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„Das Grundproblem ist, dass die Schul-IT über viele Jahre ohne Netzkonzept zusammengestückelt wurde“ – ein Interview

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DÜSSELDORF. Die Digitalisierung der Schulen kommt vielerorts nur ruckelnd voran: unklare Zuständigkeiten, knappe Budgets, fehlende Netzkonzepte, überforderte Kommunen – und Lehrkräfte, die notgedrungen als IT-Nothelfer einspringen. Kaum jemand kennt diese strukturellen Bruchstellen so genau wie Udo Kempers. Er hat als Leiter einer eigens eingerichteten Stabsstelle die Digitalisierung der Schulen in der Stadt Düsseldorf verantwortet und berät heute freiberuflich Schulen, Schulträger und Unternehmen. Im Interview erklärt er, wo es systemisch hakt – und warum technische Probleme oft nur die Symptome viel tiefer liegender Versäumnisse sind.

Kabelsalat. (Symbolbild.) Illustration: Shutterstock

News4teachers: Man hat den Eindruck, die Digitalisierung der Schulen ist ein sehr ruckeliger Prozess. Woran hakt es?

Udo Kempers: Die Herausforderung für alle Schulträger ist sehr komplex – und die Realität ist tatsächlich schlimmer, als viele denken. Da muss ich etwas ausholen: In den Siebziger- und Achtzigerjahren hatten viele Kommunen eigene, interne IT-Dienstleister, teils sogar eigene Rechenzentren. Darüber betrieben sie ihre gesamte Verwaltung. Später entstanden gemeinsame Produkte, etwa für das Einwohner- oder Verkehrswesen. So entwickelten sich erste Synergien. Entscheidend ist: Diese Rechenzentren haben die Verwaltung digitalisiert – nicht die Schulen. Schulen hatte über Jahrzehnte kaum jemand auf dem Plan.

News4teachers: Woran lag das?

Kempers: Im Verwaltungsbereich sind Abläufe hochstandardisiert: High Security, High Performance, alles zentral getestet. Das kostet viel Geld und Personal. Die KGSt, also die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement, legt fest, wie viele Geräte ein First-Level-Support-Mitarbeiter betreuen kann – etwa 250 bis 350 Verwaltungsrechner.

Dieser Vor-Ort-Support wurde jedoch 2008 per Vereinbarung zwischen Städtetag und NRW-Schulministerium den Schulen selbst übertragen, genauer gesagt: den Lehrkräften. Dafür gab es zwei Deputatsstunden. Das war 2008 mit einem oder zwei Computerräumen noch machbar. Heute ist es völlig unrealistisch, so die IT einer ganzen Schule stemmen zu wollen.

“Schulträger fragen: Warum sollen wir Aufgaben finanzieren, die eigentlich beim Land liegen?”

News4teachers: … und es führt dazu, dass keiner so recht weiß, wer eigentlich für die Digitalisierung der Schulen zuständig ist – Land oder Kommunen.

Kempers: Genau. Und das führt direkt zu den Problemen, die wir sehen: In der Verwaltung fehlen Ressourcen – und in den Schulen noch mehr. IT-affine Lehrkräfte stehen ständig unter Spannung: Sie wollen helfen, können aber aufgrund der Strukturen gar nicht so, wie sie müssten.

Das Grundproblem ist das gesamte Gefüge: das Zusammenspiel aus Schule, Ausstattung, Gebietsrechenzentren und kommunalen Eigenlösungen sowie gezielten Vergaben. Es ist unübersichtlich und voller Brüche. Manche Kommunen verlagern Schul-IT ins Medienzentrum – aber wer arbeitet dort? Wer bezahlt die Leute? Welche Expertise haben sie? Rechenzentren machen ihren Verwaltungsjob gut, verstehen aber die pädagogische Perspektive kaum. Schulträger wiederum fragen: Warum sollen wir Aufgaben finanzieren, die eigentlich beim Land liegen?

Machen Sie sich sichtbar!

Der Digitalpakt 2.0 kommt – und zwar schnell. Für EdTech-Anbieter, ob Unternehmen, Gemeinnützige oder Stiftungen, heißt das: Sie sollten flott in die Kommunikation mit Schulen und Schulträgern kommen. Passenderweise haben wir gerade etwas im Petto: den Themenmonat „Schule der Zukunft“ auf News4teachers, Deutschlands (auch von Schulleitungen und Schulträgern) meistgelesenem Bildungsmagazin.

Aus Anlass der bevorstehenden didacta, Europas größter Bildungsmesse, beleuchten wir im Februar, was zukunftsfähige Schulen benötigen, um 21st Century Skills vermitteln zu können. Mit einem starken Schwerpunkt auf Digitalität. Von Endgeräten über Lernplattformen bis zu Künstlicher Intelligenz: Jeden Werktag liefern wir fundierte Analysen, Interviews und Best-Practice-Beispiele, die Entscheiderinnen und Entscheidern aus der Bildung Orientierung geben.

Für Unternehmen und Institutionen aus der Bildungswirtschaft bietet der Themenmonat ein ideales Umfeld, um mit Advertorials oder Info-Anzeigen ihre digitalen Lösungen sichtbar zu machen. Seien Sie dabei! Informationen unter redaktion@news4teachers.de

News4teachers: Der erste Digitalpakt war keine Lösung?

Kempers: Der Digitalpakt hat einen enormen Aufrüstungsschub ausgelöst – aber nicht genug Geld bereitgestellt. Wenn man die fünf Milliarden, mit Sondertöpfen 7,5 Milliarden, durch zehn Millionen Schülerinnen und Schüler teilt, bleibt pro Kopf viel zu wenig übrig.

Ein Beispiel: Eine kleine Grundschule mit 200 bis 300 Kindern bekommt aus dem Digitalpakt vielleicht 25.000 bis 40.000 Euro für WLAN. Realistisch braucht man – wenn die Infrastruktur fehlt – 150.000 bis 200.000 Euro, um eine solche Schule professionell (incl. Strom, Netzwerkkabel, aktiven Komponenten usw.) in Betrieb zu nehmen. Diese Dimensionen sind vielen nicht bewusst.

News4teachers: Und dann wird versucht, besonders billig zu bestellen…

Kempers: Genau. Ausschreibungen sind oft so eng gefasst, dass zum Beispiel lediglich Access Points bestellt werden – ohne Installation, Konfiguration, Betrieb oder Support. In manchen Kommunen versteht oft niemand, wie komplex das Thema eigentlich ist. Viele Entscheiderinnen und Entscheider – häufig Ratsmitglieder – vergleichen das mit ihrem privaten WLAN: „Zu Hause zahle ich 49 Euro im Monat, warum kostet das an der Schule 1.200 Euro?“ Dass ein Heimrouter 40 Geräte schafft, eine Schule aber mehrere hundert gleichzeitig, ist außerhalb ihrer Erfahrungswelt. Jeder Klassenraum ist technisch gesehen ein eigenes Haus – mit 30 Nutzerinnen und Nutzern, die volle Leistung brauchen, zunehmend auch für KI-Anwendungen.

News4teachers: Auch Fehlplanungen im Schulbau bereiten Schwierigkeiten…

Kempers: Ja. Ein Beispiel, das harmlos klingt, aber viel aussagt: Ein großer Schulneubau hatte einen Aufzug bekommen, der auch für Euro-Paletten ausgelegt war. Die IT-Ausstattung kam jedoch auf Paletten aus Übersee – ein paar Zentimeter breiter. Niemand hatte bei der Planung daran gedacht, dass auch mal Technik von außerhalb Europas kommen könnte. Die Lieferung war nur bis zur Bordsteinkante beauftragt. Also mussten sechs Personen die komplette Charge auf der Straße umpacken und vorher noch 20 leere Euro-Paletten besorgen. Eine Heidenarbeit – und nur ein kleines Beispiel dafür, wie viele Dinge in der Praxis nicht zusammenpassen.

“Der Eindruck ‘Digitalpakt = viel Geld’ ist falsch. Es war zu wenig”

News4teachers: Worin liegen die größeren Probleme?

Kempers: Das Grundproblem ist, dass die Schul-IT über viele Jahre ohne Netzkonzept zusammengestückelt wurde. Früher gab es zwei Computerräume – das war die IT. Jede Schule hatte einen kleinen Server, darauf lief der Jugendschutzfilter. Das funktionierte, solange alles überschaubar blieb.

Heute haben wir WLAN überall, dutzende Endgeräte pro Klasse, IoT-Geräte, Messsysteme, Verwaltungszugänge und Lernplattformen. Ohne Netzkonzept weiß niemand, wie Geräte miteinander kommunizieren. Ein falsch eingerichtetes Gerät kann das gesamte Netz stören.

Als wir Schulen systematisch vernetzt haben, haben wir zuerst ein Netzkonzept erstellt: klare Netzstrukturen, getrennte Bereiche, definierte Standards. Dieses Konzept galt für alle Dienstleister. Ohne solche Standards passiert das, was heute vielerorts Alltag ist: Jemand steckt irgendein Gerät in eine Dose – und sofort fällt das Netz aus. Nicht exotisch, sondern Realität.

News4teachers: Also können Schulen kaum ein professionelles System erwarten?

Kempers: Der Eindruck „Digitalpakt = viel Geld“ ist falsch. Es war zu wenig. Schulträger müssen Ausschreibungen auf Minimalanforderungen zuschneiden, weil das Budget nicht reicht. Dann wird irgendetwas beschafft, das am Ende nicht kompatibel ist – sofern überhaupt ein Konzept existiert.

News4teachers: Wie wirken sich kommunale Einkaufsverbünde wie Vitako oder ProVitako aus?

Porträt Udo Kempers 2025
Udo Kempers war für die Digitalisierung der Schulen in der Stadt Düsseldorf verantwortlich. Heute ist er unter anderem als Berater für Schulträger und Schulen tätig. Foto: privat

Kempers: Grundsätzlich sind sie hilfreich, weil sie bessere Preise ermöglichen. Aber der Mechanismus ist kompliziert: An ProVitako-Ausschreibungen kann nur teilnehmen, wer Mitglied der Vitako ist. Köln hat ein eigenes Amt und somit auch ein Rechenzentrum – also kann ein direktes Mitglied sein. Düsseldorf hat sein Rechenzentrum (RZ) konsolidiert und kann somit nicht Mitglied werden. In der Regel sind diese Mitglieder dann Teil eines RZ-Verbunds (RzV) und diese dann evtl. auch Vitako-Mitglied.

Das heißt: Ein Mitglied einer RZV erfährt von ProVitako-Ausschreibungen nur, wenn die RZV aktiv informiert. Und das passiert nicht automatisch. Wenn das RZV eine Ausschreibung nicht als schulrelevant erkennt oder keine Kapazität hat, geht die Information verloren. Das ist kein böser Wille, sondern ein strukturelles Problem: zu wenig Personal, zu viele Aufgaben und eine Verwaltungs- statt Schul-IT-Fokussierung. Viele dieser Ausschreibungen sind sehr spezialisiert und man muss die dazugehörigen Leistungsparameter verstehen und nutzen.

News4teachers: Was bedeutet das für kleine Kommunen?

Kempers: Dort sitzt oft eine einzelne Person im Schulverwaltungsamt, die alles stemmen soll. Wenn eine Schule WLAN braucht, ruft sie ihren IT-Dienstleister (inter oder extern) an – und wenn der sagt: „Machen wir nicht“, steht sie allein da. Also sucht sie Lösungen auf dem Markt, oft basierend auf Empfehlungen. Dann wird schnell ein günstiges System gekauft, ohne die schulischen Gesamtanforderungen zu kennen.

Ein Schul-WLAN ist nicht wie zu Hause. Man kann nicht für 30 Tablets ein Passwort verteilen. Geräte müssen provisioniert werden. IoT-Geräte nutzen andere Standards. Prüfgeräte brauchen spezielle Wege. Jugendschutz muss zentral laufen. Dafür braucht es ein Netzkonzept.

Vermeidliche preiswerte Systeme können das nicht. Die Probleme kommen später – wenn Last auf dem System ist oder neue Geräte nicht mehr eingebunden werden können. Dann steht die Kommune ohne Expertise da.

“Schulträger haben enorm viel geleistet, und Lehrkräfte haben das Ganze ohne zusätzliches Personal mitgetragen”

News4teachers: Dann passt oft auch der Jugendschutz nicht?

Kempers: Genau. Viele Schulen betreiben den Filter auf einem einzigen Server im Keller. Alle Anfragen laufen darüber – ein massiver Flaschenhals. Eine kleine Grundschule mit 300 Kindern bringt so ein System schnell an seine Grenzen. Und moderne Anwendungen wie Videokonferenzen oder KI verstärken das Problem. Fällt der Filter aus, steht die ganze Schule still.

Ich warne deshalb davor, Schulen als „nur Schule“ zu betrachten. Kein anderes System ist in fünf Jahren so stark gewachsen und dabei so stabil geblieben. Schulträger haben enorm viel geleistet, und Lehrkräfte haben das Ganze ohne zusätzliches Personal mitgetragen – obwohl professionelle Strukturen nötig wären.

News4teachers: Also wäre die Lösung: mehr Geld und mehr Expertise…

Kempers: Ja. Das Bündnis für Bildung hat neutral berechnet: Ein digitales Gerät für Lehrnende kostet 250 bis 350 Euro pro Jahr im Betrieb. Schulträger haben aber meist 30 bis 50 Euro. Die Lücke ist enorm.

Nötig ist außerdem eine andere Art von Ausschreibung: In der „innovativen Vergabe“ beschreibt man nicht die Hardware, die man kaufen will, sondern das Problem, das gelöst werden muss. Schulen wissen oft sehr genau, womit sie arbeiten können – aber wir reden viel zu viel über Tools und viel zu wenig über Prozesse. Ob Firewall X oder WLAN Y ist am Ende egal – Hauptsache nachhaltig und funktionsfähig.

Viele Kommunen trauen sich dennoch nicht an solche Vergaben – weil sie glauben, alles selbst am besten einschätzen zu können, oder weil sie sparen wollen und denken, günstige Lösungen würden schon reichen. News4teachers / Andrej Priboschek führte das Interview.

Digitalpakt 2.0

Auf der Bildungsministerkonferenz im Rahmen der KMK im Dezember in Berlin haben sich die Bildungsministerinnen und -minister der 16 Länder gemeinsam mit Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDI) auf den sogenannten Digitalpakt 2.0 geeinigt (News4teachers berichtete). In den kommenden fünf Jahren sollen bundesweit insgesamt fünf Milliarden Euro in die digitale Modernisierung der Schulen fließen – je zur Hälfte finanziert von Bund und Ländern. Startschuss war bereits der 1. Januar 2026.

„Der Digitalpakt 2.0 ist ein entscheidender Schritt in die Zukunft unserer Schulen und ein wichtiger Beitrag zur Gleichwertigkeit der Bildungschancen in Deutschland“, erklärte Prien. Durch vereinfachte Verwaltungsprozesse und die Förderung länderübergreifender Projekte werde sichergestellt, „dass alle Schülerinnen und Schüler von digitaler Bildung profitieren – unabhängig von ihrem Wohnort“. Ziel sei es, eine moderne Bildungslandschaft zu schaffen, in der alle Schulen über die notwendige digitale Ausstattung verfügen. Aus Reihen des VBE hieß es: “Überfällig!”

Aus Anlass der didacta: Themenmonat “Schule der Zukunft” auf News4teachers – machen Sie sich sichtbar!

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Realist
2 Monate zuvor

Normalerweise kritisiere ich ja hier die “Experten”, aber hier muss ich sagen: Sehr schöner Artikel der die Problemlage realistisch beschreibt und auch ausführt, wie es tatsächlich laufen müsste!

Herr Kempers ist für mich nach diesem Interview ein echter Experte auf seinem Gebiet, ganz ohne Anführungszeichen!

Hysterican
2 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Volle Zustimmung!

Genau solche Leute müsste man cloonen und sie auf die Kommunen verteilen… 😉

heinz
2 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Das Gleiche habe ich bei dem Artikel auch gedacht. Endlich mal jemand, der sich nicht selbst Experte nennt, obwohl er zur Materie nur forscht anstatt in und mit ihr arbeitet.

unfassbar
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Das Beispiel der Ärztin funktioniert nicht, weil gerade die Ärzte Spritzen setzen können müssen. Sie brauchen aber das Medikament und die Präparate nicht selbst zu produzieren.

In der Sache haben Sie beim idealen Wissenschaftler natürlich recht. Bei den Forschungsergebnissen, die im Bildungsbereich oftmals publiziert werden, scheinen aber die Definitionen von Wissenschaftlichkeit bei Lehrern und Forschern auseinander zu gehen.

Realist
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Lehrer sind in der Regel keine “Forscher”, das ist richtig. Da Lehrkräfte aber in Deutschland (sofern sie “grundständig” ausgebildet sind) ein wissenschaftliches Studium absolviert haben, das sowohl fachwissenschaftliche als auch erziehungswissenschaftliche Anteile hat, sind Lehrkräfte durchaus in der Lage (und berechtigt!) die Ergebnisse der “Forschenden” zu kritisieren, wenn sie feststellen, dass die Theorie (“Forschung”) nicht mit der Praxis (“Unterricht”) übereinstimmt. Und das nicht nur “anektdotisch” sondern “systematisch” seit mehreren Jahrzehnten. Und für diese Kritik muss man selber kein “Forschungsprojekt” starten, wenn sie offensichtlich ist. Leider haben Lehrkräfte für solche “Forschungsprojekte” zwar die Qualifikation aber nicht die Zeit…

Scheinbar tritt diese Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis in Deutschland besonders facettenreich auf, da hier jedes Bundesland die Ergebnisse der “Forschung” unterschiedlich interpretiert und umsetzt: Zu jeder bildungspolitischen Agenda scheinen die passenden “Forschungsergebnisse” zu existieren: Am Ende macht jeder Bildungspolitiker daraus, was er oder sie sowieso schon immer wollte.

Als Ergebnis hat man dann ein Schulsystem, das den Anforderungen der PRAXIS nicht mehr genügt und dysfunktional geworden ist. Man kann Integration, Inklusion, Ganzag usw. theoretisch supertoll finden, wenn das Ganz mangels Ressourcen (Personal, Geld) nur katastrophal umgesetzt wird, nützt die schönste “Forschung” nichts. Und der Aspekt, wie es es wirklich umgesetzt werden kann und wird, wird scheinbar regelmäßig auch auf Seite der “Forschenden” ausgeblendet. “Ich habe hier eine supertolle Idee” klingt eben viel besser als “Ich habe hier eine supertolle Idee, könnt ihr aber gleich wieder vergessen, da es niemand so umsetzen und finanzieren wird, wie es eigentlich notwendig wäre.”

Und auf die PRAXIS IN DEN SCHULEN kommt es an, und nicht auf das, was die “Forschenden” gerne hätten. Schule hat nicht die Aufgabe, “Forschenden” ein interessantes Leben zu ermöglichen, sondern nachfolgende Generationen auszubilden (und teilweise(!) zu erziehen). Und das unter den Bedingungen, die REALISTISCH möglich sind und nicht unter welchen, die man sich im Elfenbeinturm fern aller irdischen Restriktionen so ausdenkt…

Mika
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Nun sind Wetter und Klima aber zwei ziemlich verschiedene Dinge, nicht wahr? Ein Klimaforscher muss überhaupt nicht aus dem Fenster schauen, ein Wetterbeobachter schon.
Und wenn Wetterbeobachter an vielen Standorten in Deutschland ähnliches Wetter beobachten, lassen sich daraus durchaus Aussagen über das Wetter in Deutschland ableiten.

Dessen ungeachtet:
Wenn ich Realist richtig interpretiere, geht es ihm darum, dass manche Aussagen mancher Bildungsforschern nicht dem entsprechen, was eine Vielzahl von Kollegen im Alltag erlebt (zumindest, wenn man die in den verschiedenen Bildungsforen diskutierenden Kollegen in ihrer Gesamtheit als Querschnitt der Lehrerschaft in D betrachtet). Die Frage, woran dies liegt, ist durchaus berechtigt und im Interesse der Bildungsforschung sollte auch dies untersucht werden.

Mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen für das neue Jahr,
Mika

Realist
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Man sollte in diesem Zusammenhang auch einmal thematisieren, dass die Kritik von Lehrkräften im Gegensatz zur Kritik von Ingenieuren, Ärzten oder anderen Professionen in diesem Land überhaupt nicht ernst genommen wird:

Wenn irgendein Wissenschaftler neue Standards zur Herstellung eines Materials, chemischen Produktes oder was auch immer entwickelt und das industriell umgesetzt werden soll, werden die Auswirkungen durchaus in Fachverbänden wie dem VDI durchaus diskutiert und die Stellungnahme dieser Verbände wird ernstgenommen und berücksichtigt. Wenn der Standard eingeführt wird und in der Praxis sich als fehlerhaft erweist, wird er ohne größere Diskussion durch etwas Besseres ersetzt.

Bei Ärzten dasselbe: Wenn diese Festellen, dass bestimmte “wissenschaftlich” entwickelte Therapien und Medikamente in der Praxis entweder nicht wie gewünscht funktionieren oder sogar schaden, wird auch das über Verbände, Krankenkassen, Aufsichtsbehörden usw. zurückgemeldet und es werden entsprechende Maßnahmen ergriffen, was bis zum Verbot der Therapie, des Medikaments usw. reichen kann.

Nur im Bildungsbereich ist es scheinbar anders: Da kann die “Praxis” seit Jahren (mittlweile eher Jahrzehnten!) zurückmelden, dass es so, wie es ist, nicht funktioniert (Integration, Inklusion, Ganztag, Kita), es interessiert nur keinen, es wird außer “Weiter so!” oder “Dann war es noch zuwenig!” zu rufen, nichts gemacht, im Gegenteil, der “Praxis” wird die Schuld gegeben, dass die “Theorie” nicht funktioniert. Letztendlich ist das eine fundementale Abwertung der Arbeit von Lehrkräften, eine Missachtung der Professionalität von Lehrkräften und letztendlich auch zutiefst “unwissenschaftlich”, da die Fähigkeit zur Korrektur eines falschen Weges systematisch im Bildungsbereich negiert wird!

Steißtrommler
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Sie können Kinder ja nicht in eine Versuchsanstalt sperren.
Über den Satz musste ich schmunzeln. Was machen wir denn jeden Tag mit unseren Schulkindern?!

dickebank
2 Monate zuvor
Antwortet  Steißtrommler

Nennt sich in NRW Laborschule und befindet sich in Bielefeld.

dickebank
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Der Unterschied zwischen experimenteller, theoretischer und anwendungsorientierter Forschung ist aber nicht ganz unwichtig.

Beim Beispiel Astophysiker gilt zwar, dass dieser nicht unbedingt ins Weltall fliegen muss, das Studium der Astrophysik aber kein Hinderungsgrund bei der Auswahl als Astronaut wäre.

dickebank
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Ist Bildungsforscher denn ein Beruf? Wer würde dies als Beruf in einem amtlichen Formular angeben?

dickebank
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Und wo findet man diesen bei den amtlichen Berufsbezeichnungen?
Ist es nicht ehet eine Tätigkeitsbeschreibung?

Realist
2 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

“Forscher” darf sich jeder nennen, genauso wie “Lehrer”. Genauso wie es den Fahrlehrer und den Baumschullehrer gibt, gibt es auch den Jugend forscht-Forscher und den “Wo sind jetzt wieder meine Socken”-Nachforscher.

Oldie
2 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Für Menschen mit vermeintlich akademischer Bildung sind zahlreiche Einlassungen zur Arbeit von Wissenschaftlern armselig.

Realist
2 Monate zuvor
Antwortet  Oldie

Sie streiten also ab, dass der Tanzlehrer ein Lehrer ist und der Ahnenforscher ein Forscher? Welch eine Hybris!

dickebank
2 Monate zuvor
Antwortet  Oldie

Forscher ungleich Wissenschaftler.
Und akademisch bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Hochschulabschluss erworben worden ist.

Mika
2 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

Weil „Akademie“ genauso wie „Institut“ ein absolut nichts-sagender Begriff ist. Ich habe beispielsweise soeben die „Akademie der Bildungswissenschaften“ und das „Institut für angewandte Bildungsforschung in den neuen Bundesländern“ gegründet und stehe diesen Institutionen in leitender Position vor… Und mit diesen Bezeichnungen bin ich definitiv als Experte zu bezeichnen! 😉

447
2 Monate zuvor
Antwortet  Mika

…und sobald Staatsknete fliesst, steht ein “Experte für feedbackorientierte Bildungskonzeptionalisierung” fest an Ihrer Seite: Moi! 😉

Max
2 Monate zuvor

Viele der Aussagen kann ich nachvollziehen, allerdings weiß ich nicht ob ich allem zustimmen mochte.

Jetzt über die Gebäude zu schimpfen, weil der Fahrstuhl zu schmal ist, finde ich wenig hilfreich und ein wirklich unglückliches Beispiel. Meine Vermutung ist, dass gerade die Verkabelung viel problematischer ist als die Anlieferung der Ware. Ich bin mir sicher, dass eine Schulleitung / Lehrer schnell 30 helfende Hände organisieren kann, die das Problem in 15min beseitigt.

Und natürlich sollten die Netze zukunftssicher geplant werden. Aber eine WLAN Installation für eine Grundschule auf 150.000 EUR zu beziffern, ist gefühlt schon arg hoch gegriffen. Besonders wenn die Anforderungen ja für alle Grundschulen recht ähnlich sein werden.

Meines Erachtens mangelt es in dem Sektor an guten Anbietern, da er aufgrund der Entscheidungsstrukturen und Zeiträume extrem unattraktiv ist. Ich habe selber mit mehreren Unternehmen zusammengearbeitet die Produkte für Schulen anbieten und sie alle haben dies als schwierigsten Punkt benannt. Nicht das mangelnde Geld für das Produkt, sondern die sehr hohen Akquisekosten.

dickebank
2 Monate zuvor
Antwortet  Max

Es zeigt doch exemplarisch nur, dass das eine nicht zum anderen passt.
Im Grunde wird hier das Dilemma der Digitalisierung deutscher Verwaltungen nachgezeichnet. Es gibt nicht das übergeordnete, einheitliche Digitalisierungskonzept. Jedes Bundesland, jeder kommunaler Player hat individuelle IT-Lösungen – sowohl bei Hardware als auch bei Software sowie der Netzkonfiguration. Letztendlich ist alles nich kompatibel – also Flickwerk, das mühselig mit einander verknüpft werden muss. Typisches beispiel dafür ist die Erhebung der Daten für die Grundsteuerreform. Im Prinzip liegen ja alle geforderten Daten bei verschiedenen Behörden, Liegenschaftsdaten bei den Katasterämtern, Grundbuchdaten bei den Amtsgerichten, bestehende Grundsteuermessbescheide bei den Finanzämtern usw.
Nicht aus Gründen des datenschutzes sondern auf Grund der fehlenden Möglichkeit die diversen Datenbanken zu integrieren, mussten die Grundstückseigentümer die geforderten Angaben für die Neubewertung ihrer Immobien individuell übermitteln. Dies ist das beste beispiel für staatliches Versagen bei der Digitalisierung der Verwaltung.

Und wie gesagt, beim Thema Digitalisierung im Bildungsbereich sieht es nicht anders aus. Zu viele individuelle Lösungen, die nicht so ohne Weiteres ausgebaut werden können. Die Komplexität schulischer Netzwerke ist nicht mit ein paar Entlastungsstunden zu managen, zu warten, zu pflegen und up-to-date zu halten.

Dazu kommt, dass die Kameralistik keine Investitionszyklen kennt, da es ja keine Abschreibungen gibt. Ja, es ist etwas faul im Staate D.

unfassbar
2 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

Problem ist aber, dass Sie keinen ausgebildeten Systemadministrator finden, der das Schulnetz für das finanzielle Äquivalent von ein paar Entlastungsstunden wartet. Mehr ist das Land aber nicht bereit, dafür auszugeben. Die Kommunen als Schulträger sind meistens zu pleite dafür.

dickebank
2 Monate zuvor
Antwortet  unfassbar

Als Rentner ist das auch nicht mehr mein Problem. Notfalls könnte ich aber einspringen, meine Kompetenz schließt stromloses Unterrichten ein.

Realist
2 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

Ihre Qualfikation wird in Zeiten der Stromausfälle und Energiewende sicherlich noch einmal stark nachgefragt werden.

Konfutse
2 Monate zuvor
Antwortet  Max

Ich bin mir sicher, dass eine Schulleitung / Lehrer schnell 30 helfende Hände organisieren kann, die das Problem in 15min beseitigt.“ Genau. Wie immer: Statt dass die Sus unterrichtet werden und die LuL lehren, wird etwas völlig anderes gemacht. Das kann wirklich nicht die Aufgabe der SuS und LuL sein. Und so geht es ja ständig! Erledigung von Aufgaben, die nicht die Aufgaben der betreffenden Personen sind. Und die LuL machen das meist mit, weil das „Problem“ dann in kurzer Zeit beseitigt wird….und so erweitert sich immer mehr das gut gemeinte „ich löse das Problem, das nicht meines ist, in 15 Minuten (Lehr-und Lernzeit) und dann klopft man sich auf die Schulter….
Es kann nicht mein Problem als LK sein, dass das Zeug nicht in den Aufzug passt.
Es kann auch nicht das Problem des Schüler sein, dass das Zeug nicht in den Aufzug passt.
Es kann auch nicht das Problem der SL sein, dass das Zeug nicht in den Aufzug passt.

447
2 Monate zuvor

Dieser Expertr (nicht: “””Experte”””) ist ja regelrecht gefährlich für das Experten(un)wesen: Der weiß ja tatsächlich, wovon er redet! 😉

Alleine schon der Einstieg und die konkrete Benennung einer Problemwurzel wirkt super.

Hätten wir nur mehr solche Experten…auch die typischen Beispiele (Kellerserver mit Jugendschutzlol, die ewigen Access-Point-Debatten…) wirken realistisch.

Interessantes Interview.

Christian Paulsen
2 Monate zuvor

Organisiert mit Opensource und Linux Infrastruktur, meinetwegen auch Chromebook und Android-Derivate, aber bitte keine teure, in volle Abhängigkeit führende Apple u. Microsoft-Systeme. Ich habe ein großes Rechenzentrum und die gesamte Infrastruktur schon vor 2000 vom IBM-Mainframe auf Linux umgestellt.

Realist
2 Monate zuvor

Und Sie kommen dann vorbei und administrieren das für 1000 BYOD-Geräte???

Mika
2 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Und zwar für 120 Minuten pro Woche, in denen Sie das ja wohl locker wuppen können!

jpw
2 Monate zuvor

Keine Chance in der Schul- und Schulverwaltungsrealwelt. Hier sitzen Entscheider, die heute noch ihre tollen Kindheitserfahrungen mit Windows95 ausleben …

the Dude
2 Monate zuvor

Wenn’s funktioniert? Kommt auch darauf an was im Endeffekt teurer ist. Sagt jemand, der jahrzehntelang (bis zur Verzweiflung) ein Linux-System betreut hat. Wenn alles standardisiert wäre und die technische Betreuung gesichert wäre, gerne!
Das mit der Abhängigkeit sehe ich aber auch schon so. Besonders seit die USA frei drehen…

jpw
2 Monate zuvor

Die Beschreibung der Problemlage ist realistisch. Allerdings ist es in meinem Erfahrungsbereich (berufliche Bildung im IT-Bereich) nie so gewesen, dass alles ohne Konzept zusammengestückelt wurde.

Einrichtung und Betrieb der Schulnetze wurde an durchaus kompetente Lehrkräfte abgeschoben. Allerdings durften diese Lehrkräfte selten wesentlichen Einfluss auf Beschaffungsentscheidungen des Trägers nehmen. Und diese “Entscheider” haben massiv ihre persönliche “Home-/Kinderzimmer”-Kompetenz auf Netzwerke mit 300 Rechnern angewendet. Mit den entsprechenden Konsequenzen. Ebenso haben die Schulleitungen diese Admins nie ernst genommen. Wenn alles prima lief wurde eher darüber diskutiert, ob der Admin nicht zu viele Anrechnungsstunden bekommt …

Außerdem konnte ich bei den Trägern viele Jahre lang eine Mentalität beobachten die dem Prinzip folgte “für die Schulen reicht das allemal”. Während also in Ämtern (auch in Schulämtern) die Rechentechnik alle 3..4 Jahre erneuert wurde und immer die aktuellsten Office-Versionen installiert wurden, wurde Technik/Software für die Schulen 1x beschafft und musste dann 10 Jahre laufen.

Der Hohn waren dann noch die Office-Dateien die von den og. Ämtern via E-Mail an die Schulen zur Bearbeitung versendet wurden. Diese liesen sich jedoch mit dem hier vorhandenen Softwarestand nicht bearbeiten. Also musste die Schule noch ein paar aktuelle Lizenzen für solche Zwecke kaufen.

Sorry. Musste mal raus.

Hans Malz
2 Monate zuvor
Antwortet  jpw

“Also musste die Schule noch ein paar aktuelle Lizenzen für solche Zwecke kaufen.”
Nein, ich hab das dann zurückgeschickt und um ein lesbares Format gebeten. Alternative habe später die Excel Sheets mit Calc absichtlich so zerschossen, dass die beim Absender nicht mehr zu bearbeiten waren.

Hysterican
2 Monate zuvor
Antwortet  Hans Malz

Mensch, du hast ja richtig destruktives und subversives Potential – das finde ich gut und ich applaudiere ehrlich und aufrichtig dafür … weiter so – denn nur so geht es

447
2 Monate zuvor
Antwortet  Hans Malz

Das ist der Weg.

Leider. 🙁

jpw
2 Monate zuvor
Antwortet  Hans Malz

🙂 Ja, habe ich aus Prinzip mit OO/LibreOffice auch so gemacht. Aber der nicht IT-affine Kollege stand jedes mal doof da und hat nach seinem M$-Office (was er ja auch daheim hat …) rumgeplärrt.

Chris
2 Monate zuvor

“Ein Beispiel: Eine kleine Grundschule mit 200 bis 300 Kindern bekommt aus dem Digitalpakt vielleicht 25.000 bis 40.000 Euro für WLAN. Realistisch braucht man – wenn die Infrastruktur fehlt – 150.000 bis 200.000 Euro, um eine solche Schule professionell (incl. Strom, Netzwerkkabel, aktiven Komponenten usw.) in Betrieb zu nehmen. Diese Dimensionen sind vielen nicht bewusst.”

Dem muß ich leider zustimmen. Ggf. sind selbst 200.000€ noch zu wenig. Das Problem ist, dass die ganzen Geräte auch mit Strom versorgt werden müssen, PCs keine ohmschen Verbraucher sind, was Schieflasten verursacht, und im Schulbau ganz spezielle Gesetze gelten, was den Brandschutz angeht.

Ich nehme als Beispiel nur einmal die Einrichtung eines IT-Raums. Da sprechen wir über 30 Desktop-PCs, einen Lehrer-PC, Netzwerkdrucker und Deckenbeamer. Die Schulträger und Eltern denken leider zumeist nur an die Geräte selber. Die sind aber nicht das Problem. Problem des Raums: Zu Beginn der Stunde kommen alle Schüler gleichzeitig in den Raum und fahren auch gleichzeitig die Rechner hoch und melden sich im Netzwerk an. Die Spitzenlast sowohl auf der Seite des IT-Netzwerks als auch auf der Seite der Stromversorgung ist enorm. Um die Stromversorgung dieses einen Raums sicherzustellen, benötigt man drei 16A Drehstromanschlüsse, die man dann in einphasige Stromkreise aufteilt und Schuko-Steckdosen anschließt. Einfach Steckdosenleisten anschließen funktioniert nicht, weil bei mehr als 4 PCs je 16A Sicherung der Sicherungsautomat aufgrund der Einschaltströme und Schieflasten auslöst. Wenn man jetzt mehrere IT-Räume in so einer Schule hat, braucht man erst einmal eine komplett neue Gebäudeelektrik, um diese Lasten überhaupt abfangen zu können. Und da reden wir jetzt nur von einem Raum. Jetzt reden wir an einem Berufskolleg aber auch mal schnell über 20 Räume dieser Art, die alle gleichzeitig arbeiten.

Bei der LAN-Anbindung an den Server ist es ähnlich. Jedes Mal, wenn sich ein Schüler an einem PC anmeldet, tauscht das lokale Windows ca. 200MB Daten mit dem Server aus. Wenn sich jetzt morgens zu Beginn der Stunde gleichzeitig mehrere hundert Schüler anmelden, gibt das enorme Spitzenlasten, die abgefangen werden müssen. Da wird dann mitunter auch eine 10GB-Verkabelung im Gebäude zum Flaschenhals und ob der/die Server intern die Daten überhaupt so schnell bereitstellen können, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Wir haben in der Schule halt keine Gleitzeit, wo die Mitarbeiter nacheinander einzeln eintrudeln. Bei uns passiert mit dem Gong alles in allen Klassen gleichzeitig und diese Lastspitze ist die enorme Herausforderung an die Infrastruktur.

Dazu kommen bei der Installation im Gebäude dann noch so Feinheiten wie am Berliner Flughafen, dass z.B. mit den ganzen Kabeln auf einmal die Kabeltrassen überbelegt sind. Neue Kabeltrassen über den Flur ziehen (oberhalb der abgehängten Decke) geht aus Brandschutzgründen auch nicht…

Ich bin Berufsschullehrer an einem technischen Berufskolleg und wir bilden unsere Azubis genau in diesen Fächern aus, trauen uns also schon einiges an Fachwissen zu. Aber auf der Basis würde ich sogar 200.000€ noch als zu gering ansehen, wenn es übel kommt. Als unsere Gebäude vor einigen Jahren energetisch saniert wurden, wurde auch gleich die Infrastruktur (Strom und LAN) ertüchtigt. In dem Zuge kam dann auch ein 10kV Mittelspannungstrafo vor die Schule, eben weil das alles nicht mehr 08/15 ist und der Hausanschluss der Schule bei weitem nicht mehr dem Strombedarf gerecht wurde. Und obwohl vor 10 Jahren schon geklotzt und nicht gekleckert wurde, sind heute die Kabeltrassen schon wieder überbelegt und wir müssen die hausinternen Ethernet-Kupferkabel rausreißen und auf Glasfaser umstellen, einfach weil die Kabel dünner sind.

Rückblickend wäre es günstiger gewesen die ganze Schule abzureißen und neu zu errichten.

FrankDrebbin
2 Monate zuvor

So lange Lehrkräfte die einzigen arbeiten in Menschen in Deutschland, sind, die ihre Hardware nicht vom Arbeitgeber bezahlt kriegen, brauchen wir über alles nicht weiter reden. Manche hat ein Glück beim digitalpakt irgendwas zu kriegen. Wessen Gerät mittlerweile defekt ist, hat einfach Pech. Jeder der ab eine Woche zu spät kam, hat seitdem auch kein Gerät. Mal ganz davon abgesehen, dass dir alle mittlerweile abgeschrieben und alt sind.

Ich kenne Lehrkräfte die sagen. Sie benutzen so lange nur Kreide, bis ihr Arbeitgeber dafür sorgt, dass sie ein digitales Gerät bekommen, dass sie zu Hause zur Vorbereitung sinnvoll nutzen können und im Unterricht. Die riesigen fetten nicht zeitgemäßen unhandlichen Notebooks, die damals manche zur Wahl bekamen, sind eine Zumutung. Eine Maus ohne Kabel undenkbar – kostet ja 12 Cent mehr. Auf dem Ipad lässt sich gut präsentieren – falls, aber wirklich nur falls die Peripherie passt – aber kaum produktiv arbeiten. Die Hüllen die es dazu gab, waren schwerer und dicker als das Gerät selbst – aber billig.
Und wie gesagt: Wer damals kein Glück hatte und wessen Gerät kaputt ging, muss selbst bezahlen oder steigt wieder auf Kreide um – Willkommen 2026

Arno Handke
2 Monate zuvor

Seit wir mit Tablets arbeiten, brauche ich pro Tag 30-90 min mehr Vorbereitungszeit. Tappe fast täglich in die Digitalfalle: länger recherchieren, schönere Bilder im Internet suchen, Arbeitsblätter vergleichen oder selber schreiben.