Zusammenhang wird von Frau Weisband ja erklärt: “Und dann gibt es Leute, die eine Geschichte erzählen, die alles viel leichter macht: Die da oben sind schuld. Und das ist der Einstieg in den Extremismus.“
Hass und Gewalt (die sich in politischem Extremismus ja ausdrücken) erweckt, immerhin, den Anschein von Selbstwirksamkeit. Um dazu noch ein Zitat von Frau Weisband zu ergänzen: “Ich kontrolliere die Form deines Gesichts mit meiner Faust.”
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Also ist der Begriff der Selbstwirksamkeit einer, der konkret mit konstruktivem (sprich wirksamem) Inhalt gefüllt werden will und nicht für sich allein stehen kann. Dass Frau Weisband dazu mitunter bessere Ideen im Sinn hat als ein Vorsitzender der Generation Deutschland (, dessen Namen ich mir eigentlich gar nicht unbedingt merken müssen will,) ist für mich unzweifelhaft. Ich würde halt nur nicht den Begriff „selbstwirksam“ voranstellen, sondern nach „wirksam“ fragen, und dabei komme ich mitunter zu anderen Einschätzungen als Frau Weisband.
Sehr geehrte Gesellschaft Deutschlands,
als 25 jähriger Beamter im Schuldienst gehöre ich zu der Altersgruppe, die sich im Berufsleben (seit 35 Jahren “am Stü k”) jeden Morgen gegen 5.30 Uhr “aus dem Bett bewegt”, um mittlerweile nicht dem Glanz und der Dankbarkeit, Frust, Langeweile, Freude, Spass, Aggressivität und Motivation in den Augen der früher noch als “Schülerinnen und Schüler” bezeichneten Lernenden zu “begegnen” sondern um festzustellen, dass das Socken anziehen immer “komplizierter” wird, die Knie im Anfangsstadium von Rheuma “pulsieren”, die nächste Darmspiegelung zu termiNieren ist..und das Blutdruckmessgerät neue Batterien benötigt.
Zur Sache: Solange das Beamtensystem IN SCHULE darauf basiert, dass “Aufstieg” und “berufliche und inhaltliche (didaktische und methodische) Veränderung” ausschliesslich über Abhängigkeiten, Wohlwollen persönlicher Art, punktueller und nicht nachhaltiger Vorgesetztenbefriedigung zu ERREICHEN ist, wird KEINE VERÄNDERUNG PASSIEREN.
Es arbeiten mittlerweile 20 verschiedene Lohn-/Gehaltsgruppen in Schulen, jedoch ist unser Bildungsauftrag am EINZELNEN LERNENDEN derselbe.
Finde den Fehler, die Motivation und unsere Zukunft als Gesellschaft.
T.K.
Angesichts des letzten IQB-Bildungstrends mutet die “Selbstwirksamkeit” etwas seltsam an, eher wie eines von mehreren Luxusproblemen. Mich wundert auch immer, dass Demokratiebildung und Digitalisierung in einem Atemzug genannt werden, so als seien sie ursächlich miteinander verbunden. China zeigt uns aber, dass beides unabhängig voneinander ist und dass Digitalisierung die Menschen auch durch Überwachung entmündigen kann.
Und dann fällt auf, dass von den o.g. Personen mit Schule kaum etwas zu tun haben, besonders die drei genannten Hauptvortragenden beim Kongress 2026. Ich vermisse die Stimme von praktizierenden Lehrern, die immer das herzaubern sollen, was die Theoretiker (Psychologen, Soziologen, Thomas Kiefer ist offenbar Dipl.-Inf.) sich so fürs Wolkenkuckucksheim ausdenken. Dort gibt es ja die Probleme nicht, unter denen die Schulen leiden, und dort kann man gut die Selbstwirksamkeit predigen sowie KI als “Booster” anbieten.
Kurz zusammengefasst:
Schule soll die Demokratie retten und den Wirtschaftsstandort Deutschland gleich mit.
Was ist eigentlich die Aufgabe der anderen gesellschaftlichen Akteure, außer Forderungen zu stellen?
Demokratie und Beteiligung sind besonders anstrengend, wenn man keine greifbare Wirksamkeit erzielt.
Die Illustration mit den Schmetterlingskindern ist wirklich reizend, sie brachte mich zum Lächeln.
Mussten Sie dabei etwa auch an den “Schmetterlingseffekt” denken? 🙂
https://www.ardalpha.de/wissen/geschichte/historische-persoenlichkeiten/edward-lorenz-meteorologe-schmetterlingseffekt-chaostheorie-chaosforschung-100.html
Zitat aus dem link – Hervorhebung von mir:
“Die Chaosforschung ist ein Teilgebiet der Physik und Mathematik und befasst sich mit der Ordnung in dynamischen Systemen. Als dynamisches System versteht man das mathematische Modell eines Prozesses, dessen Verlauf ganz entscheidend vom Anfangszustand abhängt und den man nicht langfristig vorhersehen kann.“