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Mit Sprachtests und Milliardenhilfen: Prien will Kitas befähigen, die Bildungschancen der Kinder vom Start weg zu verbessern

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BERLIN. Kinder starten in Deutschland mit höchst unterschiedlichen Voraussetzungen in ihre Bildungsbiografie – oft entscheidet sich bereits vor der Einschulung, wie erfolgreich ihr weiterer Weg verläuft. Mit einem milliardenschweren Kita-Gesetz will Bundesbildungsministerin Karin Prien diese Ungleichheiten verringern: Verbindliche Sprachtests, gezielte Förderung und bundesweit einheitliche Standards sollen Defizite früher erkennen und abbauen. Der Bund stellt dafür bis 2034 insgesamt 9,25 Milliarden Euro bereit. Doch schon zum Start gibt es Zweifel, ob das Geld für die ehrgeizigen Pläne ausreicht.

„Wir investieren“: Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU). Foto: Shutterstock / penofoto

Mit Sprachtests für alle Vierjährigen und gezielter Förderung in den Kitas will Bundesministerin Karin Prien eine Trendwende in der Bildungspolitik erreichen. «Denn gute Bildung beginnt nicht erst in der Schule, sondern in der Kita», sagte die CDU-Politikerin im Gespräch.

Prien legte den Entwurf eines neuen Kita-Gesetzes vor, das für die Kinder den Übergang zur Grundschule erleichtern soll. Dafür verspricht der Bund bis 2034 insgesamt 9,25 Milliarden Euro. Hintergrund sind die extrem unterschiedlichen Bildungschancen für Kinder in Deutschland, die sich oft schon in der Grundschule zeigen und dann durch die gesamte Bildungslaufbahn ziehen.

«Das größte bildungspolitische Projekt»

«Das Kita-Startchancen-und-Qualitätsentwicklungsgesetz ist das größte bildungspolitische Projekt dieser Koalition», sagte Prien. «Mit diesem Gesetz stärken wir Sprache als entscheidenden Schlüssel für jede Bildungsbiografie: Erstmals erfassen wir bundesweit den Sprachstand von Kindern und sorgen dafür, dass sie frühzeitig die Förderung erhalten, die sie brauchen.»

Prien hat den Entwurf länger vorbereitet und auch mit den für die Bildung zuständigen Ländern besprochen. Die CDU-Politikerin setzt damit Ziele aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD um. Grundgedanke dabei ist, dass Kinder nur mit ausreichenden Sprachkenntnissen in der Grundschule dem Unterricht folgen können.

Einheitliche Standards

Das Gesetz setzt an drei Punkten an: mehr Kinder in öffentliche Betreuung bringen, möglichst früh vor allem fehlende Sprachkenntnisse dingfest machen; und etwaige Probleme durch gezielte Hilfen ausgleichen. Die Tests, bei denen neben Sprachkenntnissen auch Bewegung und Entwicklungsstand ermittelt werden, sollen auch Vierjährige durchlaufen, die nicht in einer Kita sind.

Das alles soll dem Entwurf zufolge erstmals nach bundesweit einheitlichen Standards passieren. Besonderes Augenmerk soll auf Kitas liegen, die viele Kinder betreuen, die in schwierigen Lebensumständen aufwachsen. Auch alle anderen Kitas sollen aber etwas mehr Geld und Zeit für die neuen Tests und die Förderung bekommen.

30 Minuten pro Woche und Kind

Konkret heißt es im Entwurf: «Für die verbindliche Feststellung des Sprach- und Entwicklungsstands von Kindern spätestens im fünften Lebensjahr in Kindertageseinrichtungen und die anschließende Förderung der Kinder bei Förderbedarf werden den Kindertageseinrichtungen personelle Ressourcen für die Erhebung im Umfang von zwei Stunden je Kind sowie für die Planung und Begleitung der Förderung im Umfang von mindestens dreißig Minuten je Kind pro Woche zur Verfügung gestellt.»

Für Kitas mit «einem erhöhten Anteil von Kindern in herausfordernden Lebenslagen» sind noch etwas mehr «zusätzliche personelle Ressourcen» für sprachliche Bildung und andere Hilfen vorgesehen: je Einrichtung mit 80 Kindern sollen Fachkräfte für insgesamt mindestens 20 Stunden pro Woche zusätzlich finanziert werden, bei mehr als 80 Kindern für mindestens 40 Stunden und bei mehr als 120 Kindern mindestens 60 Stunden.

Erfahrungen aus Startchancen-Schulen

Diese besondere Förderung soll in mindestens zehn Prozent der Kitas in jedem Land zur Verfügung stehen. Kriterium dafür ist, ob dort besonders viele Kinder sind, die in finanzieller Bedürftigkeit aufwachsen, für die die Familiensprache nicht deutsch ist oder deren sprachliche Entwicklung auffällig ist. Kitas und Schulen sollen Daten über Ergebnisse der Sprach- und Entwicklungstests miteinander teilen können.

Mit dem neuen Gesetz übertrage man Erfahrungen der Bund-Länder-Zusammenarbeit aus dem schulischen Startchancen-Programm auf Kitas in herausfordernden Lagen, sagte Prien. Eine langfristig verlässliche Finanzierung schaffe Planungssicherheit für Länder und Kommunen.

Der Paritätische Gesamtverband hält die finanziellen Zusagen im Gesetz für unzureichend. «Der Bund bestellt, aber bezahlt nicht», erklärte der Verband in einer ersten Reaktion. «Die Anforderungen für die Kindertagesbetreuung sollen steigen, aber der Bund zieht sich langfristig aus der Finanzierung der Kitas zurück.» Das sei im Gesamtergebnis enttäuschend.

«Verlässliche und qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung eröffnet Kindern bessere Zukunftschancen, entlastet Familien und ist für viele Mütter eine entscheidende Voraussetzung für den beruflichen Wiedereinstieg und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf», betonte jedoch Prien. «Mit diesem Gesetz investieren wir in die Chancen unserer Kinder, in die Zukunft unserer Gesellschaft und in die wirtschaftliche Stärke unseres Landes.» News4teachers / mit Material der dpa

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19 Kommentare
Joachim Schwarz
1 Tag zuvor

Wie so oft Steuergeld, das die Mittelschicht in weiten Teilen bezahlt, von der sie aber nicht profitiert.
In die Bildung zu investieren ist nicht verkehrt. Damit sollten dann aber nicht die Schwächsten gefördert werden, sondern diejenigen, die eine realistische Chance haben, unser Land voran zu bringen.

Joachim Schwarz
17 Stunden zuvor
Antwortet  Redaktion

Die Chance haben sie bereits jetzt. Wenn es aber um zusätzliche Ressourcen geht, dann brauchen wir die bei der Elite. Können wir mit dem gleichen Aufwand aus 100 Schulabbrechern 100 Hauptschulabsolventen oder aus einem Ingenieur einen Weltklasse-Igenieur machen, der über ein Unternehmen tausende Jobs bei uns schafft, muss unsere Priorität strikt bei letzterem liegen. Woran wir in der Kindheit erkennen, wer irgendwann wer ist? Der Apfel fällt nicht so weit vom Stamm, wie es die, die sich vor dem Notwendigen ekeln, das gerne hätten.

Maybe
4 Stunden zuvor
Antwortet  Joachim Schwarz

Von beidem keine Ahnung, nicht von Schule, nicht von Wirtschaft.

Ihr „Weltklasse-Ingenieur“ wird, nachdem er erreicht hat, was er will und Sie 🙂 Armhoch beklatscht hat, ganz schnell das Weite, die weiteweite Welt, weit weg von Ihnen und Ihren Ewiggestrigen suchen.
( oder wollen Sie ihn internieren, gabs alles schon)
Er dürfte nämlich mehr im Kopf haben als………Wo sind denn Ihre Claqueure, Frühaufsteher sind das nicht. Na ja, halt großmäulig und schlecht organisiert – trotzdem gefährlich, weil hungrig, so ganz ohne frühen Wurm…….

Fräulein Rottenmeier
23 Stunden zuvor
Antwortet  Joachim Schwarz

Ah ja? Und was machen wir mit „den Schwächsten“? Lassen wir es einfach so und finanzieren zukünftig immer weiter die dann zukünftigen Bürgergeldempfänger oder überlegen wir uns lieber, wie man diese Menschen befähigt ein auskömmliches und selbstbestimmtes Leben zu führen???

GBS-Mensch
16 Stunden zuvor

Man muss schon einmal schauen, was pragmatisch oder realistisch ist.
Einen maximalen Aufwand zu betreiben, als wolle man jeden auch unter noch so ungünstigen Umständen zum Nobelpreisträger heranziehen, ist es nicht.

Man wird sich wohl auf ein Level einer Grundbildung ähnlich der Volksschule zurückziehen müssen.

Nehmen wir das Beispiel Schulbegleitung:
Die Suchmaschinen-KI wirft mir gerade monatliche Kosten von 2-4K monatlich aus.

Das sind bei zehn Schulmonaten im Jahr 20-40K Kosten im Jahr, bei fünf Jahren sind es 100-200k Kosten.

Bei einem Medianeinkommen müsste man als Single wohl zehn bis 20 Jahre Einkommenssteuer zahlen, um das wieder herauszubekommen.

Da muss man sich schon irgendwie einmal ehrlich machen, was möglich und (ökonomisch) sinnvoll ist.

DerechteNorden
23 Stunden zuvor
Antwortet  Joachim Schwarz

? Sie würden doch auch davon profitieren.
Wenn Ihnen die betroffenen Kids schon egal sind, so sollten Sie zumindest etwas weiter in die Zukunft denken.

ed840
23 Stunden zuvor
Antwortet  Joachim Schwarz

die eine realistische Chance haben, unser Land voran zu bringen.“

Woher soll man das bei Kleinkindern schon wissen?

Schonmal mit der Vita von z.B. Ugur Sahin oder Bastian Nominacher etc. beschäftigt

Cornelia
22 Stunden zuvor
Antwortet  Joachim Schwarz

Für die Schwächsten gibt es „eine realistische Chance“, wenn man ihnen hilft.

Hannah Halloumi
21 Stunden zuvor
Antwortet  Joachim Schwarz

Quatsch, es ist umgekehrt. Die Mittelschicht bezahlt Maßnahmen, die dann aber von den weniger Privilegierten kaum genutzt werden, sondern eben v.a. von denen, die es eigentlich gar nicht nötig hätten.

Freier Eintritt im Museum, wer geht hin? Nur Leute, die auch sonst ins Museum gehen, und sie die Karten eigentlich locker leisten könnten.

Subventionierter Unterricht an öffentlichen Musikschulen zu Hungerlöhnen für die Lehrer? Wird gerne „mitgenommen“ von kulturaffinen Akademikern, aber diejenigen, die eigentlich an Musik herangeführt werden müssten, wollen nicht.

Qualitätsoffensive im Kindergarten mit Sprachförderung und frühkindlicher Bildung? Klar, warum nicht, sagen die Eltern von Klara und Korbinian, während die von Murat und Malak ihre Schützlinge lieber bis zur Einschulung zuhause behalten.

Deutschland, Gießkannenland.

ed840
19 Stunden zuvor
Antwortet  Hannah Halloumi

während die von Murat und Malak ihre Schützlinge lieber bis zur Einschulung zuhause behalten.“

Ziemlich pauschalisierend.

Nach meinen Informationen nahmen z.B. in Hessen bereits vor der gesetzlichen Verpflichtung ca. 95% der Kinder eine Empfehlung für Deutschvorlaufkurse auch freiwillig war.

Palim
17 Stunden zuvor
Antwortet  Hannah Halloumi

Merkwürdig,
bei uns sind Murat und Malak in der Freiwilligen Feuerwehr, lernen in der Schule ein Instrument und treten damit im Altenheim auf
und treffen sich mit Gustav und Geeske am Badesee.

Korbinian und Klara sind nicht dabei, sie sitzen noch im Bus oder werden von den Eltern chauffiert, da sie die Privatschule besuchen, schließlich muss man ja früh wählen, mit wem man Kontakt haben darf.

Gustav hätte übrigens früher in NDS Sprachförderung vor der Einschulung bekommen, weil er im Test und in der Kleingruppe nur so wenig gesprochen hat und der Wortschatz noch sehr begrenzt war. Zum Glück haben sich die Eltern frühzeitig um Logopädie gekümmert, die Wartezeit beträgt ein Jahr, und er konnte mit Unterstützung die Schule meistern. Jetzt liest er super und wird mit guten Noten gehen.
In die Sprachförderung konnten nicht alle Kinder gehen, sondern nur die, die eingeladen wurden.
Murats große Schwester brauchte die Förderung nicht. Sie spricht schon jetzt 3 Sprachen fließend und lernt 3 weitere Sprachen in der Schule. Murat selbst hat ein Faible für Mathe und gewinnt Preise bei den angebotenen Wettbewerben, zu denen jeder ermuntert wird.

Für Amelie ist es schade, dass es die Sprachförderung vor der Einschulung nicht mehr gab. Ihr hätte es sehr geholfen und den Einstieg in die Schule erleichtert. Sie muss im 1. Schuljahr vieles aufholen und verliert immer wieder den Anschluss, ist sehr gefordert und oft erschöpft.
Aber wir sparen uns die Förderung bei den Kleinsten, damit wir dann jammern können, dass sie als Jugendliche oder Erwachsene unseren Ansprüchen nicht genügen.

Ceterumcenseo
7 Stunden zuvor
Antwortet  Hannah Halloumi

Ich halte diesen Kommentar für sehr pauschal. Zu behaupten, dass vor allem Akademikerfamilien solche Angebote nutzen, wird der Realität nicht gerecht. Es gibt viele Familien aus der Mittelschicht oder auch mit geringerem Einkommen, die Förderangebote intensiv wahrnehmen, genauso wie es Akademiker gibt, die sie nicht nutzen.

Viel wichtiger ist aus meiner Sicht ein anderer Punkt: Staatliche Förderung sollte sich in erster Linie am tatsächlichen Förderbedarf orientieren. Gerade der Spracherwerb ist – insbesondere bei Kindern mit Migrationshintergrund – eine der wichtigsten Voraussetzungen für gelingende Integration. Deshalb sollte die Teilnahme an Sprachfördermaßnahmen dort, wo ein entsprechender Förderbedarf festgestellt wird, konsequent eingefordert und mit Förderleistungen verknüpft werden.

Gleichzeitig dürfen wir nicht den Fehler machen, Sprachprobleme ausschließlich mit Migration gleichzusetzen. Auch der „böse Torben“ oder die „böse Pia“ können Sprachentwicklungsverzögerungen oder andere Förderbedarfe haben. Entscheidend ist nicht der Name oder die Herkunft eines Kindes, sondern der tatsächliche Bedarf.

Deshalb sollte gelten: Jedes Kind, das Unterstützung braucht, muss diese auch erhalten – unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Bildungsgrad der Eltern. Nur so schaffen wir echte Chancengleichheit.

Fraup
7 Stunden zuvor
Antwortet  Hannah Halloumi

Also dann keine Qualitätsoffensive, keine Subventionen?????
Sie gönnen den „Mittelschichtskindern“ keine Maßnahmen, die ja auch von der Mittelschicht bezahlt werden, nach Ihrer Aussage? Wer bezahlt, erhält was. Dann ist doch alles gut – oder? O d e r … ?

Opossum
5 Stunden zuvor
Antwortet  Hannah Halloumi

Akademiker oder Eltern von Klara und Korbinian können sich auch nicht unbedingt den Eintritt ins Museum oder einen Musikunterricht leisten.

In meiner Heimat war die Musikschule tatsächlich günstig. In meiner Klasse haben fast alle einen Musikunterricht gehabt: 2×Woche Instrument (45 Minuten), 2×Woche Solfeggio, 2×Woche Chor, Geschichte der Musik. In Deutschland ist es unbezahlbar. 30 Minuten pro Woche kosten 50 (oder schon teurer?) Euro, bezahlt muss es auch bei Unterrichtsausfällen und in den Ferien! Dazu wird es Musik zum Spaß, ohne Technik zu lernen, ohne zu motivieren, zu Hause zu üben. So mein Eindruck.

In vielen staatlichen und kommunalen Museen in SH ist der Eintritt für Kinder kostenlos, aber diese Museen sollen noch erreicht werden, und die Reise mit dem Zug ist auch nicht unbedingt günstig für Kinder ab 6 Jahren.

Einmal wollte unsere Grundschule Kinder zum Weihnachsmärchen bringen. Es hat nicht geklappt, da die Züge ausgefallen sind.

Bei solchen Hindernissen soll die Motivation recht groß sein, um Kinder künstlerisch zu erziehen. Wenn die Einsicht fehlt, wozu der ganze Aufwand, wird das Resultat nicht unerwartet.

Und leider wird jetzt der Spaß Kontent und populäre Kultur mehr propagiert, als Kunst und hohe Kultur.

Teacher Andi
19 Stunden zuvor
Antwortet  Joachim Schwarz

Herr Schwarz, Sie können sicher nicht entscheiden, welcher Schüler eine realistische Chance hat, wir sollten die Bildung auf alle Fälle mehr unterstützen, denn dann proifitiert die gesamte Gesellschaft davon. Und gerade die Schwächsten, die unsere Hilfe brauchen, weil die Eltern entweder nciht können oder nicht wollen, sind besonders zu fördern, da liegt unser Potenzial, denn wenn wir die verlieren, bekommen wir massive soziale Probleme.

Ceterumcenseo
1 Stunde zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Was mich an der ganzen Diskussion stört ist doch die Frage: Wer sind denn die „Schwächsten“? Kann nicht auch Korbinian und Klaudia mit vollbeschäftigten Akademikern, die z.b. keine Zeit für ihre Kinder erübrigen wollen, zu dieser Gruppe gehören?
Ist es nicht wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch sinnvoll auch in leistungsstarke SuS Ressourcen zu investieren, damit wir auch in Zukunft noch ein Hochtechnologieland sind?

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