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Religionspädagoge: Ein drohender Nikolaus kann Kindern nachhaltig schaden

TÜBINGEN. In seinem Goldenen Buch stehen oft die gesammelten Missetaten: Wenn der Nikolaus zu den Kindern kommt, wird er manch einem wohl auch eine kleine Strafpredigt halten. Der Tübinger Religionspädagoge Albert Biesinger findet das völlig falsch.

Pädagogisch falsche Gesellschaft? Nikolaus und Krampus, wie der Knecht Ruprecht in Österreich heißt. Illustration: Wikimedia Commons

Pädagogisch falsche Gesellschaft? Nikolaus und Krampus, wie der Knecht Ruprecht in Österreich heißt. Illustration: Wikimedia Commons

«Wenn Kinder das Gefühl haben: Dieser heilige Mann weiß alles über mich, der hat jede einzelne Missetat genau aufgeschrieben – das ist für das kindliche Gottesbild fatal», sagte der Professor. Das gleiche gelte für die Figur von Knecht Ruprecht. «Ich finde es völlig falsch, das Nikolausritual auf diese Weise für Erziehungszwecke zu missbrauchen.»

Biesinger, der selbst seit vielen Jahren als Nikolaus in Kindergärten auftritt, gaukelt den Kindern auch nicht vor, der echte Nikolaus zu sein. Deshalb kommt er in Zivilkleidung in die Kita und zieht sich dann vor den Augen der Kinder sein Bischofs-Gewand an. «Mein Nikolausritual ist ein heiliges Spiel. Ich will die Kinder nicht über den heiligen Nikolaus belügen – sonst halten sie am Ende den ganzen Glauben für eine Lüge.» dpa

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2 Kommentare

  1. Bei meinen beiden Kindern sah die Reaktion anders aus. Sie waren beide im Kindergarten, als die Leiterin uns Eltern vor dem Nikolausfest mitteilte, dass man die Kinder über das Märchen vom Nikolaus aufklären werde. Ihre Erklärung war ähnlich wie die von Herrn Biesinger.
    Ich war zwar nicht überzeugt von der Sache, klärte meine Kinder dann vor dem Nikolaustag in gemütlicher Familienrunde aber lieber selbst auf, weil mir dies angebrachter schien als im Kindergartenkreis.
    Dass sie enttäuscht sein würden, war mir klar, dass die Enttäuschung aber so riesengroß sein würde, hat mich überrascht.
    Heute sind sie längst erwachsen, haben die Aufklärung aber nie vergessen. Nahezu alle Jahre wieder werde ich lächelnd an den „grausamen“ Akt erinnert, obwohl sie wissen, dass ich damals gar keine andere Wahl hatte. Sie meinen, irgendwann wären ihnen von selbst oder durch andere Kinder Zweifel gekommen und sie hätten dann gefragt. Dann aufzuklären, wäre besser gewesen, und am christlichen Glauben hätten sie deswegen garantiert nicht gezweifelt. Da könnten Kinder trennen. Das sei künstliche Vorsorge von Erwachsenen, die sich mit Logik in Kinderseelen hineinversetzen. Logik sei oftmals aber alles andere als kindgemäß oder kinderfreundlich.

  2. Mit dem gleichen Argument könnte sich der Religionspädagoge doch aber auch gegen die Religion wenden. Der liebe Gott sieht und weiß doch auch alles und bestraft bekanntlich kleine Sünden sofort.

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