BERLIN. Lehrkräftemangel und Unterrichtsausfall treffen nach Einschätzung von Elternvertretern auf ein strukturelles Problem: überladene Lehrpläne und einen Schulalltag, der zu stark von Prüfungen bestimmt werde. Die Fachausschüsse für Real- und Hauptschulen sowie Gymnasien im Bundeselternrat verlangen deshalb eine grundlegende Überprüfung von Lerninhalten und Prüfungsanforderungen. Entscheidend sei nicht die Menge des Stoffes, sondern ob Schülerinnen und Schüler Wissen verstehen, anwenden und für Alltag, Beruf, Studium und gesellschaftliche Teilhabe nutzen können.

Der Bundeselternrat fordert eine grundlegende Überprüfung der Lehrpläne und Prüfungsanforderungen an weiterführenden Schulen. Nach Auffassung seiner Fachausschüsse für Real- und Hauptschulen sowie Gymnasien erleben Schülerinnen und Schüler ebenso wie Lehrkräfte den Schulalltag zunehmend als überfrachtet und stark auf Prüfungen ausgerichtet. Zugleich würden junge Menschen nicht ausreichend auf die unterschiedlichen Anforderungen ihres späteren Lebens vorbereitet.
Die Kritik verbindet damit mehrere Probleme, die im Schulalltag häufig getrennt diskutiert werden: die Menge des Lernstoffs, den Prüfungsdruck und den Ausfall regulären Unterrichts. In einem gemeinsamen Appell erklären die Elternvertreter: „Ein Bildungssystem, das von Lehrermangel, Unterrichtsausfall, überladenen Lehrplänen und wachsendem Prüfungsdruck geprägt ist, verfehlt seinen eigentlichen Auftrag. Schule darf junge Menschen nicht verwalten und überfordern, sondern muss ihnen Bildung, Orientierung, Chancengerechtigkeit und die Fähigkeiten für ein selbstbestimmtes Leben vermitteln.“
Aus Sicht der Fachausschüsse muss deshalb zunächst geklärt werden, welche Unterrichtsinhalte tatsächlich unverzichtbar sind. Lehrpläne sollten konsequent danach überprüft werden, welche Kenntnisse und Kompetenzen für Alltag, Beruf, Studium und gesellschaftliche Teilhabe relevant seien. Bildungsqualität bemesse sich nicht an der möglichst großen Stoffmenge, sondern daran, ob Schülerinnen und Schüler Inhalte nachhaltig verstehen und anwenden könnten.
„Schule muss Wissen vermitteln, Orientierung geben und junge Menschen stärken – nicht sie dauerhaft unter Prüfungsdruck setzen“
Anne-Karin Schaffrath, Vorsitzende des Fachausschusses Real- und Hauptschulen, formuliert den Anspruch so: „Schule muss Wissen vermitteln, Orientierung geben und junge Menschen stärken – nicht sie dauerhaft unter Prüfungsdruck setzen.“
Mit einer Reduzierung oder Neuordnung des Lernstoffs allein wäre es aus Sicht der Elternvertreter allerdings nicht getan. Sie kritisieren zugleich die Bedingungen, unter denen Schülerinnen und Schüler auf Prüfungen vorbereitet würden. Weil im Unterricht Zeit fehle, müssten sich viele wesentliche Lerninhalte selbstständig aneignen. Die Fachausschüsse verlangen deshalb verbindliche Vorbereitungskonzepte, transparente Anforderungen und ausreichende Übungsphasen.
Besonders deutlich wird der Reformanspruch am Mathematikunterricht. Hier soll nach Vorstellung der Elternvertretungen stärker differenziert werden, damit leistungsstarke Schülerinnen und Schüler gezielter gefördert werden können, ohne andere zu überfordern. Die Lerninhalte sollten sich stärker am jeweiligen Bildungsabschluss orientieren und gezielt auf die Abschlussprüfungen vorbereiten.
Gleichzeitig wenden sich die Fachausschüsse gegen eine Verengung schulischer Bildung auf klassische Prüfungsfächer. Kreative, technische und naturwissenschaftliche Fächer sollten stärker gewichtet werden. Sie begründen dies mit deren Bedeutung für Kreativität, Problemlösefähigkeit und Innovationsfähigkeit. In der Sekundarstufe I sollen zudem grundlegende Kompetenzen in Physik, Chemie und Biologie gleichermaßen vermittelt werden.
Auch gesellschaftspolitische Bildungsaufgaben nehmen die Elternvertreter ausdrücklich in den Blick. Der Geschichtsunterricht solle stärker auf Demokratiebildung, gesellschaftliche Verantwortung und die Einordnung aktueller Entwicklungen ausgerichtet werden. Für den Religionsunterricht wünschen sie sich eine stärkere Konzentration auf Ethik, Wertebildung und gesellschaftliches Zusammenleben.
Dahinter steht ein weiter gefasstes Verständnis von schulischer Bildung. Demokratieverständnis, Selbstbestimmung, Verantwortungsbewusstsein, Konfliktfähigkeit und Zusammenarbeit müssten im Schulalltag einen deutlich höheren Stellenwert erhalten, heißt es in der Stellungnahme. Schule solle junge Menschen nicht allein auf Prüfungen und Abschlüsse, sondern auch auf gesellschaftliche Teilhabe vorbereiten.
Ob solche Ziele im Unterricht tatsächlich erreicht werden können, hängt für die Fachausschüsse allerdings wesentlich von einer Voraussetzung ab: Unterricht muss überhaupt stattfinden. Mit besonderer Sorge verweisen die Elternvertreter auf Unterrichtsausfall infolge von Lehrkräftemangel und krankheitsbedingten Ausfällen. Vor allem in der Sekundarstufe II falle Unterricht vielerorts ersatzlos aus. Unbegleitetes Selbstlernen könne qualifizierten Unterricht auf Dauer nicht ersetzen.
„Wir brauchen eine Schule, die junge Menschen auf das Leben vorbereitet – mit Wissen, Orientierung, Verantwortung, demokratischem Handeln und der Fähigkeit zur Zusammenarbeit“
Schaffrath und Michael Gehrhardt erklären dazu gemeinsam: „Schülerinnen und Schüler haben Anspruch auf verlässlichen Unterricht. Die Bundesländer müssen endlich wirksame Konzepte gegen Lehrermangel und Unterrichtsausfall entwickeln und umsetzen.“
Auch bei der Entwicklung künftiger Reformen verlangen die Elternvertreter Veränderungen. Bildungspolitische Entscheidungen dürften nicht allein aus Verwaltungsperspektive getroffen werden. Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte müssten stärker beteiligt werden, weil sie diejenigen seien, die die Folgen von Lehrplänen, Prüfungsanforderungen und Unterrichtsausfall täglich erlebten.
Die Fachausschüsse bündeln ihre Forderungen schließlich in einem grundsätzlichen Anspruch an Schule: „Wir brauchen eine Schule, die junge Menschen auf das Leben vorbereitet – mit Wissen, Orientierung, Verantwortung, demokratischem Handeln und der Fähigkeit zur Zusammenarbeit. Dafür müssen Lehrpläne, Prüfungsanforderungen und die Unterrichtsversorgung jetzt gemeinsam neu gedacht werden.“ News4teachers
Bundeselternrat fordert – „endlich“ – gezielte Investitionen für mehr Chancengerechtigkeit
Alle Jahre wieder
Phrasen aufgewärmt
kommt ein Ratschlag nieder
wo die Lehrer sind.
Die (V-)Erziehungsberechtigten haben die PFLICHT ihren Nachwuchs zu erziehen, leider ist festzustellen, dass es seit Jahren immer mehr zu einem verziehen wird. Die Kinder sind zum Teil nicht in der Lage einfachste Dinge, die ihre (V-)erziehungsberechtigten in ihrer Kindheit (hoffentlich) konnten, nicht können: Schleife binden, Toilettenetikette, Höflichkeit (Guten X, Bitte! Danke!), Respekt und Empathie, Resilienz, Geduld, Leistungsbereitschaft … (Liste bitte nach eigenem Ermessen fortsetzen). Sie sind zu Miniköniginnen und Minikaisern geworden, die der Meinung sind, die Welt drehe sich nur um sie und ihre Bedürfnisse haben sofort gestillt zu werden. Und im Kindergarten oder der KITA kommt dann der Kulturschock, dass es auch noch andere gibt!
Es ist bedauerlich, dass auf der anderen Seite die Kinder mit immer verschlankten Wissen unterwegs sind. Somit ist es auch kein Wunder, dass die Betriebe und Universitäten den zum Teil unfähigen und unselbstständigen Azubis und Studenten grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten beibringen müssen, weil es schon im Haushalt der (V-)Erziehenden nicht geschehen ist und die Schulen jedem originell-speziellen Kindelein mit Müh und Not zum Abschluss zu bringen hat, weil der vergoldete Elfenbeinturm mal wieder unnötige vermeintlich schmutzig, dumme Borstentiere durch gering bewohnte Ortschaften jagt.
Ohne böse klingen zu wollen, 8-Klässer vor 70 Jahren konnten mehr als die 8-Klässler von heute.
Die Schule hat auch einen Erziehungsauftrag!
Klingt gut! Dranbleiben!
Sichi, und was halten Sie von
Klingt auch gut! Ich bleibe dran!