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Home Themenmonate Aus- und Fortbildung Gegen KI-getriebene Verdummung: Selbstständiges Denken fördern!
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Gegen KI-getriebene Verdummung: Selbstständiges Denken fördern!

4. August 2026
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    BERLIN. Sie unterrichtet Politik und Englisch, begleitet Schulen als zertifizierte Expertin für den digitalen Wandel – und hält die aktuelle KI-Debatte im Bildungswesen für eine Scheindebatte. Jana Berg aus Berlin plädiert weder für Technikverzicht noch für eine unkritische Digitalisierung, sondern für einen grundlegenden Perspektivwechsel: Digitale Werkzeuge sollen Lernprozesse unterstützen, dürfen sie aber nicht ersetzen. Mit ihrem Konzept „Scholar_Scrum“ (das sie im folgenden Gastbeitrag vorstellt) entwirft sie einen Ansatz, der analoge Wissensaneignung, kooperatives Lernen und den reflektierten Einsatz von Künstlicher Intelligenz miteinander verbindet – als Gegenmodell zu einer Entwicklung, die sie als Gefahr für selbstständiges Denken und demokratische Bildung beschreibt.

    Flying high. (Symbolbild.) Illustration: Shutterstock

    Mit Scholar_Scrum gegen KI-getriebene Verdummung – Neue Konzepte für souveräne Digitalisierung an Schulen

    Als KI auf die breite Öffentlichkeit losgelassen wurde, hat sich für Schule alles verändert, nur die Schulen, die haben sich (kaum) angepasst. Einige – zu wenige – haben sich auf den Weg gemacht. Glück, wo Schulleitungen an moderner Schulentwicklung interessiert sind. Viele andere Lehrpersonen werden mit der Entwicklung allein gelassen. Es gibt unendliche Diskussionen, ob KI in Schulen implementiert werden soll, ob nur noch mündliche Prüfungen ein realistisches Bild von den Kompetenzen der Prüflinge abgeben und, und, und …

    Zum ersten Punkt: Unsere Aufgabe in Schule ist, die Lernenden in ihrer Lebenswirklichkeit abzuholen und auf das Leben (Beruf, Ausbildung, Studium) vorzubereiten. Daher kann die Antwort bezüglich KI in der Schule nur eindeutig Ja lauten. Was die mündlichen Prüfungen angeht, so sehe ich das differenzierter, denn das Fokussieren auf dieses Prüfungsformat würde die Chancenungleichheit verstärken, weil die Zahl der Menschen mit sozialen Phobien weiter steigt und sie einen großen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten können, wenn sie nicht an Prüfungen scheitern. Umso mehr verwundert es mich, dass Landesschülervertreter:innen sich dafür einsetzen.

    Aus meiner Sicht gibt es eine relativ einfache Lösung, die unterschiedlich ausgestaltet werden kann.

    Es braucht ein bildungsbejahendes Mindset

    Mir ist klar, dass ich mit dem schwierigsten Punkt beginne, dafür, dass ich eine einfache Lösung versprochen habe, handelt es sich dabei doch um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es wäre jedoch töricht, die Einstellung zu Bildung nicht zu berücksichtigen. Die gute Nachricht ist: Wir müssen nicht darauf warten, dass sich dieses Mindset etabliert hat, sondern wir können aktiv dazu beitragen, dass es eine Veränderung in die richtige Richtung gibt.

    Doch welche wäre das? Bildung muss wieder einen Eigenwert bekommen. Lernende müssen des Lernens wegen lernen, es muss ihnen Freude machen, ihr Gehirn zu trainieren, so wie sie ihren Body in Gyms modellieren. Denn ist es nicht traurig, dass sie den (je nach Ausprägung zweifelhaften) Nutzen und die Notwendigkeit von Training für ihren Traumbody erkennen, wenn sie ein bestimmtes, in ihrer Peergroup anerkanntes Ideal erreichen wollen, und ihnen klar ist, dass die Tatsache, dass Roboter in China Marathon laufen können, ihnen dabei überhaupt nichts helfen wird.

    Warum gelingt es uns nicht, ein viel nützlicheres und gemeinwohlorientierteres „intellektuelles Schönheitsideal“ zu etablieren, das ebenso unabhängig ist von der Fähigkeit von Maschinen? Natürlich gibt es auch jene, die ihren Body unters Messer legen, statt zu trainieren – aber das ist weitaus weniger unter jungen Menschen anerkannt als das Verwenden von KI!

    Es braucht Selbstwahrnehmung

    Um ein solches Mindset zu unterstützen, braucht es Selbstwahrnehmung. Die Lernenden müssen Zeit zurückgewinnen, um sich mit Fragen wie: Wer bin ich? Was macht mich aus? Wer will ich sein? Was sind meine Potenziale? Wohin kann ich mich entwickeln? Was sind meine Ressourcen? Was sind meine Stressoren? Wovon träume ich? Wie will ich in der Zukunft leben? auseinanderzusetzen. Das geht nicht, wenn sie 24/7 beschallt werden durch Eltern, Lehrpersonen, Netflix, Disney+ & Co. sowie Social Media – bis in die intimsten Räume wie Toilette oder Bett. Und dann auch noch KI, die nicht nur beschallt, sondern auch noch vermeintliche Antworten liefert – deutlich einfacher, als sich selbst mit der Recherche und mit komplexen Texten auseinanderzusetzen. Es braucht daher dringend Raum in Schule und Unterricht für Langeweile, Auszeiten von KI und Social Media, mit Fragen, die unbeantwortet im Raum hängen …

    So kann Resilienz entstehen – und jetzt wird der Zusammenhang zu KI und Propaganda etwas klarer. Das heißt, wir brauchen innerhalb der Schulwoche einen Freiraum für diese Fragen. Das Fach „Kompetenzentwicklung und Methodentraining“ (K&M) könnte diese Themen aufnehmen. Ich würde so weit gehen, vorzuschlagen, dass K&M als Grundlagenfach in einem länderübergreifend gemeinsamen, verbindlichen Spiralcurriculum von der Vorschule bis in Klasse 10 bzw. bis 12/13 angeboten und vielleicht sogar in alle Studiengänge integriert wird. So würde man das Motto „Lebenslanges Lernen“ einmal ernst nehmen.

    Was könnte so ein Fach enthalten? In der Vorschule: Bewegung und gesundes Essen, Mitgefühl und Beziehung, Freude fühlen und Freude bereiten, Ordnung schaffen (Zimmer, Spielsachen, Tasche), Strategien zur Selbstregulierung, Umgang mit Frust. In der Grundschule: Kommunikationsstrategien, Werte, Freudeskreis, Achtsamkeit, weiterhin gesunde Ernährung, Lesestrategien – auch von Nachrichten –, Argumentationsstrategien, Lerntypenbestimmung und entsprechende Lernstrategien, Medienkompetenz. Bildungspolitiker:innen werden einwenden: Aber das ist doch schon Teil der Curricula! Doch warum können es dann so viele nicht? Weil die Themen irgendwie und irgendwann im Fachunterricht thematisiert werden: Der eine macht es ausgiebig und gut, die andere kommt vielleicht nicht dazu, der/die Dritte macht es – aber anders …

    Doch gerade an dieser Stelle braucht es Kontinuität, Verlässlichkeit und Qualität.

    Es braucht eine souveräne Taktung aus analoger Erarbeitung von Kompetenzen und Wissen als Vorbereitung für die mediengestützte Weiterverarbeitung

    Es sei vorweg gesagt: Ich bin keine Gegnerin von Digitalisierung und auch nicht von KI: Schüler:innen sollen alle technischen Möglichkeiten nutzen, um ihre Kompetenzen zu entwickeln und ihre Lernprodukte (Referate, Handouts & Co.) zu perfektionieren. Aber am Anfang muss der Aufbau und Ausbau der eigenen Kompetenz stehen: Und hier kommen wir zu einem der Kernstücke des Konzeptes von Scholar_Scrum. Es mag anachronistisch aussehen, ich sehe es als hypermodern, als Antwort auf eine rasante technologische Entwicklung, die sich nicht aufhalten lässt (das will ich auch gar nicht), der wir jedoch andere Medien als jene, die wir derzeit nutzen, entgegensetzen können.

    Zu kryptisch? Dann ganz konkret. Meine Antwort auf die Verdummung und Propaganda mit KI ist das Arbeiten mit Originaltexten ohne KI-Unterstützung, also mit Bibliotheken. Ich meine damit nicht unbedingt, dass nun alle Schulen in die Bibliotheken rennen oder jene, die keine mehr haben, Schulbibliotheken aufbauen sollen – das wäre logistisch und finanziell kaum machbar, es mangelt für Bildung allerorts an Geld. Doch es gibt technische Lösungen: E-Book-Reader, auf denen sich sehr platzsparend Bibliotheken aufbauen lassen, die zudem superleicht zu transportieren sind. Ein möglicher Einwand: Eine Bibliothek garantiert noch nicht, dass darin auch gearbeitet wird. Richtig! Hier plädiere ich in der Erarbeitungsphase für das gute alte Exzerpieren per Hand auf Papier.

    Diese Methode nutzt Forschungsergebnisse, die nahelegen, dass Handgeschriebenes besser internalisiert bzw. die Information dabei besser verarbeitet wird, wie Mueller und Oppenheimer es in „The Pen Is Mightier Than the Keyboard“ (2014) darlegten. So laufen die nicht Gefahr, alles wortwörtlich abzuschreiben, sondern abstrahieren eher und fassen zusammen, lernen dabei auch, die Quellen richtig festzuhalten, für den späteren Nachweis in ihrer Arbeit.

    Damit gekoppelt – ob davor oder danach, je nach Gesamtkonzept – können in KI-Chats Eingangsimpulse eingeholt werden und danach z. B. durch sokratische Fragerunden mit Dialogos BNE vom Team E-Learning der Universität Leipzig Impulse für die Vertiefung und Erweiterung der Perspektive.

    Auch die Informationsverarbeitung – der Schreibplan und eine erste Rohfassung – sollte aus meiner Sicht erst einmal per Hand, ohne Zugang zu KI, auf der Basis der Exzerpte angefertigt werden. Auch hier ist die Idee, sich dafür mehr Zeit zu nehmen. Darüber hinaus schlage ich vor, diesen Rohling der eigenen Arbeit einer anderen Gruppe oder einem anderen Individuum (je nach gewählter Sozialform) vorzustellen, sich ein menschliches Feedback einzuholen und einzuarbeiten, bevor KI-Modelle zum eigenen Text befragt werden.

    Die Angst, dass Fehler, Auslassungen und Mängel später – im Vergleich zu anderen – zu einer schlechteren Note führen, ist hier unbegründet, denn am Ende können alle Mittel genutzt werden, um das erarbeitete Wissen möglichst umfassend, ansprechend und fehlerfrei zu präsentieren.

    Doch damit ist die Arbeit nicht getan. Denn auch in der letzten Präsentation sollten die Mitlernenden eingeladen werden, offene Fragen zu formulieren – dies können Diskussionsthemen sein, die sich ergeben, oder auch Verständnisschwierigkeiten sowie manchmal fehlende Tiefe oder mangelnder Mehrwert durch die Konzentration auf schon bekannte Informationen, Dinge, die die KI nicht vorhergesehen hat. In einer letzten Iteration werden dann auch diese Fragen nach Möglichkeit eingearbeitet. Das bedeutet nicht, dass das ganze Lernprodukt, das eigentlich schon fertig geglaubt war, neu geschrieben werden muss. Die zusätzlichen Informationen können in einem Handout oder in Informationsboxen im Lernmanagementsystem aufgearbeitet werden. Erst dann wird die gesamte Arbeit – mit einer transparenten Gewichtung (ich würde den Schwerpunkt auf die Dokumentation der Erarbeitung legen) – bewertet.

    Dies fordert im Übrigen die Frustrationstoleranz der Lernenden, die es aushalten müssen, Dinge mehrfach zu überarbeiten – eine wichtige Kompetenz für das zukünftige Arbeiten.

    Hier folgt die Methode der für das Arbeiten mit Scrum typischen Iterationen.

    Es braucht das kooperative, partizipative und selbstorganisierte Lernen

    Wie Stefan Ruppaner, Begründer der Schmetterlingspädagogik und ehemaliger Schulleiter der Alemannen-Schule in Wutöschingen, am 19.5.26 auf dem Campus Griebnitzsee der Universität Potsdam hervorhob, fordert die Wirtschaft andere Schüler:innen, und das Mit- und Voneinanderlernen ist für den Lernfortschritt wichtig. Auf die Anforderungen von Universitäten, Ausbildung und Beruf bietet neben der Schmetterlingspädagogik Scholar_Scrum eine Antwort.

    Lernende arbeiten dabei in klar strukturierten Teams mit eindeutigen Zuständigkeiten (Teamleitung, Moderation, Korrektorat und Mediendesign – die Begriffe sind an Schule angepasst). Sie folgen einem konkreten Ablauf aus Kick-off (gegenseitige Information über den Stand/Peer Learning, Lernen durch Lehren und verbindliche Planung der nächsten Phase), Sprint (individuelle Arbeitsphase) und Review (Feedback und Klären offener Fragen), die durch Protokolle und Exzerpte dokumentiert werden – nicht nur, um die individuelle Bewertbarkeit zu gewährleisten, sondern auch, um das Dokumentieren zu üben, das sowohl im privaten (Steuererklärung, Krankenversicherungsunterlagen, Rentenklärung, Anträge) als auch im beruflichen Leben (Fördergeldanträge, Labor- und Forschungsergebnisse) so wichtig sein wird.

    Hinzu kommt die Orientierung an den Nutzer:innen. Lernende tendieren dazu, eine Aufgabe zu bekommen; irgendeine:r nimmt sich des Themas an, die anderen freuen sich, der/die eine arbeitet darauf los, macht es irgendwie schön. Doch häufig wird nicht die Zeit genommen, zu überlegen: Welches Nutzer:innenerlebnis möchte ich bieten? Mir/uns – also all jenen, die das Lernprodukt erarbeiten (will ich Spaß daran haben, etwas Neues lernen, welche Note schwebt mir vor?) –, welches Nutzer:innenerlebnis möchte ich der Lehrperson bieten und was meinen Mitlernenden? Intuitiv wird das von den Lernenden ein wenig mitgedacht, doch das Innehalten zu Beginn eines Projektes und das Reflektieren dieser Fragen kann zu nachhaltigeren Ergebnissen führen, behaupte ich – für Schule noch nicht evidenzbasiert! Ganz abgesehen davon, dass es auf den Bereich der Produktentwicklung vorbereitet. Die Basis für diese Komponenten im Konzept liefert Design Thinking.

    Abgerundet wird die Methode durch To-do-Listen, z. B. auf Kanban-Boards, und Zeitpläne, z. B. nach der ALPEN-Methode, sowie durch Liberating Structures in Gruppenarbeitsphasen (Kick-off und Review), um kreative Prozesse in Gang zu bringen und um alle in Diskussionen aktiv einzubinden; eine einfache Methode ist dabei think-pair-share oder das Conversation Café, das Mindmapping oder Brainstorming. So können in allen Fächern die methodischen Grundlagen für Entrepreneurship und das Gründen von Start-ups geübt werden – mit einem fächerübergreifenden Mehrwert. News4teachers 

    Die Methode Scrum

    Scrum ist ursprünglich ein Projektmanagement-Ansatz aus der Softwareentwicklung. Komplexe Aufgaben werden dabei nicht in einem einzigen Arbeitsgang erledigt, sondern in kurzen, aufeinander aufbauenden Arbeitsphasen, den sogenannten Sprints.

    Teams planen ihre nächsten Schritte gemeinsam, arbeiten anschließend eigenverantwortlich an klar definierten Teilaufgaben und überprüfen ihre Ergebnisse regelmäßig im Austausch mit anderen. Feedback und Überarbeitung sind ausdrücklich Teil des Prozesses. Ziel ist es, durch mehrere Iterationen schrittweise zu besseren Lösungen zu gelangen, anstatt ein fertiges Produkt erst am Ende zu präsentieren. Im Bildungskontext lässt sich dieses Prinzip auf Lernprozesse übertragen: Schülerinnen und Schüler entwickeln ihre Arbeit in mehreren Schleifen weiter, reflektieren ihren Lernfortschritt und übernehmen Verantwortung für den gemeinsamen Arbeitsprozess.

    Weitere Informationen: www.kompetenzprojekt-bildung.de 

    Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats „Aus- und Fortbildung“.

    Gastbeitrag: Warum frühe Bildung weniger Wow-Effekte braucht – dafür mehr Sprache sowie mathematisches Denken

     

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