Home Themenmonate Berufsorientierung & Berufliche Bildung Fehlender MINT-Nachwuchs – und was Schulen dagegen unternehmen können

Fehlender MINT-Nachwuchs – und was Schulen dagegen unternehmen können

22
Anzeige

DÜSSELDORF. Deutschland kämpft weiterhin mit einem erheblichen Fachkräftemangel in den MINT-Bereichen – also in Berufen, für die Wissen in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik grundlegend ist. Die Ursachen dieses Mangels liegen nicht allein im demografischen Wandel. Forschungsergebnisse legen nahe, dass viele junge Menschen ihr Interesse an MINT-Fächern früh verlieren – lange bevor sie eine konkrete Berufsentscheidung treffen. Damit rückt die schulische Berufsorientierung stärker in den Fokus.

Das Interesse an MINT-Fächern sinkt im Laufe der Schulzeit. Symbolfoto: Shutterstock

Vergangenes Jahr belief sich nach Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) die Arbeitskräftelücke in MINT-Berufen unter Berücksichtigung von Qualifikationsanforderungen auf rund 164.000 Personen. Besonders ausgeprägt war der Mangel in den MINT-Facharbeiterberufen, auf die mit 89.600 fehlenden Arbeitskräften der größte Engpass entfiel.

Wie früh sich die späteren Personalengpässe im MINT-Bereich abzeichnen, verdeutlicht beispielsweise die SINUS-Jugendstudie „MINT-Motivation“ der Deutschen Telekom Stiftung. Demnach bringen viele Kinder zunächst Neugier für naturwissenschaftlich-technische Themen mit, verlieren diese Begeisterung im Laufe ihrer Schulzeit jedoch zunehmend. Besonders auffällig dabei ist, dass gute schulische Leistungen nicht automatisch mit dem Interesse einhergehen, auch in diesem Bereich zu arbeiten.

Anzeige

Interesse vorhanden, aber nicht von Dauer

Ein Grund laut den Autorinnen der Studie: Viele Jugendliche können schulische MINT-Inhalte kaum mit konkreten Tätigkeiten oder Berufen verbinden. Es fehle unter anderem an Praxisbezug. Der Unterricht müsse daher so weiterentwickelt werden, „dass Kinder und Jugendliche MINT in größeren Zusammenhängen entdecken und lernen können“, heißt es im Fazit. Konkret fordern die Autorinnen, „fächerübergreifendes und projektbasiertes Arbeiten“ als durchgehendes Prinzip. Dies soll den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, mit ihrem MINT-Wissen Lösungen für reale Herausforderungen zu entwickeln. Die Studie macht damit ein zentrales Problem sichtbar: Zwischen schulischem Lernen und beruflicher Perspektive klafft oft eine Lücke – mit direkten Folgen für die berufliche Bildung und den Fachkräftenachwuchs.

Zukunft erkunden: TouchTomorrow-Explore

MINT in größeren Zusammenhängen entdecken: Das können Schülerinnen und Schüler mit einer virtuellen Entdeckungsreise in die Zukunft – die neue App „TouchTomorrow-Explore“ begeistert für MINT-Themen.

Die gemeinnützige Dr. Hans Riegel-Stiftung hat ihr Bildungsangebot um eine digitale Komponente erweitert: Die neue App „TouchTomorrow-Explore“ ermöglicht es Jugendlichen ab sofort, einen virtuellen Themenpark zu Zukunftstechnologien zu erkunden – kostenlos und ortsunabhängig. Das Besondere daran: Mit 3D-Modellen, kurzen Info-Videos und interaktiven Quizfragen können Schülerinnen und Schüler spielerisch in die Zukunftsthemen Mobilität und Robotik eintauchen. So lässt sich etwa erfahren, wie ein Hyperloop funktioniert, was fliegende Autos auszeichnet und worin die Vor- und Nachteile von Wasserstoff- gegenüber Elektroantrieben liegen. 

Weitere Infos und kostenloser App-Download: www.touchtomorrow-explore.de

Hinzu kommt, dass vor allem zu wenige junge Frauen, sich für einen Job im MINT-Bereich entscheiden. Einer Auswertung des IW aus dem vergangenen Jahr zufolge sind nur 16,4 Prozent aller Beschäftigten in diesem Bereich weiblich. „Der Fachkräftemangel im MINT-Bereich wird künftig ein großes Problem. Daher sollten Frauen für die Ausbildung in technischen Berufen stärker begeistert und mehr gefördert werden. Und das möglichst früh – also schon in der Grundschule, denn Mädchen unterschätzen ihre eigenen Fähigkeiten in den MINT-Fächern“, kommentierte IW-Expertin Christina Anger die Ergebnisse. Zudem sei mehr Berufsorientierung nötig. „MINT-Berufe sind im Kern Klimaschutzberufe. Ein Thema, für das sich gerade Mädchen und junge Frauen besonders interessieren.“

MINT zum Anfassen: Ideen für die Praxis

Vor diesem Hintergrund rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie MINT-Berufsorientierung in der Schule konkret ausgestaltet sein muss, um mehr Jugendliche – und insbesondere Mädchen – zu erreichen. Mögliche Antworten darauf bieten praxisnahe Leitfäden aus den Ländern, wie die Broschüre „MI(N)Tmachen erwünscht!“ aus Rheinland-Pfalz.

Passend zu den erwähnten Forderungen betont die Publikation, wie wichtig Praxisnähe und Alltagsbezug sind. MINT-Projekte seien besonders wirksam, wenn Schüler*innen aktiv handelnd lernen, also etwa selbst experimentieren, konstruieren oder programmieren könnten. Denn „praktische Erfahrungen sind für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene enorm wichtig, um die eigenen Fähigkeiten und Potenziale ausloten zu können“. Dabei sollten lebensnahe Fragestellungen im Fokus stehen. Die Handreichung empfiehlt dafür unter anderem Kooperationen mit außerschulischen Partnern, wie Betrieben, Hochschulen, Handwerkskammern oder Schülerlaboren, um authentische Einblicke in MINT-Berufe zu ermöglichen.

Empfehlung: kontinuierlicher Prozess statt Einzelmaßnahme

Erfolgreiche Projekte zeichneten sich demnach zudem durch klare Ziele, altersgerechte Anforderungen und eine sinnvolle Einbettung in den Unterricht aus. MINT-Angebote sollten nicht isoliert laufen, sondern an schulische Lerninhalte und an die Berufsorientierung angebunden sein. Grundsätzlich sollten Schulen die MINT-Förderung nicht als Einzelmaßnahme verstehen, sondern als kontinuierlichen Prozess, der sich über mehrere Schuljahre erstreckt.

In diesem Zusammenhang nennt die Publikation auch den frühen Einstieg als Erfolgskriterium, am besten schon in der Kita. „Kinder sind neugierig. Sie wollen begreifen, was um sie herum passiert, sie wollen wissen, wie Dinge entstehen oder warum sie sich verändern. Wer diese Neugierde aufgreift, kann früh das Technikinteresse bei Mädchen und Jungen wecken“, heißt es in der Broschüre. In der frühkindlichen MINT-Bildung gehe es vor allem um das spielerische Entdecken und Erforschen von Alltagsphänomenen wie Tag und Nacht oder das Wachstum von Pflanzen.

Entsprechend sollten laut der Handreichung auch Grundschulen MINT-Angebote fest im Schulalltag verankern, um Kinder für den Themenbereich zu interessieren oder schon bestehendes Interesse aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus seien gerade Grundschüler*innen häufig noch nicht so stark von Stereotypen beeinflusst wie Jugendliche, sodass sich auch Mädchen einfacher für technisch-handwerkliche oder mathematische Projekte begeistern ließen. Entscheidend sei, dass alle Kinder ermutigt würden, technische Aufgaben selbst auszuprobieren und Verantwortung zu übernehmen.

Mit Vorbildern MINT-Berufe greifbar machen

Besonderes Gewicht legt die Broschüre auf die Begegnung mit Vorbildern. „Sie sind Botschafterinnen und Botschafter ihres Fachgebiets und können authentische und spannende Werkstatteinblicke in ihren Ausbildungs-, Studien- oder Berufsalltag gewähren.“ Dabei gehe es nicht um Hochglanzbiografien, sondern um realistische Geschichten – etwa von Mechatronikerinnen, IT-Systemelektronikern oder Technikerinnen in Ausbildungsberufen. Solche Vorbilder könnten laut Broschüre dazu beitragen, eingefahrene Rollenbilder aufzubrechen und neue Identifikationsmöglichkeiten zu schaffen. Dafür sei es wichtig, weibliche Rollenvorbilder in jede MINT-Maßnahme einzubeziehen, um deutlich zu machen, dass ein MINT-Beruf auch hervorragende Perspektiven für Frauen bietet.

Mädchen konkret mitnehmen, statt nur mitmeinen

Damit MINT-Projekte auch mehr Mädchen für entsprechende Ausbildungs- und Berufswege interessieren, kommt es dem Leitfaden zufolge aber nicht nur auf Inhalte, sondern auch auf die Art der Umsetzung an. Gendersensible Projektarbeit bedeute, dass Lehrkräfte eigene Erwartungen und Routinen kritisch hinterfragen.

Fotos und Illustrationen zur Veranschaulichung sollten Mädchen und Jungen beispielsweise gleichermaßen in aktiven, technischen Rollen zeigen – etwa beim Löten, Programmieren oder Experimentieren. Und: „Gerade im Bereich der männlich konnotierten MINT-Berufsfelder ist es [..] besonders wichtig, Frauen und Männer sprachlich sichtbar zu machen“, damit sich auch Frauen angesprochen fühlten, erklärt die Broschüre. Zudem sollten Lehrkräfte alle Schülerinnen und Schüler ermutigen, verschiedene Rollen auszuprobieren und Verantwortung für technische Kernaufgaben zu übernehmen. Nur, wenn Mädchen positive Erfahrungen mit MINT-Themen machten, sich kompetent erlebten und konkrete berufliche Perspektiven kennenlernten, könnten die Chancen steigen, dass auch sie MINT-Berufe langfristig als realistische Option für sich in Betracht ziehen. News4teachers

Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats „Berufsorientierung und Berufliche Bildung“.

Wie Berufsorientierung an Schulen gelingen kann – trotz Überforderung, Informationsflut und knapper Ressourcen

Anzeige
Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei

22 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
Katze
1 Monat zuvor

„Forschungsergebnisse legen nahe, dass viele junge Menschen ihr Interesse an MINT‑Fächern früh verlieren – lange bevor sie eine konkrete Berufsentscheidung treffen.“
Natürlich verlieren sie es früh. Chemie, Physik und Biologie verlangen Anstrengung, Struktur und echtes Denken – genau das, was im heutigen Schulbetrieb möglichst vermieden wird. Lernen soll bequem sein, ohne Widerstand, ohne Anspruch. Sobald es fordernd wird, gilt es als „nicht mehr zeitgemäß“.
Die IQB‑Standards und die immer weiter abgespeckten Lehrpläne haben den roten Faden zuverlässig zerstört:
Chemie ohne Reaktionsprinzipien.
Physik ohne mathematische Tiefe.
Biologie, die möglichst ohne Biochemie auskommen soll – damit es ja nicht zu anspruchsvoll wird.
Und dann der unvermeidliche Reformzauber:
„Fächerübergreifendes und projektbasiertes Arbeiten“ als durchgehendes Prinzip.“
Diese Floskel ersetzt seit Jahren jede echte Fachlichkeit. In der Praxis bedeutet sie: Projekte, die groß wirken, aber kaum Inhalt transportieren. Materialien, die bis in Prüfungen hinein so weichgekocht sind, dass besonders die begabten und intrinsisch motivierten Schüler regelrecht Krämpfe bekommen, wenn sie wieder in einem „Projekt“ landen, das mehr pädagogische Verpackung als naturwissenschaftlichen Kern bietet.
Kein Wunder, dass MINT‑Interesse früh verschwindet – wenn man vorher alles entfernt hat, was MINT überhaupt erst attraktiv macht.

vhh
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Wenn wir zusammen eine Schule aufmachen, die NW-Fächer mit dem fachlichen Anspruch von vor zwanzig Jahren anbietet, haben wir zwar kaum Schüler, dafür jedes Jahr Preise bei Jugend forscht…Tragisch ist wirklich, dass (bis auf einige Biologen) 90% der M/Ph/Ch-KuK auch so denken, aber alles von oben gewollt immer schlimmer wird. Mit der Wahrheit kommt man nicht in die Positionen, deren Meinung sich die Verantwortlichen anhören.
Die echte Bedeutung von MINT sehe ich in den Zeugniskonferenzen: sehr gut in D/E, schwach in M/Ph -> Empfehlung für Begabungsförderung, sehr gut in M/Ph/Ch, 4+ in D/E -> nein, dafür müsste das Gesamtbild besser sein.

unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  vhh

Meiner Meinung nach haben die Biologen nicht zu schnell “mit uns nicht” geschrien, als es um die Absenkung der Ansprüche ging, um die Abiturquote zu erhöhen. In den eigentlichen MINT-Fächern sind die Verfechter von “mit uns nicht” mittlerweile alle in Pension, weshalb sich die “immer her damit”-Fraktion durchsetzen konnte.

Völligdesillusionierter
1 Monat zuvor
Antwortet  vhh

Mit Kuk u.ä. fing es an.

GriasDi
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Gewinnbringende Fächerübergreifendes Arbeiten gelingt nur, wenn ich mich in beiden Fächern gut auskenne. Ansonsten ist es wie häufig Informatik in der Grundschule: Malen nach Zahlen.
Nicht umsonst sieht Peter Scholze (einer der weltweit besten Mathematiker) Zusammenhänge von mathematischen Disziplinen, die vor ihm keiner sah, weil er sich in mehreren Bereichen sehr gut auskennt.

Gelbe Tulpe
1 Monat zuvor

Na ja, mittlerweile haben ja sogar im IT- Bereich Berufseinsteiger schlechte Chancen. Physiker und Chemiker landen gerne Mal in Call-Center, und Maschinenbau kriselt auch.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Gerne an der Sonderschule bewerben. Wir suchen dringend 🙂

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Ich dachte, Sie stehen für Inklusion? Jetzt wollen Sie die Lehrkräfte an SONDERSCHULEN abwerben?
Aaahja…

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Touché ^^

Mario
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Förderschule!

GraueMaus
1 Monat zuvor

Am besten Werbeleute mit einer teuren Kampagne beauftragen, dann wird das schön bunt und sieht so aus:

https://www.neueshandeln.de/projekte/kampagne-fuer-mint-berufe

Wie lange gibt’s eigentlich schon solche Kampagnen, wie lange gibt’s den “Girls’ day” oder “komm, mach MINT” ? Ich fürchte, die Mädchen argwöhnen, dass ihnen was aufgeschwatzt werden soll. Das ist oft bei pädagogischen Bemühungen so. Dann geht alles nach hinten los.

Unfassbar
1 Monat zuvor

Die ganze Frauenförderung hat nichts gebracht, gleichzeitig haben die Männer auch keine Lust mehr und die Ausbildung an sich wurde fachlich entkernt. Wäre es da nicht besser, wieder das harte Leistungsprinzip auf dem notwendigen Niveau wieder herzustellen?

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

“Die ganze Frauenförderung hat nichts gebracht”
Sie haben Ihre Gedanken versehentlich ins Internet geschrieben

unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Haben Sie auch ein inhaltliches Argument?

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  unfassbar

Sie verkehren hier wohl einiges. Wenn Sie Blödsinn posten, liegt die Beweislast bei Ihnen.

(Wenn Sie meinen, die Förderung von Frauen hätte nichts gebracht, schauen Sie beizeiten mal im Lehrerzimmer um 😉 )

Lehrer
1 Monat zuvor

Ganz ehrlich….
Schulen können sich ein Bein in dem Bereich ausreißen. Das bringt aber alles nichts, solange unsere Gesellschaft MINT-Analphabetentum feiert und Leute Anerkennung damit gewinnen, dass sie z.B. öffentlich damit prahlen eine Mathe/Physik/Chemie-Null zu sein.

Mr X
1 Monat zuvor

Mir erscheinen drei Maßnahmen als besonders geeignet.
1) Den Bematenstatus abschaffen ohne die Bezahlung anzupassen.
2) Präsentpflicht in den Schulen vor Allem in den Ferien.
3) Nötige Sanierungen möglichst lange verschieben.

vhh
1 Monat zuvor

Vergesst es einfach! Es sind nicht nur MINT-Fächer, es sind alle Fächer, übrigens sogar Sport, in denen das Interesse am Schulstoff gegen Null geht. Es fehlt an Konzentrationsfähigkeit und auch dem Willen daran etwas zu ändern, bzw. das als Problem zu erkennen. Viel lieber haben die Schüler das, was auch beschrieben wird: spielen und Spaß. Damit kann man zwar eine Art Unterricht aufziehen, aber spätestens in den MINT Fächern trifft das auf sehr reale Grenzen. MINT funktioniert nicht, weil dort die Defizite sehr schnell auffallen, wenn man vom oberflächlichen ‘es soll Spaß und Spannung bieten’ zu den darunter liegenden Grundlagen geht. Experimentieren nennt man das, wenn dieser Hintergrund eine Rolle spielt, tut er aber nicht. Da ist nämlich keine Basis oder auch Einstellung, weil noch nie etwas erwartet wurde: weder Fachsprache (eigentlich sogar oft Lesen, Schreiben, Formulieren, also überhaupt Sprache), noch Vernetzung, weder Konzentration noch kreatives Denken. Man kann auch leider nicht nur mit AFB 3 (Bewertung) arbeiten, dabei ließe sich wenigstens um nicht vorhandenes Grundwissen herumreden.
Wie gesagt, das gilt nicht nur in MINT, da fällt es nur schneller auf. Eine Sozialisation, die das Gegenteil der in der Schule notwendigen ‘Tugenden’ (Konzentration, Ausdauer, Sorgfalt …) einübt, macht sich irgendwann bemerkbar. Der Dopaminschub durch ein spannendes Experiment braucht 10-30 Minuten Vorbereitung plus Durchführung, hinterher Aufräumen und Auswertung, zumindest kurze Besprechung, bei denen dieser Schub dann schnell wieder abgebaut wird. Dagegen steht Anregung alle zwei Minuten, bunt und beliebig wiederholbar, ob es nun ‘meine Farm’ oder BrawlStars sind.
Die ganzen Ideen zu Mädchenförderung, Grundschule, Kooperation mit außerschulischen Partnern gehen auf den Spielaspekt ein, der verzweifelte Versuch etwas zu tun, das einem Unterricht ähnlich sieht. De facto wird das, was die angesprochenen MINT-Berufe brauchen, ein Interesse an den Ursachen und Zusammenhängen, durch diese Methoden kaum noch angesprochen.

Heinz
1 Monat zuvor

Warum wird das Problem eigentlich immer auf die Schulen abgewälzt? Warum wird eigentlich nie erwähnt, dass es z.B. auch Studien gibt, die Belegen, dass mehr Mädchen geschlechteruntypische Berufe wählen, wenn der Vater bei der Hausarbeit auf Gleichberechtigung gesetzt hat?

Ich verstehe ja, dass es einfacher ist, in den Bereich Schule als in den Bereich der Eltern und der Erziehung einzugreifen um etwas zu bewirken, aber wie viele Jahre wird das jetzt schon versucht. Seit Jahrzehnten werden Lehrer für das Thema sensibilisiert und die meisten Lehrer sind diesbezüglich auch offen …. was aber ausbleibt ist der Erfolg der Maßnahmen.

Die Balkon
1 Monat zuvor

Dieselben Forscher, die Mathe und Physik am Gymnasium durch eine Rezeptsammlung ersetzt haben, schlagen jetzt vor, MINT in der KITA zu machen?

Kannste Dir nicht ausdenken.

Schotti
1 Monat zuvor

Ich wollte mir diese “Broschüre” ansehen. Sie hat 64 Seiten…

Davon abgesehen bringen Erzieherinnen und Pflegerinnen der Gesellschaft viel mehr ein als die Mintberufe, auch die Nachfrage ist deutlich höher. Man müsste lediglich die Gehälter daran anpassen. Die Arbeit am Menschen müsste auch finanziell wertvoller als die Arbeit an der Maschine sein. Das ist doch eher unser Problem.

Folglich ist es fragwürdig zu versuchen, Mädchen stärker für technische Berufe zu begeistern, denn diese fehlen dann in den dringender benötigten Berufen.

HerrLampe
18 Tage zuvor
Antwortet  Schotti

So gut wie jede Erzieherin, Pflegerin, Lehrerin gibt es nur, weil diese durch die “nicht so dringenden” industriellen Berufe finanziert werden. Gibt es keine Industrie, dann gibt es auch keine Kindergärten und Schulen.

wpDiscuz
Die mobile Version verlassen