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Richtig interpretiert? Günter Grass bietet Deutschlehrern Fortbildung an

LÜBECK. Literaturnobelpreisträger Günter Grass will Deutschlehrern bei der Vorbereitung von Abituraufgaben helfen. Bei einer Lehrerfortbildung am 7. Juli werde er Fragen der Pädagogen zu seiner Novelle «Im Krebsgang» beantworten, teilte das Günter-Grass-Haus mit.

Das Werk ist 2015 eines der zur Wahl stehenden Abiturthemen im Fach Deutsch in Schleswig-Holstein. 2014 war es Zentralabiturthema. Neben der Lehrerfortbildung bietet das Museum auch Arbeitsmaterialien für den Unterricht und Workshops für Schüler an – allerdings ohne den Autor. dpa

Hier geht es zum Günter-Grass-Museum.

Der Brockhaus Wissensservice – hier dazu weitere Informationen – berichtet über Günter Grass:

Leben: Der Sohn deutsch-polnischer Eltern studierte in Düsseldorf und in Berlin Bildhauerei. Er gehörte zur Gruppe 47, lebte 1956–60 als Bildhauer, Grafiker und Schriftsteller in Paris, danach meist in Berlin (West). Heute lebt er bei Lübeck; 1986 hielt er sich zeitweilig in Indien auf (darüber »Zunge zeigen«, 1988, mit Zeichnungen).

Hat Lehrern etwas mítzuteilen: Günter Grass (vor einem Porträt seiner selbst). Foto: Florian K / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Hat Lehrern etwas mítzuteilen: Günter Grass (vor einem Porträt seiner selbst). Foto: Florian K / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Werk: Der erste Roman »Die Blechtrommel« (1959) machte Grass berühmt. Der grotesk-satirische Entwicklungs- und Zeitroman, die Geschichte des Blechtrommlers, der im Irrenhaus sein Leben erzählt und über die Zeit und Geschichte urteilt, wirkte seinerzeit durch die extravagante Erzählperspektive, durch Tabubrüche und sprachliche Eigenwilligkeiten provozierend. Zusammen mit der Novelle »Katz und Maus« (1961) und dem noch stärker von skurriler Fantasie bestimmten Roman »Hundejahre« (1963) gehört er zur sogenannten »Danziger Trilogie«, die ein kritisches Panorama der Jahre zwischen etwa 1920 und 1958 bietet. Seit etwa 1961 entwickelte Grass ein immer stärkeres politisches Engagement.

Während die frühen Dramen dem Theater des Absurden angehören, setzt sich das »deutsche Trauerspiel« »Die Plebejer proben den Aufstand« (1966) mit B. Brechts Haltung während des Arbeiteraufstandes vom 17. Juni 1953 auseinander. Die dann folgende, immer mehr gegenwartsbezogene Polemik, sowohl im Roman (»Örtlich betäubt«, 1969) wie auch unter Verzicht auf die Fiktion im Bericht »Aus dem Tagebuch einer Schnecke« (1972), zeigte den politischen Schriftsteller Grass. In dieser Phase, die aktive politische Tätigkeit für die SPD einschloss, bildete sich ein nüchtern-ironischer Stil heraus (Sammelband »Der Bürger und seine Stimme. Reden, Aufsätze, Kommentare«, 1974). Danach spielte das Erzählerische wieder eine größere Rolle, so u. a. im Roman »Der Butt« (1977), in dem Grass sich in Anlehnung an das Märchen vom Fischer und seiner Frau kulturgeschichtlich mit der Frauenemanzipation auseinandersetzt, und in der Erzählung »Das Treffen in Telgte« (1979), einer geistreichen Travestie auf die Gruppe 47 vor der historischen Szenerie des Dreißigjährigen Krieges und des literarischen Barock.

Der Roman »Die Rättin« (1986) steht am Ende einer längeren Zeit, in der Grass fast ausschließlich als Grafiker arbeitete (»Zeichnen und schreiben«, herausgegeben von A. Dreher, 2 Bände, 1982–84). Grass nimmt hier Motive aus früheren Werken wieder auf und steigert Zeitkritik zur Endzeitstimmung. Wieder verstärktes politisches Engagement anlässlich der deutschen Vereinigung (»Deutscher Lastenausgleich. Wider das dumpfe Einheitsgebot«, 1990, u. a. Publizistik) verbindet sich mit einem neuen erzählerischen Ansatz in dem Roman »Ein weites Feld« (1995). Grass beschwört T. Fontane als eine Art Wiedergänger, um den Klischeevorstellungen von Geschichte und Gegenwart, Ost und West, Freund und Feind entgegenzutreten.

In der Novelle »Im Krebsgang« (2002) verknüpft er abermals kunstvoll Probleme deutscher Gegenwart mit der Vergangenheit. Eine persönlich gehaltene historische Bilanz legte er mit »Mein Jahrhundert« (1999) vor, eine Autobiografie schließlich mit »Beim Häuten der Zwiebel« (2006). Sein hierin erfolgtes spätes Bekenntnis, ab dem Winter 1944/45 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in der Waffen-SS gedient zu haben, rief rege öffentliche Diskussionen hervor. 2012 veröffentlichte Grass das Prosagedicht »Was gesagt werden muss«, in dem er Israel, dessen Existenzrecht der Iran nicht anerkennt, vor dem Hintergrund der Debatte um das iranische Atomprogramm beschuldigte, einen Angriffskrieg gegen Iran zu planen und so den »ohnehin brüchigen Weltfrieden« zu gefährden. Die Resonanz auf den Text war überwiegend negativ. Einen weiteren literarischen Beitrag zu brisanten politischen Debatten stellte auch das Gedicht »Europas Schande« (2012) dar, das den europäischen Umgang mit dem hochverschuldeten Griechenland zum Thema hatte. – Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt Grass 1965 den Georg-Büchner-Preis und 1999 den Nobelpreis für Literatur.

Hier geht es zu einem Interview mit der Brockhaus-Redaktionsleiterin Ulrike Hönsch.

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