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Mecklenburg-Vorpommern: Neues Schulgesetz entlastet Lehrer – etwas

SCHWERIN. Hohe Stundenzahl, zusätzliche Aufgaben: Viele Lehrer im Land fühlen sich überfordert. Jetzt werden sie etwas von Bürokratie entlastet – um gerade neun Minuten pro Woche, wie die oppositionelle Linke spöttelt. Größere Verbesserungen sind nicht vor 2014/15 zu erwarten.

Mecklenburg-Vorpommerns Lehrer werden von Bürokratie entlastet. Der Landtag änderte am Mittwoch mit den Stimmen der SPD/CDU-Koalition das Schulgesetz. So müssen die Pädagogen künftig nicht mehr für jeden Schüler einen Förderplan erstellen, sondern nur noch für Kinder mit Lese-Rechtschreib- oder Rechenschwäche sowie für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. «Lehrerinnen und Lehrer brauchen Freiräume, um sich voll und ganz der pädagogischen Arbeit und der Gestaltung des Unterrichts widmen zu können», begründete Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) die Einschränkung der Förderplan-Pflichten.

Für die Bewertung der schulischen Leistungen werden landesweit einheitliche Maßstäbe festgelegt. Bisher hat jede Schulkonferenz selbst entschieden, ab welcher Punkt- oder Fehlerzahl es eine bestimmte Zensur gibt. Das erschwerte die Vergleichbarkeit von Zeugnissen. Auch die Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens (Kopfnoten) soll künftig nach einem landesweit einheitlichen System erfolgen. Mit der Gesetzesnovelle bleibt auch die zunächst bis Ende 2012 befristete freie Schulwahl ab Klasse 5 dauerhaft erhalten. Von dieser Möglichkeit haben bisher aber nur wenige Eltern Gebrauch gemacht. Die meisten wählten die jeweils zuständige weiterführende Schule.

Der Opposition missfällt die Gesetzesänderung. Die Entlastungen machten gerade neun Minuten pro Woche aus, rechnete die Linke-Bildungspolitikerin Simone Oldenburg im Landtag vor. «Die Probleme an den Schulen werden so nicht gelöst.» Die Grünen-Abgeordnete Ulrike Berger kritisierte den Wegfall der Förderpläne für den Großteil der Schüler. Künftig müsse es nicht einmal für versetzungsgefährdete Schüler einen solchen Plan geben, beklagte sie.

Durchgreifendere Verbesserungen an den Schulen könnte es frühestens mit dem Landeshaushalt 2014/15 geben. Eine von Minister Brodkorb eingerichtete Expertengruppe zur Erhöhung der Attraktivität des Lehrerberufs hat eine umfangreiche Liste mit Verbesserungsvorschlägen vorgelegt. Sie reicht von einer Verringerung der von den Lehrern wöchentlich zu gebenden Unterrichtsstunden über Altersteilzeit und mehr Geld für Berufsanfänger bis hin zu Verbeamtungen. Würden alle Vorschläge umgesetzt, kostete dies mehr als 200 Millionen Euro im Jahr, heißt es aus dem Finanzministerium. Wie viel Geld Ministerin Heike Polzin (SPD) dafür freigibt, ist noch offen. Die ersten Gespräche über den Etat 2014/15 laufen bereits. dpa
(5.12.2012)

Zum Bericht: „Zu viel Arbeit für Lehrer: Individuelle Förderung entfällt“

3 Kommentare

  1. Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen sollte mal Priorität haben. Wer einfach nur immer nur mehr Geld haben will, der ist als Lehrer/in vielleicht doch woanders besser geeignet. Der Lehrerberuf ist immer noch ein gutbezahlter Beruf und für manche Beamte sogar ein bestens bezahlter Beruf. Mir wäre aber wichtiger, dass die Arbeitsbedingungen so gestaltet werden, dass wieder Zeit und Muße hat, sich um einen besseren Unterricht zu bemühen, nach Mitteln und Wegen dafür zu forschen und an Fortbildungen teilzunehmen. Heißt: Viel Bürokratie muss weg, mehr Gestaltungsfreiraum innerhalb eines festen, aber weitgefassten Rahmens muss her. Die „Selbstständige Schule“ braucht in diesem Sinne auch den „selbstständigen Lehrer“! (Wie gesagt innerhalb eines festen, aber weiten Rahmens.)

  2. PS: Die „Minutenrechnerei“ der Opposition finde ich affig. Die Linke / PDS war in MeVo selbst acht Jahre lang an der Macht!!!

  3. Ergänzung:

    Was ich schon gehört habe, aber nicht wirklich glauben konnte, ist, dass Schulen ihre Bewertungsmaßstäbe selbst festlegen. So erzählte man mir, dass bei einem Kind an einem Berliner Gymnasium im Diktat auch Zeichensetzungsfehler als ganze Fehler gelten und Wiederholungsfehler jedes Mal neu gezählt werden. Das kann doch nun wirklich nicht sein. Zeichensetzungsfehler werden als halbe Fehler gerechnet und Wiederholungsfehler nicht jedes Mal neu gezählt! Da braucht man doch wirklich Einheitlichkeit in den Bewertungsmaßstäben! Ich hatte mir nicht vorstellen können, dass es das nicht gibt.

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