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Lehrer ohne Studium: Brodkorb will Seiteneinsteiger gewinnen – und erntet Kritik

SCHWERIN. Die Pläne von Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD), mehr Seiteneinsteiger für den Schuldienst zu gewinnen, stoßen auf zunehmende Kritik. Jetzt sprach sich das Direktorium des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung gegen das Vorhaben aus. In dem Direktorium sind alle lehrerbildenden Hochschulen des Landes vertreten.

Fürchtet, bald nicht mehr alle Lehrerstellen besetzen zu können: Mecklenburg-Vorpommerns Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD). Foto: Stefanie Link/Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

Fürchtet, bald nicht mehr alle Lehrerstellen besetzen zu können: Mecklenburg-Vorpommerns Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD). Foto: Stefanie Link/Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

Den Angaben zufolge will Brodkorb es selbst Seiteneinsteigern ohne Hochschulabschluss ermöglichen, den Lehrerberuf ohne eine Nachqualifizierung zu ergreifen. Sie müssen demnach lediglich fünf Jahre in der Schule arbeiten und ein nicht näher definiertes Programm des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Mecklenburg-Vorpommerns durchlaufen.

Die Direktorin des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung, Carolin Retzlaff-Fürst, sieht die Qualität des Schulunterrichts in Gefahr. «Bundesweit akzeptierte Qualitätsmaßstäbe für Lehrerbildung, Unterricht und Schulentwicklung werden durch diese Planungen gefährdet und unterschritten, Studierende demotiviert und frustriert», erklärte Retzlaff-Fürst in Rostock. Für guten Unterricht brauche es qualifizierte Fachkräfte. Kritik an Brodkorbs Plänen für Seiteneinsteiger hatte zuvor bereits die Lehrergewerkschaft GEW geäußert.

Der Minister verteidigte sein Vorgehen. Es gehe nicht um ein Absenken der Qualität, sondern um Gerechtigkeit im Lehrerzimmer. «Viele Fachleute ohne Lehramtsabschluss haben über Jahre in der Praxis bewiesen, dass sie Schüler gut unterrichten können», erklärte Brodkorb. Sie würden sich weiterqualifizieren und eine Prüfung ablegen. Und deshalb hätten sie auch ein Recht auf Anerkennung ihrer Leistung und auf gleiche Bezahlung, betonte der Minister. In Einzelfällen seien Betroffene schon seit 15 Jahren im Schuldienst tätig und hätten monatlich 500 Euro weniger als ihre Kollegen. «Irgendwann muss Schluss sein mit der Bestrafung.»

Hintergrund der geplanten Gesetzesnovelle ist der sich abzeichnende Lehrermangel in Mecklenburg-Vorpommern. Dem Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung zufolge sind momentan jährlich 250 bis 300 Lehramtsabsolventen in Mecklenburg-Vorpommern zu erwarten. Gemäß Bedarfsanalyse seien künftig jedoch bis zu 700 Einstellungen pro Jahr nötig. dpa

Zum Bericht: “Brodkorb startet Lehrer-Verbeamtung – zunächst nur für Referendare”

 

Ein Kommentar

  1. Die wichtigste Phase der Lehrerausbildung ist eigentlich das Referendariat bzw. der Vorbereitungsdienst. Da geht es um die Methodik und Didaktik des Unterrichtens sowie um pädagogische Fragestellungen. Seiteneinsteiger sollten mindestens “so etwas” absolvieren müssen.

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