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Bildungsmonitor: Sachsen vorn, Berlin hinten – und Bayern hat die meisten Sitzenbleiber

BERLIN. Sachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg haben aus Sicht des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) alles in allem die leistungsfähigsten Bildungssysteme. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Instituts im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Ausgewertet wurden dafür die bundesweiten Schulstudien aus jüngster Zeit.

Ausschnitt der Ergebnis-Übersicht des Bildungsmonitors. www.insm-bildungsmonitor.de

Ausschnitt der Ergebnis-Übersicht des Bildungsmonitors. www.insm-bildungsmonitor.de

Kriterien für das Leistungsranking sind nach Angaben des Instituts unter anderem, wie weit es den Bundesländern gelingt, «Bildungsarmut zu reduzieren, zur Fachkräftesicherung beizutragen und Wachstumskräfte zu stärken». In der deutschen Bildungslandschaft gebe es unter den Ländern verschiedene «Leuchttürme». So weise etwa Sachsen eine exzellente Förderinfrastruktur auf und überzeuge durch hohe Schulqualität. In Thüringen hätten Bildungsausgaben eine hohe Priorität. Bayern setze die Mittel sehr effizient ein. Aber auch Länder, die nicht ganz vorne lägen, könnten in Teilbereichen überzeugen. So liege Rheinland-Pfalz bei der Integration von Migranten vorn.

Es gebe die Hoffnung, dass der Anteil der Schulabbrecher weiter sinke, sagte der Geschäftsführer der Initiative, Hubertus Pellengahr. Bundesweit verlassen jedes Jahr aber noch immer rund 50 000 Schüler ihre Schule ohne Hauptschulabschluss. Ein bundesweites Konzept, wie auch an Förderschulen die Zahl der Abgänger ohne Hauptschulabschluss gesenkt werden kann, gibt es allerdings noch nicht.

Als positiv wird von der Initiative herausgestellt, dass der Anteil von jungen Erwachsenen zwischen 20 und 30 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung von 16,5 Prozent (2005) auf 13,4 Prozent (2009) gesunken sei. Betrachtet man die Altersgruppe der 20 bis 35-Jährigen, so sind in Deutschland knapp 2,2 Millionen junge Menschen ohne Berufsabschluss und auch nicht mehr in Ausbildung. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft wird von den Arbeitgeberverbänden der Metall-und Elektro-Industrie finanziert.

Sachsen habe durch Fortschritte im Bildungssystem in den vergangenen Jahren in hohem Maße zur Fachkräftesicherung beigetragen, hieß es. Die Studie lobt dabei ausdrücklich die Ausbildung von Akademikern. Zudem sei der Anteil von Menschen zwischen 20 und 30 Jahren, die keinen Berufsabschluss haben, weiter gesunken. «Sachsen hat das beste Bildungssystem in Deutschlands», kommentierte das Kultusministerium in Dresden die Ergebnisse. Der Freistaat sei das Land, in dem die soziale Herkunft der Schüler am wenigsten über den Bildungserfolg entscheide. Sachsen habe zudem die höchste Quote der ganztags betreuten Kinder. Verbesserungsbedarf gebe es bei dem vergleichsweise hohen Anteil von Schülern ohne Hauptschulabschluss. «Damit können wir wahrlich nicht zufrieden sein», erklärte Ministerin Brunhild Kurth (parteilos).

Die Studie bescheinigt Thüringen unter anderem besonders geringe Klassengrößen, bestes Verhältnis von Schüler- zu Lehrerzahlen sowie die höchste Priorität von Bildungsaufgaben im Vergleich der Bundesländer.

In keinem anderen Bundesland fallen so viele Schüler der Klassen fünf bis zehn durch wie in Bayern, das im Ländervergleich Platz drei belegt. Mit 4,6 Prozent wies der Freistaat demnach 2011 bei der Wiederholerquote in der Sekundarstufe I den schlechtesten Wert auf. Der Anteil der verspätet eingeschulten Kinder lag im selben Jahr bei 10,8 Prozent – der zweithöchste Wert. Bayern hat auch Nachholbedarf bei der Ganztagsbetreuung von Kleinkindern und in der Grundschule. 2011 hatte das Land mit 7,4 Prozent die drittniedrigste Quote von Ganztagsbetreuung im Grundschulbereich. Die Stärken Bayerns liegen in der Förderung der beruflichen Bildung, der Schulqualität und der Vermeidung von Bildungsarmut.

Das Bildungssystem in Baden-Württemberg – Gesamtwertung: Platz vier – ist im deutschlandweiten Vergleich am besten auf die Anforderungen einer international vernetzten Wirtschaft und Gesellschaft eingestellt. Auch bei dem effizienten Einsatz von Mitteln (Platz zwei), der Vermeidung von Bildungsarmut, der Zeiteffizienz (also der Frage, wie die Systeme mit der Lebenszeit von Schülern umgehen) und dem System der beruflichen Bildung (Platz drei) sehen die Wissenschaftler das Bundesland auf einem gut Weg. Nachholbedarf gibt es den Angaben zufolge bei dem Ausbau der ganztägigen Bildungs- und Betreuungsangebote und der Integration.

Im Bildungsvergleich liegt Sachsen-Anhalt auf Platz fünf. Stärken hat Sachsen-Anhalt demnach vor allem bei den Bedingungen für die Betreuung. Im Jahr 2011 kamen auf einen Lehrer 13,8 Grundschüler. Das ist den Angaben zufolge die beste Relation in Deutschland.

Hamburg belegt Rang 6 im Vergleich der Bildungssysteme der deutschen Bundesländer und verbessert sich gegenüber dem Vorjahr von allen Ländern am zweitstärksten. Stärken weist die Hansestadt bei den Handlungsfeldern Internationalisierung (2. Platz) sowie Förderinfrastruktur, Betreuungsbedingungen und Forschungsorientierung (jeweils 5. Platz) auf. Verbesserungspotenzial besteht insbesondere in den Feldern Schulqualität und Bildungsarmut.

Mecklenburg-Vorpommern landete auf Platz sieben und damit im Mittelfeld der Bundesländer. Gelobt wurde unter anderem das große Angebot an Ausbildungsplätzen im Nordosten. Problematisch sei allerdings, dass nirgendwo in Deutschland so viele Azubis ihre Lehre abbrechen wie in MV. Zudem fällt fast jeder fünfte durch die Abschlussprüfung.

Rheinland-Pfalz belegt in einer bundesweiten Studie über Bildungschancen den achten Platz. Das Land schneidet in den meisten der zwölf untersuchten Bereichen nur durchschnittlich ab. Stärken gebe es bei der Integration von ausländischen Schülern und beim Unterricht von Fremdsprachen in Grundschulen. «Der größte Verbesserungsbedarf im Vergleich zu den anderen Ländern ist in der Forschungsorientierung festzustellen. Auch bei der beruflichen Bildung werden unterdurchschnittliche Werte erreicht», hieß es.

Hessen belegt im arbeitgebernahen Bildungsmonitor 2013 den neunten Platz. Verbesserungsbedarf habe das Bundesland vor allem bei der Schulqualität und der Zeiteffizienz, heißt es in der Studie. Stärken weise Hessen dagegen bei der Integration und der «Inputeffizienz» auf. Dazu zählen etwa die Investitionsquote, die Schüler-Lehrer-Relation, Klassengrößen, Zahl der Unterrichtsstunden und vorzeitige Pensionierungen wegen Dienstunfähigkeit.

In Niedersachsen und Bremen sind die Bildungschancen im bundesweiten Vergleich weiterhin unteres Mittelmaß. Im Bildungsmonitor belegt Niedersachsen den 9. Rang, das kleinste Bundesland Bremen kommt auf den 12. Platz. Niedersachsen weise «eine besondere Stärke« bei der Zeiteffizienz (4. Platz) und der Ausgabenpriorisierung (4. Platz) auf, erläutern die Autoren der Studie. Es bestehe aber Verbesserungsbedarf bei der Internationalisierung, den Betreuungsbedingungen, im Bereich Hochschule und bei den sogenannten MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. «Bremen ist ein Bundesland der Extreme», heißt es in der Studie. Das Bundesland weise mit Platz 1 im Bereich Hochschule/MINT und bei der beruflichen Bildung (2. Platz) Stärken auf. Verbesserungsbedarf bestehe weiterhin bei der Ausgabenpriorisierung, bei der Bekämpfung von Bildungsarmut und der Sicherung der Schulqualität. Der Anteil von 20- bis 30-Jährigen ohne Berufsabschluss sei von 26,3 Prozent im Jahr 2005 auf 18,1 Prozent im Jahr 2011 gesunken.

Schleswig-Holsteins Bildungssystem ist im Vergleich der Bundesländer nur unteres Mittelmaß. In der Studie belegt Schleswig-Holstein den 11. Platz. Verbesserungsbedarf besteht im nördlichsten Bundesland etwa bei der Internationalisierung (14. Platz), im Bereich Hochschule und bei den sogenannten MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (15. Platz) sowie bei der Förderinfrastruktur (15. Platz).

Nordrhein-Westfalen liegt bei den Bildungschancen im bundesweiten Vergleich weit hinten. Der Bildungsmonitor 2013 sieht das bevölkerungsreichste Bundesland insgesamt auf Platz 13. Der Vergleich stellt aber auch Stärken in NRW fest, etwa bei der Integration von Ausländern und der Internationalisierung des Unterrichts.

Brandenburg hat aus Sicht der Autoren der Studie noch immer kein leistungsfähiges Bildungssystem. Das Land rutschte wieder auf Platz 14 ab. Das Saarland belegt Rang 15. Das Land Berlin schneidet am schlechtesten ab. Berlin belegt im Vergleich aller Bundesländer den 16. Platz. Spitze ist Berlin nur bei der sehr großen Forschungsorientierung. Die Untersuchung zu den Bildungsstandards im Jahr 2012 zeigte, dass in Berlin mit 32,7 Prozent ein großer Anteil der Berliner Neuntklässler die Mindeststandards für einen mittleren Abschluss in Mathematik verfehlte. Bei den Viertklässlern weist Berlin sowohl in Deutsch als auch in Mathematik jeweils die höchste Risikogruppe aller Bundesländer auf. Von 4124 ausländischen Schulabgängern im Jahr 2011 blieben 632 ohne Abschluss – eine Schulabbrecherquote unter den ausländischen Jugendlichen von 15,3 Prozent (bundesweit: 11,8 Prozent). dpa

Hier geht es zur Seite des Bildungsmonitors.

Zum Bericht: Sachsen vorn – sächsische GEW hält den Bildungsmonitor für überbewertet

 

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