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„Schon anstrengend“: Kultusminister beantwortet im Chat Bildungsfragen im Minutentakt

STUTTGART. Die bildungspolitischen Reformen in Baden-Württemberg werfen viele Fragen auf. Erstmals in seiner Amtszeit beantwortete Kultusminister Stoch etliche von ihnen im Live-Chat.

Diktierte einem Schnelltipper: Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch (SPD). Foto: Staatskanzlei Baden-Württemberg

Diktierte einem Schnelltipper: Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch (SPD). Foto: Staatskanzlei Baden-Württemberg

«Das ist aber schon anstrengend.» Kultusminister Andreas Stoch (SPD) kann nach einer Stunde Live-Chat aufatmen. Im Minutentakt hat er im Stuttgarter Ministerium Fragen von Schülern, Eltern, Lehrern beantwortet. Im Schnitt braucht er 82 Sekunden für jede der 44 Fragen, die ihm – von einem Moderator nach Themen geordnet – zugeleitet werden. Die Antworten diktiert er einem Schnelltipper in den Computer, damit die Besucher des Chats die Antworten sofort verfolgen können. Dabei muss er nicht nur auf Punkt und Komma achten, sondern auch auf die politisch korrekte Anrede von Männlein und Weiblein: «Man muss das immer „gendern“, sonst kriegt man da wieder eins auf die Nuss», entfährt es dem Sozialdemokraten, als von Schülern und Schülerinnen die Rede ist.

Gleich die erste Frage von «Malisa» geht ans Eingemachte. Was ihn denn eigentlich als Juristen dazu befähige, bildungspolitische Entscheidungen zu treffen? Stoch zieht sich geschickt aus der Affäre. Ein Bildungsminister sei dafür zuständig, «gute Bildung» zu organisieren, ließ er wissen. Dabei würden sowohl politische als auch juristische Kenntnisse helfen, betont Stoch, der sich vor seiner Amtsübernahme Anfang dieses Jahres vor allem als scharfsinniger Obmann im EnBW-Untersuchungsausschuss einen Namen gemacht hatte. Auch könne er auf die Expertise im Ministerium zurückgreifen.

Damit setzt sich Stoch deutlich von seiner Vorgängerin Gabriele Warminksi-Leitheußer (SPD) ab, der vorgeworfen wurde, sich im Ministerium mit einer kleinen Gruppe von Getreuen eingekapselt und den Sachverstand der eigenen Beamten nicht genutzt zu haben. Warminski-Leitheußer war unter Stochs Vorgängerinnen auch die einzige, die sich nie einem Live-Chat stellte. Die Tradition geht auf die ehemalige christdemokratische baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan (1995-2005) zurück. Auch deren Nachfolgerin Marion Schick (CDU) scheute den Bürgerdialog im Internet nicht.

Auf Platz eins der Fragen schaffte es eine Klage aus Lörrach über das dortige überfüllte Hans-Thoma-Gymnasium (HTG). Warum nun gerade eine Frage zu einer örtlichen Sondersituation so prominent wird? Wahrscheinlich stammt sie von einem Lehrer oder Schüler des HTG, der bei anderen Betroffenen heftig dafür warb, die Frage nach oben zu stufen. Stoch verspricht, nach einer passgenauen Lösung zu suchen.

Auf einen Spitzenplatz hat es auch die Frage einer «Lehrerinausleidenschaftdaswareinmal» geschafft. Die frustrierte Beamtin möchte wissen, warum die Realschulen mit ihrem breiten Spektrum an Leistungsstärken der Schüler größere Klassen und schlechtere Bedingungen als die Gemeinschaftsschulen haben. Stoch verweist auf die knappen Kassen des Landes, spart aber nicht mit Lob für das Engagement der Pädagogen. Weitere Aufregerthemen im Chat sind die Teilhabe behinderter Schüler an Regelschulen (Inklusion), der Unterrichtsausfall und die Zukunft kleiner Schulen und der dortigen Lehrer. Als richtig unflätig wurden nur drei von den insgesamt deutlich über 200 Fragen zuvor aussortiert.

«Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, weil man jedem Fragesteller gerecht werden will», sagt Stoch am Ende des virtuellen Dialogs. Doch ins Schwitzen sei er nicht gekommen, da er bei seinen vielen Kontakten mit Schülern, Lehrern und Eltern immer wieder mit den gleichen Fragen und Klagen konfrontiert werde. Der Minister kann sich vorstellen, etwa zweimal im Jahr so zur von Grün-Rot propagierten Politik des Gehört-Werdens beizutragen. Fragen von allgemeinem Interesse, die noch nicht veröffentlicht sind, werden über die Homepage des Ministeriums in den nächsten Tagen noch beantwortet. JULIA GIERTZ, dpa

Hier werden die noch folgenden Antworten veröffentlicht.

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