BERLIN. Die Bildungsministerkonferenz im Rahmen der KMK hat gemeinsam mit dem Bund eine umfassende „Roadmap“ beschlossen, um auf die im jüngsten IQB-Bildungstrend festgestellten dramatischen Kompetenzrückgänge zu reagieren. Ziel ist eine grundlegende Trendwende innerhalb eines Jahrzehnts – verbunden mit dem Anspruch, sowohl leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler gezielter zu fördern als auch die Leistungsspitze zu stärken. Der VBE begrüßt zwar die Marschrichtung der enthaltenen Maßnahmen, äußert aber Kritik an der Prioritätensetzung.

Ausgangspunkt der Entscheidung ist die Einsicht, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen. In der Präambel der Roadmap heißt es ausdrücklich, „dass es […] gemeinsamer kraftvoller Anstrengungen bedarf, damit alle jungen Menschen ihre Potenziale unabhängig von ihrer Herkunft bestmöglich entfalten können“. Zugleich formulieren Bund und Länder ein Ziel, nämlich: „innerhalb der nächsten zehn Jahre den Anteil der Schülerinnen und Schüler, die die Mindest- und Regelstandards […] nicht erreichen, […] deutlich zu reduzieren“. Was „deutlich“ bedeutet – lässt das Papier allerdings offen.
Hintergrund: Der jüngste IQB-Bildungstrend zeigte wachsende Defizite bei Neuntklässlern in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften. So verfehlte jeder dritte Schüler in den Testaufgaben die Mathe-Mindeststandards für den mittleren Schulabschluss (News4teachers berichtete).
Die politische Dimension des Beschlusses unterstreicht die Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, Anna Stolz (Freie Wähler). „Der IQB-Bildungstrend ist für uns ein klarer Handlungsauftrag. Erkenntnisse müssen konsequent genutzt und konkrete Verbesserungen im Unterricht umgesetzt werden. Von Daten zu Taten, vom Testen zur gezielten Förderung – das muss unser Anspruch sein“, erklärte sie. Bund und Länder arbeiteten eng zusammen, „damit Unterstützung frühzeitig dort ankommt, wo sie gebraucht wird“.
Auch Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) betont den Handlungsdruck: „Wir dürfen uns mit rückläufigen Kompetenzen nicht abfinden. Jedes Kind soll die Chance auf bessere Bildung haben und sein Potenzial zu entfalten – unabhängig von Herkunft oder Startbedingungen.“ Entscheidend sei nun, „dass wir als Bund und Länder gemeinsam konsequent evidenzbasiert handeln, wirksame Ansätze zügig in die Umsetzung bringen und Schulen spürbar stärken“.
Christine Streichert-Clivot (SPD), Bildungsministerin des Saarlandes, verweist auf die zunehmende Ungleichheit: „Der IQB-Bildungstrend 2024 war kein Grund zur Resignation, sondern ein deutliches Signal. Gerade die wachsende Ungleichheit bei den Bildungschancen macht deutlich, dass wir gezielter und wirksamer werden müssen.“ Es gehe darum, „jedes Kind in den Blick zu nehmen und die Unterstützung dort zu stärken, wo sie am dringendsten gebraucht wird“.
Für Nordrhein-Westfalen hebt Schulministerin Dorothee Feller (CDU) vor allem den Unterricht hervor: „Die IQB-Bildungstrends geben uns einen klaren Auftrag: Wir müssen die Qualität des Unterrichts noch konsequenter als bisher in den Mittelpunkt stellen.“ Zugleich warnt sie vor nachlassendem Interesse an bestimmten Fächern: „Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass sich Schülerinnen und Schüler immer weniger für die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer interessieren.“
„Wissenschaftliche Evidenz ist die Grundlage systematischer Qualitätsentwicklung von Schule und Unterricht“
Im Zentrum der Vereinbarung stehen sieben Handlungsfelder, die das gesamte Bildungssystem betreffen und künftig enger aufeinander abgestimmt werden sollen.
Das erste Handlungsfeld zielt auf Steuerung und Wirksamkeit durch datengestützte Qualitätsentwicklung. Die Roadmap beschreibt Daten ausdrücklich als zentrale Grundlage bildungspolitischen Handelns: „Wissenschaftliche Evidenz ist die Grundlage systematischer Qualitätsentwicklung von Schule und Unterricht und ermöglicht die gezielte Steuerung und Überprüfung der Wirksamkeit bildungspolitischer Maßnahmen.“ Bund und Länder wollen bestehende Instrumente ausbauen und zu einem kohärenten Gesamtsystem weiterentwickeln, das Transparenz erhöht und Bildungsungleichheiten verringert.
Wie? Dazu hat Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) der Kultusministerkonferenz Empfehlungen herausgegeben (News4teachers berichtete).
Das zweite Handlungsfeld rückt die Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler in den Fokus, insbesondere im sozial-emotionalen Bereich. Die Roadmap stellt fest, dass „zunehmend mehr Kinder und Jugendliche […] unter psychischen Belastungen“ leiden. Daraus leiten Bund und Länder die Verpflichtung ab, Maßnahmen zur Förderung von „Wellbeing, Selbstwirksamkeit und Mitbestimmung“ auszubauen, um bessere Lernbedingungen zu schaffen und individuelle Potenziale zu stärken.
Im dritten Handlungsfeld geht es um das Leitungshandeln im Bildungssystem. Gemeint sind sowohl Schulleitungen als auch Schulaufsicht. Ziel ist ein gemeinsames Verständnis darüber, „das […] ein kohärentes und zielorientiertes Handeln zur Verbesserung von Unterrichtsqualität und Lernergebnissen gewährleisten“ soll. Die Steuerungsverantwortung der Leitungsebene wird dabei ausdrücklich betont, insbesondere im Zusammenhang mit datengestützter Schulentwicklung.
Das vierte Handlungsfeld betrifft die Sprachbildung. Die Roadmap hebt hervor, dass „bildungssprachliche Kompetenzen in der deutschen Sprache […] wesentliche Voraussetzung für Bildungserfolg“ sind. Entsprechend sollen Sprachfördermaßnahmen von der frühkindlichen Bildung bis in die Schule systematisch ausgebaut und stärker standardisiert werden, auch mit Blick auf eine zunehmend heterogene Schülerschaft.
Im fünften Handlungsfeld steht die Qualität von Bildungs- und Unterrichtsmaterialien im Mittelpunkt. Angesichts wachsender Heterogenität und individueller Förderbedarfe messen Bund und Länder hochwertigen Materialien eine steigende Bedeutung bei. Die Roadmap verweist darauf, dass „digitale Bildungsmedien und mit KI erstellte Unterrichtsmaterialien […] großes Potential für die individuelle Förderung“ bieten. Gleichzeitig sollen Qualitätskriterien weiterentwickelt und bestehende Programme systematisch genutzt werden.
Das sechste Handlungsfeld widmet sich der Lehrkräftebildung. Die Roadmap formuliert hier einen direkten Zusammenhang zwischen Qualifikation und Unterrichtsqualität: „Die Qualität des Unterrichts hängt unmittelbar von der fachlichen und didaktischen Kompetenz der Lehrkräfte ab.“ Bund und Länder planen eine stärkere Verzahnung aller Ausbildungsphasen sowie den Ausbau evidenzbasierter Fortbildungsprogramme, insbesondere in den MINT-Fächern.
Das siebte Handlungsfeld schließlich betrifft die Bildungsforschung. Sie soll stärker als bisher in die Praxis wirken. Die Roadmap bezeichnet sie als Grundlage für evidenzorientiertes Handeln und kündigt an, den Transfer zu verbessern: „Diese Ressource wollen Bund und Länder viel stärker als bisher nutzen und ins System bringen.“ Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse systematisch in Unterricht und Schulentwicklung zu überführen.
Ergänzend zur Darstellung der sieben Handlungsfelder konkretisiert die Roadmap deren Zusammenspiel und Gewichtung im weiteren Prozess. Zwar betonen Bund und Länder ausdrücklich „die hohe Relevanz aller sieben identifizierten Handlungsfelder für die Verbesserung der Bildungsqualität in Deutschland“. Zugleich wird aber festgelegt, dass für einen „produktiven, zielorientierten Arbeitsprozess“ zunächst eine Fokussierung erfolgt: In einem ersten Schritt sollen vor allem die datengestützte Qualitätsentwicklung, die Lernvoraussetzungen sowie die Bildungsforschung mit konkreten Maßnahmen unterlegt werden.
Für die übrigen Handlungsfelder – darunter Leitungshandeln, Sprachbildung, Unterrichtsmaterialien und Lehrkräftebildung – sieht die Roadmap hingegen einen gesonderten Arbeitsmodus vor. Diese Bereiche sollen „im Rahmen eines zeitlich begrenzten und strukturierten länderoffenen Austauschs“ weiterentwickelt werden, organisiert durch sogenannte Patenschaften einzelner Länder. Ziel dieses Verfahrens ist es, „die vielfältigen Erfahrungen, Perspektiven und Expertisen der Länder und des Bundes zu vereinen“ und daraus tragfähige Maßnahmen abzuleiten, die anschließend in die Beschlussfassung der Bildungsministerkonferenz überführt werden können.
„Das ist es, was wir sehen wollen: Konkrete, messbare Ziele, die ins Zentrum jeglicher Weiterentwicklung des Bildungssystems gehören“
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) begrüßt die grundsätzliche Stoßrichtung, äußert jedoch Vorbehalte bei der Gewichtung. Bundesvorsitzender Tomi Neckov erklärte: „Das ist es, was wir sehen wollen: Konkrete, messbare Ziele, die ins Zentrum jeglicher Weiterentwicklung des Bildungssystems gehören.“ Zugleich kritisiert er die Prioritätensetzung: „Bei der Schwerpunktsetzung zeigt sich aber ein strategischer Fehler: Lehrkräftebildung und das Leitungshandeln (noch) nicht ins Zentrum der Bemühungen zu stellen, verkennt deren Relevanz für das pädagogische Handeln in Schule.“
Neckov stellt die zentrale Frage nach der Umsetzbarkeit: „Wie sollen Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler verbessert werden, wenn die Lehrkräfte darauf nicht adäquat vorbereitet werden?“ Seine Kritik verweist damit auf ein mögliches Spannungsfeld der Roadmap: die Balance zwischen datenbasierter Steuerung und der konkreten Ausstattung sowie Professionalisierung der handelnden Akteure im System.
Und was ist mit Zielmarken – also einer konkreten Angabe, um wie viel Prozent der „Anteil der Schülerinnen und Schüler, die die Mindest- und Regelstandards nicht erreichen“ reduziert werden soll? Prien, die selbst (noch als schleswig-holsteinische Bildungsministerin) das Ziel von 50 Prozent weniger Schulabbrecher binnen zehn Jahren ausgerufen hatte, konnte dafür bislang kein verbindliches Commitment unter den Bildungsminister*innen erreichen. Auf Nachfrage des Bildungsjournalisten Jan-Martin Wiarda erklärte sie lediglich: gemeinsame Bildungsziele seien „weiterhin Gegenstand des Roadmap-Prozesses“, man habe sich aber „noch nicht darauf verständigt, dass es bestimmte sind“. News4teachers
Hier lässt sich die vollständige Roadmap herunterladen.
“die die Mindest- und Regelstandards […] nicht erreichen, […] deutlich zu reduzieren“.
Ich würde es für sinnvoller halten als Ziel festzulegen, dass der Anteil junger Menschen erhöht werden sollte, die die Standards erreichen.
Wäre aber natürlich schwieriger zu erreichen als das Ziel der KMK.
” Prien, die selbst (noch als schleswig-holsteinische Bildungsministerin) das Ziel von 50 Prozent weniger Schulabbrecher binnen zehn Jahren ausgerufen hatte, “
Als Bundesministerin kann sie leicht reden, allerdings hat sie ihrer Nachfolgerin in SH kein leichtes Erbe hinterlassen:
“Schüler ohne Abschluss: Neuer Höchststand in Schleswig-Holstein erreicht“
“Jugendliche mit Migrationshintergrund in SH scheitern dreimal so oft am Schulabschluss”
Wenn man bedenkt dass die Unterschiede bei den Quoten zwischen den Bundesländern über 100% betragen, würde das je nach BL auch ganz andere Zielmarken bedeuten .
“Schüler ohne Abschluss: Neuer Höchststand in Schleswig-Holstein erreicht“
Wäre es bei so einer Voraussetzung nicht sogar leichter, die Zahl “deutlich zu reduzieren”?
Alles kaputtgespart, das selbst kleine Maßnahmen eine “deutliche Verbesserung” bedeuten (andere Bundesländer hier nicht ausgeschlossen) -___-
“Wäre es bei so einer Voraussetzung nicht sogar leichter, die Zahl “deutlich zu reduzieren”?”
Scheinbar nicht, denn die Zahlen sind in ihrer Amtszeit gestiegen und auch von 2024 auf 2025 weiter angewachsen.
Außerdem geht es bei KMK ja um die Quote an SuS, die die Mindeststandards nicht erreichen.
Diese Quote ist in SH unter dem Bundesschnitt, weil SH bundesweit den höchsten Prozentanteil an SuS hat, die nicht auf die Mindeststandards hin unterrichtet werden und sie damit auch nicht verfehlen können.
Gestern feierte die KMK ihre neue „Kultur des Hinschauens“ – ein hübsches Etikett für ein System, das seit Jahren alles tut, um Probleme unsichtbar zu machen. Heute folgt die große „Roadmap“ zur Rettung der Bildung, angeblich als Antwort auf die dramatischen IQB‑Kompetenzrückgänge.
Der eigentliche Treppenwitz: Das IQB hat genau jene Bildungsstandards mitentwickelt, die man über Jahre systematisch gesenkt und entkernt hat – immer unverbindlicher, immer diffuser, immer weiter weg von fachlicher Substanz. Parallel hat auch die KMK das Leistungsprinzip weichgespült, bis Spitzenleistungen kaum noch entstehen konnten. Und nun will man plötzlich die Schwächsten und die Spitze stärken. Ein Rollenwechsel, der nur funktioniert, wenn man auf kollektive Amnesie setzt.
Auf die Frage, warum die Roadmap keinerlei konkrete Ziele enthält, erklärt Karin Prien, gemeinsame Bildungsziele seien „weiterhin Gegenstand des Roadmap‑Prozesses“, man habe sich aber „noch nicht darauf verständigt, dass es bestimmte sind“.
Hurra. Eine Roadmap ohne Ziele, weil man sich nicht sicher ist, ob man welche haben möchte. Bildungssteuerung als dadaistische Kunstform.
Und dazu wieder ein neuer Begriff der KMK, der alles und nichts verspricht: Roadmap‑Prozess – klingt nach Silicon Valley, meint aber nur: Man läuft schon los und sucht den Weg erst hinterher.
Damit ist das Buzzword‑Bingo komplett: Roadmap, Prozess, Kultur, Handlungsfelder, Monitoring, Evidenz, Transformation – alles da.
Auch die sieben Handlungsfelder passen perfekt ins Gesamtbild: viel Bewegung, null Richtung.
Und damit bleibt die KMK ihren drei gut gepflegten Kulturen treu:
Kultur des Durchwinkens – Standards senken, bis jeder Befund irgendwie als Erfolg durchgeht.
Kultur des Abspeckens – Inhalte verdünnen, bis nur noch Kompetenzschaum übrig bleibt.
Kultur des Wegschauens – Probleme ignorieren, die man selbst geschaffen hat.
Wer jahrelang die Grundlagen weichgespült, Standards gesenkt und das Leistungsprinzip zerstört hat, kann später nicht glaubhaft den Retter spielen.
Aber vielleicht passt das ja perfekt zu: Bildungsinitiative Schland 2035 – ambitioniert unkonkret, konsequent folgenlos.
Absoluter Volltreffer, liebe Katze!!
Danke dafür!!
… und jetzt schicken wir deinen Kommentar direkt in die KMK … mit Pflicht zur konstrktiven Antwort.
Aus dem verlinkten Papier:
„Die Ländergemeinschaft beauftragt die Kommission Qualitätsentwicklung und Bildungsmonitoring mit der Prüfung einer Machbarkeitsstudie zu einer länderübergreifenden digitalen Testinfrastruktur.“
Kannste dir nicht ausdenken.
Gut Ding will eben Weile haben. Sie haben ja nicht die Verantwortung und den Überblick über das große Ganze. Sie sind (vermutlich) nur ein einfacher, banaler Lehrer. Da können Sie ja gar nicht alles verstehen.
Vermutlich bemühen sich Lehrkräfte tatsächlich eher möglichst vielen Kindern ordentliche Kompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen zu vermitteln, statt die von der KMK favorisierte Kennzahl zu senken.
Das wissen wir erst nach einem ausgiebigen Bildungsmonitoring, dass evidenzbasierte Qualitätsdaten erhebt, die auch fachgruppenübergreifend im Schulsetting kommuniziert werden.
Da ist was Wahres dran, aber die Initiatoren von “Schland 35” (Copyright by 447) verstehen das aus ihrer Perspektive nicht so ganz. Die meinen wirklich, die hätten den Durchblick.
Kein Durchblick, aber den “general overlook”.
Boah, gehts auch etwas weniger überheblicher ?
Mit dem Zitat aus der Bildungskönigsburg der KMK auf solch kleingeistige Mopperei aus dem Bildungssumpf hat HansMalz doch den Nagel auf den Kopf getroffen … passt also – erfahrungsgemäß. Was soll also deine humorlose Schelte?
Ich hatte auf einer Tagung letztens eine Dame aus dem Bildungsministerium, die wirklich fast genauso argumentiert hat. Die Satire wird immer wahrer…
Welches Zitat? Hat Herr Malz versäumt, die wörtliche Rede zu markieren ?
Nebenbei “Schelte mit Humor” ist eine Kunst für sich…
Netter Versuch, Frau Stolz! 😛
Versuch macht kluch 😉
Nur um nochmal einen Spruch rauszuhauen, über den sich andere dann aufregen.
„Wissenschaftliche Evidenz ist die Grundlage systematischer Qualitätsentwicklung von Schule und Unterricht“
Das hat die letzten 25 Jahre wunderbar funktioniert. Mein Ratschlag von der Seitenlinie: IQB und KMK auflösen.
“Wie sollen Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler verbessert werden, wenn die Lehrkräfte darauf nicht adäquat vorbereitet werden?”
Eigenverantwortung? Wenn Familien permanent und ausnahmslos dazu angemahnt werden, warum nicht Lehrkräfte? 😛
WER bereitet diese Lehrkräfte denn genau WIE vor? Und natürlich ist jede Lehrkraft für ihren Unterricht verantwortlich. So war es doch immer. Was sich aber geändert hat: Ständig neue Vorgaben von oben, ständig neue Reformideen und die mantraartig vorgetragene Formel, dass die Lehrkraft von heute doch Coach und Begleiter sein soll.
Der Fisch stinkt vom Kopfe aus. Man möchte eigentlich keine Lehrer mehr, sondern Coaches und Begleiter. Da wundern mich immer schlechtere Ergebnisse keineswegs.
“WER bereitet diese Lehrkräfte denn genau WIE vor?”
Na, die sich selbst – Eigenverantwortung einklagen geht nicht nur bei Eltern 😀
“Was sich aber geändert hat: Ständig neue Vorgaben von oben”
Ja? Muss vor meiner Zeit gewesen sein, aber wann gab es KEIEN Vorgaben von Oben?
“Man möchte eigentlich keine Lehrer mehr, sondern Coaches und Begleiter.”
Wo soll da ein Unterschied sein, außer einer Orientierung an Schüler*innen?
Wir haben halt nicht mehr den Luxus, Gymnasiast*innen unterhalb ihrer Möglichkeiten zu langweilen bzw. schwache Schüler*innen fallenzulassen, nur weil Lehrkräfte für “homogene” Gruppen planen, die es niemals gab ^^
Völlig richtig.
Deswegen warten wir verantwortungsbewusst die Monitoringergebnisse der faktengecheckten Bildungswissenschaftsstudie ab – statt populistisch einfach drauflos zu unterrichten.
Immerhin kann anekdotische Meinung von Einzelpersonen keine fundierte Berechnung, Planung und Zielmarkersetzung durch das IQB vorwegnehmen – das wäre unwissenschaftlich.
Volle Zustimmung! Warum Sie immernoch warten, anstatt sich an vorhandenen Ergebnissen zu orientieren, ist Ihre Sache, aber sollten Sie mal die Arbeit aufnehmen, wäre dies ein guter Ansatz 🙂
In diesem Sinne, haben Sie mitbekommen, was bezüglich des Beherrschens der eigenen Muttersprache oder dem Mehrwert von Hausaufgaben rauskam? 😀
“In einem ersten Schritt sollen vor allem die datengestützte Qualitätsentwicklung, die Lernvoraussetzungen sowie die Bildungsforschung mit konkreten Maßnahmen unterlegt werden.”
Sobald die Maßnahmen unterlegt worden sind, fange ich an zu arbeiten.
Diese (die anderen) Bereiche sollen „im Rahmen eines zeitlich begrenzten und strukturierten länderoffenen Austauschs“ weiterentwickelt werden, organisiert durch sogenannte Patenschaften einzelner Länder. Ziel dieses Verfahrens ist es, „die vielfältigen Erfahrungen, Perspektiven und Expertisen der Länder und des Bundes zu vereinen“ und daraus tragfähige Maßnahmen abzuleiten, die anschließend in die Beschlussfassung der Bildungsministerkonferenz überführt werden können.
Aber das muss ich doch auch abwarten. Wie soll ich armer Wicht denn sonst die richtigen Maßnahmen ableiten. Da mache ich sonst doch was falsch.
Also ruhig Blut. Ich erwarte eine schnelle Umsetzung und dann gehts los … bestimmt.
Ich bin ja Laie im Bildungssektor. Aber ich lese hier absolut nichts Konkretes heraus, was man nun ganz genau ändern will. Ich lese viele Allgemeinplätze, die sich in jeder Hochglanzbroschüre zum Thema “Bildung” befinden könnten. Und ich lese heraus, dass absolut niemand eine echte Ahnung hat, wie man den Karren aus dem Dreck gezogen bekommt. Prompt an ChatGPT:
“Erstelle uns eine nichtssagende, sieben Handlungsfelder umfassende Roadmap zum Thema Bildung mit möglichst viel allgemeinem Geschwafel und null konkreten Vorschlägen, wie man Bildungsstandards in Deutschland verbessern möchte. Alles muss aber so klingen, als wollten wir als KMK wirklich etwas verbessern.”
Sie haben eine Bildungsdrohne beschworen?
Bitte sehr:
(Beginn Satire)
Roadmap: „Bildung gemeinsam gestalten – Zukunft nachhaltig sichern“
(Beschlossen durch die Kultusministerkonferenz – KMK)
—
Handlungsfeld 1: Chancengerechtigkeit durch individuelle Förderung verankern
Wir sehen die Notwendigkeit, jedes Kind und jeden Jugendlichen dort abzuholen, wo es in seiner Entwicklung steht. Dazu gilt es, passgenaue Zugänge zu schaffen, die Heterogenität als Stärke zu begreifen und förderliche Rahmenbedingungen für eine inklusive Lernkultur weiterzuentwickeln. Der Fokus liegt auf der systematischen Reflexion bestehender Strukturen, um allen Lernenden gleichermaßen gerecht zu werden – im Sinne einer kontinuierlichen Verbesserung unserer Bildungslandschaft.
Handlungsfeld 2: Digitale Souveränität als Querschnittsaufgabe etablieren
Die digitale Transformation erfordert ein erneuertes Verständnis von Medienkompetenz. Wir wollen daher die Voraussetzungen schaffen, um digitale Werkzeuge sinnstiftend in Lehr- und Lernprozesse zu integrieren. Es geht darum, kritische Reflexionsfähigkeit, kreativen Umgang mit Informationstechnologien sowie ethische Grundfragen der Digitalität in den Blick zu nehmen – immer mit dem Ziel, unsere Schülerschaft für eine von Dynamik geprägte Arbeits- und Lebenswelt zu wappnen.
Handlungsfeld 3: Qualitätsentwicklung durch datengestützte Schulentwicklung
Eine verlässliche Weiterentwicklung unserer Schulen setzt voraus, dass wir evidenzinformierte Impulse setzen. Wir werden daher systematisch Rückmeldungen aus Lernstandserhebungen, Unterrichtsbeobachtungen und Schulumfragen aufgreifen, um daraus abgeleitete Handlungsoptionen zu diskutieren. Entscheidend ist dabei der konstruktive Dialog zwischen allen Akteuren – nicht die bloße Messung, sondern die gemeinsame Interpretation von Entwicklungsfeldern steht im Vordergrund.
Handlungsfeld 4: Lehrkräfteprofessionalisierung in dynamischen Zeiten
Die Anforderungen an das pädagogische Personal verändern sich beständig. Um diesen Wandel aktiv mitzugestalten, setzen wir auf eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen Ausbildungsinstitutionen, Studienseminaren und Schulen. Ziel ist es, phasenübergreifende Lerngelegenheiten zu verbessern, kollegiale Austauschformate zu stärken und die Berufskultur so weiterzuentwickeln, dass sie Raum für Innovation, Reflexion und Entlastung zugleich bietet.
Handlungsfeld 5: Nachhaltigkeit als Bildungsprinzip verankern
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist kein separates Modul, sondern eine Haltung. Wir wollen daher fachdidaktische Ansätze so weiterdenken, dass ökologische, ökonomische und soziale Perspektiven miteinander verwoben werden. Dabei geht es um die Förderung von Gestaltungskompetenz, systemischem Denken und zukunftsorientiertem Handeln – in der Schule, im Ganztag und in Kooperation mit außerschulischen Partnern.
Handlungsfeld 6: Übergänge passgenau und flexibel gestalten
Der Wechsel zwischen Bildungsphasen – von der Grundschule in die Sekundarstufe, von der Schule in den Beruf oder ins Studium – ist eine sensible Wegmarke. Wir werden die bestehenden Strukturen auf ihre Durchlässigkeit hin überprüfen und moderierte Begleitformate ausbauen. Unser Ziel ist ein abgestimmtes Miteinander von allgemeiner, beruflicher und hochschulischer Bildung, das Brüche vermeidet und individuelle Bildungsbiografien fördert.
Handlungsfeld 7: Partizipation und Verantwortungskultur im Bildungssystem
Bildung gelingt im Dialog. Deshalb stärken wir die Mitwirkungsmöglichkeiten von Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrkräften sowie kommunalen Akteuren. Es geht um eine wertschätzende Fehlerkultur, transparente Entscheidungswege und die Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses von Bildungsqualität. Nur durch gelebte Kooperation auf allen Ebenen kann unser System resilient und zukunftsfähig bleiben.
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Abschlusserklärung der KMK:
„Diese Handlungsfelder markieren die Richtung unseres gemeinsamen Weges. Konkrete Maßnahmen werden in einem partizipativen Prozess unter Einbezug aller relevanten Stakeholder sukzessive erarbeitet – im Bewusstsein, dass guter Bildung keine schnellen Rezepte, sondern beharrliche, reflektierte und ressourcenschonende Weiterentwicklung zugrunde liegt.“
(Ende Satire)
SUUUUPER! Am besten gleich an die KMK übermitteln, das spart dort sehr viel Sitzungszeit und -Geld, die vielleicht dem realen Unterricht zukommen könnten. Ja, ich weiß, ich bin ein unverbesserlicher Optimist…
Aber genau sowas wird am Ende bei der KMK rauskommen, ganz bestimmt!
Viel geschrieben, nichts gesagt. Ihr satirischer Blick scheint 1:1 der Realität in den Ministerien und Reformkreisen zu entsprechen.
Wieso denn Satire? So liest sich doch die Realität
https://www.schulministerium.nrw/system/files/media/document/file/impulspapier_ii_zentrale_entwicklungsbereiche_220303.pdf
(ab Seite 4)
Ich hatte Bingo nach der dritten Seite.
Als Plastikdrohne mangelt es bis zum nächsten Upgrade noch an Kreativität – ich habe mich daher durchaus…inspirieren…lassen.
Wieso Satire?
Deine “Roadmap” enthalten mehr konkrete Ansätze als das Geschwafel aus der Teuer-Premium-Eliten-Politiker-AG … ergo: die dort agierenden Vollpfosten bezügefrei nach Hause schicken.
Am besten spart man diese Leute, befördert mich auf B-irgendwas im home office … und lässt mich tippen.
Warum nun mich bevorzugen?
Nun, weil wirklich ALLE gewinnen!
1) Die Staatskasse: Spart sich 16 bis 16+X Dampflauderer mit Hochbesoldung, dafür nur ein hochbesoldeter Tastenplauderer, nämlich moi, le dampf, c’est moi!
2) Die Kollegen nehmen es mehr augenzwinkernd, da man gleich sieht was es für paper sind (Rechtsklick + “in Papierkorb verschieben”)
3) Die SuS gewinnen: Mehr Ausfallstunden, das fördert ‘Schland 2035
Also:
win-win-win.
Alle gewinnen!
Oh Roadmap? Kein Problem! Weniger selbständiges Lernen, mehr Doug Lemovs Methoden. Bin sofort dabei!
“„innerhalb der nächsten zehn Jahre den Anteil der Schülerinnen und Schüler, die die Mindest- und Regelstandards […] nicht erreichen, […] deutlich zu reduzieren“. Was „deutlich“ bedeutet – lässt das Papier allerdings offen.”
Auf den demografischen Wandel warten, schätze ich :/
“Lehrkräftebildung und das Leitungshandeln (noch) nicht ins Zentrum der Bemühungen zu stellen, verkennt deren Relevanz für das pädagogische Handeln in Schule.”
Hat Herr Neckov nicht das n4t-Forum gelesen? Das ist alles nur “Fühlifühlu” und “pädagogisches Blabla” 😛
Hier kommt die Roadmap für mehr Lockerheit, begleitet von der Taskforce für mehr Liebe – und einer Panzerhaubitze 3000 mit Kennzahl-Feuer-Funktion.
„Wissenschaftliche Evidenz ist die Grundlage systematischer Qualitätsentwicklung von Schule und Unterricht und ermöglicht die gezielte Steuerung und Überprüfung der Wirksamkeit bildungspolitischer Maßnahmen.“
Sorry, aber dieser Satz stimmt einfach nicht. Wenn man sich ein bisschen informiert wie lernen gut funktioniert, dann kommt etwas völlig anderes raus als unsere Schulen.
Keine Wissenschaft behauptet z.B., dass alle 45 Min Themenwechsel, Lernen nach Lehrplan und ohne Bezug zum eigenen Leben, Lernen in Großgruppen ohne Rückzugsmöglichkeit usw. dem Lernen zuträglich sind.
Das sind alles nur Schwächen von unserem System Schule und wenn man daran festhalten will, soll man sich die ganzen “Follow the Science” Lügen einfach sparen.
Und ja, ich benutze bewusst das harte Wort Lüge, einfach weil wir alle wissen, dass Schule in der bisherigen Form die Zusatzaufgaben – Erziehung, grundlegender Spracherwerb (leider nicht nur für Migranten), basale Lebenserfahrungen – nicht leisten kann, aber die entsprechende Umgestaltung seit Jahrzehnten verweigert wird.