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Zehn Jahre nach Erfurt: Direktorin fordert mehr Hilfe für Schulen

ERFURT. Der Amoklauf von Erfurt jährt sich im 26. April zum zehnten Mal. Die Schulleiterin des Gutenberg-Gymnasiums, Christiane Alt, wünscht sich, dass die Diskussion über eine bessere Unterstützung von Schülern, Eltern und Lehrern endlich Ergebnisse bringt.

Gedenktafel am Gutenberg-Gymnasium. Foto: CTHOE / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Gedenktafel am Gutenberg-Gymnasium. Foto: CTHOE / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Die Direktorin des Erfurter Gutenberg-Gymnasiums, an dem ein Amokläufer im April 2002 ein Massaker anrichtete, wünscht sich für alle Schulen mehr Psychologen und Sozialarbeiter. Das gelte nicht nur für sogenannte Brennpunktschulen. «Wir brauchen das alle», sagte Christiane Alt. «Individuelle Förderung erfordert Zeit, und Konfliktberatung erfordert auch Zeit.» Gut wäre, wenn Sozialarbeiter direkt in den Schulalltag integriert würden. «Eventuell könnte Personal anders eingesetzt werden.» Es müssten Strukturen überprüft und vorhandene Personalressourcen für solche Aufgaben genutzt werden.

Am 26. April 2002 hatte ein 19 Jahre alter Ex-Schüler am Gutenberg-Gymnasium 12 Lehrer, 2 Schüler, die Sekretärin und einen Polizisten erschossen. Anschließend nahm er sich das Leben. Alljährlich erinnern Lehrer und Schüler an die Ermordeten. «Das Andenken an die Opfer ist uns sehr wichtig. Wir sind wieder eine normale Schule, die lebt. Aber das Massaker, das die Schule zum Tatort machte, gehört zur mehr als 100-jährigen Schulgeschichte», sagte Alt.

Nach ihrer Ansicht werden Strategien zur gewaltfreien Konfliktlösung inzwischen stärker trainiert. «Ich denke, dass inzwischen alle Schulen in Deutschland dafür sensibilisiert sind.» Trotzdem – das zeigten die Gewalttaten in Winnenden und jüngst im kalifornischen Oakland – gebe es keine Sicherheit vor Amokläufen. «Das ist eine grauenvolle Form von Suizid. Da man Menschen nicht in Kopf und Herz sehen kann, sind solche Gewaltexzesse kaum vorhersehbar.»

Alt wünscht sich, dass die Diskussion über eine bessere Unterstützung von Schülern, Eltern und Lehrern zehn Jahre nach der Tat Ergebnisse bringt. Das gelte auch dafür, wie die Öffentlichkeit mit Opfern und Tätern umgehe. «Die Darstellung der Täter in manchen Medien hat eine Dimension, die gefährlich ist», sagte die Schulleiterin. Während die Opfer nur als Zahl auftauchten, erhielten die Täter mit ihrer Biografie breiten Raum. «Das ist schwer auszuhalten für die, die Gewalttaten erlebt oder Angehörige verloren haben.» Zudem berge es die Gefahr von Nachahmungstaten.

Vor Erfurt waren Amokläufe dieser Dimension vor allem mit den USA verbunden worden. Erfurt und Winnenden zeigten, «es kann überall passieren», sagte Alt. Deshalb müssten warnende Hinweise im Verhalten junger Menschen sehr ernst genommen werden. Außerdem müssten die Schulen als Orte von Gemeinschaft gestärkt werden. Am 11. März 2009 hatte ein 17-Jähriger in seiner früheren Realschule in Winnenden bei Stuttgart und auf der anschließenden Flucht 15 Menschen und sich selbst erschossen.

Das Massaker von Erfurt hatte in Deutschland zu heftigen Diskussionen über das Bildungssystem, über Waffenrecht und die Einsatztaktik der Polizei bei Amokläufen geführt. Danach war unter anderem das Waffenrecht verschärft worden. dpa
(9.4.2012)

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