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Philologenverband: Kretschmann schleift das Gymnasium

STUTTGART. Aus Sicht des Philologenverbands betreibt Grün-Rot in Baden-Württemberg eine «Politik gegen eine Schulart». Den Lippenbekenntnissen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zum Erhalt des Gymnasiums sei kein Glauben zu schenken, meint der Philologenverband.

Nur die Gemeinschaftsschule im Blick? Winfried Kretschmann (Grüne). Foto: BÜNDNIS 90/Die Grünen/Flickr CC BY 2.0

Nur die Gemeinschaftsschule im Blick? Winfried Kretschmann (Grüne). Foto: BÜNDNIS 90/Die Grünen/Flickr CC BY 2.0

Die knapp 400 Gymnasien im Land verlieren nach Angaben des Philologenverbandes in den kommenden Jahren Hunderte von Lehrerstellen. Vom Schuljahr 2013/14 an würden jeweils mindestens 360 Stellen über drei Jahre hinweg gestrichen, kritisierte Landeschef Bernd Saur in Stuttgart. Diese «schleichende Erosion» des Gymnasiums komme der von Grün-Rot bevorzugten Gemeinschaftsschule zugute. «Das ist eine klare Benachteiligung des Gymnasiums.»

Für eine gegen das Gymnasium gerichtete Schulpolitik von Grün-Rot sieht Saur drei Indizien: Der «Aderlass» an Stellen treffe die individuelle Förderung am Gymnasium empfindlich; der Bildungsplan für das achtjährige Gymnasium sei noch immer nicht in Angriff genommen worden, obwohl die Standards der Kultusministerkonferenz dafür bereits seit Monaten vorlägen.

Zudem folgere aus den Vorschlägen der von der Landesregierung eingesetzten Expertenkommission zur Lehrerbildung, dass der klassische Gymnasiallehrer mit seinem fachwissenschaftlichen Schwerpunkt ein Auslaufmodell werde. «Wer Kinder auf ein Hochschulstudium vorbereit, muss auch ein solches Studium durchlaufen haben», unterstrich Saur.

Der Verbandsvertreter machte auch auf die Folgen der Schulpolitik für Junglehrer aufmerksam. Von rund 2000 Bewerbern könnten nur 400 mit einer Einstellung in den Schuldienst im Schuljahr 2013/14 rechnen. Andererseits werbe die Kultusverwaltung um «erfahrene» Gymnasiallehrer für die Gemeinschaftsschulen.  Saur bemerkte bitter, dass die aus Sicht von Grün-Rot «antiquierten» Pädagogen wohl doch dazu gebraucht würden, um das Image der Gemeinschaftsschulen zu erhöhen. Denn keine Familie werde ihr Kind mit Gymnasialempfehlung auf eine Gemeinschaftsschule schicken, wenn dort keine Gymnasiallehrer unterrichteten. Er zeigte sich allerdings überzeugt, dass nur wenige seiner Kollegen sich für diese Schulart erwärmen könnten.

Auch Eltern machen gegen Grün-Rot mobil

Auch die Elternvertreter an Gymnasien schlugen Alarm: Sie kritisierten «Stellenkürzungen durch die Hintertür». Damit reagierten sie darauf, dass Stellen für Hausaufgabenbetreuung und die Entlastung von Lehrern, die sich etwa um Chemikaliensammlungen und die Wartung von Computern an Schulen kümmern, gestrichen werden sollen. In einer Resolution der Arbeitsgemeinschaften gymnasialer Elternvertreter in Baden-Württemberg heißt es, diese Einsparungen würden «wesentlich die Qualität der schulischen Rahmenbedingungen, die unsere Familien unmittelbar betreffen, in nicht unerheblichem Maße verschlechtern». Die Kritik dürfe nicht «als das übliche Geschrei der Eltern» abgewertet werden.

Das Kultusministerium wies die Kritik als nicht nachvollziehbar zurück. Auf eine geplante Umschichtung der Stellen von 158 der 360 Stellen werde angesichts der hohen Anmeldezahlen an den Gymnasien verzichtet. Über Ausgleichsmaßnahmen zwischen den Schularten werde jährlich neu entschieden, «um eine möglichst bedarfsgerechte Verteilung der Stellen auf alle Schularten zu ermöglichen», hieß es. dpa

(7.5.2013)

Zum Bericht: “Jetzt schießen auch Berufsschul-Lehrer gegen Kretschmann”

 

3 Kommentare

  1. Gegen Grün-Rot hätten sich die Eltern besser vor der letzten Landdtagswahl entscheiden sollen.
    Aber so ist es immer wieder: Grün-Rot macht sich bei Eltern und Lehrern mit herrlichen Sprüchen (Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit..) sympathisch. Kommt dann die Praxis, ist das Jammern groß.
    Trotzdem verläuft alles beim nächsten Mal genauso wie gehabt.

  2. Gegen solche Enttäuschungen hilft nur eins:
    Wahlprogramme lesen, vor der Wahl!

    • Wahlprogramm lesen ist richtig, Reinhard, aber wer tut das schon? In der Regel ist die beabsichtigte Bildungspolitik auch vorher schon ohne dieses Lesen klar durch die Medien. Dieser Information mehr Bedeutung beizumessen, sie ernster zu nehmen und die Folgen mehr zu bedenken, ist das Gebot vor Wahlen.

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