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Rektor der Fernuni Hagen will gerechtere Finanzierung

HAGEN. Mit rund 88.000 Studenten ist die Fernuniversität Hagen die größte Universität in Deutschland. Bislang trägt das Land NRW den Löwenanteil der Kosten. Rektor Helmut Hoyer möchte den Bund und die anderen Bundesländer stärker an den Unterhaltskosten beteiligen.

Die Fernuniversität in Hagen ist die größte Hochschule Deutschlands. Wer bezahlt das?

Antwort: Die Fernuniversität ist eine Landeseinrichtung. Zwei Drittel der Kosten der Fernuniversität werden von NRW getragen, obwohl zwei Drittel der Studierenden nicht in Nordrhein-Westfalen wohnen. Das Land NRW bezahlt, die anderen profitieren. Länder und Bund müssten sich mitbeteiligen. In anderen Staaten sind Fernuniversitäten nationale Einrichtungen.

Gebäude der Fernuniversität Hagen

Der Etat der Fernuniversität Hagen beträgt knapp 100 Millionen Euro im Jahr. Foto: Marc van Woerkom / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Was bieten Sie denn im Unterschied zu Präsenz-Hochschulen?

Antwort: Eine Fernuniversität hat einen anderen Bildungsauftrag und ein anderes Studiensystem als andere Hochschulen. Was wir anbieten ist ein Teilzeitstudium, dass ich neben dem Beruf absolvieren kann. Wir ermöglichen den Studierenden, das Lerntempo selbst zu bestimmen – und wir machen das Studium flexibel.

Und das kommt an?

Antwort: Die Studierendenzahlen haben sich in den vergangenen sieben Jahren verdoppelt.

Nehmen Sie anderen Hochschulen die Studenten weg?

Antwort: Wir sind eine Ergänzung im Bildungssystem, keine Konkurrenz zu anderen Hochschulen. Unser Klientel ist zu 80 Prozent berufstätig. Die Abiturienten sind nicht unsere Kernzielgruppe.

Und der Bund zahlt überhaupt nichts?

Antwort: Wir partizipieren vom Hochschulpakt wie andere Hochschulen auch. Die Gelder fließen aber nur vorübergehend. Der Hochschulpakt II endet 2017.

Und die anderen Bundesländer?

Antwort: Von den Ländern bekommen wir nur von Bayern 350 000 Euro, ebenso viel etwa von Baden-Württemberg und 70 000 Euro von Thüringen. Das sind Zuschüsse zu den dortigen Regionalzentren. Baden-Württemberg will sich aus den Zuschüssen zurückziehen. Wir haben der Regierung in Stuttgart geschrieben und erklärt, dass der Rückzug ihre eigenen Bürger treffe. In Bayern wohnen allein 12 000 Fernstudenten, in Baden-Württemberg mehr als 8 000.

Was sagt der NRW-Landtag dazu?

Antwort: Der NRW-Landtag hat fraktionsübergreifend einen Antrag verabschiedet, dass Bund und Länder sich an der Finanzierung der Fernuniversität beteiligen sollen.

Die Studentenzahlen sind zuletzt stark gestiegen. Gibt es eine Obergrenze?

Antwort: Auch eine Fernuniversität hat eine beschränkte Kapazität. Der Trend der vergangenen sieben Jahre flacht sich ein wenig ab, ist aber ungebrochen. Wenn sich die Finanzierung nicht erhöht, müssen wir irgendwann überlegen, ob wir das Studienangebot einschränken. Bislang kann jeder mit Abitur oder Berufsausbildung plus Berufserfahrung bei uns ein Studium aufnehmen.

Zur Person: Professor Helmut Hoyer ist seit 1997 Rektor der Fernuniversität. Dort hatte der gebürtige Westerwälder 1979 als wissenschaftlicher Assistent im Fachbereich Elektrotechnik seine Karriere begonnen. Nach einem Intermezzo am Institut für Roboterforschung der Universität Dortmund kehrte er 1988 als Professor für «Prozesssteuerung und Regelungstechnik» an die Fernuni zurück. Interview: Wolfgang Dahlmann, dpa)

zum Bericht: Zahl der Studenten überspringt erstmals 600.000er-Marke in NRW

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