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Bilingualer Unterricht verbessert kognitive Fähigkeiten – Beispiele aus Sachsen-Anhalt

MAGDEBURG. Sie lernen auf Englisch, wie man Wurzeln zieht und wie die Photosynthese funktioniert. Einige Schüler im Land bekommen mehrsprachigen Unterricht. Das Interesse daran ist groß.

Den Dreisatz auf Englisch pauken und das Abitur auf Französisch machen: An einigen wenigen Schulen des Landes werden Kinder und Jugendliche mehrsprachig unterrichtet. Seit Jahren gebe es ein gleichbleibendes Interesse am bilingualen Unterricht, berichtet der Sprecher des Kultusministeriums des Landes, Martin Hanusch. Rund 2300 Schüler besuchen seinen Angaben zufolge im Schuljahr 2013/2014 eine der zwölf bilingualen Schulen; das ist knapp ein Prozent aller Schüler im Land. Hinzu kämen rund 2000 Jungen und Mädchen, die an einer von fünf Schulen mit Sprachschwerpunkt unterrichtet würden. Doch eine große Vielfalt gibt es nicht.

Englisch und Französisch dominierten nach wie vor die Stundenpläne an mehrsprachigen Schulen, weiß die Vorsitzende des Vereins Frühe Mehrsprachigkeit an Kindertageseinrichtungen und Schulen, Annette Lommel, in Kiel. So vermittelten Lehrer etwa Geografie oder Mathe auf Englisch, erklärt Hanusch das Unterrichtsprinzip an einigen Schulen. An anderen Einrichtungen wie etwa dem Landesgymnasium Latina August Hermann Francke in Halle oder dem Internationalen Gymnasium Pierre Trudeau in Barleben bei Magdeburg könnten junge Sprachtalente sogar das französische Abitur «AbiBac» erwerben.

Andere Sprachen wie Spanisch oder Chinesisch würden hingegen eher in Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag oder als weitere Fremdsprache angeboten, sagt Lommel. An Grundschulen gebe es zu wenig Sprachunterricht. Und das, obwohl sich bilinguale Bildung als sehr effektiv erweise. Würden Kinder frühzeitig mit neuen Sprachen konfrontiert, steigerten sich ihre kognitiven Fähigkeiten. Zudem könnten sie später leichter eine weitere Sprache lernen und hätten in der zunehmend globalisierenden Welt bessere Berufschancen.

Hauptsächlich gebe es den mehrsprachigen Unterricht an privaten Schulen, erklärt Lommel. Es brauche dafür gut ausgebildetes Personal. An der bilingualen Privatschule «Altmark» in Stendal gebe es daran keinen Mangel, erklärt Geschäftsführer Andy Zimmer. 14 Lehrer und 4 Pädagogen – darunter Muttersprachler – kümmerten sich um die etwa 160 Grundschüler. Mit Hilfe der anerkannten Immersionsmethode bekämen die Kinder wie beiläufig Zugang zur Fremdsprache. Statt stur englische Vokabeln auswendig zu pauken, erlernten die Schüler beim Kommunizieren mit den Pädagogen die neue Sprache.

Der Andrang sei hoch, erklärt Zimmer. Es gebe sogar eine Warteliste für Interessierte – und das in einer so strukturschwachen Region wie der Altmark. Um das Sprachtalent sowie das Interesse von Eltern als auch Kindern richtig einschätzen zu können, würden vorher Aufnahmegespräche geführt.

Doch nicht nur mit bilingualen Schulen wird Kindern die Chance gegeben, einen guten Zugang zu einer Fremdsprache zu bekommen. Neben dem regulären Fremdsprachenunterricht an den vorgeschriebenen Schulen gebe es im Land ein Netzwerk aus 22 Europaschulen sowie zahlreiche internationale Partnerschaften und den regelmäßigen Einsatz von Fremdsprachenassistenten aus dem Ausland, sagte Hanusch. Dadurch lernten die Schüler nicht nur die fremde Sprache, sondern vor allem auch Kultur, Denkweisen und Alltag in anderen Ländern kennen. Romina Kempt/dpa

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