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Grüne wollen Lehrerzuteilung pro Kopf statt pro Klasse

STUTTGART. Baden-Württemberg gibt immer mehr Geld pro Schüler aus, aber die Unterrichtsversorgung entwickle sich nicht erwartungsgemäß, klagt die Grünen-Bildungspolitikerin Sandra Boser. In vier Regionen wollen die Grünen daher ein neues Lehrerzuweisungsmodell erproben.

Die Ressourcen für die Schulen im Südwesten werden nach Ansicht der Grünen im Landtag nicht optimal gesteuert. Trotz des bundesweit besten Verhältnisses von Lehrern zu Schülern werde die Unterrichtsversorgung vor Ort als nicht ausreichend empfunden, sagte die Grünen-Bildungspolitikerin Sandra Boser.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg will die Rückkehr zum alten System der Lehrerzuteilung erproben. Foto: Harald Krichel / Wikimedia Commons (CC-BY-3.0)

Sandra Boser: Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg will die Rückkehr zum alten System der Lehrerzuteilung erproben. Foto: Harald Krichel / Wikimedia Commons (CC-BY-3.0)

Sie erinnerte daran, dass die Ausgaben des Landes pro Schüler und Jahr von 2010 noch 3475 Euro auf 4236 Euro in diesem Jahr angewachsen seien – das sei ein Plus von 18 Prozent. «Die Unterrichtsversorgung hat sich aber nicht so verbessert, wie wir das erwartet hatten.»

Möglicherweise müsse die derzeit an Klassen orientierte Lehrerzuweisung umgestellt werden. Diese Methode führe zu Ungerechtigkeiten. Denn Schulen mit großen Klassen schnitten dabei schlechter ab als solche mit kleinen Klassen. «Wir wollen prüfen, ob eine veränderte Lehrerzuteilung nach Köpfen diese Ungerechtigkeiten abstellen könnte», sagte Boser.

Die Fraktion habe in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft Bildung der Grünen deshalb dem Kultusministerium vorgeschlagen, vier Modellregionen zu etablieren, für die sich die 21 staatlichen Schulämter bewerben können. Ziel sei eine Ressourcen-Garantie für jeden Schüler von 100 Prozent Pflichtunterricht inklusive mögliche Zuschläge für Ganztagsbetrieb, sechs Prozent Ergänzungsbereich und 2,5 Prozent Krankheitsreserve.

Mit einer Garantie von 108,5 Prozent verbessere sich das Schüler-Lehrer-Verhältnis bis zum Jahr 2020 von heute 14,1 zu 1 auf 13,2 zu 1. Die staatlichen Schulämter sollen regionale Budgets erhalten, um kleinen Schulen im Bedarfsfall unter die Arme zu greifen.

Ein weiterer Vorteil sei, dass die Schulen mit Pro-Kopf-Zuweisungen flexibler Lerngruppen für individualisiertes Lernen bilden könnten. Überdies werde der künftige Bedarf an Lehrkräften planbarer, fügte Boser hinzu.

Gute Erfahrungen mit solchen Modellen gebe es bereits in Bayern und Nordrhein-Westfalen. In Baden-Württemberg sei man Anfang der 1990er Jahre von der Pro-Kopf- auf die Klassenzuweisung umgestiegen. «Mit rückläufigen Schülerzahlen ist denkbar, dass wir wieder auf das alte System zurückgehen», meinte Boser. (Julia Giertz, dpa)

Ein Kommentar

  1. Aha. Es ist erstaunlich, wie man frei von jeglicher Sachkenntnis Politik machen kann.
    1. Durch Gehaltserhöhung von Lehrkräften verbessern sich rechnerisch die Bildungsausgaben pro Kopf. Dadurch verbessert sich aber nicht die Unterrichtsversorgung! Nichtsdestotrotz ist dies natürlich ein gewaltiger politischer Erfolg, weil das Land deutlich mehr in Bildung investiert????
    2. Jedem ist klar, dass bei einer „Lehrerzuteilung pro Kopf“ kleine Schulen deutlich an Stunden verlieren. „Flexible Lerngruppen“ können da schon mal 40 Schülerinnen und Schüler umfassen. Das macht aber nix, da jeder Schüler rechnerisch gleich viel „wert“ ist. So viel Gerechtigkeit muss schon sein.
    3. Wenn man die 100% freihändig definiert, sind auch 108,5% kein Problem.

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