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Minister: Auch Lehrer haben Probleme mit Bekenntnis zu Homosexualität

STUTTGART. Baden-Württembergs Kultusminister Stoch hat sich eindeutig von der Online-Petition eines Lehrers gegen die Aufwertung der sexuellen Vielfalt im Unterricht distanziert. Toleranz und Offenheit müssten auch an den Schulen größer geschrieben werden.

Zeigt sich entsetzt angesichts so mancher im Ministerium eingegangener E-Mail: Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch. Foto: SPD-Fraktion im Landtag Baden-Württemberg

Zeigt sich entsetzt angesichts so mancher im Ministerium eingegangener E-Mail: Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch. Foto: SPD-Fraktion im Landtag Baden-Württemberg

Lehrern fehlt nach Aussage von Kultusminister Andreas Stoch (SPD) häufig der Mut, sich zu ihrer Homosexualität zu bekennen. Sie befürchteten Ressentiments an ihren Schulen, erläuterte Stoch in Stuttgart. In der Debatte um Sexualerziehung an Schulen und den Stellenwert von sexueller Vielfalt habe er zahlreiche Mails erhalten. «Vieles von dem, was ich dort lese, lässt mich frieren.» Die Intensität der Debatte überrasche ihn. Nach dem Ex-Fußballprofi Thomas Hitzlsperger hatten auch Polizeibeamte über Schwierigkeiten berichtet, ihre sexuelle Neigung zu offenbaren.

Auf die Frage, wie er mit Schmäh-Zuschriften umgehe, sagte Stoch: «Ich weiß nicht, ob man sich da mit jedem unterhalten muss.» Von einer Dienstaufsichtsbeschwerde gegen einen Lehrer, der eine Online-Petition gegen «die Ideologie des Regenbogens» im Bildungsplan 2015 initiiert hatte, werde er absehen. «Ich möchte keinen Märtyrer züchten.» Allerdings liegt dem Regierungspräsidium Karlsruhe eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Pädagogen aus Rohrdorf bei Nagold (Kreis Calw) vor. Diese kann jeder Bürger einlegen.

Wenn der Philologenverband anmerke, Toleranz und Akzeptanz könne auch anhand anderer Kriterien wie Religion und Herkunft durchgespielt werden, verkenne er die Realität. Denn es sei gesellschaftliche Wirklichkeit, dass Schüler und Lehrer das Gefühl hätten, ihre sexuelle Orientierung verheimlichen zu müssen. «Was könnte gerechter sein, als zu sagen, wir wollen Toleranz und Offenheit leben.»

Der Bildungsplan 2015 werde derzeit erarbeitet. Daran sei auch ein Beirat beteiligt, der unter anderem die christlichen Kirchen umfasse. Mit jüdischen und muslimischen Vertretern sei ebenfalls über das Thema gesprochen worden – ohne Protest von dieser Seite zu ernten.

Die Lehrergewerkschaft GEW begrüßte Stochs Distanzierung von der Petition und betonte: «Nur wenn unsere Gesellschaft einer fundierten und frühen Sensibilisierung für die Vielfalt unserer Gesellschaft zentrale Bedeutung beimisst, kommt sie ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag nach.» JULIA GIERTZ, dpa

Zum Bericht: Papier zu «sexueller Vielfalt» in Schule sorgt weiter für Zündstoff – Kritik vom Philologenverband

 

Ein Kommentar

  1. Die Autoren der Petition betonen ebenfalls, dass Toleranz und Offenheit wichtig seien. Das steht sogar in ihrem Text.
    Knackpunkt ist, dass im diskutierten Bildungsplan nicht nur Toleranz, sondern “Akzeptanz” steht, und das bedeutet ja etwas anders. Ich denke, dass die 128 000 Anhänger der Petition einfach Minderheitenschutz für ihr Wertesystem wollen, das im Wesentlichen die traditionelle Ehe als optimal sieht.

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