PADERBORN. Die soziale Herkunft entscheidet in Deutschland nicht nur über klassische Bildungschancen. Auch in der digitalen Welt unterscheiden sich die Voraussetzungen von Jugendlichen erheblich: bei Geräten und Internetzugang, bei der Erfahrung mit digitalen Medien und vor allem bei den Kompetenzen im sinnvollen Umgang. Eine neue Auswertung der jüngsten International Computer and Information Literacy Study (ICILS) zeigt allerdings einen bemerkenswerten Unterschied: Außerhalb der Schule öffnet sich bei der Nutzung digitaler Medien für schulische Aufgaben eine soziale Kluft, innerhalb der Schule zeigt sich bei der Nutzungshäufigkeit kein statistisch signifikanter Unterschied. Das wirft in Zeiten einer zunehmend kritischen Debatte über digitale Medien in Schulen eine andere Frage auf: Wie viel größer wäre die digitale Kluft ohne die Lerngelegenheiten, die Schule bereitstellt?

Ein Computer oder Tablet steht zu Hause nicht zur Verfügung, das Internet fällt immer wieder aus – und trotzdem sollen die Hausaufgaben digital erledigt werden. Was für einen Teil der Schülerinnen und Schüler zum Alltag gehört, ist für andere kaum vorstellbar. Wie stark solche Unterschiede mit der sozialen Herkunft zusammenhängen, haben Forschende der Universität Paderborn nun anhand der deutschen Daten der International Computer and Information Literacy Study (ICILS) 2023 untersucht.
Jan Niemann, Birgit Eickelmann, Kerstin Drossel und Inessa Fliegner von der Universität Paderborn haben dafür die Daten von 5.065 Achtklässlerinnen und Achtklässlern untersucht. Anders als bei früheren Auswertungen vergleichen sie nicht lediglich Jugendliche mit niedrigem und hohem sozioökonomischem Status miteinander. Sie teilen die Schülerinnen und Schüler in vier gleich große Gruppen entlang der sozialen Verteilung ein. Grundlage dafür ist der „National Index of Socioeconomic Background“ (NISB), ein Index, der den beruflichen Status und das Bildungsniveau der Eltern sowie die Zahl der Bücher im Haushalt berücksichtigt. Das unterste Viertel umfasst die 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit dem niedrigsten, das oberste die 25 Prozent mit dem höchsten sozioökonomischen Status.
„Es zeigen sich teils eklatante sozioökonomische Disparitäten“
Das Ergebnis ist ein detailliertes Bild einer digitalen Spaltung, die sich durch nahezu alle untersuchten Bereiche zieht. Die Forschenden betrachten fünf Dimensionen des sogenannten Digital Divide: Einstellungen und Motivation, den materiellen Zugang, digitale Kompetenzen, Nutzung und Erfahrung sowie die wahrgenommenen Folgen digitaler Technologien. Ihre Bilanz fällt deutlich aus: „Es zeigen sich teils eklatante sozioökonomische Disparitäten“ – in jedem dieser Bereiche.
Besonders greifbar wird die soziale Kluft dort, wo digitales Lernen überhaupt erst möglich werden muss: zu Hause. Von den Jugendlichen aus dem sozial privilegiertesten Viertel können 98,8 Prozent zumindest gelegentlich einen Desktop-Computer, Laptop oder ein Tablet nutzen, wenn sie das Gerät für schulische Aufgaben benötigen. Im sozial schwächsten Viertel sind es 90,7 Prozent. Anders gesagt: 9,3 Prozent der Achtklässlerinnen und Achtklässler aus der sozial am stärksten benachteiligten Gruppe haben zu Hause keinen entsprechenden Gerätezugang für schulische Aufgaben.
Auch ein vorhandenes Gerät löst das Problem nicht unbedingt. Mehr als ein Drittel der Jugendlichen aus dem niedrigsten sozioökonomischen Viertel – 34,1 Prozent – erlebt nach eigenen Angaben mindestens wöchentlich längere Internetausfälle, die das Lernen erschweren. Unter den sozial privilegiertesten Schülerinnen und Schülern sind es 18,5 Prozent.
Dieser Befund ist bemerkenswert, weil die Frage des materiellen Zugangs in Deutschland weitgehend gelöst schien. Frühere Untersuchungen hatten beim sogenannten „optimalen Zugang“ keine signifikanten Unterschiede zwischen Jugendlichen mit hohem und niedrigem kulturellen Kapital ergeben. Die aktuelle, stärker differenzierende Auswertung kommt zu einem anderen Ergebnis. „Obwohl der generelle Zugang auf hohem Niveau liegt, bestehen deutliche Differenzen, die sich negativ auf digitale Bildungsprozesse auswirken können“, schreiben die Forschenden. In dieser differenzierten Betrachtung zeige sich damit das Fortbestehen des sogenannten „first-level digital divide“ – also jener ersten Ebene der digitalen Spaltung, bei der es um den materiellen Zugang zu digitalen Technologien geht.
Noch interessanter wird das Bild, sobald die Forschenden danach fragen, wo Jugendliche digitale Medien für schulische Aufgaben nutzen. Innerhalb der Schule unterscheiden sich die sozialen Gruppen nämlich erstaunlich wenig. 27,1 Prozent der Schülerinnen und Schüler aus dem höchsten sozioökonomischen Viertel nutzen digitale Medien in der Schule mindestens täglich für schulische Aufgaben. Im niedrigsten Viertel sind es 22,7 Prozent. Der Unterschied ist statistisch nicht signifikant. Auch die beiden mittleren Gruppen liegen mit 27,2 beziehungsweise 22,8 Prozent dazwischen.
„Auffällig sind die Differenzen in der außerschulischen Nutzung für schulische Aufgaben und die Erfahrungsdauer mit digitalen Medien“
Sobald der Schultag verlassen wird, verändert sich das Bild. Außerhalb der Schule nutzen an Schultagen 42 Prozent der sozial privilegiertesten Jugendlichen digitale Medien täglich für schulische Aufgaben. Im sozial schwächsten Viertel sind es lediglich 30,8 Prozent. Dieser Unterschied ist statistisch signifikant.
Die Forschenden heben diesen Gegensatz selbst hervor: „Hinsichtlich der schulischen Nutzung digitaler Medien bestehen keine signifikanten Unterschiede zwischen den SES-Gruppen. Auffällig sind die Differenzen in der außerschulischen Nutzung für schulische Aufgaben und die Erfahrungsdauer mit digitalen Medien, die bei Schüler*innen mit höherem SES häufiger erfolgt bzw. länger besteht.“ SES steht dabei für „Socioeconomic Status“, also den sozioökonomischen Status. Für die Autorinnen und Autoren weist der Befund auf eine „ungleiche Nutzungskultur, geprägt durch familiäre Kontexte“ hin.
Die Ergebnisse legen eine Frage nahe, die die Studie selbst nicht beantworten kann: Wie viel größer wäre die digitale Kluft, wenn Schule diese Lerngelegenheiten nicht bereitstellte?
Denn die Unterschiede betreffen auch die bisherige digitale Erfahrung der Jugendlichen. Von den Schülerinnen und Schülern im sozial höchsten Viertel geben 97,3 Prozent an, digitale Medien seit mindestens einem Jahr zu nutzen. Im sozial niedrigsten Viertel sind es 84,9 Prozent.
Die soziale Abstufung reicht bis zu den Einstellungen gegenüber digitaler Bildung. 94,9 Prozent der Achtklässlerinnen und Achtklässler aus dem höchsten sozioökonomischen Viertel stimmen der Aussage zu, es sei wichtig, dass Schülerinnen und Schüler den Umgang mit digitalen Medien in der Schule lernen. Im niedrigsten Viertel sind es 83,4 Prozent. Auch beim Spaß am digitalen Lernen zeigt sich ein signifikanter Unterschied: Der entsprechenden Aussage stimmen 90,2 Prozent der sozial privilegiertesten Jugendlichen zu, in der sozial schwächsten Gruppe sind es 84,6 Prozent.
Am deutlichsten wird die Ungleichheit jedoch bei den erworbenen Fähigkeiten. ICILS misst dafür die computer- und informationsbezogenen Kompetenzen, im Englischen „Computer and Information Literacy“ (CIL). Gemeint sind Fähigkeiten, Computer und digitale Informationen sachgerecht für Recherche, Kommunikation und andere Aufgaben zu nutzen. Schülerinnen und Schüler aus dem sozial privilegiertesten Viertel erreichen in diesem Kompetenztest durchschnittlich 551 Punkte. Im dritten Viertel sind es 520 Punkte, im zweiten 498 Punkte – und im sozial schwächsten Viertel nur noch 456 Punkte.
Zwischen den beiden äußersten Gruppen liegen damit 95 Punkte. Dabei zeigt sich eine nahezu stufenförmige Verteilung: Mit jeder Stufe auf der sozioökonomischen Skala sinkt auch das durchschnittliche Kompetenzniveau. Alle drei niedrigeren Gruppen schneiden statistisch signifikant schlechter ab als die privilegierteste Gruppe.
Die Forschenden wählen für diesen Befund eine ungewöhnlich deutliche Formulierung. Der Unterschied von 95 Punkten „weist auf eine eklatante strukturell verankerte Bildungsdisparität hin“, schreiben sie. Die neue, nach vier sozialen Gruppen differenzierte Auswertung verstärke damit noch den Eindruck, den frühere Analysen von ICILS 2023 bereits vermittelt hatten.
Die Forschenden ziehen daraus einen Auftrag an die Schulen. Digitale Bildung müsse über die reine Ausstattung hinausgedacht werden: „Vor dem Hintergrund der Befunde sollten Schulen digitale Bildung nicht nur als infrastrukturelle Herausforderung, sondern als zentrale Aufgabe der Schulentwicklung begreifen.“ News4teachers
Hier lässt sich die vollständige Studie herunterladen.
Die armen benachteiligten Kleinen, nur 90% haben ein Tablet und die Internetverbindung ist auch langsam. Können nix dafür das es mit der Schule nicht klappt, wenn GTA 6 nicht, wie bei den sozial Priviligierten, super flüssig läuft.
Im sozial niedrigsten Viertel nutzen nur 84,9 Prozent digitale Medien. Inakzeptabel. Der Rest muss auch noch mitmachen. Weil, wenn alle 4-12 Stunden täglich vor dem Bildschirm hängen muss niemand sich schlecht fühlen, weil niemand etwas anderes kennt.
wir brauchen schnelle Internetverbindungen, die gut fürs Homeoffice und Homeschooling funktionieren! 🙂
Arbeitszeiterfassung, Digitales und schnelles Internet und dann klappt‘s mit dem online Unterricht 😀 meine Frau blieb zb heute im Homeoffice daheim zum Montag. Muss ich das akzeptieren?
bei den Benzinkosten und der hohen Inflation lohnt sich das Fahren ur Schule bald nicht mehr, dann brauchen wir wirklich Homeoffice oder werden dazu gebracht
Ich schließ mich jetzt indirekt mal an:
Durch Bildungspflicht wäre auch dies möglicher und durchaus realistisch machbarer.
Okay1 Aber was, wenn einige sich dieser Bildungspflicht einfach so verweigern? Was macht man dann? Müssen die dann in die Pflicht-Schule? Wie viel Zeit vergeht bis zur Feststellung, dass jemand der Bildungspflicht nicht nachkommt, bis zu Konsequenzen (welchen?)?
Bei einer sinnvollen Bildungspflicht gäbe es ja weiterhin auch Schulen.
Nur wäre es systemisch etwas offener.
Das müsste man selbstverständlich so beibehalten als Möglichkeit. Alles ändere wäre (v. A. erstmal) ja Irrsinn und Quatsch.
Also der reguläre („freiwillige“) Besuch muss als Möglichkeit unbedingt bestehen dann.
Eine Bildungspflicht würde die Nachweisbarkeit in der Regel verlangen. Das könnte man verschieden machen. Je nach konzeptuelles Vorgehen.
Grundlegend wäre es ja so: SuS/Eltern verweigern sich. Dann käme man zum Nachweis und sieht „minimale Bildungspflicht nicht erreicht“. Dann würde es zum Pflicht-Besuch führen. Klar. Also kämen diese halt zu allen, die sowieso freiwillig zur Schule gingen – was sowieso weiterhin ein absoluter Großteil wäre.
Aktuell müss(t)en halt alle zur Pflichtschule. Bei manchen „schafft“ man es zudem auch nicht, diese „hinzubringen“.
Und natürlich wäre das auch bei einer Bildungspflicht weiterhin ein Problem. Auch das ist klar.
Jedoch sind wir eben aktuell in einem (absoluten) Mangelsystem. Dieses könnte man so entgegnen. Manche Ressourcen werden (potentiell) ja frei.
Der Ruf von Schule würde sich recht fix verändern. Das Image von Lehrkräften auch – so oder so. Tendenziell denke ich eher zum Besseren hin.
Für Kinder mit Schulangst usw. könnte es hilfreich sein. Zumindest eine Anpassung und ggf. Reduktion.
Das Bildungssystem müsste man logischerweise darauf hin auch anpassen. Denkbar wäre sowas wie „Inselunterricht“ oder „Campusunterricht“ als systemische Methoden. Dazu bestenfalls digital angeleitete Zusatzmöglichkeiten.
Es würde ggf. nicht mehr „warum muss ich hier sein“ so häufig aufkommen. Sondern wieder mehr das „cool, ich darf hier sein“.
„Störer“? Wozu? Müssen ja (erstmal) gar nicht kommen … Wer Regeln bricht und „nicht verpflichtet zum Besuch wird“, der soll daheim bleiben. Bisschen Umdenken.
Dadurch gehen auch wieder besser Regelungen und konsequentes Handeln. Damit eben alle eine Lernumgebung auch tatsächlich haben. Rest? Wozu sollten sie denn kommen. Bleiben halt daheim. Kommen dann, wenn sie soweit sind oder wenn sie verdonnert werden.
Wo wäre das denn „nachteiliger“ als bisher? Jetzt haben wir alle „rumsitzen“. Wie kann es denn „schlimmer“ in dem Punkto werden?
Verlieren sie halt 1-2 Jahre ggf. Das tun viele so oder so. Von den ganzen Schulabbrecher und „Schwänzer“ und „ohne Abschluss“ mal abgesehen. Das Problem haben wir ebenfalls aktuell.
Aber die Chancen sind halt dann möglich .. aktuell? Puh.
Danke! Ich kann Ihre Meinung nachvollziehen und es scheint auch momentan der einzige richtige Weg zu sein, um allen im Bildungssystem irgendwie gerecht zu werden.
Eine Befürchtung habe ich aber dennoch. Sie schreiben: „Verlieren sie halt 1-2 Jahre ggf. Das tun viele so oder so. Von den ganzen Schulabbrecher und „Schwänzer“ und „ohne Abschluss“ mal abgesehen. Das Problem haben wir ebenfalls aktuell.“
Ich fürchte es werden bei manchen dann schnell mehr als 1-2 Jahre, die sie verlieren und die Zahl der Schulabbrecher könnte drastisch steigen. Grund: Ehe die erfasst werden, würde erfahrungsgemäß viel Zeit verstreichen. Dann beginnt man irgendwann mit Gesprächen (um die Gründe zu erforschen), dann kommen Therapien und Hilfsangebote (auf freiwilliger Basis natürlich) und erst dann, wenn auch die Anwälte der Familie mitspielen, muss das Kind zur Pflicht-Schule.
Und noch ein Punkt: Wenn das Kind (Homeschooling) bei den Leistungsnachweisen versagt, wer überprüft wie, ob es daran lag, dass die Eltern der Bildungspflicht nicht nachkamen oder ob das Kind evtl. einen nicht erkannten Fö-Bedarf hat? Da vergeht dann sicher auch noch mal viel Zeit. Die Mühlen der Bürokratie mahlen in DE seeeehr langsam.
Aber auf ein paar mehr Schulabbrecher kommt es eh schon nicht mehr an und vielleicht funktioniert es dann wenigstens für die Mehrzahl der Schüler besser als bisher. Wir werden es irgendwann sehen – aber ob ich das noch erlebe? 🙂
Alles berechtigte Anmerkungen und Gedanken. Und klar … Einige würden wohl auch so als Praxis dann gegeben sein.
Da mache ich mir auch „in der Theorie“ gar keine „Scheinwelt“ auf. Oder evtl. „gemildert“ zumindest.
Und ich sage es immer wieder … Es ist primär eine Kompromiss“forderung“ von mir. Nicht, weil systemisch eine Präsenzschule per se schlechter ist, sondern weil wir das ja offensichtlich vermurkst haben und weiter vermurksen.
Natürlich bin/wäre ich auch für die Option „kleinere Klasse, geringeres Deputat, doppelte Lehrkräfte in bestimmten Std., tatsächliche Multiprofessionelle Teams mit genug Abdeckung und Rahmen, genügend Platz und Örtlichkeit, usw.“
Aber mal im Ernst … Die Tendenz ging nicht dort hin. Wird erstmal nicht erwartbar dort hin gehen und wahrscheinlich kommt da erstmal ein „Systemkollaps“ dann sowieso [10-15 Jahren] zuvor …
Für ein sinnvolles und gutes Präsenzsystem sind die Rahmenbedingungen massiv entscheidend. Gerade als Pflichtsystem.
Wird hier primär weitestgehend belastet, ohne Entlastung zu stellen. Gefordert ohne zu fördern. Und überall nur „maximal Schadenbegrenzung“ gefahren … Dann wird das nichts. Kann gar kein tragendes und sinnvolles Konzept sein so.
Die Tendenzen zeigen keine wirkliche Entlastung. Wo auch immer Entlastung möglich [durch „Lehrerüberschuss“ … Quatschiger Begriff haha] – dort geht man sofort auf Sparflamme in den Bereich Belastung oder/und „Beibehaltung“.
Also bspw. über Steuerungsmechanismen wie „Zusammenlegungen“, „Schließungen“, „Versetzungen/Abordnungen“, „Stundenerhöhungen“ (wenn dann doch auf einmal … Anders als geplant – upsi), „Anpassungen“ und „Stellenreduktion“.
Wir fahren dann eben den ähnlichen Rahmen, nur mit weniger Leuten ggf.
Das ja absolut irrsinnig.
Und das „muss“/kann man auch mal langsam checken, dass das eben Systematik hat.
Und dann ist/wäre eben der Kompromiss und die Konsequenz … Eine Entlastung des Systems. Und die wäre durch eine Bildungspflicht (erstmal) da.
Außer man reguliert politisch auch dann noch nach „nach unten“. Gut … Dann ist das ein „sowieso in den Abgrund“.
Aber das Potential ist/wäre halt da.
Und wenn auch nur (wieder) einige eine gute Lernumgebung und Atmosphäre haben. Wenn man diese auch wieder „leichter“ herstellen kann. Weil durchaus ggf. „verhaltensauffälligere Kinder“ dann daheim bleiben. Ansonsten sitzen sie halt die Zeit ggf. ab und „stören“ [brechen Regeln].
Es „stört“ ja kein Kind normalerweise ohne Grund. Das hat immer irgendwo einen Grund normalerweise. Ob Langeweile [Unterforderung] oder „Abgehängtsein“ [Überforderung] oder „Reinrufen“ [ADHS-Impulse ohne gelernte Regulierung] oder sonst was.
Und das ist/wäre an und für sich ja auch „gut“ zu begegnen, wenn man Ressourcen und Rahmen dazu hätte.
Aber diese „verhaltensoriginellen“ Kinder wird man in einem Mangelsystem oftmals weder „bekommen“, noch „gerecht werden“ noch sonst was. Ergebnis: Sie „stören“.
Sie stören ja normalerweise auch nicht „wegen der Lehrkraft“ oder so … Mei, muss man nicht persönlich nehmen. Sie brechen halt Regeln (oder überprüfen sie/“handeln sie aus“) … Alles okay. Sind Sachen, welche eben relativ normal sind und gemacht werden.
Aber … Dafür fehlt schlichtweg oftmals eben die Zeit, die SuS Zahlen sind zu hoch usw.
Und ja … Früher waren sie auch hoch. Aber dort hatte Schule einen anderen Stand und die Gesellschaft hat sich gewandelt. Die Sozialisierung ist anders. Die Arbeitswelt ist anders. Die Digitalisierung und „schnelle Impulse“ sind anders. Die Überreizung und Überangebote an „Bespaßung“ sind anders usw.
Und Schule schafft es hier nicht nachzuziehen.
Wir „verlieren“ so oder so viele … Bei Bildungspflicht wird das realistisch gesehen auch so sein. Aber die Verteilung ist eine andere.
Der Ruf wäre ein anderer. Also der Stand/Ansehen und die Möglichkeiten.
Und ja … Natürlich könnte [auch wahrscheinlich] auch eine Kontrollinstanz versagen. Zeigt dann wiederum weiterhin „schlechte Politik“ halt auf. Und Bildung ist abhängig von Politik.
Manche könnten sich da rausziehen. Manche könnten das Angebot wahrnehmen [die meisten würden das denke ich].
Und manche „verliert man“. Wie jetzt auch.
20-80 Prinzip als Gedankengang? Mit 20% bekommen wir etwa 80% [Lernwillige] durch. Und die 80% Restressourcen könnte man dann entweder zusätzlich für diese investieren oder halt mit denjenigen die „verpflichtet werden“ oder/und „das checken, dass sie auch einen Anteil bringen müssen (also mit sich arbeiten zu lassen)“ hernehmen und gezielter arbeiten. Dazu fehlt jetzt nämlich die Zeit und Möglichkeit oftmals.
„Können nix dafür das es mit der Schule nicht klappt, wenn GTA 6 nicht, wie bei den sozial Priviligierten, super flüssig läuft.“
Die Studie erhob meines Wissens weder den Besitz von Konsolen, noch Ihre persönlichen Vorurteile gegen finanziell schwächer gestellte Familien :/
Jeder soll ein tablet bekommen. Das ist doch heutzutage so wichtig, für homeschooling, bei Eis & Schnee, Hitze oder Vernetzung und Gruppenarbeiten.
🙂
Und Laptops dazu, damit alle Apps sicher funktionieren würden… Am besten mit dem zusätzlichen Desktop 🙂
Ich merke diese Bildungsungleichheiten immer besonders, wenn ich, weil das ja modern ist, ein Stationenlernen mache. Während die große Mehrheit der Klasse sich die Materialien, die an den Stationen liegen, einfach fotografiert und airdroppt, damit sie die Doppelstunde über nicht mehr aufstehen und ganz entspannt an den Stationen sitzenbleiben müssen… müssen die zwei, drei Kinder, die kein iPad haben, sich tatsächlich noch zwischen den Stationen hin- und herbewegen wie damals bei Klippert in den 80ern. Kaum zu glauben, was da an Lernzeit verlorengeht und für unnötige Kalorien verbrannt werden. So dermaßen ineffizient, F.W. Taylor würde sich im Grabe umdrehen.
6 ABs im Raum verteilen ist aber auch eine ziemlich lumpige „Stationsarbeit“.
Media Kompetenzen sind wichtig, aber die Schule ist manchmal ein Gegner, wenn es um Reduzeirung von Mediakonsum geht.
Schon in der zweiten Klasse ist Anton App bei uns in Deutsch ein Muss. Viele Kinder unter dem Vorwand, zu üben, spielen da Spiele. Ohne spezielle Rechte können Eltern diese Spiele nicht selber abschalten. Ich habe kein Tablet, mein Kind muss dann in der Schule diese Aufgaben erledigen.
IServ für das Gymnasium mit dem Chat, wo alles Mögliches außer Hausaufgaben besprochen wird. Wenn mein Kind zu solchen Sachen neigt, würde ich am besten bis zum bestimmten Alter das stark beschränken bis verbieten, muss aber die Zeit dafür geben.
Mathe App in Klasse 5, die voraussieht, dass es zu Hause ein freier Komputer steht… Ich sehe aber nicht viel Gewinn in diesem App (bezahlt von den Eltern übrigens), wenn das Kind das Stoff verstanden hat. Vielleicht bin ich einfach zu alt und verbittert. Und den freien Komputer habe ich nicht. Um jemandem anderen mit meinem Komputer arbeiten zu lassen, sind da zu wichtige Daten gespeichert. Sollte die Schule dann nicht die Komputer zum Arbeiten in der Schule zur Verfügung stellen? Universitäten früher hatten so eine Option.
(Für das Programmieren oder spezielle komplizierte Projekte würde ich eine Lösung finden)
„Media Kompetenzen sind wichtig, aber die Schule ist manchmal ein Gegner, wenn es um Reduzeirung von Mediakonsum geht.“
Sollte um sinnvolle Einsätze von Medien eben gehen.
Reine Reduzierung bringt meist wenig im Umgang und bei Entwicklung von Medienkompetenzen.
„Viele Kinder unter dem Vorwand, zu üben, spielen da Spiele.“
Versuchen viele Kinder halt eben. Ist ja klar … Muss man halt auch sinnvoll Einführen – also den Umgang und die Anwendung. Bei Regelbruch [einfach so „Münzen farmen und Spiele spielen“ gibt es eben Konsequenzen. Das Kind darf halt bspw. eine Zeit lang nicht mehr damit arbeiten. Das doch machbar. Muss halt auch gemacht werden.
Und daran scheitert es ggf. manchmal.
Es ist eben kein Selbstläufer.
„Gymnasium mit dem Chat, wo alles Mögliches außer Hausaufgaben besprochen wird“
Wo ist hier das Problem? Lieber Whatsapp und dann „Cybermobbing“ mit in die Schule als Problembereich nehmen?
Mir ist/wäre lieber, wenn die Kids den „internen Bereich/Chat“ nutzen. Dort gibt es Regeln. Sie und die Eltern unterschreiben diesbezüglich. Im Fall von „Cybermobbing“ usw. können wir hier agieren. Klare Sache. Hilft der Eindämmung.
Bei Whatsapp und Dergleichen … Nahezu „nicht lösbar“.
„wenn das Kind das Stoff verstanden hat“
Übung?
„Und den freien Komputer habe ich nicht. Um jemandem anderen mit meinem Komputer arbeiten zu lassen, sind da zu wichtige Daten gespeichert.“
Damit sollte man dann als Schule jedoch auch einen Umgang finden … Leihgeräte bspw. Oder die Verfügbarkeit von Geräten an der Schule [Ort + Aufsicht]. Oder innerhalb eines Konzepts/Unterrichts.
Vielen Dank für die Anrwort.
Ich verstehe, dass Eltern die Arbeit mit Medien kontrollieren müssen, ich verstehe nicht, warum es so früh beginnen soll. Und warum das Belohnungsprinzip im Unterricht nicht gut ist, aber bei Anton-App – Münzen sammeln und Dopamin ausschütten – akzeptabel ist.
Ich wollte mein Kind etwa länger von Chats enfernt halten, klappt jetzt aber nicht. Hoffentlich, schaffen Lehrer es, den Kindern beizubringen, sachlich und kurz da zu kommunizieren. Whatsapp mit dem möglichen Cybermobbing verschwindet trotzdem nicht, weil einige Kinder Handys haben.
Apps für Mathe können einige Themen anschaulich erklären und Tipps bei Fehlern geben, können aber auch zur Frustration führen, weil oft die Antwort ein bestimmtes Format erfordert oder App gerade langsam funktioniert. Ich wünschte mir aber auch, dass Komputer für solche Aufgaben in der Schule zur Verfügung stehen würden, ohne die Hoffnung auf die Zuhause und ohne Notwendigkeit, noch für Leihgeräte bezahlen zu müssen.
„ich verstehe nicht, warum es so früh beginnen soll“
Da kommt man nur bedingt aus. So ist die aktuelle Gesellschaft. Viele Kinder (und Kleinkinder) haben eben schon Medienzugänge. Das kann man jetzt auch einfach als Schule ignorieren. Dann wäre eine Medienkompetenz jedoch nochmal verlagert … Wenn Kinder schon Jahrelang dann „irgendwie“ konsumieren … Keine Ahnung. Dann sind einige Kinder eben schon in den Brunnen gefallen. Also ggf. mehr als so.
Man hat nicht „ein Kind“ in der Klasse. Man hat 20+ Kinder. Und da „Erziehung“ primär den Eltern überlassen ist … Hat man dementsprechend halt viele verschiedene Erziehungsstile (oder gar keine … Auch ein Stil ..).
Je mehr Heterogenität, desto höher vielleicht die Anpassungsquote auch. Nur eine Vermutung.
„Und warum das Belohnungsprinzip im Unterricht nicht gut ist, aber bei Anton-App – Münzen sammeln und Dopamin ausschütten – akzeptabel ist.“
Viele Lehrkräfte arbeiten ja mit Token-Systemen und anderen Belohnungssystemen.
Klar hilft dies. Sollte man machen. Auch ein „heute hast du aber wirklich gut gearbeitet“ ist bereits ein Belohnungssystem. Etwas „abstrakter“, da nicht „Materiell“ – aber bleibt beim Belohnungssystem.
Und klar gibt Digitalisierung Herausforderungen. Anton App nutzt diesen Mechanismus – zum einen pädagogisch als Belohnung, zum anderen als „Suchtfaktor/Sammelfaktor/“bleib hier“. Sollte man sich immer auch etwas bewusst machen.
Ich musste bisher jedes Jahr bei Anton App das besprechen und klare Regeln mit den SuS machen. Es sind immer Kinder dabei [5./6. Klasse bspw.], welche „Klasse 2-3 ‚farmen‘ “ und dann „in der Schule spielen wollen. Die clevereren „farmen“ das halt kurz daheim. Die anderen lassen sich direkt erwischen dabei … [Steht ja oben sogar als Link dann … Klasse 1 usw.]
Daher wird man um „Regelungen“ nicht vorbei kommen meiner Meinung nach.
Und die sind entweder „kein Spielen generell“ oder „nach Zeitvorgabe als kurzer ‚Cool-down‘ – aber mit Absprache und Eintragung“.
Ansonsten wird man hier normalerweise „immer“ von jemanden [und die werden mehr dann] ausgetrickst.
„Ich wollte mein Kind etwa länger von Chats enfernt halten, klappt jetzt aber nicht. “
Und das ist halt der Haken, wenn es „gesellschaftliche Anwendung und Relevanz“ hat. Nur weil man etwas selbst nicht nutzt/nicht mag/gerne anders hätte … Sind gesellschaftliche Faktoren ja trotzdem da.
„Whatsapp mit dem möglichen Cybermobbing verschwindet trotzdem nicht, weil einige Kinder Handys haben.“
Kein Whatsapp für Kinder. Hier gilt eben dann wieder:
„Ich verstehe, dass Eltern die Arbeit mit Medien kontrollieren müssen“
Ja, müssen sie. Bei dem Alter dann dementsprechend mit Zeitfaktor und Whatsapp eben „beaufsichtigt“.
Komischerweise wollen fast alle Eltern nicht, dass Whatsapp genutzt wird. Allerdings ist es da. Und dann kommt auch immer wieder „aber die installieren es halt“, „aber alle nutzen das“, „aber …“.
Wenn sich auch jedes Elternteil dann an „die Regeln“ halten würde … Gäbe es dieses „aber“ nicht. Zumindest bis zu einem Alter [Jugend] nicht.
„Ich wünschte mir aber auch, dass Komputer für solche Aufgaben in der Schule zur Verfügung stehen würden, ohne die Hoffnung auf die Zuhause und ohne Notwendigkeit, noch für Leihgeräte bezahlen zu müssen.“
Das sollte meiner Ansicht mach auch definitiv so sein.
Leihgeräte zudem ohne Selbstkostenanteil der Eltern. Allerdings mit Vertragsregelung bei „Mangelhafter Umgang/Beschädigung usw.“. Dann die Kostenübernahme ggf.
Ist halt auch hier immer die Frage … Was ist Bildung uns als Gesellschaft und Politik Wert? Und welche Primäraufgabe geben „wir“ Schule.
Wenn der Trend zu „Betreuung und Aufsicht“ geht – und das geht er. Dann wissen/kennen manche so den Wert.
„Schon in der zweiten Klasse ist Anton App bei uns in Deutsch ein Muss. Viele Kinder unter dem Vorwand, zu üben, spielen da Spiele.“
Wenn SIE da Probleme sehen, können Sie die doch ansprechen bzw. die Spiele sperren lassen oder auf der Aktivitätsliste verfolgen, ob und wie lange Ihr Kind spielte…
Ich hätte gerne solche Versuchungen überhaupt nicht in der zweiten Klasse gehabt, auch nicht in der dritten oder vierten. Wenn ich meinen Kindern ein Komputerspiel vorschlagen würde, würde ich gerne selber aussuchen möchten, wann und was für ein Spiel.
Spiele Abschalten kann nur der Lehrer für alle Kinder in der Gruppe – ein Nachteil des Programms, finde ich.
Anton App ist doch kostenlos.
Dann erstellen die einfach auf 20 Sekunden einen neuen Account. Sind wir mal realistisch …
Konnten meine ja auch. Bis man dies eben wiederum reguliert.
Die Kids sind ja nicht doof. Manche fitter in den Bereich(en) als manche Eltern und Lehrkräfte.
Es kommt bei Medien IMMER drauf an, wie und wie sinnvoll man sie verwendet.
Das „ob“ ist in heutiger Gesellschaft und Zeit kaum eine Frage.
Klar kann man Medienkompetenzen „verschieben“ … Dann danke dafür.
Hat man -> Realität: Viele nutzen Medien in einem bereits sehr jungen Alter. Die würden dann „alleine gelassen werden“.
Und Medien sind halt präsent und kaum bis nicht aus der „Lebensrealität“ mehr denkbar hier.
Daher kann und sollte man das bereits in der Grundschule schon thematisieren und zeitlich nicht aufschieben.
Medienführerschein Bayern ist ja auch für die Grundschule zum „ran führen“ und begegnet schon etwas.
Klar sollte man Anton App nicht als „Hauptunterricht“ oder so nutzen. Und logischerweise den Rahmen bedenken [Geräte daheim? Wenn nein – dann stimmt dieser Rahmen ja schon mal grundlegend nicht, wenn man das „erwartet“]. Das ist dann tatsächlich „schlecht bedacht“ und „schlecht gemacht“.
Anton App ist nicht schlecht. Das mit den Spielen muss man halt „regulieren und kontrollieren“. Ansonsten wird man dem ggf. nicht „Herr“. Allerdings kann man das schon machen …
Wie ist das „konzeptionell“ denn bei Ihnen an der Schule (und Zuhause) so (angedacht)?
„Ich hätte gerne solche Versuchungen überhaupt nicht in der zweiten Klasse gehabt“
Deaktivierte Spiele?
Bitte etwas mehr Vertrauen in die Lehrkräfte Ihrer Kinder 😉
„Spiele Abschalten kann nur der Lehrer für alle Kinder in der Gruppe – ein Nachteil des Programms, finde ich.“
Verstehe nicht ganz, wie sich das mit Ihrer Sorge um Versuchungen decken soll, aber natürlich werden die Spiele für alle Kinder im raum deaktiviert – was wünschen Sie sich diesbezüglich konkret?
„Für die Autorinnen und Autoren weist der Befund auf eine „ungleiche Nutzungskultur, geprägt durch familiäre Kontexte“ hin.“
Also alles wie immer schon -__-
Vielleicht bin ich da zu veraltet/ unbeholfen, aber ergibt es Sinn, Endgeräte wie Tablets und Computer gleichwertig zu erheben?
Nö, Sie sind nicht zu alt.
Ob Tablet, Smartphone, PC oder andere/zukünftig vielleicht noch kommende Geräte – das Problem ist (bisher) nicht das Gerät, sondern der familiäre Umgang damit.
Da sich an diesen nicht rangetraut wird (genauer: Garnicht rangetraut werden KANN), gilt die alte Regel:
Digitale Technologie beschleunigt (nur für sich gesehen) einfach nur das, was VORHER schon da war:
Khaos-Kevin nutzt digitale Geräte für mehr Deutschrap & Rausbrennen der letzten Gehirnzellen, Zahnarzt-Zoe ist ein halbes Schuljahr weiter, da sie bildungskompatible Inhalte bevorzugt und Unit 2 des neuen Orange Line sich nicht nur erklären, sondern gliedern, ausdrucken und in Lernzettel umformatieren lässt, woraufhin ich dann bewundernd gucke und mit ihr im Unterricht abchillen und sprechen üben kann. (Was ihren Vorsprung NOCH MEHR vergrössert)
Ergebnis:
1) Da Lehrer faktisch wenig bis garkeinen Kontrollzugriff haben (können & sollen)
2) Eltern ziemlich synchron zur eigenen Bildung & sozialen Schicht die Nutzung festsetzen
bleibt in der Masse alles wie es ist – nur schneller, extremer, auffälliger im Guten wie Schlechten.
Ich bezog mich eher auf die technischen Möglichkeiten, da ich bspw. das (fehlerfreie) Schreiben ohne Tastatur als unerträglich empfinde – Sie sind Zeuge der Resultare meiner fetten Finger ^^