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Schulen diskutieren Verbot von rechtsextremer Mode

GLINDE. Zwei Schulen in Glinde bei Hamburg denken darüber nach, ihren Schülern das Tragen von Kleidung der Marke „Thor Steinar“ zu verbieten. Ihre Begründung: Diese Marke ist in der rechtsextremen Szene sehr beliebt und enthält geheime Symbole oder Botschaften.

Mit einem Verbot würden die beiden Glinder Schulen weiteren Schulen aus ganz Deutschland, dem Bundestag, einigen deutschen Fußballstadien und der Universität Greifswald folgen, wo das Tragen dieser Kleidermarke bereits untersagt ist. Angestoßen wurde die Diskussion um ein mögliches Verbot per Hausordnung des Gymnasiums Glinde und der Sönke-Nissen-Gemeinschaftsschule durch die Eröffnung eines Geschäftes, das „Thor-Steinar“-Kleidung vertreibt, in der Nachbarschaft. Wolfgang Bendokat, stellvertretender Direktor des Glinder Gymnasiums, sagte gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“: „Zwar ist die Kleidung an den Schulen bisher nicht aufgefallen, aber es wird überlegt, ob ein Verbot, diese Kleidung zu tragen, in die Hausordnung aufgenommen wird.“

In einigen Schulen mehrerer Bundesländer ist Kleidung der Marke "Thor Steinar" bereits verboten; Foto: Autonome Antifa Freiburg (CC BY-NC-SA 2.0)

In einigen Schulen mehrerer Bundesländer ist Kleidung der Marke "Thor Steinar" bereits verboten; Foto: Autonome Antifa Freiburg (CC BY-NC-SA 2.0)

Ein Vorschlag, der von Experten wie Till Stehn als sinnvoll erachtet wird. Stehn, der für die Friedrich-Ebert-Stiftung arbeitet und Schüler in Workshops über das Thema Rechtsextremismus aufklärt, sagte gegenüber der Hamburger Zeitung, dass die Marke „Thor Steinar“ seit Jahren ein Aushängeschild der rechten Szene und häufig mit politischen Botschaften bedruckt sei. Allerdings seien diese Botschaften oft versteckt, und die Kleidung diene daher als ein Erkennungsmerkmal unter Nazis. Nicht selten sei bei den Aufdrucken ein Bezug auf eine rechte Ideologie, den Zweiten Weltkrieg oder Gewaltbereitschaft zu erkennen. Aus diesem Grund sei das Tragen dieser Modemarke bereits in einigen Schulen verboten – beispielsweise in Niedersachsen, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

Broschüre hilft, verstecke Symbole zu erkennen

Damit Lehrer solche versteckten Symbole erkennen und dem Rechtsextremismus entgegentreten können, hat die Recherchegruppe „Investigate Thor Steinar“ eine Broschüre erstellt. Unterstützt wurde diese Veröffentlichung unter anderem von der Amadeu Antonio Stiftung, einer Initiative, die sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet und für die Stärkung einer demokratischen Zivilgesellschaft einsetzt. In der Publikation wird die Kollektion der Marke ausführlich analysiert und die Leser werden auf bedenkliche und mehrdeutige Codes, Zeichen und Logos aufmerksam gemacht. So würden auf den Kleidungsstücken häufig Runen verwendet, und auf Sweatshirts lasse sich beispielsweise eine Flagge finden, die der Reichskriegsflagge sehr ähnele. Wie auf der Website „Netz gegen Nazis“ von der Amadeu Antonio Stiftung berichtet wird, wurde 2005 das erste Runen-Logo der Marke wegen seiner Ähnlichkeit mit Symbolen aus dem Nationalsozialismus zeitweise verboten und Textilien wurden beschlagnahmt, woraufhin die Firma ihr Motiv geändert habe.

Auch Sabine Kritter, Expertin von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin, sieht in einem Verbot rechtsextremer Kleidermarken mehrere Vorteile: Wie sie gegenüber „Netz gegen Nazis“ sagte, positioniere sich die Schule mit einem Verbot für alle sichtbar gegen Rechtsextremismus, sie zeige sich sensibel für dieses Problemfeld und ziehe klare Grenzen. Darüber hinaus würden die Schüler ermutigt, sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus zu engagieren. Für Lehrer sei ein Verbot per Hausordnung eine Arbeitserleichterung, weil es ein einheitliches Vorgehen des Kollegiums möglich mache, einen Rahmen schaffe und Sicherheit gebe.

Verantwortung übernehmen

Allerdings dürfe ein Verbot von Kleidung, die rechtsextreme Zeichen enthalte, nicht dazu führen, die Diskussion über das Thema zu beenden, warnt die Expertin. Schließlich würden sich durch das Verbot nicht die Einstellungen ändern, die hinter den Klamotten ständen. Um so ein Verbot durchzusetzen, bräuchte eine Schule Lehrer, die rechtsextreme Orientierungen sicher wahrnehmen können und  nicht davor zurückschrecken, sich mit den Schülern auseinanderzusetzen. Die Aufgabe funktioniere auf lange Sicht gesehen nur, wenn immer mehr Lehrer und Schüler selbst Verantwortung dafür übernehmen.

Das ist in Glinde bereits der Fall: Wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtet, hat Schulleiter Bendokat die Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ der Friedrich-Ebert-Stiftung an die Schule geholt. In Vorbereitung auf die Ausstellung werden Schüler von Experten wie Till Stehn geschult und für das Thema sensibilisiert. Ihr Wissen, beispielsweise über die verstecken Dresscodes bestimmter Kleidung, geben sie während der Führungen durch die Ausstellung an ihre Mitschüler weiter.  FRAUKE KÖNIG

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