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Deutsche und brasilianische Schüler betreiben nachhaltigen Obstanbau in Brasilien

OSNABRÜCK. Schüler der Waldorfschule Sorsum bei Hannover machen Entwicklungsarbeit in Brasilien. Zusammen mit brasilianischen Jugendlichen haben sie unter anderem eine Obstplantage in Nordbrasilien gebaut. Die Schwestern Larissa und Leona Holzki haben die Zusammenarbeit angestossen.

Die Schwestern Larissa und Leona Holzki knüpften im Jahr 2007 erste Kontakte zu Gleichaltrigen in Nordbrasilien, aus denen sich eine langjährige Partnerschaft entwickelte. Die Zusammenarbeit wird insbesondere von den tiefen Freundschaften getragen, die im Laufe der Zeit entstanden sind. „Während der ersten zwei Jahre habe ich viele Freunde in Brasilien gefunden, die ich nicht mehr missen will“, erinnert sich Larissa Holzki. Die internationale Freundschaft trägt nun im wahrsten Sinne des Wortes Früchte und hat die Lebenssituation der brasilianischen Jugendlichen bereits auf vielfältige Weise verbessert.

Die Plantage in Brasilien ist für die Bepflanzung vorbereitet, der Brunnen ist gebohrt und die solarbetriebene Pumpe ist bestellt. (Foto: Brasil09 e.V.)

Die Plantage in Brasilien ist für die Bepflanzung vorbereitet, der Brunnen ist gebohrt und die solarbetriebene Pumpe ist bestellt. (Foto: Brasil09 e.V.)

In den letzten Jahren errichteten die Jugendlichen etwa eine Werkstattschule und eine Plantage für ökologischen Obstanbau. Die 18-jährige Leona Holzki, die bei ihrer ersten Reise nach Brasilien den Spatenstich für die Werkstattschule miterlebte, beschreibt die Herausforderungen vor Ort: „Unsere Ideen sprudelten so zahlreich, dass es nicht einfach war, sie in der Praxis und finanziell umzusetzen. Wir mussten auch erkennen, dass manche ökologischen Standards, die für uns selbstverständlich sind, bei den Brasilianern zunächst nur Unverständnis hervorgerufen haben“. Doch mittlerweile haben die jungen Menschen gemeinsam sogar 500 Hektar Regenwald als Ausgleich für die errichtete Obstplantage unter Schutz gestellt. Der 20-jährige Jackson Alves freut sich, dass ihm durch die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt vor Ort nun eine Perspektive geboten wird: „Das Projekt schafft ein Einkommen für die Familien von uns Jugendlichen. Außerdem unterstützt es die Wirtschaft in unserer Stadt und verbessert so mehr und mehr unser Leben“. Einer der brasilianischen Jugendlichen steht inzwischen kurz vor dem Abschluss einer landwirtschaftlichen Ausbildung und will dann als Lehrer auf der Obstplantage arbeiten. „Solche individuellen Erfolgsgeschichten sind für mich das Größte“, freut sich Larissa Holzki.

Die brasilianischen Jugendlichen waren auch schon zu Gast bei ihren Freundinnen und Freunden in Deutschland, wo die jungen Menschen beispielsweise verschiedene Natur- und Kulturräume und Ökolandbau-Betriebe besichtigten. Dabei wurde allen zum wiederholten Mal deutlich, wie sich der Umgang der Menschen mit Natur in Deutschland und Brasilien unterscheidet. „Während wir in den Wald gehen, um die Ruhe und die Idylle zu genießen, schlagen sich manche Brasilianer auf kleinen Trampelpfaden durchs Dickicht, um Nahrung oder Baumaterial zu besorgen“, erklärt Leona Holzki. „Viele Brasilianer, die wir kennengelernt haben, empfinden die Natur eher als feindlich, zumal sie sich im Wald auch vor Spinnen und Schlangen in Acht nehmen müssen“. Die brasilianischen Gäste, zum Beispiel der 21-jährige Marcelo Marques Lopes, waren entsprechend fasziniert vom Verhältnis der Deutschen zur Natur: „Beeindruckt hat mich, wie die Deutschen mit ihrer Umwelt umgehen, wie sie auf die Natur achtgeben und sie schützen. Ich hätte auch nie geglaubt, dass es in Deutschland auf so kleiner Fläche so unterschiedliche Naturräume gibt“,sagt Marcelo Marques Lopes zusammen.

Das Projekt trägt also nicht nur zu einem schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen, sondern auch zu einem anderen Bewusstsein der Jugendlichen für biologische Vielfalt bei. Daher wurde „Fruticultura – Eine Freundschaft, die Früchte trägt“ am 28. September 2013 in Sorsum von dem Bundestagsabgeordneten Matthias Miersch als UN-Dekade-Projekt ausgezeichnet. Eine Auszeichnung, die den jungen Menschen dabei helfen soll, ihre Ziele auch langfristig weiter zu verfolgen. „Die ersten Reaktionen in unserem engeren Umfeld waren sehr anerkennend. Wir betrachten die Auszeichnung als Qualitätssiegel für unsere Arbeit. Das hilft uns auch bei unseren Anträgen bei Stiftungen und in Wettbewerben“, freut sich Leona Holzki. Ihre Schwester erwartet ebenfalls, dass die offizielle Würdigung hilft, das Projekt weiter voranzutreiben: „Als nächstes großes Etappenziel haben wir uns vorgenommen, unseren Energiebedarf mit Solaranlagen zu decken. Damit wir die Wartungskosten in Brasilien bezahlen können, wollen wir auch Panels auf unserer Schule in Deutschland installieren.“ Auf alle Fälle wird der interkulturelle Austausch weiter gehen. Larissa Holzki schildert, was sie dabei am meisten berührt: „Wenn sich Jugendliche aus Deutschland und Brasilien zum Abschied weinend in den Armen liegen und wissen, dass etwas von ihrer gemeinsamen Zeit bleibt: Erinnerungen, neue Ideen, ein selbst gebautes Haus oder ein neu gepflanzter Baum.“

Die Bewerbung als UN-Dekade-Projekt ist online über die UN-Dekade-Webseite möglich. Der nächste Einsendeschluss ist der 31. Oktober 2013, Bewerbungen sind jedoch fortlaufend möglich. nin

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