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Nach Precht jetzt Wagenhofer: Neuer Film befeuert Debatte um Leistung in der Schule

BERLIN. Nach Richard David Prechts Kritik am Bildungssystem (präsentiert im Bestseller „Anna, die Schule und der liebe Gott“) befeuert nun ein neuer Dokumentarfilm die Diskussion um die Reformbedürftigkeit der Schule: „Alphabet“ von Erwin Wagenhofer, der mit seinen vorherigen Filmen „We Feed the World“ und „Let’s Make Money“ Missstände in der Lebensmittelindustrie und im Bankensektor angeprangert hat, wirft nun einen kritischen Blick auf das Leistungsdenken in der Erziehung.

Szene aus dem Trailer zum Film "Alphabet". (Screenshot). Zum Trailer: Link siehe unten

Szene aus dem Trailer zum Film „Alphabet“. (Screenshot). Zum Trailer: Link siehe unten

„98 Prozent aller Kinder kommen hochbegabt zur Welt. Nach der Schule sind es nur noch zwei Prozent“, so heißt es in der Werbung zum Film. Im Moment, das suggeriert der Streifen bereits in den ersten Bildern, gleicht das Bildungssystem einer Wüste: Lange Einstellungen zeigen tatsächlich eine solche, nämlich das kalifornische Death Valley. Dann geht’s ab nach China: Wagenhofer zeigt Bilder von übernächtigten, immer nur paukenden asiatischen Kindern. Deren Überlastung wird vom Pädagogikprofessor Yang Dongping beklagt – und vom PISA-Chef der OECD, Andreas Schleicher, mit scheinbar herzlos verständnisvollen Worten kommentiert. Schleicher, das wird schnell klar, ist hier der Bösewicht. Wagenhofer will belegen, dass „auf der ganzen Welt“ die Kinder durch die Schule getriezt werden, dass ihnen überall durch Leistungsdruck und PISA-Hysterie Neugier und Kreativität ausgetrieben werden. Auch die deutschen Schulen kommen dabei – selbstverständlich – nicht gut weg, auch wenn von ihnen nichts zu sehen ist. Eine 15-jährige Gymnasiastin liest stattdessen einen Brief vor, in dem sie sich über G8 beklagt.

Jungmanager von McKinsey predigen ein Leistungsmantra. Dagegen bringt Wagenhofer eine Reihe von Experten in Stellung: vom Hirnforscher Gerald Hüther, über den britischen Erziehungswissenschaftler Ken Robinson bis hin zum Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger, sie alle wünschen sich mehr Freiräume zur Entfaltung in der Bildung. Wer wollte dem widersprechen? Arno Stern, ein deutsch-jüdischer Emigrant, der eine Kunstschule für Kinder bei Paris betreibt, sicher nicht – Sterns Modell dient Wagenhofer als Gegenbild zur Leistungsschule. Dort können sich Kinder entfalten, malen, die Natur erleben. So wie Sterns Sohn André, der nie eine richtige Schule besucht hat und als Gitarrenbauer ein offenbar reiches Leben führt. Am Ende: wieder das Death Valley. Aber die Wüste lebt. Grün sprießt aus dem kargen Boden.

„Spiegel-Online“ bespricht den Film recht freundlich. Dort heißt es: „‘Alphabet‘ ist ein wichtiger Film, weil er die bösen Seiten des vermeintlich Guten zeigt: Die subjektiven Verluste der objektiven Bildungsgewinner. Ihre Gesundheit leidet, ihre Individualität, ihr Lebensglück geht verloren. Und weil er Fragen aufwirft, die sich eine Gesellschaft nicht häufig genug stellen kann: Wollen wir in einem Land, in einer Welt leben, in der zukünftige Chefs Sätze sagen wie: ‚Machen wir uns nichts vor. Ich plane meine Kinder so, dass sie zeitlich zu meinen Projekten passen. Punkt.‘ Wollen wir das?“

Der Berliner „Tagesspiegel“ zeigt sich kritischer. Er schreibt: „Wie soll denn nun eine bessere Bildung aussehen, fragt sich der Zuschauer mit zunehmender Ungeduld? Glaubt man dem Film, wäre es am besten, wir gingen gar nicht in die Schule. (…) Das Beispiel der Familie Stern weckt Bewunderung, lässt sich aber überhaupt nicht auf die Realität der meisten Menschen übertragen. Wie soll sich denn bitte das Kind eines Doppelverdienerpaars in einer engen Stadtwohnung quasi selbst bilden? Wie soll eine Brennpunktschule mit begrenzten Ressourcen Kindern die nötigen Kompetenzen vermitteln, um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen? Dazu sagt der Film leider gar nichts.“ Kinostart: Morgen, 31. Oktober. News4teachers

Zum Kommentar: In aller Offenheit: Ein Brief an Richard David Precht

Hier geht es zum Trailer.

 

2 Kommentare

  1. Wenn Gerald Hüther in dem Machwerk zum Zuge kommt, kann der Film nur Schund sein.

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