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Erregte Debatte um Petition gegen Homosexualität im Unterricht

STUTTGART. Eine Online-Petition gegen die stärkere Behandlung von Homosexualität im Unterricht schlägt hohe Wellen in Baden-Württemberg.

Die Diskussion um das Thema Homosexualität im Unterricht in Baden-Württemberg nimmt an Schärfe zu. Die großen Kirchen sehen die von der grün-roten Landesregierung geplante Aufwertung des Themas in der Schule kritisch und unterstützen damit indirekt eine umstrittene Online-Petition gegen das Vorhaben. Der Bildungsplan müsse sich am christlichen Menschenbild der Landesverfassung und des Schulgesetzes orientieren, erklärten die katholische und evangelische Kirche. Kinder und Jugendliche dürften bei ihrer Suche nach der sexuellen Identität nicht beeinflusst werden.

Regenbogenfahne

Um die Petition „ Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“ gibt es eine kontroverse Diskussion. Foto: Jonathunder / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Die Kirchen distanzierten sich aber auch von «Hetzparolen» und «diffamierenden Blogeinträgen» zu dem Thema im Internet. Derweil stieg die Zahl der Unterstützer der kritischen Online-Petition auf über 83 000. Aber auch die Befürworter der grün-roten Pläne machten im Netz mobil. Der Ex-Fußballprofi Thomas Hitzlsperger hatte am Mittwoch seine Homosexualität publik gemacht und viel Zuspruch für diesen Schritt erhalten.

«Jeder Form der Funktionalisierung, Instrumentalisierung, Ideologisierung und Indoktrination gilt es zu wehren. Dies gilt nicht zuletzt im sensiblen Bereich der sexuellen Identität und damit verbundener persönlicher und familiärer Lebensentwürfe», heißt es in der Erklärung der beiden evangelischen Landeskirchen Baden und Württemberg sowie der katholischen Diözesen Freiburg und Rottenburg-Stuttgart.

In vielen Kommentaren auf der Seite der Online-Petition sind schwulenfeindliche Äußerungen zu lesen. Ziel der Kritiker von Grün-Rot ist es, gegen eine Formulierung in einem grün-roten Positionspapier vorzugehen, nach der das Thema «Akzeptanz sexueller Vielfalt» in der Schule stärker behandelt werden soll.

Das Papier ist eine Arbeitsgrundlage für den Bildungsplan 2015 und war im November an einen Beirat verschickt worden, dem zahlreiche gesellschaftliche Gruppen angehören. Kurze Zeit später startete ein Realschullehrer aus Nagold (Kreis Calw) die Unterschriftensammlung im Internet. Ab Mitte Dezember stiegen die Unterstützerzahlen deutlich an.

Deutliche Kritik an der Kampagne setzte es von der Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD). «Die Petition gegen die Aufwertung des Themas Homosexualität im Schulunterricht ist der Vergangenheit verhaftet», sagte Altpeter. Das Coming-Out von Ex-Fußballprofi Thomas Hitzlsperger zeige, dass es in allen Bereichen Homosexualität gebe, auch in einer Männerdomäne wie dem Fußball.

Kultusminister Andreas Stoch (SPD) erklärte auf Twitter: «Diskriminierung darf in unserer vielfältigen Gesellschaft keinen Platz haben.» Im Netz regt sich unter dem Twitter-Hashtag (Stichwort) «idpet» weiterer Widerstand gegen die Petition. Inzwischen haben Befürworter des Anliegens von Grün-Rot auch eine eigene Petition im Internet gestartet. Innerhalb von drei Tagen wurde sie von fast 15 000 Menschen unterzeichnet.

Zuspruch bekommt die Landesregierung für ihre Pläne auch von einem Sportfunktionär: «Warum fangen wir nicht an, in den Schulen und Familien über Homosexuelle zu diskutieren? Wenn sich jetzt ein großartiger Fußballer outet, macht es das einfacher, das Thema aufzugreifen», hatte der UN-Sonderbeauftragte für den Sport, Willi Lemke, in der ZDF-Talkshow «Maybrit Illner» gesagt.

Der pietistische Flügel in der evangelischen Kirche warnte die Landesregierung davor, die Leitlinien im Grundgesetz verschieben zu wollen. Im Bildungsplan werde eine gleichwertige Darstellung von Homosexualität mit Ehe und Familie angestrebt. «Nach dem Grundgesetz und der Landesverfassung müssen Ehe und Familie absolute Priorität haben», sagte der Generalsekretär der Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb. Die Organisationen in der Deutschen Evangelischen Allianz vertreten nach eigenen Angaben etwa 1,3 Millionen Menschen.

Die Opposition im Südwesten wirbt derweil um Verständnis für die Kritiker von Grün-Rot. CDU-Fraktionschef Peter Hauk erklärte, er könne die Ängste dieser Menschen verstehen. Bei der FDP tobt ein heftiger parteiinterner Streit über den Umgang mit dem Thema. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke hatte gesagt, die FDP betrachte andere Lebensformen als die klassische Familie «als tolerabel, aber nicht als gleichwertig». Juli-Landeschef Sebastian Gratz erklärte, er schäme sich für diese Aussagen. Das Landespräsidium stellte danach klar, dass die FDP dafür sei, «dass im Schulunterricht ein liberales, tolerantes und weltoffenes Menschenbild vermittelt wird».

Der Lesben- und Schwulenverband Baden-Württemberg (LSVD) fühlt sich von der Partei verraten. «Nun fällt auch noch die FDP den Lesben und Schwulen in den Rücken», sagte Sprecher Holger Henzler-Hübner. Er beklagte außerdem, dass der grün-rote Vorschlag von «Rechtspopulisten und christlichen Fundamentalisten» in den Dreck gezogen werde. (Holger Vieth, dpa)

Zum Bericht: Bürgerbewegung im Ländle gegen mehr Unterricht zur Homosexualität

Zur Petition: „Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“

4 Kommentare

  1. Homosexualität fördern!

    Die Schule hat die Pflicht, über die Realität des Lebens zu informieren – und dazu gehört nun mal eben auch die Vielfalt sexueller Orientierung. Insbesondere zur Homosexualität fehlt bei vielen Menschen leider immer noch massiv z.B. das Wissen, dass sie nach den Menschenrechten genauso(!) berechtigt ist wie Heterosexualität (welche – nebenbei gesagt – meine Orientierung ist).

    Homosexuelle diskriminieren nicht Heterosexuelle, welche jedoch oft arroganterweise Homosexuelle diskriminieren!
    Insofern könnte man durchaus behaupten, dass Homosexuelle im Durchschnitt bessere Menschen sind als Heterosexuelle.

    Auch angesichts der menschheitsbedrohenden Bevölkerungsexplosion sollte Homosexualität sogar besonders gefördert werden!

  2. Sind diese Sätze Ihr Ernst?

    „Homosexualität fördern!“
    „Insofern könnte man durchaus behaupten, dass Homosexuelle im Durchschnitt bessere Menschen sind als Heterosexuelle.“
    „Auch angesichts der menschheitsbedrohenden Bevölkerungsexplosion sollte Homosexualität sogar besonders gefördert werden!“

    Was Sie da sagen, Herr Moysich, ist bester Beweis dafür, dass die beiden evangelischen Kirchen zu Recht warnen: „Jeder Form der Funktionalisierung, Instrumentalisierung, Ideologisierung und Indoktrination gilt es zu wehren…“

  3. Michael Bliefert

    Man kann Homosexualität nicht fördern. Genau sowenig wie Heterosexualität. Bei beidem handelt es sich um eine sexuelle Orientierung über deren Ursachen man so wenig weiß, wie über die Zeit vor dem Urknall. Dass die Homosexualität schädlich ist, weil sie den Fortbestand der jetzt schon über sechs Millionen Menschen zählenden Weltbevölkerung gefährdet, da sie zu ihrem Wachstum nicht beiträgt, ist denn doch zu offensichtlich vorgeschoben, um dahinter stehenden moralischen Vorbehalten einen rationalen Anschein zu geben.
    Eine vernünftige Gesellschaft sorgt deshalb dafür, dass die Träger der jeweiligen Veranlagung deswegen keiner irgendwie gearteten Ächtung oder Benachteiligung ausgesetzt werden und sich in ihrer Orientierung gegenseitig achten. Wenn das der Unterricht unterstützen soll, ist er selbst zu unterstützen.

  4. Mir fällt auf, dass praktisch alle Medien die Anliegen der Petition so darstellen, als gehe es nur um Homosexualität. Liest denn keiner den Text selber?? Die Frage der „Transsexualität“ und welche Meinung dazu alle Lehrer per Gesetz vertreten müssen, falls der Bildungsplan nicht überarbeitet wird, wird völlig verschwiegen.

    Aber sicher haben Sie alle gelesen, dass die Petition den Kampf gegen Diskriminierung in der Schule ebenfalls als notwendig und wichtig nennt?

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