HAMBURG. Die Zahl langzeiterkrankter Lehrkräfte steigt – nicht nur in Hamburg. Neue Zahlen aus der Hansestadt zeigen, dass immer mehr Fehltage auf Krankheitsphasen von mehr als 30 Tagen entfallen. Die GEW sieht darin ein Warnsignal und verweisen auf wachsende Belastungen im Schulalltag. Auch Umfragen und Beratungsfälle aus anderen Bundesländern deuten darauf hin, dass Arbeitsverdichtung, Personalmangel und psychischer Druck zunehmend gesundheitliche Folgen für Lehrkräfte haben.

Ferien reichen für viele Lehrkräfte offenbar nicht mehr aus, um sich von den Mühen des Schulalltags zu erholen. Mit dem Ende der unterrichtsfreien Zeiten (aktuell: der Frühjahrsferien in Hamburg) kehren viele Lehrkräfte an ihre Schulen zurück – doch für viele beginnt damit erneut ein Arbeitsalltag unter hoher Belastung. Eine aktuelle parlamentarische Anfrage in der Hamburgischen Bürgerschaft zeigt nun, dass die Zahl der langzeiterkrankten Lehrkräfte steigt. Die Bildungsgewerkschaft GEW sieht darin ein deutliches Warnsignal und fordert stärkere Maßnahmen im Arbeits- und Gesundheitsschutz.
Nach Angaben der Schulbehörde entfallen inzwischen deutlich mehr Fehltage von Lehrkräften auf längere Krankheitsphasen von mehr als 30 Tagen. An Grundschulen stieg der Anteil der Langzeiterkrankungen an allen Fehltagen in den vergangenen drei Schuljahren von 27 auf 29 Prozent. An Gymnasien nahm er von 24 auf 29 Prozent zu, an Sonderschulen sogar von 28 auf 34 Prozent. Zu den häufigsten Ursachen für Krankmeldungen im Schuldienst zählen laut Schulbehörde Atemwegserkrankungen, psychische Belastungen sowie Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems.
„Die steigende Zahl langzeiterkrankter Kolleginnen und Kollegen ist ein deutliches Warnsignal“, sagt Yvonne Heimbüchel, stellvertretende Vorsitzende der GEW Hamburg. Wer über Unterrichtsausfall spreche, müsse auch konsequent beim Arbeits- und Gesundheitsschutz handeln. Gute Arbeitsbedingungen seien eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Lehrkräfte dauerhaft gesund arbeiten können.
Gewerkschaft sieht Defizite bei Prävention
Aus Sicht der GEW mangelt es an grundlegender Gesundheitsvorsorge im Schulbereich. Niedrigschwellige Impfangebote direkt an Schulen oder ergonomisch ausgestattete Arbeitsplätze für Lehrkräfte seien bislang eher die Ausnahme. Gleichzeitig nehme die psychische Belastung im Schulalltag zu – etwa durch Arbeitsverdichtung, Personalmangel oder Konflikte im Schulbetrieb.
Auch Gewalt gegen Beschäftigte gehört nach Ansicht der Gewerkschaft zum Thema Arbeitsschutz. Zwar verweist die Schulbehörde auf eine entsprechende Handreichung aus dem Jahr 2018. Eine Broschüre allein reiche jedoch nicht aus, betont die GEW. Wenn Übergriffe nicht gemeldet würden oder Betroffene den Eindruck hätten, sie hätten pädagogisch anders handeln müssen, könne das zusätzliche psychische Belastungen verursachen.
Neue Strukturen für den Arbeitsschutz
Gemeinsam mit dem Gesamtpersonalrat hat sich die GEW Hamburg nach eigenen Angaben seit Jahren für verbindliche Strukturen im Arbeits- und Gesundheitsschutz eingesetzt. Ein Ergebnis ist die Einführung schulformspezifischer Arbeitsschutzausschüsse sowie verpflichtender Gespräche zum Gesundheits- und Arbeitsschutz an den Schulen. In diesen Runden sollen Schulleitungen, Personalräte und Sicherheitsbeauftragte unter anderem Unfallmeldungen und Krankenstatistiken auswerten und mögliche Maßnahmen beraten.
„Diese Gremien sollen helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen und Lösungen vor Ort zu entwickeln“, sagt Heimbüchel. Gleichzeitig sei klar: Verbesserter Arbeits- und Gesundheitsschutz koste Geld – könne aber langfristig dazu beitragen, Krankheitszeiten zu reduzieren.
Belastung von Lehrkräften bundesweit Thema
Die Diskussion über gesundheitliche Belastungen im Schuldienst wird auch in anderen Bundesländern geführt. Im August 2025 hatte eine Umfrage des Niedersächsischen Philologenverbands (PHVN) unter rund 1.700 Lehrkräften – überwiegend an Gymnasien – gezeigt, wie stark viele Beschäftigte ihre Arbeit als gesundheitlich belastend empfinden (News4teachers berichtete). Mehr als drei Viertel der Befragten erklärten, dass sich ihre Arbeitsbedingungen in den vergangenen fünf Jahren verschlechtert hätten. „Unsere Befragung hat gezeigt, dass die Arbeitsbelastung an den Schulen deutlich zugenommen hat. Das sind alarmierende Fakten“, sagte der PHVN-Vorsitzende Dr. Christoph Rabbow.
Die gesundheitlichen Folgen sind laut Umfrage bereits deutlich spürbar: Über 80 Prozent der Lehrkräfte berichteten von Beschwerden wie Schlafstörungen, Gereiztheit oder chronischem Stress. Fast jede dritte Lehrkraft gab an, bereits wegen schulisch bedingter Überlastung krankgeschrieben gewesen zu sein. Viele Befragte nannten besonders Phasen mit hoher Prüfungsdichte als belastend – etwa die Wochen zwischen Ostern und Pfingsten während der Abiturphase. Kurze Korrekturfristen für Klausuren und Prüfungen würden in dieser Zeit von vielen Lehrkräften als „unzumutbar“ empfunden.
Der Verband sieht darin ein strukturelles Problem. „Besonders bedenklich ist, dass sich unsere Lehrkräfte von Politik und Schulverwaltung nicht wahrgenommen fühlen und zu großen Teilen gesundheitliche Auswirkungen durch ihre Arbeit hinnehmen müssen. Dies ist ein Zustand, den wir so nicht hinnehmen können“, erklärte Rabbow.
Auffällig ist zudem die Zurückhaltung vieler Lehrkräfte bei offiziellen Überlastungsanzeigen. Fast 60 Prozent der Befragten erklärten, aus Angst vor möglichen Nachteilen darauf zu verzichten – etwa wegen möglicher Einträge in die Personalakte, eines schlechten schulischen „Standings“ oder befürchteter Nachteile bei Beförderungen. „Diese Zahlen zeigen, dass unsere Lehrkräfte offenbar große Bedenken haben, ihre Arbeitsbelastung öffentlich zu machen. Ein bedenklicher Befund“, so Rabbow.
Die GEW Hessen geht von einer Krankheitsquote unter Lehrkräften insgesamt von durchschnittlich etwa sechs Prozent aus. Darunter seien auch Fälle von schwerwiegenden und langwierigen Krankheitsfällen, erläuterte der hessische GEW-Vorsitzende Thilo Hartmann im vergangenen Dezember (News4teachers berichtete). Informationen über häufige Diagnosen in dieser Gruppe gebe es zwar nicht. In den Rechtsberatungen der Gewerkschaft seien aber mehrere Phänomene auffällig.
Psyche und Präsentismus spielen eine Rolle
„Diese Lehrkräfte sind häufig durch die psychischen Belastungen des Berufs erkrankt oder zeigen physische Auswirkungen zum Beispiel durch eine erhöhte und dauerhafte Lärmbelastung wie Tinnitus oder Hörstürze, die sich wiederum auf ihre Dienstfähigkeit auswirken können“, erläuterte Hartmann. Zudem gebe es das Phänomen des „Präsentismus“. Hierunter versteht man das Arbeiten trotz akuter Krankheit. „Fortgesetzter Präsentismus kann in der Folge zu einer Verstärkung des Krankheitsbildes und zu langfristigen und schwerwiegenden Erkrankungen führen“, sagte Hartmann. News4teachers / mit Material der dpa
Vielleicht ist das immer wärmer werdende Wasser an den Erkrankungen schuld?
https://karrierebibel.de/boiling-frog-syndrom/
Manche Frösche steigen halt vorher aus der kochenden Brühe aus, wenn auch mit gesundheitlichen Schäden. Manche springen gleich vorher ab und andere gehen gar nicht erst in die Nähe des Kochtopfs. 🙂
Da Sie bis heute in der DDR-Ideologie hocken, waren die Lehkräfte Ihrer damaligen Zeit wohl doch nicht so anders 😉
Och, der Krankenstand war damals recht gering und durch die 110% Lehrer- und Erzieherversorgung ging das nicht so sehr zu Lasten der Kollegen, wenn jemand mal ausfiel. Die Horterzieher hatten eine Lehrbefähigung für ein Fach bis Klasse 4, konnten (und wurden) als Vertretung eingesetzt werden. Die Erzieher waren in vielen Stunden am Vormittag auch als Doppelsteckung in den Klassen und mein Stundendeputat betrug damals 23 Unterrichtsstunden. Die Zusammenarbeit mit den Erziehern war überhaupt sehr eng. Jede Klasse hatte einen festen Horterzieher.
Ohhhhhh, paradiesische Verhältnisse…….
Sie gehen gerade der DDR-Propaganda auf den Leim. “Von diesen ach so edlen Lehrern der einstigen Diktatur, die damals wie heute agieren.” Gerne hier nachlesen: https://www.deutschlandfunkkultur.de/lehrer-wie-die-ddr-in-der-schule-nachwirkt-100.html
Herzliche Grüße
Die Redaktion
https://www.deutschlandfunk.de/paedagogische-lesungen-in-der-ddr-sozialistische-schule-100.html
Ich hoffe, das reicht erst einmal, um Ihr Schwarz-Weiß-Denken etwas zu mildern. 🙂
Aus dem Beitrag: „In Sachsen wurde da zum Beispiel ein Modell gebaut mit kleinen Atomraketen, also es war so eine Art Modelleisenbahn und da sind dann so kleine Atomraketen aus unterirdischen Silos hochgefahren und es waren überall Lampen und es hat geleuchtet und kleine Panzer standen rum. Und die Schüler standen daneben und konnten die mit kleinen Elektromotoren fernsteuern…“
Wer so etwas ernsthaft für ein nachahmenswertes Bildungsprojekt hält…
Und wer sich von so etwas beeindrucken lässt…
“Also da gab‘s einen Riesenempfang am Anfang, da gab‘s ein schickes Buffet. Die eine Lehrerin sagt, ja, ich hab da auch eine Prämie bekommen, aber es gab da diesen richtig tollen Tulpenstrauß. Das waren einfach so auch ganz viele schöne Geschichten, die man über Archivalien nicht eingefangen kriegt.“
… hat dann eben so etwas ignoriert:
„Freunde von uns haben das auch gemacht (Ausreiseantrag gestellt, d. Red.), viele Jahre vorher und die sind beide sofort von einem Tag auf den anderen vom Schuldienst entfernt worden und sind in der Materialausgabe gelandet für die Stadt und haben Kunst- und Werksachen übergeben dürfen für die Schulen – ohne dass sie Kinderkontakt hatten.“
Für Angepasste und Systemträger war die DDR-Schule offensichtlich paradiesisch – gab sogar Tulpen. Uns interessiert der Umgang mit den anderen mehr (weil er den wahren Charakter des Systems offenlegt).
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Frau Schädlich, welche in Ihrem Link ihre Erinnerungen im darlegt, verließ 1977 im Alter von 12 Jahren die DDR. Frau Schädlich ist Schriftstellerin, nicht Wissenschaftlerin.
Dessen ungeachtet stimmt es nun mal, was potschemutschka bezüglich der Schule/des Hortes in der DDR geschrieben hat.
Und ja, ich wäre deutlich zufriedener mit einem Deputat von 23h, einer Personaldeckung von 110% und einer regelmäßigen Doppelsteckung in der Klasse.
Mit freundlichen Grüßen,
Mika
Wenn es Teil DDR-Ideologie war, gute Arbeitsbedingungen für das Lehrpersonal und gute Lernbedingungen für die Schüler zu schaffen, wie kann man dann diesen Teil der Ideologie ablehnen?
Von anderen Teilen der Ideologie hat potschemutschka hier nichts geschrieben.
Die DDR will sicher keiner hier zurück, aber Gutes an einem verurteilswerten System muss man benennen dürfen, ohne dafür herabgewürdigt zu werden.
Was kann denn “Gutes an einem verurteilswerten System” sein? Doch nur banale Oberflächlichkeiten. Ein autoritäres System ist – autoritär. Auch wenn die Träger*innen schicke Blusen tragen (sinnbildlich).
Wer die Propaganda eines autoritären Systems hinsichtlich Bildung nicht hinterfragt, hat den Sinn und Zweck von Bildung nicht verstanden, sorry.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Da ist unser Schulsystem in einigen Belangen meiner Meinung nach auch in der Nähe von Kindeswohlgefährdung.
Durchaus – darf man aber auch so benennen. Herzliche Grüße Die Redaktion
Hätten die Menschen in der DDR nicht die Propaganda des autoritären Systems hinterfragt, gäbe es die Mauer heute noch.
Volle Zustimmung. DIESE Menschen schrieben und schreiben aber auch nicht diesen romantisierungstrunkenen DDR-Sprech, dass das Leben unter einer Diktatur schon ok sei.
Warum schmücken Sie sich also mit Deren Federn? Sie waren doch zufrieden.
Wenn es Teil [HUST!]-Ideologie war, gute [Autobahnen zu bauen], wie kann man dann diesen Teil der Ideologie ablehnen?
Ja ist superseltsam, warum die eine Diktatur abgelehnt wird, das Konzept gut ausgestatteter Schulen aber nicht. Fast so, als wäre das nicht der Kern der DDR sowie der Kritik an diesem Unrechststaat, aber manche im Forum können sich das wohl nachwievor ausschließlich als Gesamtpaket unter Russlands Herrschaft vorstellen – warum leben die überhaupt nich in der “Diktatur” BRD? Warum flüchteten die nicht ins schöne, freie, für Sie gerechte Russland? 😉
Na dann auf nach Russland oder Nordkorea, da beschweren sich Lehrkräfte nicht. 😀
Traurige Ironie dabei ist, dass die GEW bei dieser Entwicklung nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems ist. Zahlreiche GEW-Funktionäre (m/w/d) sehen sich eher als bildungspolitische Player denn als Mitarbeitervertretung.
Zahlreiche bildungspolitische Forderungen der GEW bestehen aus Schlagwörten ohne die notwendige Rückbindung an Ressourcen und erschweren den Unterrichtsalltag für jede reflektierte Lehrkraft.
Fronarbeit ist eben auch eine Ressource, eine kostengünstige allemal.
“Zahlreiche GEW-Funktionäre (m/w/d) sehen sich eher als bildungspolitische Player denn als Mitarbeitervertretung.”
DAS entnehmen Sie dem Artikel?
Sie missverstanden wohl auch, dass die GEW die fehlenden Ressourcen FORDERT, nicht entschuldigt…
Aber kein Stress, wenn Sie nichtmal bei vermeindlich gleichen Aussagen im Artikel ein Wort der Zustimmung finden, welche Gewerkschaft ziehen Sie da vor? Oder ist der Status Quo für Sie derzeit einfach zu gut? 😉
Man beschäftigt sich lieber mit dem Grundwehrdienst … welchem Kollgen das auch immer nützen soll.
Trifft den Nagel auf den Kopf! Die GEW, der Büttel der Kultusminister! Ich habe mich damals so über deren konziliante Haltung gegenüber Hubig und Co und mangelnde Unterstützung der LehrerInnen (die die heftigen Beiträge zahlen) geärgert, dass ich ausgetreten bin.
Und durch Ihren Austritt wurde was genau besser? Wo wirken Sie nun mit für bessere Arbeitsbedingungen?
Tja, Sie wählen oder sind Mitglied in auch keine Partei, die Sie politisch nicht anspricht, um innerhalb der Partei etwas zu ändern, oder?
Stimmt nicht. Wie ich gerade schrieb, rief die GEW in Berlin mehr als ein dutzend Mal zu einem “Tarifabschluss Gesundheitsschutz” auf, u.a. durch kleinere Klassen, was medial meist als Einziges wahrgenommen wurde. Die Teilnahme der Lehrkräfte war minimal. Kaum 10% der angestellten Lehrer. Da wurde nur gemeckert und gejammert, dass gerade Prüfungen sind oder gerade dies oder gerade das….
“Ferien reichen für viele Lehrkräfte offenbar nicht mehr aus, um sich von den Mühen des Schulalltags zu erholen.”
… Ist ja auch nicht der eigentliche Sinn der Ferien, oder? Ich meine mich da schwach an sogenannte Schüler*innen zu erinnern…
Naja, zumindest die ewigen Kritiker*innen der GEW können hier ja vielleicht einen Funken an Zustimmung gönnen…
Wobei, die Nostalgiker*innen stören sich viellicht an diesen (“faulen”?) Kolleg*innen, immerhin waren die Menschen früher ja die beslastbareren, fleißigeren, besseren 😉
Wie gestalten Sie eigentlich immer die Ferien gemeinsam mit Ihren Schülern? Denn Sie sind doch keiner von den faulen Lehrern, die sich in den Ferien “nur” erholen und nicht an die armen Schüler denken. 🙂 Begeistern Sie doch bitte mal alle Lehrer, Ihrem leuchtendem Beispiel zu folgen!
“Wie gestalten Sie eigentlich immer die Ferien gemeinsam mit Ihren Schülern?”
Volle Möhre am Thema vorbei – die Ferien richten sich (bestenfalls) nach den Schüler*innen, nicht nach dem Urlaubsbedürfnis von Lehrkräften.
Da die Belastungen sehr hoch sind – betrifft Sie ja nicht – braucht es bessere Strukturen am Arbeitsplatz, keine dickeren Trostpflaster.
Ich rate den Kolleg*innen im Rahmen der Gesunderhaltung eher von meinem Beispiel ab. Arbeite in der unterrichtsfreien Zeit, da ich da klaren Kopf, Podcasts im Hintergrund, sehr viel Kaffee und wenig Zwischenrufe erdulde.
Ungeachtet unserer verschiedenen Förderschwerpunkte wissen Sie ja wahrscheinlich, wie viel Material da nicht zu den Voraussetzungen der Schülerschaft passt.
Die GEW Hamburg meldet aus dem hohen Norden, dass die Zahl der langzeiterkrankten Lehrkräfte explodiert – ein Warnsignal, das eigentlich bis in jede Kultusbehörde dröhnen müsste. Fehlende Gesundheitsvorsorge, steigende psychische Belastung, Arbeitsverdichtung, Personalmangel: Das ganze bekannte Paket, das Kollegien seit Jahren zermürbt.
Und dann richtet man den Blick in den sächsischen Süden und sieht, wie man dort die Lage interpretiert: Man sieht die bestehende Arbeitsbelastung, die krankheitsbedingten Ausfälle und die psychischen Belastungen sehr genau… und beschließt dann, sie einfach noch ein Stück weiter zu erhöhen. Altersermäßigung gestrichen, Anrechnungsstunden in der Sek II weg, Teilzeit erschwert und Abordnungen an andere Schularten. Ein Maßnahmenpaket, das klingt, als wolle man testen, wie viele Kolleginnen und Kollegen man noch zusätzlich über die Kante schieben kann.
Wer nicht mehr kann, fällt eben aus und schon sinkt die Zahl derjenigen, die überhaupt noch laut über Überlastung sprechen könnten. Ein statistischer Effekt, der nur funktioniert, wenn man konsequent ignoriert, dass die Ausfälle dadurch nicht weniger, sondern mehr werden.
So entsteht dann der sächsische Beitrag zur Gesundheitsvorsorge: weniger Erholung, weniger Flexibilität, mehr Druck.
Im Norden warnt man vor dem Sturm – im Süden dreht man einfach die Windmaschine höher.
Und zum Schluss ein Gruß an alle Kolleginnen und Kollegen – in Sachsen und überall sonst:
Wir haben uns viel zu lange einreden lassen, dass man das System schon irgendwie am Laufen hält, wenn man nur genug eigene Gesundheit opfert. Die Wahrheit ist deutlich simpler: Wer sich selbst verheizt, rettet nicht die Schule – er verlängert nur die politische Bequemlichkeit derer, die seit Jahren zuschauen.
Es gibt keinen Orden fürs Durchhalten, keinen Bonus fürs Zusammenbrechen und keine Dankesrede für den eigenen Verschleiß.
Ich mache gerne in einer neuen, alternativen Organisation mit. Eine, die viele streik- und kampagnenbereite, aktive Mitglieder hat. Können Sie da was empfehlen?
Die GEW ist auch nur so stark, wie sie ihre Mitglieder machen. Siehe meine Kommentare oben. Aber ich stimme auch zu, aus dem Politischen sollte sich die GEW bzw. eine Lehrerinteressenorganisation eher raushalten.
Ich bin im sächsischen Philologenverband organisiert, da er sich vor allem für den Erhalt des Gymnasiums als eigenständige Schulform einsetzt.
Gleich zwei no gos miteinander vereint – sächsisch und Philologen:(
Gleich zwei Minderheiten auf einmal diskriminiert! Und das in einem kurzen Satz.
Nennt sich Effektivität.
🙂
… keine Dankesrede, aber dafür eine Urkunde per Post als Dank für 40 Jahre Vollzeit. Ach ja es gab noch 450 Euro Brutto dazu, die musste ich aber erst mehrfach anmahnen. Netto reichte es dann noch für ein nettes Abendessen mit der Familie beim Liebling-Italiener. 🙂
So sieht es aus!!
Ich vermute die Methode Deutsche Bahn:
Züge, die gar nicht da sind (da aus dem Fahrplan genommen) zählen nicht als verspätet.
Übertragen auf den Schulbereich:
Langzeiterkrankte Lehrkräfte, die gar nicht erst in den Stundenplan eingeplant werden, deren Stunden also ersatzlos gestrichen werden, verursachen auch keinen Unterrichtsausfall (was nicht im Plan steht kann auch nicht wegfallen, oder?)
Sind aber im Gesamtsystem als Passivposten dann doch da und dienen so den Ministerien dazu, sich die Unterrichtsversorgung schönzurechnen. Was für eine verquere Logik!
Stimmt. Vertretungsstunden sind nämlich nicht vertreten, sondern lediglich durch Anwesenheit einer Person abgedeckt. Es handelt sich folglich höchstens um Betreuung.
Die Berechnung der Unterrichtsabdeckung ist folglich Augenwischerei oder besser: eine Lüge
Verständlich. In Berlin streikte die GEW (und ein paar Mitglieder) über ein dutzend Mal für bessere Arbeitsbedingungen. Allerdings machte kaum jemand mit.
Das Problem der GEW ist, dass sie zu viele Fässer aufmacht, wofür sie steht und kämpft…..da bleibt das pädagogische Personal schon mal auf der Strecke…..und das sieht man eben dann auch auf der Straße…..hätte die GEW ähnliche Ziele wie Verdi, nämlich die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und nur diese, dann hätte sie mit Sicherheit mehr Mitglieder und könnte auch mehr Leute auf die Straße bringen…..aber so (man kann sich leider leider nicht entscheiden, welche Interessen genau vertreten werden), wird das nix….
Nee, das Problem der GEW sind zu viele passive Nichtmitglieder, die stets hohe Erwartungshaltungen demonstrieren, für die selbstverständlich alle anderen zuständig zu sein haben.
Wie kann man denn als Nichtmitglied passiv sein?
Stimmt, Nichtmitglieder sind ja stets aktiv.
Oh …. bin bekennendermaßen Nichtmitglied dieses Klüngelklubs … aber dennoch sehr aktiv bei der Gestaltung und Schaffung besserer Arbeitsbedingungen direkt vor Ort … und das nervt meine SL und die loyalististe Eselrunde.
Sie Maulwurf, Sie.
Und dabei ist Karneval vorbei und die Bütten sind wieder eingemottet bis zur nächsten Session.
Der Karneval ist mittlerweile ein Ganzjahresgeschäft.
Aber ohne Bütten-Reden und TäTäTschingBumm.
Je mehr Vegetarier desto mehr “carne valis”
Die Hälfte der Ferien sollte der Erholung dienen. In der Arbeitswelt gibt es ebenfalls 30 Tage Urlaub und sogar die Möglichkeit, Überstunden in freie Tage umzuwandeln.
Meine Ferien dienen jedoch vor allem der Korrektur, der Vorbereitung neuer Prüfungen sowie dem Lesen neuer Lektüren und der anschließenden Konzeption meines Unterrichts.
Auf 30 Tage Urlaub komme ich nie, und meine Arbeitszeit ist meist schon während der regulären Wochen abgegolten, da neben dem Unterricht auch noch einiges andere anfällt.
Ferien zur Erholung wären also wünschenswert.
Auch hier: Selbstdisziplin ist key.
Und ja, wenn ich mir den Nachmittag wegen der Kinder korrekturfrei halte, dann muss ich am Wochenende oder in den Ferien korrigieren. Die Heinzelmännchen machen das nicht.
Neben Selbstdisziplin gehört auch ein realistischer Blick auf die Arbeitsbelastung dazu: Unterrichtsvor-
und Unterrichtsnachbereitung, Nachmittagsunterricht, Konferenzen, Fortbildungen, Projekte, Elterngespräche & co….
Und bei korrekturintensiven Fächern sitzt man einfach auch länger an einer Klausur und nach einer gewissen Anzahl ist Schluss.
Freizeit am Nachmittag haben wohl die wenigsten von uns.
Und außerdem ist
Selbstdisziplin kein Ersatz für Vereinbarkeit: Die meisten Lehrerinnen müssen Beruf und Familie unter einen Hut bringen – oft parallel, nicht nacheinander.
Das müssen alle berufstätigen Eltern.
Wieso wundert mich das nicht? Wir sind beides Lehrer und haben kinder. Familienfreundlicher Stundenplan ist ein zahnloser Tiger, selbst wenn man 3 mal so viel Stunden wie man im Deputat hat angiebt, reicht es nicht aus. Man muss sich teilen und rennt immer allem hinterher. Dazu kommt, dass seit 2 Jahren die Anzahl der Konferenzen stetig steigt sowie die allgemeinen Anforderungen.
Wenn man von Schule und freier Zeiteinteilung redet, da habe ich den Eindruck es geht darum, dass ich frei auch Nachts und am Wochenende arbeiten soll (obwohl ich meine Wochenstunden schon längst überwschritten habe). Die Belastung steigt rapide (ich komme aus der Industrie und erwische mich immer wieder mit dem Gedanken, bei meinem alten Arbeitgeber wieder einzusteigen) und zurück kommt nichts.
Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und ALLE arbeitenden Eltern müssen sich hier aufreiben.
Leider trägt die Halbtagesschule nicht zur Entspannung bei.
Die Anforderung an Selbstdisziplin, Konsequenz, Routinen sind bei allen anspruchsvollen Berufen hoch. In der Industrie hat sich die Welt auch weiterentwickelt und die Ansprüche sind nicht geringer geworden.
Als Trost: Lehrer müssen nicht zwischen den Zeitzonen jonglieren, so wie es viele global agierende Akademiker müssen. Mit oder ohne Kinder.
Ich stimme Ihnen zu, dass es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem handelt und viele arbeitende Eltern vor großen Herausforderungen stehen.
Gleichzeitig bringt der Lehrerberuf jedoch eine zusätzliche Besonderheit mit sich: die starke Entgrenzung von Arbeit und Privatleben. Viele Aufgaben wie Korrekturen, Unterrichtsvorbereitung oder Kommunikation werden in den privaten Raum verlagert, wodurch es oft schwieriger ist, wirklich abzuschalten und Zeit mit der Familie klar abzugrenzen.
Aber einen Präsenzarbeitsplatz an der Schule will auch niemand.
Was genau soll also gelöst werden?
Wer ist niemand?
Eine vollständige Verlagerung in die Schule würde die Entgrenzung nicht automatisch aufheben, sondern eher neue Probleme schaffen, solange die tatsächliche Arbeitszeit nicht realistisch erfasst und begrenzt wird.
Wenn man Präsenz ernsthaft umsetzen will, dann konsequent: Alle verpflichtenden Termine wie Elternabende müssten innerhalb klar geregelter Arbeitszeiten stattfinden – inklusive der Einhaltung gesetzlicher Pausen- und Ruhezeiten.
Familienfreundlicher Stundenplan, Frage ist ja nur für wen. Ganztag für Schülereltern hat eben andere Auswirkungen auf’s Familienleben als für Lehrkräfte. Deputat von 25,5 bzw. 28 Stunden in einem wöchentlichen Zeitrahmen von rund 40 möglichen Unterrichtstunden gemäß Sollstundentafel plus Konferenzen und Dienstbesprechungen einschließlich 60-minütiger Mittagspause.
Da bleibt viel Spielraum für Freistunden, vor allem bei Teilzeitkräften mit Fächern der Fächergruppe II, die gerne in den Randstunden – entweder 1/2. morgens oder 7. bis 9. im Nachmittagsbereich – liegen.
Wenn ein Kollege sich von einem Schüler ” Halt’s Maul, du fette Sau” sagen lassen muss, und diesen Schüler dann weiterhin unterrichten soll, es keinerlei Unterstützung von SSA und BM gibt, ihm nur die Privatklage bleibt, was erwarten man dann?
Was Lehrer sich heute von Schülern aber zunehmend auch Eltern bieten lassen müssen, ohne dass es Konsequenzen gibt, ist nur eine Ursache für Frust.
Hinzu kommen ständig wachsende Aufgaben unter anderem durch die Bürokratie. Ich verschwende seit einigen Jahren mehr Zeit an Notfallpläne und Statistiken, als ich vor der Klasse stehe. Wer hat denn auf sowas Lust?