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Neue Lehrerstellen in Schleswig-Holstein und Brandenburg

KIEL/POTSDAM. In Schleswig-Holstein und Brandenburg sollen zukünftig neue Lehrer eingestellt werden – obwohl die Schülerzahlen stabil bleiben oder sogar sinken. Die SPD will in Schleswig-Holstein damit die Unterrichtsversorgung verbessern und eines ihrer wichtigsten Wahlkampfversprechen einlösen. In Brandenburg sollen die neuen Lehrer unter anderem für das Projekt «Inklusive Grundschule» eingesetzt werden. Die Opposition wirft der brandenburgischen Regierung Täuschung und einen falschen Sparkurs vor.

Die neue Regierung in Schleswig-Holstein nimmt die Streichung von Lehrerstellen durch die schwarz-gelbe Vorgängerkoalition zurück. Sie will im neuen Schuljahr 300 zusätzliche Stellen für Lehrer schaffen. «Wir halten Wort und sorgen für eine bessere Unterrichtsversorgung», sagte Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) in Kiel. 120 Stellen sollen der Ministerin zufolge an Schulen geschaffen werden, «wo es am meisten brennt». Die Stellen werden zum 1. Februar 2013 besetzt.

Waltraud Wende, Bildungsministerin von Schleswig-Holstein: "Wir halten Wort und sorgen für eine bessere Unterrichtsversorgung." (Foto: Steffen Voss/Bildungsministerium Schleswig Holstein)

Waltraud Wende, Bildungsministerin von Schleswig-Holstein: “Wir halten Wort und sorgen für eine bessere Unterrichtsversorgung.” (Foto: Steffen Voss/Bildungsministerium Schleswig Holstein)

Wende will unter anderem den von vielen Eltern und Lehrern beklagten Unterrichtsausfall bekämpfen. Allerdings meinte sie: «Das ist nur bedingt ein Problem, das sich mit mehr Stellen korrigieren lässt.» Viele Schulen hätten Schwierigkeiten, Lehrer für Mangelfächer wie Naturwissenschaften zu finden. Die CDU-FDP-Koalition hatte die Streichung von Lehrerstellen angesichts langfristig sinkender Schülerzahlen beschlossen, um Geld sparen. Zu Beginn dieses Schuljahres werden 22.500 Kinder eingeschult, knapp 500 Kinder weniger als im Vorjahr. Die Gesamtschülerzahl sinkt um rund 5.500 auf 395.500, weil geburtenstarken Jahrgänge die Schule verlassen.

Rein rechnerisch werden im Norden 1.400 Lehrerstellen bis 2017 frei. Nach dem Willen der Küsten-Ampel soll die eine Hälfte dieser «demografischen Rendite» im Bildungssystem bleiben, die andere in die Haushaltskonsolidierung fließen. Wende zufolge liegen die Kosten für die 300 neuen Lehrerstellen bei 15 Millionen Euro. Die Ministerin will dafür beim Vertretungsfond sparen. CDU und FDP hatten den auf 24 Millionen Euro aufgestockt. Wende will ihn behalten, aber auf zwölf Millionen kürzen. «Der Fonds wird bisher nicht voll ausgeschöpft», meinte sie. «Diese Aufstockung war der falsche Weg.» Lehrer seien für den Vertretungsunterricht nur befristet eingestellt worden. «Wir dürfen Lehrer nicht wie Leiharbeiter behandeln», kritisierte Wende.

Die Ministerin will zunächst mit Mitteln aus dem Vertretungsfond auch Gemeinschaftsschulen stärker fördern: Sie erhöhte die Differenzierungsstunden, in denen die Lehrer mehr auf das unterschiedliche Leistungsniveau der Schüler eingehen können, von drei auf fünf Stunden pro Lerngruppe pro Woche.

Die Ministerin lobte, dass inzwischen 61 Prozent der öffentlichen Schulen Ganztagsangebote hätten. Es gebe 458 offene und 33 gebundene Ganztagsschulen. Beide Formen sollten weiter ausgebaut werden. Bei der Investition in Bildung setzt die frühere Präsidentin der Universität Flensburg auf Unterstützung vom Bund: «Ich wünsche mir, dass das Kooperationsverbot zwischen Ländern und Bund im Bereich Bildung kippt.»

Regierung: 450 neue Lehrerstellen in Brandenburg

Nicht nur in Schleswig-Holstein soll es zukünftig mehr Lehrerstellen geben. Auch das Land Brandenburg stellt zum neuen Schuljahr 450 Lehrer ein. Das seien so viele wie noch nie – trotz angespannter Haushaltslage, teilte Bildungsministerin Martina Münch (SPD) in Potsdam mit. Davon entfielen allein gut 100 auf das jetzt beginnende Pilotprojekt «Inklusive Grundschule», demzufolge behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden. Besonders viele Pädagogen würden an Grund- und Oberschulen gebraucht und hier in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch oder auch Sport. Die Opposition sprach von «Zahlen-Hokuspokus» und einer «Mogelpackung». Mit dem Bildungsniveau gehe es unter Rot-Rot weiter bergab.

Zum neuen Schuljahr 2012/2013 werden laut Ministerium rund 268.000 Schüler die Schulen in Brandenburg besuchen, womit sich die Zahl weiter stabilisiere. Auch das Schulnetz bleibe weitgehend in seinem Bestand gesichert. Es gebe keinen Mangel an Bewerbern, sagte Münch mit Blick auf den Lehrernachwuchs, für den Brandenburg offensichtlich attraktiv sei. Den Pädagogen werde auch künftig die Verbeamtung angeboten.

Landesweit kamen den Angaben zufolge an sechs Grundschulen keine Eingangsklassen zustande; drei Grundschulen wurden Ende des abgelaufenen Schuljahres wegen zu niedriger Schülerzahlen aufgelöst. Von 412 neuen Lehrern mit bereits unterschriebenen Verträgen erhielten 265 eine unbefristete Einstellung; in 147 Fällen wurden laufende Verträge entfristet. Münch erhofft sich eine Verjüngung der Kollegien: Während das Durchschnittsalter jetzt bei 50 Jahren liege, betrage es bei den Neuzugängen 34,4 Jahre.

Nachdrücklich warb die Ministerin für das an 85 Grundschulen anlaufende Pilotprojekt zur Inklusion. Es gehe um eine «Schule für alle», in der Kinder mit- und voneinander lernen würden. Davon profitierten durchaus auch leistungsstarke Schüler und das Lernniveau sinke nicht ab – im Gegenteil. «Jedes Kind lernt mit seinem Tempo.» Ein von der Landesregierung geplantes Lehrerbildungsgesetz werde Anforderungen inklusiver Schulen zum Bestandteil des Studiums machen. Das Gesetz könnte im Sommer 2013 in Kraft treten.

Opposition sieht Täuschung

Münch verschweige hartnäckig, dass weniger Lehrer neu eingestellt werden als aus dem Amt scheiden, kritisierte der Bildungsexperte der CDU-Landtagsfraktion, Gordon Hoffmann. Obendrein werde bei einem Drittel der angeblichen Neuzugänge der bisherige Vertrag lediglich entfristet. «Von einem Einstellungsrekord kann also überhaupt nicht die Rede sein, vielmehr erleben wir einen Rekord an Täuschungen durch Ministerin Münch.» So reichten auch die 100 zusätzlichen Lehrer für die Inklusion in keiner Weise, um den Bedürfnissen betroffener Kinder und Eltern gerecht zu werden.

Ähnlich äußerten sich die Bildungspolitiker von FDP und Bündnis 90/Die Grünen, Andreas Büttner und Marie Luise von Halem. Noch vor zwei Monaten habe Münch 550 neue Lehrkräfte versprochen, tatsächlich seien es jetzt nur 300, sagte Büttner. «Für den enormen Bedarf der nächsten Jahre mit gut 600 Neueinstellungen pro Jahr hat sie keine Vorsorge getroffen. Die jetzt schon erschreckende Bildungsqualität in Brandenburg wird sich damit weiter verschlechtern», ergänzte von Halem. «Das Spargebot diktiert die Bildungschancen.»

Für die Zeit nach 2017 rechnet die Regierung mit weiter fallenden Schülerzahlen, zunächst in ländlichen Regionen und ab 2020 im ganzen Land. Gemäß der jüngsten Bevölkerungsprognose werde sich die Zahl der Geburten zwischen 2011 und 2030 von rund 19.000 auf etwa 9.900 halbieren. Um auch in Zukunft ein stabiles Schulnetz zu sichern, soll eine «Demografie-Kommission» bis August 2013 Empfehlungen erarbeiten. Sie wird laut Münch im September eingesetzt. dpa

(2.8.2012)

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