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Energydrinks unter Schülern: Konsum steigt – mit Folgen für den Schulalltag

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KIEL. Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland konsumieren Energydrinks. Fast jedes zweite Kind zwischen neun und zwölf Jahren und rund sieben von zehn Jugendlichen zwischen 13 und 15 Jahren haben die stark koffeinhaltigen Getränke bereits probiert; vor allem der regelmäßige Konsum hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Für Schulen ist das nicht nur eine Frage der Gesundheitsbildung: Frühere Daten zeigen bei Schülerinnen und Schülern mit täglichem Konsum deutlich häufiger Schlafstörungen, Hyperaktivität, Aufmerksamkeits- und Verhaltensprobleme. Eine neue Auswertung zeigt nun, wie verbreitet Energydrinks inzwischen unter Minderjährigen sind.

Energiegeladen. (Symbolbild.) Illustration: News4teachers

Energydrinks haben aus Sicht von Ernährungsexperten in der Schule nichts zu suchen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung zählt sie zu den Getränken, die im Rahmen einer gesundheitsfördernden Schulverpflegung nicht angeboten werden sollen. Das brandenburgische Bildungsministerium formuliert es für die Schulen des Landes ähnlich: „Energy-Drinks sollen aus gesundheitsbedenklichen Gründen in Schule nicht angeboten werden.“ Schulen können dort darüber hinaus den Konsum über ihre Hausordnung regeln.

Eine bundesweite gesetzliche Altersgrenze für den Kauf gibt es dagegen nicht. Das Jugendschutzgesetz enthält keine entsprechenden Verkaufs- oder Abgabebeschränkungen für Kinder und Jugendliche. Während andere europäische Staaten den Zugang bereits beschränkt haben, können Minderjährige in Deutschland Energydrinks grundsätzlich frei kaufen.

Wie weit verbreitet die Getränke unter Schülerinnen und Schülern sind, zeigt nun eine Auswertung von Daten des Präventionsradars aus den Schuljahren 2020/21 bis 2025/26. Julia Hansen, Clemens Neumann und Reiner Hanewinkel von der Forschungseinrichtung IFT-Nord in Kiel haben dafür Angaben von mehr als 107.000 Schülerinnen und Schülern unter 16 Jahren aus 15 Bundesländern ausgewertet. Die Ergebnisse wurden im „Deutschen Ärzteblatt International“ vorgestellt.

Die Zahlen zeigen, wie früh der Konsum beginnt. 46 Prozent der Neun- bis Zwölfjährigen und 72 Prozent der 13- bis 15-Jährigen haben bereits Energydrinks getrunken. Bei den Kindern konsumierten zuletzt 13 Prozent mindestens einmal im Monat solche Getränke; im Schuljahr 2020/21 waren es noch knapp zehn Prozent. Bei den Jugendlichen stieg der entsprechende Anteil im selben Zeitraum von 25 auf 33 Prozent.

Auch beim häufigeren Konsum zeigt sich eine Entwicklung. Mindestens einmal pro Woche tranken zuletzt sechs Prozent der Kinder Energydrinks. Bei den Jugendlichen waren es 19 Prozent nach knapp 16 Prozent im Schuljahr 2020/21. Kaum verändert hat sich dagegen der Anteil derjenigen, die täglich zugreifen: rund zwei Prozent der Kinder und etwa sechs Prozent der Jugendlichen.

Dass diese vergleichsweise kleine Gruppe für Schulen dennoch von besonderem Interesse sein kann, zeigen ältere Daten aus demselben Präventionsradar. Bereits im Schuljahr 2018/19 hatte das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung IFT-Nord im Auftrag der DAK-Gesundheit 14.242 Schülerinnen und Schüler aus 13 Bundesländern befragt. Untersucht wurde damals unter anderem, wie der Konsum von Energydrinks mit Schlaf, Gewicht, emotionalen Problemen, Hyperaktivität und Verhaltensauffälligkeiten zusammenhing.

Die Unterschiede waren erheblich. 63 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die täglich Energydrinks konsumierten, litten unter Schlafstörungen. Ein Viertel dieses Zusammenhangs ließ sich nach der damaligen Auswertung auf eine spätere Einschlafzeit zurückführen.

Gerade für den Schulalltag fällt ein weiterer Befund auf: Unter den täglich Konsumierenden zeigten 21 Prozent Auffälligkeiten im Bereich Hyperaktivität, unter den Nicht-Konsumierenden waren es sechs Prozent. Noch größer war der Unterschied bei Verhaltensproblemen: Sie wurden bei 30 Prozent der täglich Konsumierenden festgestellt, gegenüber vier Prozent der Nicht-Konsumierenden. Emotionale Probleme betrafen 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit hohem Konsum und acht Prozent derjenigen, die keine Energydrinks konsumierten.

„Es ist nun höchste Zeit, dass unsere Bundesregierung hier nachbessert, denn Prävention beginnt im Kindesalter und nicht erst nach dem ersten Herzinfarkt“

Auch beim Körpergewicht zeigte sich ein Zusammenhang. Während acht Prozent der Nicht-Konsumierenden übergewichtig waren, traf dies auf 16 Prozent der täglich Konsumierenden zu.

Die Zahlen bedeuten allerdings nicht, dass Energydrinks Schlafstörungen, Hyperaktivität oder Verhaltensprobleme verursachen. Die Untersuchung zeigt zunächst statistische Zusammenhänge. Andere Faktoren können sowohl mit häufigem Energydrink-Konsum als auch mit gesundheitlichen oder Verhaltensproblemen verbunden sein.

Darauf weisen auch die aktuellen Daten hin. Täglicher Energydrink-Konsum tritt demnach überdurchschnittlich häufig gemeinsam mit anderen gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen auf. Jugendliche, die im vergangenen Monat geraucht oder E-Zigaretten genutzt hatten, wiesen eine 2,4-fach höhere Rate täglichen Energydrink-Konsums auf als Jugendliche ohne Nikotinkonsum. Auch Alkohol- und Cannabiskonsum, höhere Risikobereitschaft, mehr Bildschirmzeit sowie Aufmerksamkeits- und emotionale Probleme standen mit täglichem Konsum in Zusammenhang.

Katharina Rathmann von der Hochschule Fulda warnt deshalb vor vorschnellen Ursache-Wirkungs-Schlüssen. Dass Energydrink-Konsum häufig zusammen mit Nikotin-, Alkohol- und Cannabiskonsum auftrete, bedeute nicht, dass die Drinks diese Verhaltensweisen verursachen.

Für Schulen ergibt sich aus den Befunden dennoch ein breiteres Bild: Häufiger Energydrink-Konsum tritt gemeinsam mit mehreren Faktoren auf, die auch im Unterricht und Schulalltag eine Rolle spielen können – von Schlaf- und Aufmerksamkeitsproblemen bis zu anderen Formen des Substanzkonsums.

Hinzu kommt die Wirkung des Koffeins selbst. Energydrinks sind gesüßte Getränke, die mit Koffein und weiteren Inhaltsstoffen wie Taurin und Glucuronolacton versetzt sind. Die Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung sieht eine Maximalgrenze von 320 Milligramm Koffein pro Liter vor. Eine marktübliche 500-Milliliter-Dose enthält den Autoren der aktuellen Auswertung zufolge häufig die gesetzliche Obergrenze von 160 Milligramm Koffein sowie etwa 55 Gramm Zucker.

Das ist für Kinder und Jugendliche eine relevante Größenordnung. Nach Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist bei Kindern und Jugendlichen eine Koffeinaufnahme von bis zu drei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht am Tag gesundheitlich unbedenklich. Bei einem Körpergewicht von 50 Kilogramm wären das 150 Milligramm – weniger als die Koffeinmenge, die eine 500-Milliliter-Dose bei Ausschöpfung der gesetzlichen Höchstkonzentration enthält.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat seine Bewertung der gesundheitlichen Risiken von Energydrinks für Kinder und Jugendliche 2026 aktualisiert. Danach ist die Datenlage zu einzelnen gesundheitlichen Auswirkungen bei Heranwachsenden weiterhin begrenzt. Kinder und Jugendliche mit sehr hohem Konsum gelten jedoch als besondere Risikogruppe.

Auch Felix Oberhoffer vom Klinikum der Universität München warnt vor den gesundheitlichen Folgen eines hohen Konsums. „Energydrinks enthalten hohe Koffein- und Zuckerkonzentrationen, die in großen Mengen schädlich für unser Herz-Kreislauf-System sind“, erklärt er. „Ein regelmäßiger und hoher Konsum kann langfristig die Entstehung von Bluthochdruck, Übergewicht und Zuckerstoffwechselstörungen befördern.“

Besonders problematisch kann der Konsum zusammen mit Alkohol werden. „Koffein kann die Müdigkeit durch Alkohol überdecken, ohne die tatsächliche Beeinträchtigung von Reaktion, Urteilsvermögen und Koordination zu verringern“, erklärt Rathmann. „Dadurch kann man sich nüchterner fühlen, als man tatsächlich ist, und eher mehr Alkohol trinken oder die Risiken unterschätzen.“

Die aktuellen Daten weisen zugleich auf soziale Unterschiede hin. An Gymnasien ist täglicher Energydrink-Konsum seltener als an anderen Schulformen. Auch stärkeres elterliches Monitoring sowie eine höhere Risikowahrnehmung gegenüber Substanzen gingen mit niedrigeren Konsumraten einher. Einen statistisch bedeutsamen Unterschied zwischen den Geschlechtern stellten die Forschenden in der aktuellen Auswertung nicht fest.

Schon die Erhebung aus dem Schuljahr 2018/19 hatte Unterschiede zwischen den Schulformen gezeigt. Damals lag der Konsum an Gymnasien deutlich niedriger als an anderen Schulformen. Solche Befunde dürften allerdings nicht ohne Weiteres der jeweiligen Schulform zugeschrieben werden. Rathmann verweist darauf, dass Unterschiede nach Schulform vielmehr als Hinweis auf soziale Unterschiede im Konsum verstanden werden sollten.

Damit stellt sich auch die Frage, welchen Einfluss Werbung und soziale Medien haben. Die Autoren der aktuellen Untersuchung verweisen insbesondere auf Influencer-Marketing. Energydrinks werden in sozialen Netzwerken beworben, einzelne Influencer vermarkten eigene Produkte. Hansen, Neumann und Hanewinkel empfehlen deshalb neben Maßnahmen zur Verhaltensprävention strengere Regeln für Verkauf und Werbung.

Andere europäische Staaten greifen bereits stärker ein. In Litauen, Lettland und Polen dürfen Energydrinks nur noch an Erwachsene verkauft werden. In Norwegen gilt ein Verkaufsverbot an unter 16-Jährige. In Deutschland gibt es bislang keine entsprechende allgemeine Altersgrenze.

Damit liegt die Verantwortung für den Umgang mit den Getränken hierzulande bislang wesentlich bei Eltern, Jugendlichen und – soweit es um den Schulalltag geht – bei den Schulen selbst. Die können den freien Verkauf außerhalb ihres Geländes zwar nicht beeinflussen. Innerhalb der Schule können sie jedoch Regeln setzen, und für die Schulverpflegung sind die fachlichen Empfehlungen eindeutig.

Die Autoren der aktuellen Studie plädieren darüber hinaus für strengere gesetzliche Vorgaben. LMU-Mediziner Oberhoffer sieht insbesondere den Staat in der Verantwortung: „Es ist nun höchste Zeit, dass unsere Bundesregierung hier nachbessert, denn Prävention beginnt im Kindesalter und nicht erst nach dem ersten Herzinfarkt.“ News4teachers / mit Material der dpa

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1 COMMENT

  1. Der Gipfel der Dummheit sind die fünf bis zehn dedizierten Kühlschränke /-regale für die toxische Brühe verschiedener Hersteller im Supermarkt.

    Wer im Sommer in einen Supermarkt geht, um ein gekühltes Getränk zu erwerben, muss an Regalmetern Gift vorbeigehen, bevor er – vielleicht – noch normale Getränke findet.

    Da muss mir auch keiner erzählen, er würde Lebensmittel lieben. Wer so einen Dreck so aggressiv in die Leute reindrückt, liebt ausschließlich seinen Geldbeutel.

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