Startseite ::: Praxis ::: Rekordbesuch bei der „didacta 2012“ in Hannover

Rekordbesuch bei der „didacta 2012“ in Hannover

HANNOVER. Bildung boomt. Die nun zu Ende gegangene „didacta 2012″zog so viele Besucher an wie noch keine ihrer Vorgängermessen in Hannover. Insgesamt kamen 80.000 Besucher – rund zehn Prozent mehr als bei der letzten „didacta“ in Hannover vor drei Jahren. Auch die Zahl der Aussteller war so hoch wie nie während einer Bildungsmesse in Niedersachsens Landeshauptstadt.

Wie schon 2011 in Stuttgart wird es auch in Hannover ein umfassendes Angebot an Produkten, Vorträgen und Workshops geben; Foto: Messe Stuttgart (Ausschnitt)

Bei der "didacta" gab es ein umfassendes Angebot an Produkten, Vorträgen und Workshops; Foto: Messe (Ausschnitt)

Auf rund 35.000 Quadratmetern präsentierten 875 Aussteller ihre Neuigkeiten und Produkte. Neben dem Stöbern in unzähligen Bücherregalen, der Vorführung interaktiver Whiteboards und dem Probieren von Schulmesa-Essen konnten Besucher auch an mehr als 1.500 Workshops, Vorträgen und Seminaren sowie Podiumsdiskussionen mit Experten aus Politik, Verbänden, Forschung und Praxis teilnehmen.

Erstmals widmete sich die didacta mit einem eigenen Ausstellungsbereich dem Thema „Sicherheit in Schulen“ und bot an den Messeständen Informationen, Konzepte und Technik für den Ernstfall aber auch für alltägliche Herausforderungen an. Dabei ging es sowohl um den besseren Schutz vor Bränden und Einbrüchen als auch um das Thema  „Krisenintervention Amok“, zu dem es gesonderte Veranstaltungen gab. Ein weiteres Schwerpunktthema war das Lehren und Lernen mit Neuen Medien. Zugegeben: Dieses Thema hat insgesamt an Bedeutung gewonnen und behandelt auch spannende Aspekte, wie beispielsweise die Nutzung des iPad in der Grundschule. Allerdings zeichnete sich das Themenfeld „e-Learning“, wie bereits in den letzten Jahren, deutlich durch sein kommerzielles Interesse aus.

Debatten, Debatten, Debatten

Weniger kommerziell, dafür umso wortreicher ging es in dem Debatten-Bereich der Messe zu. Auf dem diesjährigen Podium diskutierten unter anderem die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne), der niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) und der Hamburger Schulsenator und amtierende Präsident der Kultusministerkonferenz, Ties Rabe (SPD), über die Schulstruktur und Auswirkungen der Demografie auf die Schullandschaft. In der Diskussion „Endstation Zweigliedrigkeit? Wie der demografische Wandel den Schulfrieden erzwingt“ beschäftigten sich die Schulpolitiker damit, welche Chancen dies jeweils für Schüler und Lehrer bietet.

Wie helfen Erkenntnisse der Hirnforschung und Lernpsychologie der Unterrichtspraxis? Dazu lieferte das „Forum Bildung“ unterschiedliche Antworten. Gerald Hüther, Professor für Neurobiologie an der Universität Göttingen, zeigte in seinem Vortrag, welche Voraussetzungen sich aus neurowissenschaftlichen Befunden ergeben, damit Lernprozesse erfolgreich verlaufen und neues Wissen nachhaltig im Gehirn verankert werden können. Ein Ansatz, den Elsbeth Stern, Professorin am Züricher Institut für Verhaltenswissenschaften,  nicht vertrat. Die Hirnforschungs-Kritikerin (sie sieht im bisherigen Ertrag der neurowissenschaftlichen Forschung keinen Nutzen für die Schulpraxis) erklärte, wie Lehrer mit Erkenntnissen der Lernpsychologie Schüler unterstützen können, die Schwierigkeiten beim Lernen für mathematisch-naturwissenschaftliche Fächer haben.

Beim Thema Inklusion sind sich im Grundsatz (fast) alle Beteiligten einig und befürworten das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern und Jugendlichen. Nur bei der Umsetzung hapert es noch. Aber wie kann Inklusion gelingen? Wie können Lehrer auf den gemeinsamen Unterricht vorbereitet werden, welche Rahmenbedingungen sind für inklusive Bildung unverzichtbar und welche pädagogischen Konzepte es gibt? Darüber sprachen Experten aus Forschung und Politik sowie Vertreter von Lehrer- und Elternverbänden.

Ob die Schulzeitverkürzung G8 oder die Schaffung neuer Schulformen: Viele Lehrer haben das Gefühl, dass die Reformen auf ihrem Rücken ausgetragen werden. Unter dem Titel „Schulreformen: Dauerstress für Lehrer“ diskutierten Vertreter von Verbänden mit Politikern und Wissenschaftlern über dieses Thema und „Burn-out“ bei Lehrern.

Anregung für den eigenen Unterricht

Dem Umgang mit Stress widmete sich auch die Veranstaltungsreihe „Forum Unterrichtspraxis“. Dort bekamen Lehrer Anregungen für die eigene Unterrichtsgestaltung, sie konnten sich mit Kollegen austauschen und beispielhafte Projekte sowie erprobte Unterrichtskonzepte kennenlernen.

Heinz Klippert vom Erziehungswissenschaftlichen Fort- und Weiterbildungsinstitut der Evangelischen Kirchen im Rheinland zeigte in seinem Vortrag „Stressabbau im Unterricht“ Strategien, Regeln und Beispiele, wie der alltägliche Unterricht weniger belastend ist und Motivation, Disziplin und Selbstlernkompetenz der Schüler gefördert werden können.

Wie schon bei der didacta 2009 in Hannover präsentieren sich auch in diesem Jahr zahlreiche Schulbuchverlage; Foto: Deutsche Messe Hannover

Auch in diesem Jahr präsentierten sich zahlreiche Schulbuchverlage; Foto: Deutsche Messe Hannover

Um Zeit- und Selbstmanagement für Lehrende drehte sich alles im Vortrag von Dagmar Rohnstock. Die Trainerin für Stress-, Zeit- und Konfliktmanagement erläuterte, wie Lehrer – trotz wachsender Anforderungen und steigenden Aufgaben – ihren (Schul-)Alltag effektiv und entspannt meistern können.

Rund 900.000 Schüler muslimischen Glaubens leben in Deutschland und nur etwa drei Prozent bekommen an den staatlichen Schulen eine religiöse Unterweisung im Islam durch Modellversuche. Nach Nordrhein-Westfalen hat nun auch Niedersachsen angekündigt, islamischen Religionsunterricht als reguläres Fach an den Schulen einführen zu wollen. Aber wer unterrichtet das Fach, wie sieht die Lehrerausbildung dazu aus und gibt es überhaupt ausreichend Lehrkräfte? Referent Bülent Ucar, Professor am Lehrstuhl für Islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück, beschäftigte sich mit dem Thema „Islamischer Religionsunterricht in Deutschland zwischen Schulversuchen und Normalität“.

Sonderschauen und -veranstaltungen

Ob gute Bildung durch eine gute Lehrerbildung gewährleistet werden kann, darum ging es beim Hochschultag 2012 auf der didacta. Schwerpunkte der Podiumsdiskussionen mit Experten aus Wissenschaft und Politik waren unter anderem die Professionalisierung der Lehrerbildung, die Frage, ob der Föderalismus im Bereich Bildung schadet und ob es durch Bachelor- und Masterstudiengänge „neue Lehrer“ gibt.

Im Rahmen von verschiedenen Sonderschauen bot die didacta Besuchern die Möglichkeit, sich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen. In der Schau „LernArt außerschulisch“erfuhren Interessierte mit Experimentierstationen, Workshops und Vorführungen zum Thema „Wasser“, wie schulische und außerschulische Lernangebote miteinander verbunden und Lernprozesse fächerübergreifend angeregt werden können. Eine weitere Sonderschau gab es zum Thema „Integration durch Bildung – Inklusion – Bildung für nachhaltige Entwicklung“, auf der allgemein- und berufsbildende Schulen als Best-Practise-Beispiele ihre Vorhaben zu diesen drei Themenschwerpunkten zeigten und für Fragen zur Verfügung standen.

Sie hatten keine Chance nach Hannover zu fahren? Macht nichts. News4teachers bietet viele Berichte von Europas größter Bildungsmesse, die gute Einblicke geben. FRAUKE KÖNIG

(19. Februar 2012)

 

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*