KÜHBACH. Als Kinder kommen sie ins System Schule, als Volljährige verlassen sie es wieder – doch auf das Erwachsensein selbst bereitet Schülerinnen und Schüler kaum jemand vor. Während Kirchen mit Firmung, Konfirmation und Jugendweihe (zu) frühzeitig Rituale setzen und der Staat auf diese verweist, schieben beide die Verantwortung für echte Initiation weiter. Zurück bleibt eine pädagogische Leerstelle. Unser Gastautor Peter Maier war Gymnasiallehrer. Er wirkt heute als Jugend-Initiations-Mentor und hat Bücher zum Thema geschrieben.

Initiation von Schülerinnen und Schülern – Ping-Pong-Spiel zwischen Kirchen und Staat
Als Kinder kommen die Schüler ans Gymnasium, als Volljährige verlassen sie es wieder. Das gleiche trifft auch für Realschüler zu, wenn sie anschließend auf FOS oder BOS wechseln. Während dieser Zeit haben die Schüler* zwei Lebens-Übergänge zu bewältigen: den vom Kind zum Jugendlichen und den vom Jugendlichen zum Erwachsenen. Der erste dieser Übergänge geschieht ganz von selbst: Mit Beginn der Geschlechtsreife geraten die Kinder in den alles verändernden Prozess der Pubertät, der sie neben starker körperlicher Veränderungen bisweilen in bisher unbekannte chaotische Gefühlslagen werfen kann. Alle Lehrkräfte, die mit Mittelstufenklassen zu tun haben und die Schüler in dieser Zeit begleiten, aushalten und konstruktiv mit ihnen umgehen müssen, wissen, wie schwierig dies sein kann.
Erwachsenwerden – wie geht das?
Der zweite Übergang geht nicht von selbst. Zwar werden die Schüler mit ihrem 18. Geburtstag volljährig und damit rechtlich gesehen zu Erwachsenen, in den meisten Fällen bedeutet dies jedoch nicht, dass sie dann auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Charakterbildung schon zu selbstverantwortlichen Erwachsenen geworden sind. Mit dieser Thematik werden eine Reihe von Fragen aufgeworfen, die sich viele Eltern und Verantwortliche in Erziehung und Bildung oft gar nicht stellen, die aber entscheidend sind, um die Situation von jungen Leuten zu verstehen:
- Was ist der Unterschied zwischen volljährig sein und erwachsen sein?
- Was bedeutet in unserer heutigen modernen Gesellschaft überhaupt das Erwachsensein?
- Welche Kriterien kann man anlegen, um überhaupt zu erkennen, ob jemand erwachsen geworden ist?
- Wie, auf welche Weise, durch welche Situationen, mit welchen Zeremonien oder (Initiations)Ritualen kann man heute jungen Leuten dabei helfen, ins vollständige Erwachsensein zu gelangen?
- Wohin wollen wir als Eltern, Lehrer und Bildungsverantwortliche unsere jungen Leute initiieren?
- Wer kann die jungen Leute dabei begleiten, diesen so wichtigen Prozess des Erwachsenwerdens zu bewältigen? Wer also soll und kann die Rolle von Mentoren und Coaches bei diesem Übergang ins Erwachsensein übernehmen?
Nun könnte man einwenden, dass doch die Schulen diesen ganzen Prozess begleiten und die Schüler zu den bekannten Bildungsabschlüssen in der Realschule oder dem Abitur am Gymnasium oder an FOS und BOS führen. Noch immer gilt das Abitur als „der“ Ritterschlag, das Abiturzeugnis als „das“ Reifezeugnis für den Eintritt als Erwachsener in unsere Bildungsgesellschaft. Aber sind unsere Abiturienten tatsächlich schon erwachsen, nur weil sie diesen Abschluss haben, wenn sie doch noch kein eigenes Geld verdienen, sondern finanziell von den Eltern oder über das Bafög von „Vater Staat“ abhängig sind? Ich glaube eher Nein! Zudem fehlen in unserer heutigen Gesellschaft geeignete Initiations-Rituale, die den Jugendlichen den Übergang ins Erwachsensein erleichtern könnten….
Kirchliche Rituale und Jugendweihe
Die katholische und evangelische Kirche in Deutschland bieten mit Firmung und Konfirmation zwei Zeremonien an, die von ihnen selbst als „Initiationsrituale ins Erwachsensein“ bezeichnet werden. Diese Formulierung mag vielleicht bezüglich des Glaubensinhaltes selbst, den die Kirchen dabei vermitteln wollen, zutreffen. Für eine echte Initiationswirkung in ein eigenes Leben kommen diese kirchlichen Rituale im Alter von nur 14 Jahren jedoch viel zu früh und sind zudem viel zu sehr und zu einseitig auf das „System Kirche“ bezogen.
Dennoch haben Firmung und Konfirmation durchaus Sinn, weil sie von der Familie und in der Kirchengemeinde noch verstanden werden: „Was, das Kind ist schon 14 Jahre alt geworden? War da nicht vor kurzem erst die Taufe oder (im katholischen Fall) die Erstkommunion?“ Firmung und Konfirmation sind somit in Wahrheit „Pubertäts-Bestätigungs-Rituale“, aber eben keine Initiationsrituale ins Erwachsensein. Als Pubertäts-Anzeige-Rituale haben sie durchaus ihre Berechtigung, weil sie – im dazu passenden Alter veranstaltet – das Ende der Kindheit und den Beginn der Geschlechtsreife (Jugendzeit) markieren können.
Als echte Initiationsrituale, die in der Adoleszenzphase und beim Übergang zur Volljährigkeit mit 16, 17 oder 18 Jahren erfolgen und eine wirkliche Mutprobe und echte Herausforderung an die Jugendlichen darstellen, kommen Firmung und Konfirmation viel zu früh. An der Schwelle zur Volljährigkeit haben die Kirchen dann nichts mehr anzubieten, da sie ja ihr Pulver schon vorher mit den genannten Ritualen verschossen haben.
Ähnliche Überlegungen kann man für die in ostdeutschen Ländern noch immer praktizierte Zeremonie der „Jugendweihe“ anstellen. Während der DDR-Zeit galt es als wichtiges Ritual zur Vorbereitung für die sozialistische Gesellschaft und war diesbezüglich von dem autoritären DDR-Regime ideologisch aufgeladen. Das Ritual wurde ebenfalls meist im Alter von 14 Jahren durchgeführt wie die kirchlichen Rituale Firmung und Konfirmation.
Heute wird die Jugendweihe meist von privaten Elterninitiativen oder von der örtlichen Gemeinde organisiert. Der ursprüngliche Inhalt der DDR-Jugendweihe ist – Gott sei Dank – weggefallen. Dafür werden jetzt allgemeingültige Werte für das Zusammenlebens in einer freien demokratischen Gesellschaft betont, in die die Jugendlichen hinein initiiert werden sollen. Für die Jugendweihe gelten damit ähnliche Überlegungen wie für Firmung und Konfirmation: Es ist, wenn überhaupt, ein Pubertäts-Bestätigungs-Ritual, aber sicher kein Initiations-Ritual ins Erwachsensein.
Ping-Pong-Spiel Kirche – Staat
Es bleibt für mich unverständlich, dass die staatlichen Schulen das Thema „Initiation“ komplett vermeiden und bezüglich geeigneter Initiations-Rituale für die Schüler überhaupt keine Angebote machen. Bei Anfragen an die Lehrplan-Macher wird gerne auf die beiden großen Kirchen verwiesen, die doch bereits Firmung oder Konfirmation veranstalten; oder an private Elterninitiativen in Ostdeutschland, die das Ritual der „Jugendweihe“ organisieren (s.o.). Die Kirchen wiederum können mit Recht argumentieren, dass die staatlichen Schulen doch Zugang zu allen Jugendlichen haben, um als Hinführung zur Volljährigkeit und zum Erwachsenwerden entsprechende Rituale im schulischen Kontext anzubieten; und um den jungen Leute diesen so wichtigen Übergang zu erleichtern und sie auf die Erfordernisse unserer Bildungsgesellschaft besser vorzubereiten. Hier erkenne ich ein unverantwortliches Ping-Pong-Spiel zwischen den Kirchen und den staatlichen Kultusbehörden in der Vermeidung der Thematik „Initiation“.
Dabei hätten es die Kultusministerien der Länder doch selbst in der Hand, schon in den Lehrplänen Angebote auch bezüglich geeigneter Initiationsritualen zu machen. Große Fehlanzeige! Hier klafft eine wirkliche entwicklungs-psychologische Lücke bei unseren Jugendlichen, die diesbezüglich von Gesellschaft und Schule sich selbst überlassen werden. Die staatlichen Schulen lassen eine große Chance ungenutzt und verschieben die so wichtige Bildungsaufgabe der „Initation“ ins Private. Dies erscheint für mich unverantwortlich. Meiner Erfahrung nach müsste der Initiations-Gedanke viel mehr in die Lehrerausbildung einfließen und dabei einen zentralen Stellenwert bekommen. Es ist unverständlich, unsere Jugendlichen durch das Bildungssystem zu schleusen, ohne die Thematik „Persönlichkeitsentwicklung – Erwachsenwerden – Initiation – Initiationsrituale“ in den Mittelpunkt der Pädagogik zu stellen.
Fast alle Schüler sind volljährig und damit zumindest rechtlich gesehen erwachsen, wenn sie ihr (Fach)Abitur machen und danach „ins Leben“ entlassen werden. Es kann nicht sein, dass man die Heranwachsenden zwar fachlich im Abitur examiniert, sie aber nicht auf das Erwachsensein selbst vorbereitet. Der „Initiationsprozess“ müsste eine eigene Disziplin sein, zumindest jedoch ausführlich und explizit in einigen Fächern des Bildungskanons thematisiert werden. Denn nur so können die Schulen die Jugendlichen aufs Erwachsenwerden und aufs wirkliche Leben besser vorbereiten.
In der zweiten Folge des Gastbeitrags beschreibt Peter Maier das von ihm entwickelte Konzept des WalkAway. Hier geht es hin.
Weitere Infos: www.initiation-erwachsenwerden.de
Archaische, tribalistische, religiös konnotierte “Initiationsriten” in Schulen?
Nein danke, da wiedersetzt sich in mir der Geist der Aufklärung.
Tja, 1)man müsste verstehen, was ein Initiationsritus ist.2) was passiert dabei/ was ist die beabsichtigte Wirkung/ Sinn?
3) welche Aktionen/Herausforderungen erfüllen die Bedingungen von Initiation?
Wenn man nach Alt Ägypten oder Griechenland schaut, führten deren Riten in einen todesähnlichen Zustand mit Nahtod-Erfahrung und anschließendem erweitertem Bewusstsein für Denken & Erkennen von Lebensaufgaben!
Wer von heutigen „Experten“?????! darf sich da heranwagen????!!!!
… zumal dies mit gesellschaftlichen Rollen-Zuweisungen einherginge.
Etwas, dass man ja seit einigen Jahrzehnten recht erfolgreich abgeschafft hat.
Was, wenn man sich den Riten verweigert
oder bei der “wirklichen Mutprobe und echten Herausforderung” versagt?
was finden wir über Peter Maier?
“seinen eigenen, lebenslangen spirituellen Weg”
Aus der Zeit gefallener esoterischer Hokuspokus.
Nein Danke!!
Es gibt doch meist eine Entlassungsfeier am Ende der Schulzeit, das könnte genügen. Das ökonomische Erwachsensein beginnt mit der finanziellen Selbständigkeit. Da sind dann manche nach Studium, Praktika und prekären Jobs schon über 30.
Was sagt dieser zum Erwachsenwerden?
Meines Wissens verstunden sich die Länder der Aufklärung auch ohne Initiationsriten zum Erwachsensein darauf, sich an Schwächeren auszulassen, Frauen zu verachten und (Welt-)kriege vom Zaun zu brechen…
Vielleicht macht so eine Initiierung da gar keinen so großen, vielleicht (hoffentlich) eher einen persönlichen 😉
“sich an Schwächeren auszulassen, Frauen zu verachten und (Welt-)kriege vom Zaun zu brechen…”
Dann nennen Sie einmal eine Gesellschaft mit (archaischen) Initiationsriten wo es “besser” ist oder war, aber bitte nicht mit naiver Karl-May-Romantik um die Ecke kommen… seltsamerweise versucht fast die gesamte Welt nach Europa zu migrieren, ein Kontinent, dessen Werte Sie scheinbar so verachten…
Na, dann schauen Sie sich einmal die steigenden Auswanderungszahlen während des leider andauernden europäischen Rechtsruckes an…
Viele Initiationsriten waren entwürdigend und arteten in Quälereien aus, das wurde noch von der Äquatortaufe auf der Gorch Fock berichtet..
Die schlimmsten und brutalsten Initiationsriten gab es bei manchen Naturvölkern. Simone de Beauvoir schrieb dazu was in ihrem Buch “Das andere Geschlecht”.
“bei manchen” leistet hier ganz schön viel Beinarbeit…
Wenn man “bei manchen” weglassen würde, dann würde man gescholten, man würde pauschalisieren. “Bei allen” kann man ja auch nicht behaupten, das wird nicht stimmen.
Ach Sie missverstanden meinen Hinweis auf Ihren Rassismus.
Ich halte Sie für rassistisch, dass Sie undifferenziert “Naturvölker” in einen Topf werfen, als würden die obkektiv die “schlimmsten und brutalsten” ausmachen.
Das Sie die Namen dieser Völker kennen, wäre aber auch viel verlangt – und am Ende stünden andere Kulturen nicht so schlecht da, wie Sie dies andeuten? 😉
Ich wollte ja darauf hinaus, dass ich da keinen großen Unterschied erwarte.
Wenn Sie wissen wollen, wie es um den Geist der Aufklärung steht, lesen Sie das “Programm” der gesichert Rechtsextremen Alternative zu Demokratie, Menschenwürde und Rechtstaat 😉
Entwicklung vollzieht sich kontinuierlich (sie haben doch sicher mal etwas von ‘Entwicklungspsychologie’ gehört?), da führen wir jetzt Rituale als Teil der Schullaufbahn ein? In vielen Stammesgesellschaften vollzieht sich diese Initiation deutlich vor dem 18.Geburtstag, für Mädchen oft noch früher, das brauchen wir, mit jahrgangsbezogenem Lehrplan? Die Mutprobe war es früher oft, zum ersten Mal alleine zu leben, mit Aufgaben und Verantwortung umzugehen. Das ist privat, das ist eine ganz persönliche Entwicklung, das soll jetzt durch eine oberflächliche schulische ‘Initiation’ noch mehr ausgehöhlt werden? Die absurde Überhöhung des Abiturs reicht noch nicht?
Das Wort Entwicklungspsychologie ist ziemlich übertrieben, die hier behauptete große Leerstelle hat mit dem persönlichen Entwicklungsprozess wenig zu tun, eher mit Esoterik oder, freundlicher formuliert, verallgemeinerter eigener Sicht von Spiritualität.
Übrigens, vieles was nicht im Lehrplan steht, findet in der Schule trotzdem statt, nur nicht in ritualisierter Form.
Initiationsriten durch den Staat sind eine despotische Übergriffigkeit. Sie müssen der Privatgesellschaft überlassen bleiben, um die Macht des Staates zu begrenzen.
Es gibt doch aber verschiedene Übergangsriten ins Erwachsenenalter. Es gab sie doch immer schon: Kommunion, Konfirmation, Jugendweihe…… Was haben die anderen Religionen und Weltanschauungen?
“Zudem fehlen in unserer heutigen Gesellschaft geeignete Initiations-Rituale, die den Jugendlichen den Übergang ins Erwachsensein erleichtern könnten….”
Mir fallen keine Rituale ein, die es früher in Deutschland/ Europa gegeben haben soll.
Die kirchlichen und (soweit ich weiß) die Jugendweihe sind meiner Meinung nach mehr Aufnahmerituale in die Gruppe, aber sprach danach die Betroffenen davon, “jetzt” Männer oder Frauen zu sein?
Aber wer weiß. Vielleicht ist da historisch der Mangel an Initiationsriten ins Erwachsensein eine Antriebsfeder gewesen, bei jedem beknackten Krieg jubelnd zu den Waffen zu greifen, zu saufen und grottenschlechte “Männlichkeits”-Bildern hinterherzulaufen? :/
Die Initiation ist die erste Bundes- Landtags- oder Kommunalwahl, bei der achtzehnjährige junge Menschen zum ersten Mal wählen gehen dürfen. Die andere ist der Führerschein, mit dem alleine Autogefahren werden darf. Schon das Wissen, vom Alter her dazu grundsätzlich berechtigt zu sein, wirkt in dieser Form. Auch ein Schulabschluss mit Feier gehört dazu.
Eine wirkliche Reife ist bei vielen Menschen noch Jahrzehnte danach nicht in Sicht. Diese entsteht nicht durch eine Initiation, ebenso wenig wie die Fähigkeit, weise Entscheidungen zu treffen. Deshalb wüsste ich nicht, was eine entsprechende staatliche Veranstaltung hier bewirken sollte ausser einem enormen Aufwand.
Das Leben ist eine ständige Entwicklung, die auch im Erwachsenenalter anhält. Entwicklungsbereite Menschen werden immer wieder durch gut bewältigte Herausforderungen persönlich über sich hinauswachsen, andere nicht. Initiation geschieht meiner Ansicht nach in unserer Sozialisation nicht durch ein öffentliches Ritual, nach dem sich tatsächlich Dinge ändern, die jungen Menschen beispielsweise per se als heiratsfähig gesehen und entsprechend anders behandelt werden.
Die Firmung ist eine freiwillige Feier, bei der sich 14/15- jährige Katholiken bewusst für ihren Glauben an Gott und Jesus entscheiden, nachdem sie die Erstkommunion im Alter von 9 Jahren noch aus dem kindlichen Gemüt heraus erlebt hatten. Die Firmung ist normalerweise eine kleine, intime kirchliche Feier ohne großen materiellen Aufwand.
Bei einer staatlichen Initiation würde ich mich fragen, was an diesem Tag öffentlich gelobt werden sollte und in welcher Haltung. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Festakt mit Nationalhymne und einer Ansprache über demokratische Werte stattfinden würde, was sehr feierlich und berührend wäre.
Dieser Vorschlag würde allerdings aus einem politischen Lager abseits meiner Vorstellungen begrüßt werden und eine Vereinnahmung würde ich nicht wollen.
Ich bin also dafür, weiterhin von einem selbstverständlichen Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen Grundsicherung im Stillen bei den meisten meiner Mitbürgerinnen und Mitbürger ausgehen zu dürfen, auch ohne einen Festakt erlebt zu haben und dabei zu wissen, dass diejenigen, die sich diesem Bekenntnis nicht anschließen, den Festakt größtenteils mitgetragen und hinterher auf ihre Weise gefeiert hätten.
Mit Erwachsenwerden hat das nichts zu tun. Erwachsen wird man Stück für Stück in der persönlichen Erfahrung und am besten unterstützt durch liebe Freundinnen und Freunde sowie gegebenenfalls durch Fachpersonal. Die Schule trägt auch ohne spezielle Fächer als Teil der Sozialisation und Kultur ihren Teil bei.
https://www.swr.de/swrkultur/wissen/reife-wann-sind-wir-wirklich-erwachsen-108.html
Die einen sagen so, die anderen so. Und manche Menschen werden nie richtig erwachsen – das kann manchmal gut sein, manchmal auch nicht. 🙂
Erst habe ich gedacht, „ach, das auch noch…“, aber nach längerem Nachdenken, konnte ich dem Artikel doch schon mehr abgewinnen.
Damals (meine Schulzeit), sind wir aber Klasse 11 (Oberstufe) gesiezt worden…..war ein komisches Gefühl nach den Sommerferien in die Schule zu kommen und plötzlich anders angesprochen zu werden. Es war seltsam, warf irgendwie Fragen auf und diese kleine „Ritual“ ließ mich erwachsen fühlen. Zudem machten (fast) alle irgendwann in der Oberstufe den Führerschein…., es gab Kurstreffen, wir durften mit 16 Rauchen und Bier Trinken…..das alles führte schon irgendwie zum Erwachsenfühlen……wir konnten vor Schulende Verträge schließen, uns selber in der Uni einschreiben…..
In Zeiten von G 8 sind viele Nichtvolljährige aus der Schule entlassen worden, konnte keine Verträge schließen, waren auf Mamataxi angewiesen,….insgesamt viele Möglichkeiten weniger…..
Wenn jetzt in NRW alle wieder G9 sind, sehe ich da eher weniger Probleme….aber die Frage bleibt, welche Initiationsrituale die Schule leisten soll?
“Als Kinder kommen sie ins System Schule, als Volljährige verlassen sie es wieder – doch auf das Erwachsensein selbst bereitet Schülerinnen und Schüler kaum jemand vor.”
Ich bin jetzt über 50 und habe immer noch nicht verstanden, welche Kriterien dieses “Erwachsensein” nun aufweist, abgesehen von zunehmenden körperlichen Gebrechen und immer weniger Verständnis für “die Jugend”.
“Während Kirchen mit Firmung, Konfirmation und Jugendweihe (zu) frühzeitig Rituale setzen und der Staat auf diese verweist, schieben beide die Verantwortung für echte Initiation weiter.”
Echte Initiation – wie mag diese wohl aussehen? Ich kann mir keine Art der “Initiationsfeier” vorstellen, die alle Betroffenen akzeptieren würden. Ein Bad in Kunstblut, begleitet von archaischen Grunzlauten (alternativ Fußballgegröhle)? Eine Urkunde wird überreicht, auf der steht “Du bist nun erwachsen, darfst wählen, unbegrenzt trinken, alleine Autofahren”. Ernsthaft?
Wer Ironie findet…
“Erwachsen werden heißt, aufhören, den Eltern die Schuld zu geben.”
(Maya Angelou)
“Reife ist, wenn sich deine Welt öffnet und du erkennst, dass du nicht der Mittelpunkt bist.” (M. J. Croan)
Weltweit werden diese “Übergangszeremonien” schon vor dem 18. Geburtstag begangen.
https://www.globalcitizen.org/de/content/13-amazing-coming-of-age-traditions-from-around-th/
Werden unsere Jugendlichen heute später reif? Warum? Um das zu vestehen, muss man wohl das Buch des Gastautors lesen:
https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1018691398?msockid=005806f230736e23297a17b6311e6fb0
🙂
“Es bleibt für mich unverständlich, dass die staatlichen Schulen das Thema „Initiation“ komplett vermeiden und bezüglich geeigneter Initiations-Rituale für die Schüler überhaupt keine Angebote machen. “
Na, weil die staatlichen Schulen keine Antworten auf ihre ” Erwachsenwerden – wie geht das? ” Fragen geben. Weil auch insgesamt keine Antwort darauf gegeben wird. Selbst für den Unterhalt sorgen und bei Mutti ausziehen vielleicht?
Die Konfirmation findet deshalb mit 14 Jahren statt, weil früher in diesem Alter die Schule endete und das Erwerbsleben- also das Erwachsensein – begann. Und zwar zu Ostern, weshalb die Konfirmation als damals echter Initiationsritus in der vorösterlichen Fastenzeit stattfand. Die jungen Menschen wurden damit vollwertige Mitglieder der christlichen Gemeinde mit allen damit verbundenden Rechten und Pflichten. Und kurz danach begann die Lehre bzw. Tätigkeit in der Landwirtschaft, als Haus- oder Kindermädchen. Das Erwachsenwerden im wirtschaftlichen Sinne hat sich heute allerdings nach hinten verschoben. Ich bin aber der Meinung, dass solche Riten in der Schule nichts zu suchen haben. Das muss Privatsache sein.