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Verbände: Arme Schulkinder bekommen zu wenig Hilfe

HANNOVER. Arme Schulkinder – trotz Bildungs- und Teilhabepaket vom Staat zurückgelassen? Sozialverbände sagen: Die 100 Euro pro Jahr aus dem Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung für Schulmaterial reichen nicht. Nach ihren Berechnungen müssen Eltern deutlich mehr für Schulkosten aufbringen.

Schultasche, Stifte, Hefte, Bücher: Vom Bildung- und Teilhabepaket nicht finanzierbar, sagen Verbände. Foto: Flickr/TDN Channel (CC BY-SA 2.0)

Schultasche, Stifte, Hefte, Bücher: Vom Bildung- und Teilhabepaket nicht finanzierbar, sagen Verbände. Foto: Flickr/TDN Channel (CC BY-SA 2.0)

Arme Schulkinder bekommen aus der Sicht von Sozialverbänden zu wenig staatliche Unterstützung. Aus dem Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung wird derzeit pro Jahr 100 Euro für Schulmaterial ausgezahlt. «Das reicht bei weitem nicht», kritisierte der stellvertretende Caritasdirektor des Bistums Osnabrück, Günter Sandfort. So koste beispielsweise die Ausstattung für Erstklässler mit Ranzen, Sportzeug, Heften und Stiften im Durchschnitt etwa 230 Euro. Später werde unter anderem der Kauf eines Taschenrechners im Wert von 150 bis 200 Euro verlangt.

Nach Berechnungen des Diakonischen Kreisverbands Hildesheim müssen Eltern von Erstklässlern sogar Kosten von mehr als 450 Euro aufbringen. Das geht aus der Auswertung des Verbands von 40 Material-Listen von Schulen hervor.

In Niedersachsen gelten nach Angaben des Kinderschutzbundes mehr als 200 000 Kinder als arm. Das sind landesweit elf bis zwölf Prozent aller Jungen und Mädchen. «Bildung ist der wichtigste Aspekt in der Armutsbekämpfung», betonte Sandfort, der sich im Verein «Kinder in Not Osnabrück» engagiert. Der Verein unterstützt in der Stadt und im Landkreis mehr als 10 000 bedürftige Kinder und Jugendliche. «Es darf nicht sein, dass sich Familien wegen der Anschaffung von Schulmaterial verschulden», sagte der Vize-Caritasdirektor.

Johannes Schmidt, Vorsitzender des niedersächsischen Kinderschutzbundes, forderte kostenloses Mittagessen in der Schule und kostenfreie Lernförderung. Auch die Lernmittelfreiheit – die kostenlose Bereitstellung von Schulbüchern und Übungsheften – müsse in Niedersachsen wieder eingeführt werden. «Was die Chancengerechtigkeit angeht, ist Deutschland ein Entwicklungsland», kritisierte Schmidt.

Kinder und Jugendliche aus bedürftigen Familien werden nach Angaben des niedersächsischen Kultusministeriums auf vielfältige Weise besonders gefördert. So müssten Familien mit geringem Einkommen für die Ausleihe von Lernmitteln nichts bezahlen, erklärte eine Ministeriumssprecherin. Das Land Niedersachsen stelle hierfür in diesem Jahr als freiwillige Leistung 3,39 Millionen Euro zur Verfügung. dpa

(28.08.2012)

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