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In Hessen startet der Islam-Unterricht

WIESBADEN. Auch innerhalb der schwarz-gelben Koalition war die Einführung des bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts heftig umstritten. Mit dem neuen Schuljahr starten nun die ersten 27 Grundschulen.

«Das ist kein Pilotprojekt, sondern Pionierarbeit», betont Kultusministerin Nicola Beer (FDP). Nach Angaben des Ministeriums ist Hessen das erste Bundesland, das den bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht auf der Grundlage von Artikel 7 des Grundgesetzes einführt. Es sei gut für die Kinder in Hessen, dass das Fach auf dieser Basis startet – «und zwar mit hessischen Lehrern und auf Deutsch», betont Beer. Der Unterricht sei Teil einer Willkommenskultur.

Koran-Buchdeckel-Vignette

Nach langjährigen Diskussionen startet in Hessen der Islam-Unterricht. Foto: crystalina/Wikimedia Commons (CC-BY-2.0)

Das Fach beginnt für etwa 440 Erstklässler – zunächst aber nur an 27 Grundschulen. «Es war von Anfang an klar, dass es den Unterricht nicht sofort an allen Grundschulen gibt. Wir beginnen ja erst», erklärt Ministeriumssprecher Christian Henkes. Das Angebot wachse mit den Schülern. Unterrichtet wird dann also sukzessive in den Klassen 2, 3, 4, 5 und so weiter. Zudem sollen im nächsten Jahr weitere Grundschulen hinzukommen.

Der islamische Religionsunterricht findet «bekenntnisorientiert» statt, also aus der Perspektive des muslimischen Glaubens. Das Land hat sich für den Unterricht zwei Partner geholt. Er wird gemeinsam mit den Religionsgemeinschaften Ditib Hessen sowie Ahmadiyya Muslim Jamaat angeboten, wobei die Ditib an 25 Schulen und die Ahmadiyya-Gemeinde an drei vertreten ist. An einer Grundschule gibt es von beiden Angebote.

Nach Angaben des Vorsitzenden von Ditib Hessen, Fuat Kurt, wollen weitaus mehr Eltern ihre Kinder in den islamischen Religionsunterricht schicken als Plätze zur Verfügung stehen. «Aber irgendwo muss man anfangen. Und man muss den Anfang richtig machen», betont er. Die Einführung des Faches sei für alle eine große Herausforderung. «Unser Bemühen und Auftrag ist es, einen qualitativ guten Unterricht anzubieten.» Mit dem Kultusministerium arbeite man gut zusammen, da gebe es kein Gegeneinander.

Und das ist nun sehr gespannt auf die ersten Erfahrungen: «Wir schauen natürlich sehr genau hin und freuen uns darauf, Erfahrungen zu sammeln», sagt Sprecher Henkes. Das neue Fach werde intensiv begleitet, begutachtet und evaluiert.

Die Aufregung steigt wohl auch unter jenen Lehrern, die ihren Schülern bald etwas über Mohammed oder Koran erzählen sollen: «Sie warten gespannt auf die ersten Unterrichtsstunden. Denn es ist ja für sie Neuland, das sie jetzt betreten», berichtet Yasar Sarikaya von der Professur für islamische Theologie und ihre Didaktik an der Uni Gießen.

Die Professur hat den Weiterbildungskurs für die pädagogischen Pioniere inhaltlich konzipiert. 19 Lehrer, die alle bereits im Schuldienst stehen, besuchen seit März den Kurs. Die Gießener Universität gehört zu den beiden Hochschulen in Hessen, die sich um die Ausbildung künftiger islamischer Religionslehrer kümmern: In Gießen studieren angehende Lehrer für Grundschulen, an der Frankfurter Uni die für weiterführende Schulen.

Der einjährige Weiterbildungskurs umfasst drei Module zu den Themen theologische Grundlagen und Hauptquellen des Islam, Kenntnisse zur Glaubenspraxis sowie religionspädagogische Methoden. Sarikaya erklärt: «Man sollte daran denken, dass der Unterricht zunächst in der ersten Klasse beginnt. Also mit Kindern, die Lesen und Schreiben erst lernen. Es ist daher sinnvoll, den Unterricht medial und spielerisch zu gestalten, dass gesungen oder gemalt wird.»

Ebenfalls mit diesem Schuljahr ist in Niedersachsen der islamische Religionsunterricht gestartet. Nordrhein-Westfalen blickt bereits auf ein Jahr Erfahrung zurück. Dort soll der Unterricht im kommenden Schuljahr auch an den weiterführenden Schulen starten. (news4teachers mit Material der dpa)

Zum Bericht: FDP setzt Islamunterricht in Hessen gegen die CDU durch

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Hier gibt es Unterrichtsmaterial zum Thema Islam

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