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Kretschmann treibt den Umbau des Schulsystems voran

STUTTGART. Grün-Rot hat die Grundlagen für den weiteren Umbau des Schulsystems in Baden-Württemberg gelegt. Das Kabinett brachte den Entwurf zur Änderung des Schulgesetzes auf den Weg. Der Kern: Die Schullandschaft soll sich vor Ort entwickeln können. Am Ende werden die Anmeldungen entscheiden, welche Schulart sich auf Dauer durchsetzt. Das grün-rote Idealbild: Gymnasium plus Gemeinschaftsschule – daraus machten Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und sein Kultusminister Andreas Stoch (SPD) keinen Hehl. Schwarz-Gelb habe das Thema viel zu lange liegen gelassen, monierte Kretschmann. Fragen und Antworten zur Reform.

Nur die Gemeinschaftsschule im Blick? Winfried Kretschmann (Grüne). Foto: BÜNDNIS 90/Die Grünen/Flickr CC BY 2.0

Nur die Gemeinschaftsschule im Blick, wie Kritiker meinen? Winfried Kretschmann (Grüne). Foto: BÜNDNIS 90/Die Grünen/Flickr CC BY 2.0

Warum soll das Schulsystem umgebaut werden?

Mit dem Umbau des Schulsystems will Grün-Rot auf den dramatischen Rückgang der Schülerzahl reagieren. 349 Haupt- und Werkrealschulen konnten schon 2012/13 nicht genug Schüler für ihre Eingangsklassen zusammenbekommen. Insgesamt drücken heute 140 000 Schüler weniger als 2005/06 die Schulbank. Zwischen 2010 und 2020 liegt der Verlust nach Regierungsangaben bei weiteren 207 000 Schülern. Die Übergänge von den Grundschulen auf Haupt- und Werkrealschulen seien zwischen 2001 und 2012 von gut 40 000 auf 15 000 Schüler gesunken. Dadurch würden seit Jahren Schulen geschlossen.

Ist damit das Ende des dreigliedrigen Schulsystems beschlossen?

Dass das klassische Schulsystem mit Gymnasium, Realschule und Hauptschule der Vergangenheit angehört, diese Erkenntnis dürfte sich inzwischen auf allen Seiten durchgesetzt haben. Wie in anderen Bundesländern ist jetzt auch in Baden-Württemberg das Ziel für die weiterführenden Schulen das Zwei-Säulen-System mit Gymnasium und einem «integrativem Bildungsweg», wie Kretschmann sagte. Im grün-roten System steht für die zweite Säule die umstrittene Gemeinschaftsschule.

Welche Rolle spielt die Gemeinschaftsschule?

Eine immer größere, wie Stoch meint. Immer mehr Kommunen entschieden sich für die Gemeinschaftsschule als zweiten Weg neben dem Gymnasium. 108 Anträge für die sogenannte dritte Tranche lägen im Ministerium vor. Auch zeigten die Anmeldezahlen, dass die Gemeinschaftsschule angenommen werde. Laut Kretschmann entscheide am Ende die Qualität: Sie spiele «die überragende Rolle» bei der Schulwahl. «Gute Gemeinschaftsschulen werden überlaufen.»

Welche Mindestschülerzahl braucht man?

Grün-Rot will im Zuge der regionalen Schulentwicklung Mindestschülerzahlen einführen. Nach den vom Kabinett beschlossenen Vorgaben werden für weiterführende Schulen mindestens 40 Schüler in der Eingangsstufe angestrebt. Für allgemeinbildende Gymnasien liegt die Mindestzahl für Neueinrichtungen bei 60 Schülern pro Zug.

Was passiert, wenn die Mindestschülerzahl unterschritten wird?

Die Mindestschülerzahl spielt zunächst mal bei der Genehmigung der Schulen eine Rolle. Das heißt: Werden 40 Schüler in den Eingangsklassen nicht erreicht, gibt es keine Genehmigung. Wird später die 40 unterschritten, passiert automatisch nichts. «Die 40 ist kein Fallbeil», sagt Stoch. Doch setze sich nach und nach bei den Schulträgern und Kommunen die Erkenntnis durch, dass es Qualität nur dann geben wird, wenn die Schülerzahl die 40 nicht unterschreitet. Nur dann sei eine «stabile Zweizügigkeit» zu erreichen, die auch dem Gemeindetag am Herzen liege, sagt Stoch.

Wie sind die nächsten Schritte?

Das Kabinett hat den Entwurf zur Änderung des Schulgesetzes auf den Weg gebracht. In den kommenden Wochen können Kommunen, Landesverbände, Beratungsgremien des Kultusministeriums, Gewerkschaften und Verbände zum Gesetzentwurf Stellung nehmen. Der Landtag soll dann im Frühjahr 2014 darüber entscheiden, damit die neuen Regelungen zum Schuljahr 2014/15 in Kraft treten können.

Zum Bericht: Wirbt Kretschmann vergeblich? CDU lehnt Schulfrieden ab

 

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