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Modellprojekt für mehr Schuluntersuchungen startet

RECKLINGHAUSEN. Zwischen der Schuleingangsuntersuchung und den Gesundheits-Checkups im Erwachsenenalter klafft nach Expertenansicht oft eine Lücke. Mit einem Modellprojekt will das Bundesgesundheitsministerium nun ermitteln, wie Schulen besser in die Gesundheitsförderung ihrer Schüler einbezogen werden können.

600 Schulkinder in Recklinghausen bekommen künftig in der dritten Klasse Besuch vom Amtsarzt. Der Kreis ist eine von bundesweit drei Regionen, die sich an dem Modellversuch des Bundesgesundheitsministeriums beteiligen und eine Gesundheitsuntersuchung an ausgewählten Grundschulen einführen. Die Untersuchung solle Baustein der schulischen Gesundheitsförderung werden, sagte Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) laut einer Mitteilung am Donnerstag. «Über sie können gesundheitliche Probleme identifiziert und passgenaue schulische Maßnahmen eingeleitet werden.»

Viele Schüler sehen nach der Schuleingangsuntersuchung jahrelang keinen Arzt mehr. Foto: Unbekannt (http://www.defenseimagery.mil; VIRIN: DA-ST-85-12888) / Wikimedia Commons

Viele Schüler sehen nach der Schuleingangsuntersuchung jahrelang keinen Arzt mehr. Foto: Unbekannt (http://www.defenseimagery.mil; VIRIN: DA-ST-85-12888) / Wikimedia Commons

Nach den Früherkennungsuntersuchungen im Kindesalter und der Schuleingangsuntersuchung klafft nach Ansicht der Experten ein Lücke. Die Krankenkassen übernehmen außerdem einen weiteren Gesundheitscheck bei Teenagern – ein Angebot, das laut Robert Koch-Institut nur gut ein Drittel aller Jugendlichen in Anspruch nimmt. Die Untersuchungen für Kinder bis sechs Jahre besuchen demnach 81 Prozent komplett, weitere 16 Prozent nur teilweise. Drei Prozent der Kinder werden überhaupt nicht zur Früherkennung gebracht. Insbesondere Familien mit Migrationshintergrund oder sozial schwache Eltern seien seltener bei den Untersuchungen

«Wir wollen möglichst alle Kinder erreichen», sagte Eveline Maslon, Projektleiterin der BZgA, die das Projekt für das Ministerium umsetzt, auch wenn die Untersuchung freiwillig bleibe. «Viele Kinder werden über Jahre hinweg keinem Arzt vorgeführt», sagte Maslon. Der Arzt vom Gesundheitsamt, der direkt in die Schule kommt, soll frühzeitig Krankheiten oder gesundheitsschädliche Entwicklungen, etwa Übergewicht, Haltungsfehler oder psychische Probleme, erkennen.

Teil des Projektes sei es auch, die Schulen besser in die Gesundheitsförderung einzubeziehen. So würden die Ergebnisse anonymisiert ausgewertet. Die Schulen sollen so erfahren, mit welchen gesundheitlichen Problemen ihre Schüler zu kämpfen haben, um gezielter Lösungen zu finden, erläuterte die Projektleiterin.

Ein erster Testlauf soll in Recklinghausen noch vor den Sommerferien erfolgen. Im kommenden Schuljahr sollen dann jeweils 600 Drittklässler an ausgewählten Schulen im Kreis Recklinghausen, aber auch in Kassel und Flensburg untersucht werden. Flächendeckende Arztbesuche an Grundschulen gibt es bislang in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern – mit dem Ergebnis, dass hohe Teilnehmerraten erzielt würden, wie es in der Machbarkeitsstudie des Projektes heißt. (dpa)

Machbarkeitsstudie auf den Seiten der BZgA

zum Bericht: Jedes vierte niedersächsische Kind leidet vor Einschulung an Gesundheitsproblemen

zum Bericht: Umfrage: Zwei Drittel aller Gymnasiasten haben Gesundheitsbeschwerden

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