
Mit gefälschten Zeugnissen soll sie jahrelang in Heidelberg und im Saarland als Lehrerin gearbeitet haben: Nun hat die Staatsanwaltschaft Heidelberg eine 41-Jährige angeklagt. Die Behörde wirft der Frau laut einem Sprecher unter anderem Betrug und Urkundenfälschung vor.
Sie soll zwischen Mai 2021 und Oktober 2024 in Heidelberg einen Bruttolohn in Höhe von knapp 200.000 Euro erschlichen haben. Im Saarland seien es zwischen Januar 2025 und April 2025 etwa 7.000 Euro gewesen.
Ferner geht es laut dem Sprecher um versuchten Betrug bei Kreditinstituten, weil die Frau in zwei Fällen Darlehen bei Banken beantragt haben soll. Sie habe Gehaltsnachweise verfälscht und gewusst, dass sie «aufgrund ihrer finanziell desolaten Situation nicht in der Lage sein würde, die Darlehen zu bedienen».
Die Staatsanwaltschaft hat Anklage zum Landgericht Heidelberg erhoben, da sie von einer Straferwartung von mindestens vier Jahren Freiheitsstrafe ausgeht. Das Gericht habe die Anklage an die Frau zugestellt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sie ist seit Ende September in Untersuchungshaft.
Ein Vorwurf nicht bestätigt
Wann ein Prozess beginnen könnte, war zunächst offen. Der Verdacht, dass die Frau Gelder von Schülern veruntreute, habe sich im Rahmen der Ermittlungen nicht bestätigt, erklärte die Staatsanwaltschaft in ihrer Mitteilung.
Der Fall war im September vergangenen Jahres bekanntgeworden: Ein Verkehrsunfall war der Beschuldigten damals zum Verhängnis geworden. Als sie diesen bei der Polizei anzeigen wollte, wurde die mutmaßliche Betrügerin festgenommen. Denn gegen sie lag nach Anzeige einer Bank ein Haftbefehl vor.
In den Gehaltsnachweisen war nach damaligen Angaben eine Privatschule im Raum Heidelberg als Arbeitgeberin angegeben. Die Anstellung der Frau dort sei geendet, weil ihr vorgeworfen worden sei, Krankmeldungen gefälscht und Geld der Schüler veruntreut zu haben, hieß es in einer früheren Mitteilung.
Frau war vorbestraft
Die Beschuldigte sei daraufhin ins Saarland gezogen und habe dort ab Januar 2025 an einer Privatschule gearbeitet. Dort habe sie gefälschte Zeugnisse vorgelegt. Wenige Monate später, im April, wurde ihre fehlende Qualifikation nach damaligen Angaben entdeckt und sie wurde fristlos gekündigt.
Zudem kam heraus, dass die Frau 2021 in Rheinland-Pfalz zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, weil sie sich mit gefälschten Universitätsabschlüssen Zugang zum Referendariat erschlichen habe. Ende 2023 sei sie zudem in Heidelberg zu einer weiteren Bewährungsstrafe wegen Urkundenfälschung verurteilt worden. News4teachers / mit Material der dpa
Notorische Hochstaplerin: Falsche Lehrerin arbeitet jahrelang an Schulen – U-Haft









Die berühmten Heidelberger Privatschulen für ein solventes Klientel…
“Straferwartung von mindestens vier Jahren Freiheitsstrafe”
Wie teilt sich das auf? 3 Jahre und 9 Monate wegen des Darlehens und drei Monate (dann auf Bewährung) wegen der Berufsausübung? Wir wissen doch mittlerweile: Lehramt kann jeder…
Vielleicht war sie ja sogar eine gute Lehrerin?
Ohne Qualifikation als Lehrer zu arbeiten ist auch kein Straftatbestand. Straftatbestände sind die Urkundenfälschungen und der Betrug bzw. die Betrugsversuche. Möglicherweise wird auch eine Gewerbsmäßigkeit unterstellt.
Gute Frage. Und angesichts dessen, was für manche Gewalttaten an Strafen festgelegt wird, wären vier Jahre m.M.n. unverhältnismäßig. -Außerdem wird Lohn für geleistete Arbeit bezahlt, es ist ja nicht so, als hätte die Angeklagte nichts geleistet. Wird das berücksichtigt?
Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich halte die Hochstapeleien für in jeder Hinsicht völlig unakzeptabel und denke, dass diese Taten sanktioniert werden müssen.
Wieso ist die Polizei eigentlich erst aktiv geworden, als die Dame da selbst vorbeikam? Hätte die Bank sonst bis StNimmerlein warten müssen?
Lauter Umgereimtheiten.
Mich würde ja brennend interessieren, ob und wie sie das Referendariat absolviert / bestanden hat.
An Privatschulen müssen Lehrkräfte kein Zweites Staatsexamen vorweisen.
An staatlichen Schulen braucht’s die ja inzwischen auch nicht mehr 😉
In der Retroperspektive beschleicht mich der leise Verdacht, dass die eine oder andere Schulleitung lediglich nicht erwischt wurden…
Warum macht sie das. Heute wird doch jeder als LehrerIn genommen, der/die nicht bei 3 auf den Bäumen ist.
So etwas kommt leider immer wieder vor: Schulleiter lassen sich bei Einstellungsgesprächen blenden und sogar allwissende, unfehlbare Ministerien fallen auf gefälschte Unterlagen herein.
Ein ursprünglicher Bankangesteller ohne jegliche schulische Qualifikation unterrichtete vor ein paar Jahren an einer Nachbarschule die Fächer Sport und Informatik – bis zu seiner Scheidung. Die Ehefrau ließ vorher den Betrug auffliegen.
Die Kollegen wunderten sich zwar über die eigenartigen Methoden des “Kollegen”, sagten aber aus falsch verstandener Solidarität nichts.
Um sich über eigenartige Methoden zu wundern, braucht es keine Hochstapler….
Ich gestehe, ich bin auch schon bei einem Vorstellungsgespräch auf einen „Blender“ reingefallen und das haben wir ein ganzes Schuljahr bitter bereut, bis der Vertrag ausgelaufen ist…..im Anschluss daran bekam dieser „Kollege“ einen Anschlussvertrag an einer anderen Schule, die so unter Personalnotstand litt, dass sie ihn trotz unserer Warnungen nahm…..
Sowas passiert…..bei einer Vertretungsstelle ist es noch zu verschmerzen, bei einer Planstelle ist es eine Katastrophe……
Soso, die SL also. In NRW ist die aber nur Teil der Auswahlkommission. Zuständig für die Überprüfung der eingereichten Unterlagen ist aber die personalführende Dienststelle.
Es gibt noch 15 weitere Bundesländer mit unterschiedlichen Einstellungsmodalitäten.
Hirnchirurg arbeitete jahrelang als falscher Kassierer im Supermarkt.
Dazu fällt mir ein Fördferschüler ein, der später Medizin studierte.
Quelle?
Neckermann? Otto ?
Gibt es noch, hier:
https://www.quelle.de/
Ach es wäre schon interessant, welchen Fö-Bedarf Ihr erwähnter Schüler hatte. Es gibt durchaus verschiedene Fö-Bedarfe die ein Studium (auch der Medizin) nicht unbedingt ausschließen. Selbst Menschen mit Trisomie21 sind nicht immer kognitiv beeinträchtigt.
https://www.betula.ch/der-erste-europaer-mit-down-syndrom-und-unidiplom/
Selbst mit kognitiven Beeinträchtigungen oder anderen Fö-Bedarfen ist Studium durchaus möglich (künstlerisch/kreative Studienrichtung, z. B. Schauspielerei)
https://eucrea.de/artplus-ausbildung-2021-2024/kuenstler-in-mit-behinderung
Was genau also wollten Sie sagen?
P.S.: das Beispiel Ihres konkreten Medizinstudenten würde mich trotzdem noch interessieren!
Ich kenne persönlich ein paar Menschen, die in “niederen” Berufen arbeiten (müssen), da deren Hochschul-/ Berufsabschluss bei uns in DE nicht anerkannt wird.
Ihr Kommentar passt also nicht zum Artikel. Es sei denn Hochstapler sind das gleiche wie “Niedriggestapelte”.
Sie werden doch nicht etwa auf die Enthüllung des Postillion anspielen?
Erinnert an den Fall Postel, bei dem sich ein Briefträger jahrelang als Psychiater und sogar Amtsarzt ausgegeben hat.
Andere verdienen genauso ihr Geld, nennen sich Schauspieler.
Ja nun, ich verstehe die Aufregung nicht so ganz. Bis auf die begangene Urkundenfälschung ist es doch mittlerweile völlig normal, dass Ungelernte als Lehrkraft am Kind arbeiten – nennt sich Seiten- oder Quereinsteiger.