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Johanna Wanka – Schavans Nachfolgerin muss kämpfen

BERLIN. Mehr als zwölf Jahre wirkte Johanna Wanka in zwei Bundesländern schon als Hochschulministerin. Jetzt muss sie Bundesinteressen vertreten und Sparauflagen rechtfertigen – notfalls auch gegen die Länder.

Tritt vehement für Studiengebühren ein: Johanna Wanka. Foto: Axel Hindemith / Wikimedia Commons

Tritt vehement für Studiengebühren ein: Johanna Wanka. Foto: Axel Hindemith / Wikimedia Commons

Die künftige Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) steht vehement für Studiengebühren. Noch im vergangenem Sommer prophezeite sie, dass es in fünf Jahren in allen Bundesländern die umstrittenen Gebühren wieder geben wird. Die vielen Plagiatsfälle in jüngster Zeit haben aus ihrer Sicht das Vertrauen in Politik und Wissenschaft erschüttert. Dabei setzt sie voll und ganz auf die Autonomie des Hochschulen und auf deren Selbstheilungskräfte, künftig mit mehr Kontrolle für mehr Qualität zu sorgen. Ein Einwirken des Staates in die Hochschulen lehnt Wanka dabei weitgehend ab.

Das sind jüngere Bekenntnisse der 61-jährigen CDU-Politikerin Wanka, bislang Wissenschaftsministerin in Niedersachsen. Nach dem Willen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) soll sie der zurückgetreten Annette Schavan (CDU) am Donnerstag in Berlin im Amt folgen. Viel Zeit zur Umsetzung ihrer Ziele bleibt Wanka in den verbleibenden acht Monaten dieser Wahlperiode nicht.

Ihre größte Herausforderung dürfte dabei werden, wie sie den Spagat zwischen ihrer Ex-Funktion als Landesministerin und ihrem neuen Amt als Bundesministerin hinbekommt. Die 16 Bundesländer fordern vereint wie selten vom Bund einen Nachschlag von 1,9 bis 3,4 Milliarden Euro beim Hochschulpakt für die Studienanfänger aus den geburtenstarken Abiturjahrgängen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat aber dafür gar kein Geld vorgesehen. Bereits im April soll es zum Schwur kommen.

Ohne den Wechsel nach Berlin wäre die CDU-Politikerin Wanka, die seit 2010 das Hochschulressort in Hannover leitet, mit der Bildung der rot-grünen Regierungskoalition in Niedersachsen in den nächsten Tagen arbeitslos geworden. Wanka konnte nicht nur in Niedersachsen Erfahrungen sammeln. Zuvor war sie fast zehn Jahre in Brandenburg während der SPD/CDU-Koalition als Ministerin für Hochschulen und Forschung im Land zuständig. 2000 hatte sie der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) in sein Kabinett geholt. Damals noch parteilos, trat sie ein Jahr später der CDU bei.

Wanka war 2008 „Ministerin des Jahres“

Die promovierte ostdeutsche Mathematikerin Wanka gilt als konservativ, aber pragmatisch. In der Wissenschaftspolitik hat sie aus Bundesperspektive bisher wenig Spuren hinterlassen, auch wenn der Deutsche Hochschulverband – die Berufsorganisation der Uni-Professoren – Wanka 2008 zur «Ministerin des Jahres» kürte. Wanka ist auch Bildungskoordinatorin der unionsgeführten Bundesländer in der Kultusministerkonferenz (KMK). Freunde beschreiben sie als charmant, zielstrebig und bisweilen auch ein wenig eitel.

Im neuen Amt wird Wanka kämpfen müssen – nicht nur mit Schäuble sondern auch mit ihren ehemaligen Amtskollegen aus den Ländern. Dass sie nicht nur sanfte Töne beherrscht, hat sie 2010 – wenn auch nur viereinhalb Monate lang – als CDU-Oppositionsführerin im Potsdamer Landtag demonstriert. Dabei gelang es ihr aus Sicht von Beobachtern mehr schlecht als recht, die unterschiedlichen Interessen und Strömungen in der zerstrittenen Landes-CDU Brandenburg zusammenzuführen.

Wanka wurde am 1. April 1951 im sächsischen Rosenfeld geboren. 1970 bis 1974 studierte sie in Leipzig Mathematik. Nach dem Examen ging sie als Nachwuchswissenschaftlerin und Dozentin an die Technische Hochschule Merseburg in Sachsen-Anhalt, die sie ab 1994 als Rektorin leitete. Im Wendejahr 1989 war sie Gründungsmitglied des Neuen Forums in Merseburg. Wanka ist mit einem Mathematik-Professor verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Potsdam. Laut eigenem Bekenntnis kocht sie sehr gern.

Ihre Doktorarbeit hat Wanka über das Thema «Lösung von Kontakt- und Steuerproblemen mit potential-theoretischen Mitteln» geschrieben und 1980 abgeschlossen – übrigens im gleichen Jahr wie Annette Schavan. KARL-HEINZ REITH, dpa

(10.2.2013)

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