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Surfen und reisen – Lehrer Andreas Brendt hat ein Buch über seine Leidenschaften geschrieben

DÜSSELDORF/KÖLN. Andreas Brendt hat viele Jahre damit verbracht, durch die Welt zu reisen. Heute ist er Lehrer in Köln und hat sich einen weiteren Traum erfüllt: Ein Buch über seine Erfahrungen zu schreiben. Das ist gelungen. Das Buch ist authentisch in seiner Sprache, sehr emotional und unterhaltsam. Es geht um Reisen, um Begegnungen auf der ganzen Welt und wie diese den Blick auf Zuhause verändern. Den News4teachers.de-Lesern erzählt er im Interview, warum er damit aufgehört hat und wie seine Schüler davon profitieren.

News4teachers.de: Ihr Reisebuch heißt Boarderlines, das klingt wie die psychische Störung „Borderline“. Halten Sie sich für gestört?

Die Frage finde ich lustig. Boarderlines ist für mich ein Wortspiel, welches Grenzen sowohl im geographischen also auch im emotionalen Sinne beschreibt. Mir gefällt darüber hinaus die Bedeutung der geschriebenen Zeilen eines Brettsportlers, aber jetzt zu Deiner Frage: Vielleicht bin ich ein bisschen gestört, so wie die meisten Menschen in der westlichen Welt. Weil ich immer das haben möchte, was ich gerade nicht habe. Deshalb steckt man häufig in einem kleinen Dilemma zwischen Freiheitsliebe und Abenteuerdrang auf der einen und dem Wunsch nach Sicherheit oder dem Folgen der Konvention auf der anderen Seite. Das sehe ich aber wenig dramatisch, sondern halte das eher für ein Geschenk, denn so können wir uns mit spannenden Fragen über das Leben auseinandersetzen und entdecken oder erleben, was dabei in uns passiert.

News4teachers.de: Reisen und surfen und das jahrelang, klingt paradiesisch. Warum haben Sie damit aufgehört?

Wenn man lange und viel reist, wird das Reisen genauso zur Routine wie alles andere. Und das Leben in einer Holzhütte im Dschungel wird plötzlich viel langweiliger als das Leben in Deutschland mit all seinen Tücken und spannenden Geschichten. Natürlich spielte auch Einsamkeit eine Rolle und es gibt kaum ein Land auf der Welt, wo man so tolle Menschen und Beziehungen pflegen kann.

Autor Andi: Porträt mit einem Lama in Macchu Pichu/Peru. (Foto: Privat)

Autor Andi: Porträt mit einem Lama. (Foto: Privat)

News4teachers.de: Welche Anekdote aus dem Reise-Surferleben erzählen Sie am liebsten, wenn Sie beeindrucken wollen?

Ich will damit eigentlich nie besonders beeindrucken, weil das für mich nach ein paar Jahren zu Normalität geworden ist. Ich glaube auch nicht, dass es entscheidend ist, was man macht. Ob Supermarktkassierer oder Abenteuerreisender. Es geht mehr darum, wie man lebt. Wie bewusst, wie aufmerksam, wie und was man zwischenmenschlich wahrnimmt. Und die beeindruckensten Momente können in einer Begegnung auf der Straße oder beim Fallschirmspringen passieren. Der unglaublichste Augenblick meines Lebens geschah in einem Wohnzimmer bei einem sehr alten und weisen Menschen. Das ging aber so tief, dass ich nur ganz engen Bekannten davon berichte. Im Alltagsgebrabbel erzähle ich mal gerne von Gangstern in Südafrika, Salsa in Südamerika oder natürlich der Haibegegnung im indischen Ozean – was immer gerade ins Gespräch passt.

News4teachers.de: Und woran denken Sie am liebsten zurück, wenn Sie allein sind?

Die Zeit in den Surfcamps hat mir wohl den größten Spaß gemacht. Die Kombination aus einer Aufgabe, mit der man viele Menschen glücklich machen kann, viele meiner besten Freunde, die direkt neben mir gewohnt haben und das alles mitten in der Natur war unschlagbar. Und man bekommt Geld dafür, den ganzen Tag Unsinn zu machen.

News4teachers.de: Wie profitieren Ihre Schüler von den Erfahrungen?

Ich habe vor ein paar Wochen in einem Interview von Rita Pierson den Satz gehört: Schüler lernen nicht von Leuten, die sie nicht mögen. Da könnte was dran sein und ich glaube (oder hoffe), dass meine Schüler mich mögen. Das liegt zum einen daran, dass ich jeden einzelnen total gerne habe (auch die, die manchmal nerven) und zum anderen, dass ich ab und zu ein paar Geschichten erzähle (übrigens sowohl von der Reiserei als auch von der Heimatfront, denn auch da gibt es viel zu erleben. Letzte Woche habe ich einer Klasse, die irgendwie total aufgebracht und nervös war, von dynamischen Meditationen erzählt. Fanden die Schüler total faszinierend (man flippt in einer Phase dabei total aus) und wollten das gleich mal ausprobieren). Egal, was es ist, die Schüler finden das spannend (hoffe ich :). Dann kann eine ganz neue Aufmerksamkeit im Klassenraum entstehen Es tut allen Beteiligten gut, die Vorgaben der Lehrpläne und prüfungsrelevanten Themen für ein paar Augenblicke zu verlassen. Vielleicht auch mal die Fragen des Lebens, die wir uns alle stellen, anzukratzen. Manchmal suchen einige Schüler dann auch das Gespräch, um Tipps und Anregungen für das Leben zu bekommen. Und überhaupt am Wichtigsten ist, dass dabei viel gelacht wird, und all das schweißt zusammen, schafft Vertrauen. Ich glaube, das ist eine gute Voraussetzung für den klassischen Unterricht – zu dem man dann immer wieder zurück muss.

News4teachers.de: Ihr Reisetipp für Nicht-Surfer?

Ich fungiere ja mittlerweile als Hobbyreiseplaner für jung und alt. Man muss zunächst ein paar grundsätzliche Entscheidungen treffen: Weit weg oder Europa, Lateinamerika oder Asien und abenteuerlich (etwas anstrengender, etwas spannender) oder die Reise ins gemachte Nest (auch schön, entspannend, aber teurer). Ich würde natürlich empfehlen nur einen Flug zu buchen, und den am besten nach Asien. Indonesien, Indien, Vietnam, Kambotscha und Co sind alles wundervolle Länder mit niedrigen Lebenshaltungskosten und tollen Menschen.

News4teachers.de: Und wohin geht es als Nächstes?

Ich bin gerade aus Mexico (Michoacan) zurück und habe zu viel Schule um die Ohren, um mir Gedanken machen zu können. Aber das geht ja nur noch ein paar Wochen, es wird in jedem Fall ein Langstreckenflug… Die Fragen stellte Nina Braun

 Zur Boarderlines-Webseite geht es hier

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