Nicht schnell genug! Elterninitiative trifft Vorbereitungen für Volksbegehren zu G9

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STUTTGART. Zwar hat die baden-württembergische Landesregierung angekündigt, doch wieder von G8 auf G9 umzustellen. Das geht der Elterninitiative aber nicht flott genug. Nach der Ablehnung ihres Volksantrages für eine schnelle G9-Rückkehr hält sich die Elterninitiative die Tür zu einer weiteren Unterschriftensammlung offen – und hat Forderungen an die Landesregierung.

Bleibt unter Druck: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Foto: Staatsministerium Baden-Württemberg

Die Elterninitiative für eine schnelle Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium in Baden-Württemberg will auch nach der Ablehnung ihres Volksantrages im Landtag und der Ankündigung der Landesregierung, zum Schuljahr 2025/2026 zu G9 zurückzukehren, nicht lockerlassen.

Man werde die Möglichkeit, ein Volksbegehren zu starten, zum jetzigen Zeitpunkt auf keinen Fall aufgeben, teilten die Initiatorinnen Corinna Fellner und Anja Plesch-Krubner mit. «Ganz im Gegenteil treffen wir aktuell, im Austausch mit dem Innenministerium, die nötigen Vorbereitungen.» Die Unterstützer seien entschlossen, den nächsten Schritt des Volksbegehrens zu gehen, sollte es in den kommenden Wochen kein akzeptables Konzept für die G9-Rückkehr geben, hieß es weiter.

Nach der Ablehnung ihres Volksantrages durch den Landtag könnten die Initiatorinnen nun ein Volksbegehren beantragen. Dann müssten sie erneut Unterschriften sammeln – allerdings deutlich mehr als noch beim Volksantrag, nämlich rund 770 000. Gelingt ihnen das, könnte am Ende eine Volksabstimmung über die Dauer des Gymnasiums stehen.

Die Entscheidung, ob das Volksbegehren gestartet wird, macht die Initiative davon abhängig, ob die Landesregierung bis Mitte Mai ein konkretes Konzept vorlegt. Zudem fordern die Eltern einen formalen Kabinettsbeschluss, der die Rückkehr zum Schuljahr 2025/2026 festschreibt. Unverzichtbar wäre bei der Einführung von G9 aus Sicht der Elterninitiative, dass neben den fünften Klassen auch die sechsten Klassen in G9 einbezogen werden. Die Grünen hatten im Landtag angekündigt, das prüfen zu wollen.

Die Elterninitiative hatte für einen Volksantrag zur Rückkehr zu G9 mehr als 100 000 Unterschriften gesammelt und mit einem entsprechenden Gesetzentwurf an den Landtag übergeben. Das Parlament hatte den Entwurf in der vergangenen Woche abgelehnt – die Landesregierung hatte aber bekräftigt, zum Schuljahr 2025/2026 zum neunjährigen Gymnasium zurückkehren zu wollen. Details zum Konzept werden derzeit zwischen Grünen und CDU verhandelt.

Mit einem Volksantrag können Bürgerinnen und Bürger den Landtag verpflichten, sich mit ihrem Anliegen zu befassen. Auch ein konkreter Gesetzentwurf kann Teil eines Volksantrags sein. News4teachers / mit Material der dpa

Kultusministerin kündigt an: Umstellung zurück auf G9 beginnt ab Schuljahr 2025/2026

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12 Kommentare
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Betroffene
1 Monat zuvor

Warum werden nicht die schon vorhandenen beruflichen Gymnasien gestärkt und ausgebaut?
Diese bieten durch ihre 3 jährige Oberstufe ein Abitur nach 9 Jahren, wie von der Elterninitiative gewünscht.
Zusätzlich erfolgt eine wertvolle Profilierung ( Technik/ Biotechnologie/ Wirtschaft/ Pädagogik/ Psychologie/ Chemie/…) die für eine zukünftige Ausbildung oder ein Studium sehr wertvoll sein können.
Berufliche Aufbaugymnasien ab Klasse 8, bieten Entwicklungsmöglichkeiten für begabte und geeignete Haupt- und Realschülerinnen.
Das G8 könnte beibehalten werden für fleißige, talentierte und geeignete Kinder, dieses dokumentiert durch eine verbindliche Grundschulempfehlung.

Nach der 10.Klasse ist bei Eignung ein Wechsel ins berufliche Gymnasium möglich.
Das benötigte Geld wäre so allemal besser und gerechter angelegt, als bei einer Neuauflage des G9, das nur noch mehr Eltern aus Prestigegründen motiviert, ihre Kinder ins Gymnasium zu schicken, obwohl diese davon deutlich überfordert sind.

Der Zauberlehrling
1 Monat zuvor
Antwortet  Betroffene

Einfach mal die Anfragen in der Dokumentation des Landtags durchschauen. Berufliche Gymnasien sind darin unterrepräsentiert.

Man kann froh sein, wenn das KM sich derer erinnert.

Die Berufsbildung steht an der Pforte zur Menschenbildung, nicht die Allgemeinbildung. (frei nach Georg Kerschensteiner)

Dr. Specht
1 Monat zuvor

Selbst aus gymnasialer Sicht muss man den bildungsbürgerlichen Initiatorinnen aus Heidelberg und vom Bodensee zurufen:

„Respekt vor Ihrem Einsatz, Sie haben die grün-schwarze Landtagsmehrheit vor sich hergetrieben. Jetzt bedenken Sie aber bitte, dass es noch andere bildungspolitische Herausforderungen gibt und die Ressourcen begrenzt sind. Nicht alle Kinder und Jugendlichen verfügen über Eltern mit einem finanziellen, zeitlichen und sozialen Kapital wie dem ihrigen. Ihre Forderung, dass alle Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5 bis 10 (also die eigenen Söhne und Töchter) während des laufenden Betriebs (wahlweise!) zwischen G8- und G9-Zügen an ihrem Gymnasium wählen können, ist vor dem Hintergrund der konkreten Rahmenbedingungen unrealistisch.“

Das habe ich ich bewusst bürgerlich bzw. diplomatisch fomuliert.

Canishine
1 Monat zuvor

Nicht schnell genug? Wir haben in NRW die Rückkehr mehr oder weniger hinter uns: Lehrpläne mit wenig Vorlauf zum Schuljahresbeginn, Bücher noch etwas später, digitale Version während des Schuljahres, Gebäude und Räume wurden für G8 neu zugeschnitten (bauliche Maßnahmen) und vieles mehr. Und hoffentlich steht dann in ein paar Jahren genug Personal zur Verfügung.
Obwohl ich G9 grundsätzlich begrüße, ist so eine Umstellung nicht mal eben nebenbei gemacht.

Der Zauberlehrling
1 Monat zuvor

Der Antrag wurde im Landtag mehrheitlich abgelehnt, um ihn nicht 1.1 umsetzen zu müssen.

Gleichzeitg gab es die Zusage von Frau Schopper für G9. Allerdings ohne Beschluss und damit ohne Wert. Frau Schopper ist nicht mehr so lange im Amt, um den ersten G9-Abschlussjahrgang zu entlassen.

Dranbleiben, aber all die anderen großen Baustellen bitte auch berücksichtigen. Es gibt nicht nur das Gymnasium. Jenseits dieser kleinen Blasse ist ein großes bildungspolitisches Universum mit vielen oder besser sehr vielen Baustellen.

Nick
1 Monat zuvor

G9 braucht man nicht wirklich. Es ist für die SuS gedacht, die aufgrund des Elternwillens auf ein Gymnasium beschallt wurden, wegen der Leistungen aber dort nicht wirklich hingehören. Selbst hier im Forum dürfte kaum jemand glauben, dass schätzungsweise x>50% der abgehenden Grundschüler die persönlichen Voraussetzungen für den Übertritt auf ein Gymnasium mitbringen. G9 kosten Steuergelder, verbessert die Lage aber nicht wirklich. Der Run auf die Gymnasien wird größer werden, frei nach dem Motto: ,G9? Das schafft mein Kind auch`

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Nick

Danke, genau so ist es! Kids, die etwas länger brauchen, machen in BL ohne integrative Systeme mit Oberstufe dann eben nach dem MSA Abitur oder Fachhochschulreife.

Nick
1 Monat zuvor
Antwortet  Nick

Sorry, meinte nicht „beschallt“ sondern „beschult“, obwohl das unzutreffende Wort auch seinen Charme hat.

Indra Rupp
1 Monat zuvor
Antwortet  Nick

Ich verstehe nicht wirklich, warum die Kinder heute das Abi ein Jahr schneller schaffen sollen als ihre Eltern und Großeltern und diese dann auch noch so tun, als wäre es ein Zeichen fehlender Eignung, wenn man genauso lange fürs Abi brauche, wie sie damals…

Nick
1 Monat zuvor
Antwortet  Indra Rupp

In der Generation der Eltern und Großeltern konnten nicht x>50 Prozent der SuS aufs Gymnasium gehen. Der Trend ist erst in den letzten Jahren entstanden. Das ist der wesentliche Unterschied.

Dil Uhlenspiegel
1 Monat zuvor

Es ist ja wieder Krötenwanderung.

Spirale
1 Monat zuvor

Das Problem in BaWü ist, dass ein „sofortiges“ G9 dem Schulversuch Gemeinschaftsschule und dem beruflichem Gymnasium den endgültigen Todesstoß gebe würde und zu einer noch stärkeren Anmeldubg der Kinder durch die Eltern am Gymnasium führt.

Das ist z.B. auch der letzte Grund, warum im Hamburg das Gymnasium G8 ist und die Stadtteilschule (Gemeinschaftsschule/Gesamtschule in andren BL) G9. Wäre das Gymnasium auch G9, die Stsdtteilschulen hätten nur noch die Problemfälle.

Das ist also eine politische Frage und keine pädagogische und G9 vor 2026 ist in BaWü utopisch. Da können sich die Initiatoren, die wirklich viel erreicht haben, auf den Kopf stellen. Die Reise ist dort zu Ende, auch wenn einige meinen, es würde vielleicht noch weitergehen.