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Flächendeckende Ganztagsbetreuung in Hamburg – Senator Rabe weist Kritik zurück

HAMBURG. Seit rund acht Wochen gibt es an Hamburgs Grundschulen flächendeckend eine Ganztagsbetreuung. Doch der Unmut mancher Eltern und der CDU/FDP-Opposition ob der Qualität ist groß. Schulsenator Rabe ist nun in die Offensive gegangen.

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) hat Kritik von Eltern und Oppositionsparteien am Ganztagsangebot der Grundschulen zurückgewiesen. «Für ein so gewaltiges Reformvorhaben gibt es erstaunlich wenig Anlaufprobleme», erklärte Rabe  in Hamburg. Die Zahl der Ganztagsgrundschulen sei in nur zweieinhalb Jahren von 53 auf 200 fast vervierfacht und die Zahl der kostenlosen Betreuungsplätze um mehr als 10 000 auf rund 37 000 erhöht worden. «Sicher ist nicht alles sofort perfekt, aber die sehr hohen Anmeldequoten zeigen, dass wir richtig gehandelt haben und die Kinder gern die Ganztagsschule besuchen», betonte der Senator acht Wochen nach Beginn der flächendeckenden Ganztagsbetreuung an Hamburgs Grundschulen.

Seit Beginn des Schuljahres können Grundschüler an 200 Schulen kostenlos bis 16 Uhr betreut werden. Kritik gibt es vor allem wegen des Betreuungsschlüssels, aber auch wegen der Räumlichkeiten und des Mittagessens. So sind einige Eltern überzeugt, dass sich die Betreuung im Vergleich zu den früheren Horten verschlechtert hat. Bisher habe sich ein Erzieher um 17 Kinder gekümmert, nun seien es bis zu 23, sagte etwa der Vater zweier Grundschulkinder, David Schumacher-Witter aus Ottensen, dem «Hamburger Abendblatt». Bereits Mitte der Woche hatten FDP und CDU Senator Rabe in der Bürgerschaft einen holprigen Start des Betreuungsprogramms vorgeworfen, der inzwischen zu einer Dauerkrise zu werden drohe.

Sieht Besserungsbedarf in Sachen Berufsorientierung: Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD). Foto: SPD Hamburg / flickr (CC BY-SA 2.0)

 Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) setzt ehrgeizige Pläne um. Foto: SPD Hamburg / flickr (CC BY-SA 2.0)

Die FDP-Bildungspolitikerin Anna von Treuenfels legte nun noch einmal nach, sprach von einer Verhöhnung von Eltern, Lehrern und Schülern. «Rabe leugnet einfach den massiven Rückstand im Kantinenausbau und bei der Personalorganisation in ganz Hamburg.» Er rede sich die Lage schön. Für die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Anja Bensinger-Stolze, wiederum steht fest: «Die Umwandlung der Schulen in Ganztagsschulen ist zwar pädagogisch richtig, aber mit einer derart heißen Nadel gestrickt und so unzureichend ausgestattet, dass unzumutbare Betreuungs- und Bildungs-Bedingungen nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind.»

Senator Rabe sprach dagegen von kleineren Anlaufschwierigkeiten an einzelnen Standorten. So hätten etliche Eltern ihre Kinder weit nach Anmeldeschluss angemeldet und an einigen Schulen dadurch die Gruppen stark vergrößert. «An einzelnen Standorten ist es aufgrund unglücklicher Krankheits- und Urlaubszeiten zu Personalengpässen gekommen», räumte Rabe ein. Grundsätzlich seien Gruppengrößen von 19 bis 23 Kinder vorgesehen. Tatsächlich seien sie aber nur mit 15 bis 19 Kindern belegt, da diese nicht an allen Tagen da sein müssten.

Dass etliche Kantinen immer noch nicht fertig seien, begründete Rabe mit ungeahnten Bauproblemen. Gleichwohl sei der Ausbau inzwischen enorm. Seien bislang jährlich weniger als zehn Kantinen gebaut worden, werden nach seinen Angaben bis Ende des Jahres 70 Schulküchen und Speiseräume fertiggestellt sein – davon 66 an Grundschulen. Weitere 32 seien für 2014 geplant. Insgesamt seien für den Bau von rund 120 Schulkantinen etwa 100 Millionen Euro vorgesehen. dpa

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