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Nach Abi-Debakel: Philologen eröffnen Privatschul-Debatte

MÜNCHEN. Der bayerische Philologenverband hat nach der Abitur-Pleite an einer Schweinfurter Privatschule vor einer weitergehenden Privatisierung des Bildungswesens gewarnt. «Ein freier, vom Staat unkontrollierter Wettbewerb würde mit Sicherheit zu einem Qualitätsverfall und nicht zu einer Niveausicherung führen», sagte der Verbandsvorsitzende Max Schmidt. An einer Schweinfurter privaten, staatlich noch nicht anerkannten Fachoberschule waren alle 27 Schüler einer Klasse durch die schriftliche Abiturprüfung gefallen.

So stellen sich viele Eltern offenbar eine Privatschule vor: Park des Eliteinternats Schloss Salem. Foto: Wikimedia Commons

So stellen sich viele Eltern offenbar eine Privatschule vor: Park des Eliteinternats Schloss Salem. Foto: Wikimedia Commons

Das bayerische Kultusministerium wies die Kritik zurück. «Es gibt überhaupt keine Pläne zur Privatisierung der Bildungssystems», sagte Sprecher Ludwig Unger. Vielmehr seien in den vergangenen Jahren zahlreiche staatliche Schulen gegründet worden. Wolle ein privater Träger eine Schule eröffnen, werde dies umfangreich geprüft. Bei positivem Urteil habe sie zunächst den Status einer staatlich genehmigten Schule. «Erst wenn zwei komplette Jahrgänge erfolgreich zum Abschluss gebracht wurden, wird der Titel staatlich anerkannte Schule vergeben», sagte Unger. Dann könnte die Schule eigenverantwortlich agieren.

Erfolgreich bedeute dabei, dass zwei Drittel der Schüler die Abschlussprüfungen bestehen. Die betroffene Fachoberschule in Schweinfurt war 2011 gegründet worden und ist noch staatlich genehmigte Schule. Gleich der komplette erste Abschlussjahrgang scheiterte kläglich an der schriftlichen Fachabiturprüfung. Das Kultusministerium prüft nun, unter welchen Bedingungen die Schüler an eine staatliche Fachoberschule wechseln können.

Schmidt kritisierte das Geschäftsmodell einzelner Privatschulen, die sich bewusst an Eltern von Schülern wendeten, die die Kriterien für staatliche Schulen nicht erfüllten. Die Mehrzahl der durchgefallenen Prüflinge in Schweinfurt hätten es mit ihrem Notenschnitt nicht auf eine staatliche Fachoberschule geschafft. Staatlich anerkannte Schulen in freier Trägerschaft leisteten in großer Mehrzahl gute Arbeit, betonte Schmidt. Eltern, die ihre Kinder auf lediglich staatlich genehmigt Privatschulen schicken, sollten sich des Risikos bewusst sein.

Nach einer im November 2011 veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands Deutscher Privatschulen (VDP) würden 34 Prozent der Deutschen ihr Kind lieber in eine private Schule schicken als in eine staatliche, so berichtet die „Zeit“. Und zwei Drittel der Befragten glauben danach, dass Lehrer und Schulleitungen an privaten Schulen besonders auf die Bedürfnisse von Schülern und Eltern eingehen – nur 13 Prozent glaubten das von staatlichen Schulen.

Tatsächlich wächst die Zahl der Privatschulen in Deutschland seit den 90-er Jahren stetig. Die neuen Bundesländer, in denen es vor der Wiedervereinigung keine privaten Schulen gab, tragen dem Bericht zufolge mit ihrem Nachholbedarf kräftig dazu bei – während gleichzeitig die Gesamtzahl der Schüler dort besonders stark sinke.

Der Trend habe sich im zurückliegenden Schuljahr 2011/2012 fortgesetzt. Alle Bundesländer, deren Zahlen bereits bei den statistischen Landesämtern vorlägen, meldeten laut VDP mehr Schüler an allgemeinbildenden Schulen in freier Trägerschaft als im Jahr davor. Der Zuwachs reicht von 0,3 Prozent in Rheinland-Pfalz bis 5,7 Prozent in Hamburg. Derweil sank die Gesamtzahl der Schüler allgemeinbildender Schulen in Deutschland um 1,3 Prozent. News4teachers / mit Material der dpa

Zum Bericht: Abi-Pleite an Privatschule bringt Spaenle unter Druck

 

Ein Kommentar

  1. So ist es nun mal. Weder private noch staatliche Schulen bzw. Lehrer können zaubern. Anstrengungslose Bildung gibt es halt einfach nicht. Man stelle sich das einmal im Sport vor. Kein Training aber trotzdem Spitze – jeder würde sagen: das gibts nicht. In der Bildung soll sowas möglich sein – ich weiß nicht.

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