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Reaktion auf Apple: Verlage bauen Plattform für digitale Lehrbücher

FRANKFURT/MAIN. Nach dem Vorstoß des IT-Giganten Apple, sein iPad mit der Software iBooks 2 zum weltweit größten Medium für digitale Schulbücher zu machen, haben die deutschen Schulbuchverlage jetzt reagiert: Sie entwickeln eine eigene Plattform.

Das iPad soll zum weltweit gebräuchlichen Lernmedium werden. Foto: Apple

Das iPad soll zum weltweit gebräuchlichen Lernmedium werden. Foto: Apple

Wie der Verband Bildungsmedien (früher: „VdS Bildungsmedien“) mitteilt, haben sich 27 deutsche Bildungsmedienverlage für das Projekt „Digitale Schulbücher“ zusammengeschlossen. Vorgesehen sei „eine offene Lösung, mit der Schulen, Lehrkräfte und Schüler Bücher verschiedener Verlage in einem Regal verwalten, lesen und nutzen können – online oder offline“. Der Nutzer könne die Werke über einen Freischaltcode unmittelbar bei den beteiligten Verlagen herunterladen. Die Lösung sei auf die Schulpraxis ausgerichtet und enthalte zum Beispiel wesentliche Whiteboard-Funktionen, hieß es. Marktstart werde der Schuljahresbeginn 2012/2013 sein. Die Pointe: „Digitale Schulbücher“ soll herstellerneutral auf allen Betriebssystemen und Endgeräten laufen – also frei sein von Apple. Auf einer Pressekonferenz im Rahmen der Bildungsmesse „didacta“, die vom 14. Bis 18. Februar in Hannover stattfindet, sollen Details des Projektes vorgestellt werden.

In den USA kooperieren führende Schulbuchverlage dagegen mit Apple:  Eine Vielzahl ihrer Lehrbücher ist bereits im iBookStore des IT-Riesen verfügbar, und das Angebot soll dort stetig erweitert werden.

Gegenüber dem Branchendienst „Buchreport“ erklärte Herbert Bornebusch, Bereichsleiter Erwachsenenbildung und Schule bei Langenscheidt, dass die deutschen Verlage die Offensive von Apple erwartet hätten. „Das Angebot ist durchdacht, bietet aber nur technische Antworten auf die immer wieder neue Frage, was Lernen einfacher macht. Diese Frage wird nicht allein auf der Oberfläche der Benutzerführung und des Tablets beantwortet, sondern letztlich in den Schaltkreisen unserer Gehirne und den Strukturen menschlicher Kommunikation“, sagte Bornebusch. „Diese Grundlagen des Lernens haben die Bildungsverlage und ihre Autoren gewiss noch gründlicher als Apple untersucht – und daher ist der Apple-Vorschlag ein Schritt in die richtige Richtung. Aber das Ziel wird anders aussehen“, betonte er.

Auch beim iPad sieht der Manager Apple noch längst nicht am Ziel. Bornebusch: „Tablets sind zu teuer – in der Anschaffung und im Unterhalt, also beim Stromverbrauch. Daran wird sich einiges ändern müssen, bevor die Tablets den Markt durchdringen können.“

Konkurrenz drängt auf den Markt

Die neue Anwendung iBooks 2 App kann seit vergangener Woche gratis aus dem App Store heruntergeladen werden, wie Apple mitteilte. Ebenfalls dort erhältlich: die Anwendung iBooks Author für den Mac, die es Autoren leicht machen soll, eigene Texte mit interaktiven Foto-Galerien, Filmen und dreidimensionalen Darstellungen zu verknüpfen. Diese Software macht den Verlegern laut „Economist“ noch mehr zu schaffen als iBooks 2: Sie werde den Schulbuchmarkt für branchenfremde Unternehmen und Akademiker öffnen, prophezeit das britische Wirtschaftsblatt.  Damit werde eine Fülle an neuen Lehrbüchern, von denen viele direkt mit den Angeboten der Verlage konkurrieren, den Markt überschwemmen. Die Folge: Das Preisniveau werde massiv sinken, weil die Amateur-Autoren billiger produzieren könnten als die Verlage. NINA BRAUN

(29.1.2012)

Zum Bericht „Apple will den Markt für Schulbücher erobern“:

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