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Ganztagsschulen werden immer mehr zum Regelangebot – Landtagsabgeordnete beklagt mangelnde Hilfe vom Bund

STUTTGART. Im Jahr 1968 entstand im Südwesten die erste Ganztagsschule als Schulversuch, weitere folgten. 46 Jahre später soll das Modellprojekt zur Regel werden. Es wäre die Erfüllung eines Wahlverspreches von Grün-Rot.

Nach fast fünf Jahrzehnten wird die Ganztagsschule im kommenden Schuljahr vom Modellversuch zum Regelangebot. «Die Koalition wird die entsprechende Schulgesetzesänderung voraussichtlich vor dem Sommer in den Landtag einbringen», sagte die Bildungsexpertin der Grünen im Landtag, Sandra Boser in Stuttgart. Ziel sei es, Baden-Württemberg endlich aus der Position des westdeutschen Schlusslichtes bei Ganztagsschulen herauszuholen. «Mit dem Gesetz werden wir ein von der Vorgängerregierung aus ideologischen Gründen vernachlässigtes Thema nachhaltig regeln.»

Bis 16 Uhr dauert am Elsa-Brandström-Gymnasium in Oberhausen der Unterricht. Foto: timlewisnm / flickr (CC BY-SA 2.0)

Bis 16 Uhr dauert an Ganztagsschulen meist der Unterricht. Foto: timlewisnm / flickr (CC BY-SA 2.0)

Im ersten Schritt will Grün-Rot die rund 2400 Grundschulen in den Fokus rücken. Derzeit bieten nur 15 Prozent von ihnen (ohne Gemeinschafts-Grundschulen) den ganzen Tag Unterricht an, deutlich weniger als im Bundesschnitt (25 Prozent). Die Koalition peilt laut Boser 20 Prozent Ganztagsgrundschulen im Schuljahr 2015/16 an, 40 Prozent im Jahr 2020. «Das ist ein wichtiger Schritt zu mehr Chancengerechtigkeit, weil die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft vermindert wird.» Förderangebote wie muttersprachlicher Unterricht, Sport oder Musik seien im Ganztag besser unterzubringen. Zudem helfe er, Beruf und Familie zu vereinbaren und Betreuungslücken nach der Kita zu vermeiden.

Vor einem Jahr hatte die damalige Kultusministerin Gabriele Warminksi-Leitheußer (SPD) noch ehrgeizigere Ziele ausgegeben: 2020 sollte jede Grundschule Ganztagsschule sein.

In dem Gesetz soll eine etwas flexiblere Gestaltung des Ganztags verankert werden als im Schulversuch. Er kann an drei oder vier Tagen mit sieben oder acht Zeitstunden eingeführt werden – unabhängig ob das Angebot für die Schüler freiwillig oder verpflichtend ist. Sie sollen an diesen Tagen ein warmes Mittagessen erhalten.

Boser betonte: «Ein zentrales Genehmigungskriterium ist das pädagogische Konzept, das in der zusätzlichen Zeit über die reine Betreuung der Kinder hinausgehen muss.» Damit solle ein rhythmisierter Schulalltag verbunden sein, der Aktiv- und Lernphasen verbinde und Förderangebote integriere. «Hier ist es uns wichtig, dass man außerschulische Partner beteiligt», sagte Boser.

Zwar sollen die Eltern zwischen offenen und verpflichtenden Angeboten wählen können. Doch sollten Schulen auch ganz auf gebundenen Ganztag umstellen können, wenn Alternativen dazu in einer benachbarten Kommune bestehen. Kleine Grundschulen sollen Ganztagsangebote für Lerngruppen über mehrere Jahrgänge hinweg etablieren dürfen. Die Feinjustierung könne im Zuge der Regionalen Schulentwicklung erfolgen, für die bald eine gesetzliche Grundlage vorliege, erläuterte die Abgeordnete aus dem Wahlkreis Lahr-Wolfach.

Der Ausbau der Ganztagsschule sei mit dem Abbau von 1200 Lehrerstellen im kommenden Jahr vereinbar. «Wenn die regionale Schulentwicklung erst einmal greift und wir die demografische Rendite ernten, kann das Land genügend Mittel bereitstellen.» Im schwarz-roten Koalitionsvertrag werde keine Hilfe in Aussicht gestellt, beklagte Boser. «Wir werden trotzdem in den Ganztag gehen, sind aber enttäuscht, dass der Bund diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe nicht sieht und unterstützt.» Julia Giertz/dpa

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