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Wenn der Muezzin durch die Klasse ruft: Ein halbes Jahr Islamunterricht in Hessen

FRANKFURT/MAIN. An 27 hessischen Grundschulen erklären Lehrer muslimischen Kindern die Welt des Islam. In dieser Form ist das Neuland für alle. Wie sind die ersten Monate des neuen Schulfaches verlaufen?

Im Mittelpunkt des islamischen Religionsunterrichts: der Koran. Foto: rutty / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Im Mittelpunkt des islamischen Religionsunterrichts: der Koran. Foto: rutty / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Ein Muezzin ruft durchs Klassenzimmer. Sein Gebetsruf kommt aus dem Smartphone von Lehrerin Funda Tekercibasi-Röbel, die ihre elf Schüler nun fragt: «Woran denkt ihr, wenn ihr das hört?» Ein Mädchen antwortet vorsichtig: «Koran?» Ein Junge weiß es etwas besser: «Das ist, wenn man anfängt zu beten.» Genau, ums Gebet geht es in der heutigen Islamstunde an der Frankfurter Karmeliterschule.

Sie ist eine von 27 Grundschulen in Hessen, an denen in den ersten Klassen seit gut einem halben Jahr der bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht auf dem Stundenplan steht. Mit der Einführung des Faches zu Beginn des Schuljahres betrat das Land Neuland: Hessen ist laut Kultusministerium das erste Bundesland, das den Unterricht nach Artikel 7 des Grundgesetzes regelt.

Das Ministerium ist nach den Erfahrungen der ersten Monate zufrieden, es berichtet von durchweg positiven Rückmeldungen aus der gesamten Schulgemeinde. Lehrerin Tekercibasi-Röbel hat ebenfalls gute Erfahrungen gemacht: «Dabei habe ich durchaus mit Schwierigkeiten gerechnet, etwa, dass ich als „moderne Lehrerin“ nicht den Vorstellungen der Eltern entspreche», erzählt die 31-Jährige. «Aber die Eltern sind alle zufrieden, freuen sich sogar, dass so eine moderne Lehrerin ihre Kinder unterrichtet.»

Ihre Klasse kommt in einem Stuhlkreis zusammen. Die Kinder präsentieren eifrig ihre Zeichnungen, die sie auf einem Arbeitsblatt in eine große Gedankenblase gesetzt haben. Sie sollten malen, was ihnen in den Sinn kam, als sie den Ruf des Muezzin hörten. Ein Mädchen hat einen Gebetsteppich gemalt. Das trifft sich gut, denn die Lehrerin hat einen dabei, den sie nun allen zeigt.

Das Wissen der Kinder über den Islam sei sehr unterschiedlich, sagt die Pädagogin. So ist auch noch nicht allen klar, wie das mit dem Waschen vor dem Gebet funktioniert. Ein Junge ist aber schon ein Experte und zählt alle Körperteile auf. Er weiß auch, in welcher Reihenfolge und wie oft sie gewaschen werden müssen.

Wie bringt man Kindern etwas über ihre Religion bei? Die derzeit 17 Lehrer, die rund 440 Schülern die Welt des Islam erklären, besuchten dafür einen Weiterbildungskurs an der Universität Gießen. Für den anstehenden nächsten Kurs haben sich laut Kultusministerium 17 Pädagogen angemeldet.

Der Landesausländerbeirat lobt die Einführung des islamischen Religionsunterrichts ausdrücklich. Allerdings sei es nur ein kleiner Anfang, sagt die Geschäftsführerin, Ulrike Foraci. «Es ist schade, dass zunächst nur eine relativ kleine Gruppe von Kindern in den Genuss des Unterrichts kommt.» Es fehle noch an Lehrern. Sie glaube aber, man sei sich mit allen einig, dass eine kontinuierliche Ausweitung des Faches nötig sei.

Das Land plant einen sukzessiven Ausbau des Angebots. In den kommenden Jahren soll es den Unterricht in den Klassen 2, 3, 4 und so weiter geben. «Es war von Anfang geplant, dass wir das Fach Stück für Stück aufbauen», sagt Nurgül Altuntas vom Referat «Schulfachliche Religionsangelegenheiten» des Kultusministeriums. «Qualität geht uns vor Quantität.»

Die elf Schüler von Lehrerin Tekercibasi-Röbel wissen inzwischen schon etwas mehr über das Waschen vor dem Gebet. Die 31-Jährige hat die Erstklässler eine Art Domino legen lassen. Die Kinder reihen Karten aneinander, auf die verschiedene Körperteile gemalt sind, und legen sie in die richtige Reihenfolge: erst die Hände, dann Mund, Nase, Gesicht, Arme, Haare, Ohren, Füße. Zum Schluss spielen sie es nach: Gemalte Wasserhähne simulieren Waschbecken, blaue und weiße Tücher das Wasser. Ein Schüler tupft sich damit übers Gesicht, hebt am Ende kurz die Füße – «fertig!» ruft er. CAROLIN EICKENFELS, dpa

Zum Bericht: Lehrer-Petition für mehr islamischen Religionsunterricht

 

2 Kommentare

  1. Damit haben die orthodox-nationalistischen bis rechtsreaktionären Islamverbände wie Ditib, ein Ableger von Erdogans AKP, und Milli Görüs den Fuß in der Tür der deutschen Schule. Archaische Rituale werden freudig eingeschliffen. Und wie steht es mit den grundgesetzwidrigen Schariageboten? Diese ganze Einschwörung auf eine vormoderne Herrschaftsideologie, denn das ist der Islam, sollte schnellstmöglich abgeschafft werden.

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