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Vor Didacta-Messe: Bildungsexperte Fthenakis warnt vor Lehrerstellenabbau

STUTTGART. Die Bildungsbranche macht sich Sorgen um die Schulen – und um den eigenen Geldbeutel. Bei der Messe Didacta in Stuttgart stellen Experten der Politik schlechte Noten aus. Der Sparkurs in der Bildung bleibe nicht ohne Folgen für den Standort Deutschland.

Unmittelbar vor Europas größter Bildungsmesse Didacta wird der Ruf nach einer besseren finanziellen Ausstattung für die Schulen wieder lauter. Der Bildungsexperte Wassilios Fthenakis warnte in Stuttgart eindringlich vor dem geplanten Abbau von Lehrerstellen wegen rückläufiger Schülerzahlen. «Das ist der falsche Weg», sagte der Präsident des Didacta-Verbandes mit Blick auf Bundesländer wie Baden-Württemberg und Bayern, wo die Streichung von Lehrerstellen vorgesehen ist. Im Südwesten sollen bis 2020 rund 11 600 Stellen wegfallen. Auch die Schulbuchverlage beklagen sinkende Investitionen in Bildungsmedien.

Wassilios Fthenakis

Verbandspräsident Wassilios Fthenakis kritisiert die Bildungsunerechtigkeit in Deutschland. „Foto: Koelnmesse“

Fthenakis forderte, dass durch sinkende Schülerzahlen freiwerdende Mittel in die Qualitätsverbesserung fließen. Deutschland liege mit Bildungsausgaben in Höhe von 5,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts unter dem OECD-Schnitt von 6,3 Prozent. Er selbst empfehle Ausgaben von bis zu zehn Prozent, um die Zukunft Deutschlands zu sichern.

Bei der Didacta in Stuttgart sind vom 25. bis 29. März 900 Aussteller vertreten, davon rund 80 aus dem Ausland. Erwartet werden bis zu 100 000 Besucher. Im vergangenen Jahr waren es in Köln 97 000, darunter 50 000 Lehrer, 20 000 Erzieherinnen und 20 000 Weiterbilder sowie Eltern. Alle drei Jahre gastiert die von rund 2000 Seminaren, Kongressen und Podien flankierte Ausstellung in der baden-württembergischen Landeshauptstadt.

Ein Sprecher von Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch (SPD) betonte, das Land müsse trotz aller Forderungen nach höheren Bildungsausgaben auch seinen Haushalt sanieren. «Leider muss auch das Kultusressort seinen Beitrag zu den notwendigen Einsparungen leisten», sagte er. Es werde jedes Jahr geprüft, wie viele Lehrerstellen gestrichen werden könnten. «Die Unterrichtsversorgung darf sich nicht verschlechtern, das hat oberste Priorität.»

Den Trend zum Sparen im Bildungsbereich beklagten auch die Hersteller von Bildungsmedien. Im vergangenen Jahr sei der Umsatz mit analogen und digitalen Bildungsmedien erneut leicht auf 419 Millionen Euro gesunken, sagte Verbandschef Wilmar Diepgrond.

Die mit allgemeinbildenden Schulen erzielten Erlöse seien mit gut 300 Millionen Euro halbwegs stabil. «Doch das ist ein Verharren auf einem äußerst niedrigen – und aus unserer Sicht zu niedrigen – Level», sagte Diepgrond. Eine Trendwende erhofft er sich infolge neuer Lehrpläne in Bayern sowie für die Sekundarstufe II in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. «Wer Reformen in diesem Umfang von seinen Lehrkräften verlangt, muss diese mit den entsprechenden Lehr- und Lernmitteln ausstatten.»

Hart ging Fthenakis mit dem Bildungsföderalismus ins Gericht. Es könne nicht sein, «dass die Curricula in den 16 Bundesländern unterschiedlicher sind als die von Mauretanien und Großbritannien». Durch Staatsverträge könnte ein einheitlicher Bildungsplan geregelt werden. «Was fürs Fernsehen möglich ist, sollte auch für die Bildung möglich sein.» Die Bundesländer könnten dann bei der Umsetzung der Standards miteinander in Wettbewerb treten.

Laut Fthenakis ist Deutschland im Vergleich der Industrieländer diejenige Nation, in der die soziale Ungerechtigkeit im Bildungswesen am stärksten ausgeprägt ist. Benachteiligt seien vor allem Kinder mit Migrationshintergrund, aus bildungsfernen Familien und männliche Schüler. «Wir können es uns aber nicht leisten, ein Kind auf dem Weg der schulischen Entwicklung zu verlieren.» Julia Giertz/dpa

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