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Mehrheit der Bürger meint: Schule vermittelt ein schiefes Bild von der Landwirtschaft

BERLIN. Die Landwirtschaft kommt im Schulunterricht zu kurz. Das meint mehr als die Hälfte der Bundesbürger. Zwei Drittel stimmten sogar der Forderung zu, dass diese Themen verpflichtend unterrichtet werden wollten. Das hat eine repräsentative Emnid-Umfrage ergeben, die im Auftrag des Vereins „i.m.a – information.medien.agrar“ durchgeführt wurde. „Dieses Ergebnis sollte die Kultusminister nicht nur zum Nachdenken, sondern zum Handeln anregen”, befand dessen Geschäftsführer Patrik Simon.

Besuche in landwirtschaftlichen Betrieben sollen helfen, Schülern ein realistisches Bild zu vermitteln. Foto: Tim Ellis / flickr (CC BY-NC 2.0)

Besuche in landwirtschaftlichen Betrieben sollen helfen, Schülern ein realistisches Bild zu vermitteln. Foto: Tim Ellis / flickr (CC BY-NC 2.0)

Der Unterricht über die Produktion unserer Lebensmittel, die Vermittlung von Wissen über das Leben in der Landwirtschaft und deren Bedeutung für die Gesellschaft sollten nicht wenigen engagierten Lehrern überlassen bleiben, meint laut Umfrage die Mehrheit der Bürger in Deutschland. 68 Prozent halten es für wichtig, dass die Lehrpläne entsprechenden Schulunterricht vorschreiben. Erstaunlich dabei: 69 Prozent der 14- bis 29jährigen Befragten teilen diese Auffassung, aber nur 45 Prozent der 30- bis 39jährigen, während Befragte über 40 Jahren mit mehr als siebzig Prozent zustimmen.

Vor diesem Hintergrund verwundere es nicht, dass die Mehrheit der Bundesbürger die Auffassung vertritt, dass im Unterricht derzeit kein realistisches Bild der Landwirtschaft vermittelt wird, heißt es. 59 Prozent der Befragten sind dieser Ansicht. Bei den Befragten, die in einem Haushalt mit Kindern leben, fällt dieses Urteil noch deutlicher aus: Mehr als zwei Drittel zweifeln die Realitätsnähe an. Dazu i.m.a-Geschäftsführer Simon: “Dieses Ergebnis zeigt: Je mehr Kontakt zur Schule besteht, umso größer ist das Bewusstsein, dass der Unterricht kein wirklichkeitsgetreues Bild der Landwirtschaft vermittelt und daher dringender Korrekturbedarf besteht.”

Artgerechte Tierhaltung oder der Einsatz von Pestiziden sind nach Ansicht der Bürger hingegen keine Themen, die im Unterricht vorrangig behandelt werden sollten. Sie waren gerade einmal für fünf Prozent der Befragten relevant. Stattdessen sehen 16 Prozent der Bundesbürger Nachholbedarf in Fragen der richtigen Ernährung, der Erzeugung und Herkunft von Lebensmitteln. Für 13 Prozent sollten Themen der Bio-Landwirtschaft mehr als bisher in die Lehrpläne einfließen. Die Umwelt und der Umweltschutz in der Landwirtschaft sind immer noch für zwölf Prozent der Befragten ein wichtiges Unterrichtsthema. Simon: „Das zeigt uns, dass es den Menschen wichtig ist, dass ihren Kindern mehr als bisher Basiswissen vermittelt wird, statt sie mit Themen zu konfrontieren, die leider nur allzu oft ideologisch beeinflusst sind.”

Simon verweist darauf, dass bereits 2012 in einer Umfrage 61 Prozent der Bundesbürger beklagt hätten, im Unterricht würden zu wenig landwirtschaftliche Themen behandelt. „Damals kritisierten 64 Prozent, dass in den Schulen ein unrealistisches Bild der Landwirtschaft vermittelt wird. Zwei Jahre später stellt sich die Frage, warum sich an diesem Resultat nichts Grundlegendes verändert hat und wer daran Interesse haben könnte, dass unsere Jugend weiterhin uninformiert und zum Teil sogar mit falschen Vorstellungen aufwächst.”

Ein praxisorientierter Unterricht könne eine Lösung für die Bildungsmisere bei landwirtschaftlichen Themen an unseren Schulen sein. Diese Auffassung vertritt mit mehr als 80 Prozent der Befragten eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger. Sie plädiert für landwirtschaftsbezogene Projektarbeit, Besuche auf Bauernhöfen, gemeinsames Kochen und Schulgartenarbeit. Selbst ein Schulpraktikum auf einem Bauernhof zur Berufsorientierung wird noch von mehr als der Hälfte der Bundesbürger befürwortet.

“Die deutschen Landwirte sind bereit, Schulklassen zu empfangen”, weiß Patrik Simon. Der Verein „i.m.a.“ unterstütze bereits rund 70.000 Lehrer mit didaktischem Unterrichtsmaterial. „Doch so lange in den Lehrplänen landwirtschaftliche Themen nicht verbindlich vorgeschrieben sind, wird es beim Engagement einiger weniger Pädagogen bleiben”, befürchtet der i.m.a-Geschäftsstellenleiter. Der i.m.a e.V. wird als gemeinnütziger Verein von den Organisationen der deutschen Landwirtschaft getragen. Vorsitzender des Vereins ist der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied. News4teachers

Hier gibt es Medien und Materialien der “i.m.a”

Zum Bericht: Bauernhöfe öffnen sich für Besuche von Schulklassen

 

14 Kommentare

  1. Nichts an den Ergebnissen der Umfrage ist erstaunlich. Danke für den Artikel!

  2. Dem ist nichts hinzu zufügen!

  3. Wie kann ein so komplexes Thema wie die “Landwirtschaft” sachlich korrekt, ausgewogen und objektiv vermittelt werden?
    Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie schockiert ich war, als ich in den 60er Jahren als junger Mensch die ersten Bullen auf Spaltenböden sah. Ihre Kniegelenke waren teilweise wundgescheuert oder stark geschwollen. Schon damals verstand ich nicht, wie Menschen den Tieren so etwas antun konnten.
    Wenn ich aber die heutige Massentierhaltung mit ihren unsäglichen Qualen für viele Tiere damit vergleiche, räume ich postum ein, dass es den Bullen damals noch ganz gut ging.
    Von der Aufzucht über die Mast bis zur Schlachtung müssen heutzutage unzählige Tiere unsagbares Leid ertragen, damit beim Verbraucher das billige Fleisch auf dem Teller liegen kann.
    Die weniger “wertvollen” Teile (z.B. bei Hähnchen) kommen erst gar nicht in den Handel, sondern sie landen in Afrika und zerstören dort den heimischen Markt.
    Wir haben in Deutschland einen ausgezeichneten Tierschutz – leider steht der aber nur auf dem Papier. Was können die wenigen Kontrolleure schon ausrichten? Wie groß ist die Grauzone bis hin zu mafiösen Strukturen in der Fleischwirtschaft?
    Wo gibt es in der “modernen” Landwirtschaft noch vernünftige Fruchfolgen? Nein, Maisanbau für die Bio-Gasanlagen und die Masttiere ist das Gebot der Stunde. Da werden die Böden mit stinkender Gülle vollgepumpt und mit Pestiziden verseucht. Jetzt können die Landwirte den Reifeprozess des Getreides sogar schon mit “Chemie” verkürzen. Wie kann sich unter diesen Umständen noch eine artenreiche Flora und Fauna entwickeln?
    Ein Lebensmittelskandal jagt den anderen. Was aufgedeckt wird, scheint mir lediglich die Spitze des Eisberges zu sein.
    Nein, die heutige “moderne” Landwirtschaft ist m.E. keinesfalls ein Vorzeigeobjekt. Schlimm finde ich auch, dass der einzelne Landwirt dagegen kaum etwas unternehmen kann. Zu sehr hängt er am Tropf von Brüssel. Die meisten Gelder gehen dort in den Agrartopf.

    Es gibt sie aber noch, die mutigen Landwirte, die allen Hindernissen zum Trotz ihren Traum von der naturnahen Bewirtschaftung ihres Ackerlandes sowie der naturnahen Haltung ihrer Nutztiere erfolgreich leben. Diesen Menschen gehört meine ganze Anerkennung, und sie sollten von den Verbrauchern die notwendige Unterstützung erhalten.

    Am Wochenende besuchte ich das Hoffest eines Naturland – Hofes. Dort haben die Tiere viel Platz zum Aufwachsen. Sie toben auf den Wiesen herum, scharren im Boden, “baden” im Sand und suhlen sich im Schlamm. Gefüttert werden sie mit hofeigenen Produkten ohne Chemiebeigaben.
    Welch ein Kontrast zu den fensterlosen Massentierställen mit viel zu viel Tieren auf engem Raum, in denen es teilweise ganz übel stinkt, und wo die Tiere in kürzester Zeit ihr Schlachtgewicht erreichen. Die Beine von Masthähnchen oder Puten können das enorme Gewicht dieser Turbokörper oft gar nicht tragen.
    Schweine haben einen ganz feinen Geruchssinn. Während der Mastzeit sind sie permanent dem beißenden Gestank ihrer Exkremente ausgesetzt. So etwas sollten die Halter einmal nur 10 h am Stück aushalten müssen.

    Ich habe nur wenige Aspekte angesprochen, die m.E. unbedingt in das Curriculum “Landwirtschaft” gehören. Wie soll dieses komplexe Thema aber in der Schule realitätsnah vermittelt werden?

  4. Zu Beginn möchte ich gerne etwas erklären.
    Stinkende Gülle & Boden voll gepumpt! Das ist an der Realität vorbei, der Hobbygärtner bringt auf dem qm weit mehr Nitrate in den Boden als Landwirte, die mit Hilfe unterschiedlicher Verfahren die Bodenqualität und die Nährstoffqualität untersuchen müssen bevor überhaupt Gülle auf die Felder ausgebracht werden darf. Außerdem darf nur in einem bestimmten Zeitfenster ausgebracht werden, außerhalb dieses Zeitfensters sind Sondergenehmigungen erforderlich.
    Brüssel schreibt zum Teil so einen Müll vor, dass Landwirte nur den Kopf schütteln. Bitte informieren Sie sich darüber und rechnen dann nach ob sich eine Landwirtschaft nach Ihren Meinungen lohnt. Und vorallem, ob Sie bereit sind die Preise, die notwendig wären, dass ein Landwirt davon wirklich leben kann, zu zahlen.
    Ich spreche nicht von den Landwirten, die am Existenzminimum krebsen und noch voller Mut noch wirklich traditionell, sprich eine Mischwirtschaft betreiben, arbeiten.
    Für ein anständiges Curriculum oder auch gerne Kompetzenorientiert ist das Thema einfach viel zu komplex, das stimmt. Es könnte in diesem Zusammenhang das Kaufverhalten der Eltern von den SuS über einen Monat protokolliert werden, dabei kann man als Lehrkraft auch sein eigenes Kaufverhalten mitprotokollieren und so kann erst mal geguckt werden, was den wo weg kommt. Sie werden staunen, was sich da alles hinter den sogenannten BIO-Produkten findet. Bio ist zum Teil nicht das wert, was damit gemeint ist.
    Was den Konsumenten angeht, gebe ich Ihnen recht, der Konsument ist der, der entscheidet, was wie viel zu kosten hat und daran haben sich die Landwirte ,um überleben zu können, angepasst!

    • Da scheint es aber eine Menge Sondergenehmigungen zu geben. Wo ich lebe wird das ganze Jahr über gegüllt, ob es regnet oder die Sonne aus allen Knopflöchern auf den Boden brennt. Der Gestank ist teilweise unerträglich, vor allem dann, wenn die Felder ziemlich dicht in der Nähe von Siedlungen liegen.
      Ich habe eher den Eindruck, dass die Landwirte dann güllen, wenn die Behälter mal wieder randvoll sind.
      Auch wenn nur kurz die eigenen vier Wände verlassen werden, ist es sehr ratsam, unbedingt die Fenster zu schließen. Die Wäsche sollte ebenfalls in Sicherheit gebracht werden.
      Wer öfter auf Deutschlands Autobahnen unterwegs ist, weiß recht schnell, wo sich die Gülleregionen befinden.
      Schon grotesk finde ich Ihren Vergleich mit den Hobbygärtnern. Wer sorgt denn hauptsächlich für die hohe Nitratbelastung der Böden und damit der Bäche und Flüsse?
      Auf die Wiesen wird bspw. nach jedem Schnitt Gülle aufgebracht. Da im Jahr mehrmals geerntet wird – entweder Heu, Gras als Zufütterung oder Grassilage – wird natürlich auch jedes Mal vorher gegüllt. Da kommen enorme Menge zusammen. So viel Stickstoff braucht keine Pflanze.
      Die Entwicklung von der bäuerlichen Landwirtschaft zur fast schon industriellen hat vor allen Dingen Brüssel zu verantworten.
      Ganz schlimm wird es jedoch, wenn z.B. ein niederländischer Investor im eigenen Land nicht mehr produzieren darf, von einigen Kommunen z.B. in Ostdeutschland jedoch mit Kusshand empfangen wird, weil er ja Steuern zahlt und Beschäftigung verspricht. Unter welchen Bedingungen da Tiere gehalten werden, ist kaum zu glauben. Tierschutz versagt dort auf der ganzen Linie, und die Umwelt – teilweise sind das Erholungsgebiete – leidet extrem.

      “Biene”, in meiner Vita spielt die Landwirtschaft eine nicht unerhebliche Rolle. Deshalb schreibe ich nicht als Theoretiker, sondern als jemand, der sich in seinem Leben intensiv damit beschäftigt hat.

  5. Ihnen ist sicherlich auch das Düngemittelgesetz ein Begriff, da steht ganz genau drin, was unter Düngemitteln zu verstehen ist.
    “Auf die Wiesen wird bspw. nach jedem Schnitt Gülle aufgebracht. Da im Jahr mehrmals geerntet wird – entweder Heu, Gras als Zufütterung oder Grassilage – wird natürlich auch jedes Mal vorher gegüllt.” Meines Wissens nach, darf das nicht gemacht werden. Wer das macht handelt einfach grob fahrlässig.
    Dauerhaftes ausbringen ist nicht erlaubt. Das zuständige Ministerium hat dafür Ausbringungszeiten festgelegt und veröffentlicht: für Grünland 1. Februar bis 14. November und für Ackerland 1. Februar bis 31. Oktober. Diese können auf Antrag nach vorn und nach hinten verschoben beziehungsweise verlängert werden. Grundsätzlich gilt jedoch: Während der vegetationslosen Zeit wird nichts ausgebracht.
    Bei der Ausbringung von Jauche und Gülle ist folgendes zu beachten:
    – Keine Ausbringung bei starkem Wind und/oder intensiver Sonneneinstrahlung
    -Verdünnen mit Wasser (bei Jauche zum Teil nicht notwendig, da Regenwasser enthalten ist; bei Gülle lediglich zur besseren Aufnahme in die Tankfässer und durch die Pflanzen [ohne NH3-Verluste] notwendig)
    -Schnelles Einarbeiten in den Boden
    -Keine Ausbringung während der vegetationslosen Zeit.
    Wichtig ist nicht nur für Gülle und Jauche ein gründliches und sofortiges einarbeiten in den Boden, um somit Verluste und Geruchsbelästigung zu verringern, sondern für alle organischen und mineralischen Dünger gilt zeitnahes Einarbeiten. Mit dem Einarbeiten wird die Nachhaltigkeit des Bodens und die Wirkdauer des Düngers nochmals erhöht.
    Es gibt Einnährstoff- und Mehrnährstoffdünger. Die Einnährstoffdünger werden nur gezielt und nach Bedarf appliziert. Mehrnährstoffdünger sind auf die jeweilige Kulturart abgestimmt und ermöglichen einen geringeren Aufwand bei der Ausbringung.
    Ihnen ist dann auch folgender Fakt bekannt: NPK-Dünger und HNL-Dünger werden in der Landwirtschaft am häufigsten verwendet. Über die Schleppschläuche gelangt der Flüssigdünger direkt in den Boden an die Pflanze und wird nicht wie beim üblichen Spritzen auch auf die Blätter verteilt. Die gespritzten Düngemittel werden auch als „Blattdünger“ bezeichnet, da hier eine Nährstoffaufnahme über das Blatt angestrebt wird.
    Es gilt allerdings vor der Ausbringung von Kunstdünger die Bodenbilanz, also die Nährstoffbilanz des Bodens, festzustellen. Diese wird aus dem im Boden vorhanden Nährstoffen errechnet. Mit der Subtraktion des Nährstoffbedarfs der Kulturpflanzen wird die einzusetzende Düngemittelmenge berechnet, was auf Basis der N-min-Methode geschieht. Dabei werden für eine genaue Untersuchung in drei festgelegten, unterschiedlichen Bodentiefen (0…30cm; 30…60cm; 60…90cm) Proben entnommen. Für eine einfache Untersuchung werden die Proben bei Ackerland aus bis zu 40cm beziehungsweise bei Grünland aus bis zu 10cm Bodentiefe entnommen (Scheffer und Schachtschnabel, 2010). Auf diese Weise soll eine Überdüngung und Umweltbelastung vermieden werden.

    Ich habe meine BA extra für Sie nochmals durchgelesen.
    Danke “dickebank” auch ich komme aus der LW.

    • Danke für die sehr informativen Ausführungen.
      Für welches Bundesland gelten die von Ihnen skizzierten Bestimmungen?
      Ich erlebe das Thema “Düngen mit Gülle” eben wie oben beschrieben. Da scheint sich niemand an irgendwelche Richtlinien zu halten. Das gilt übrigens auch für den “Schweinegürtel” im Raum Vechta – Cloppenburg – Oldenburg. Wenn Sie dort z.B. über die A 1 fahren, weht Ihnen unabhängig von der Jahreszeit oft genug eine “Gülle-Duftwolke” entgegen.

      Unseren Meinungsaustausch werde ich jetzt zum Anlass nehmen, mich zu erkundigen, wie die Regelungen in Bezug auf “Gülle” hier vor Ort aussehen.

      “Biene”, nur der Vollständigkeit halber: Ich nenne mich “mehrnachdenken” und nicht “dickebank”.

  6. Verzeihen Sie bitte den Fehler bei der Anrede, soll nicht wieder vorkommen.

    Die Bestimmungen sind beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ein zusehen.
    Die Bestimmung der Bodenbilanz ist in NRW üblich und findet sich auch in den bekannten Lehrwerken der Landwirtschaft. (Ich selbst studiere in BY) Das möglichst schnelle Einarbeiten der Düngemittel (Gülle/ Jauche /Mist) sollte in jedem Bundesland so sein. Ich habe diesbezüglich mehrere Diskussionen mit meinem Vater (Landwirtschaftsmeister) und einigen Kommilitonen (Argra) gehabt. Alle beteiligten haben mir mitgeteilt, dass das schnelle Einarbeiten, wie oben genannt, wichtig ist um einen Verlust von Nährstoffen und die Geruchsbelästigung zu vermeinden.

    Ich freue mich schon auf Ihre Antwort mehrnachdenken.

    • Richtig, allein schon um den Stickstoffverlust zu begrenzen, sollte die Gülle schnell eingearbeitet werden. Dennoch vergehen aber oft viele Stunden, nicht selten liegt auch ein ganzer Tag zwischen Ausbringung und Einarbeitung der Gülle. Das führt ja zu dieser intensiven Geruchsbelästigung.

      Sie haben Recht, tatsächlich ist ziemlich genau geregelt, in welchem Zeitraum wie viel Gülle ausgebracht werden darf. Ein Nebenerwerbslandwirt hat mir das neulich bestätigt und auch gesagt, dass es immer wieder unangekündigte Kontrollen gibt.
      Allerdings hat mir derselbe Landwirt augenzwinkernd zu verstehen gegeben, dass es in der Branche – wie überall – sicher auch schwarze Schafe gibt, die sich nicht immer an die Verordnungen halten. Gut, wenn sie erwischt werden, gibt’s ein saftiges Bußgeld.

      Dennoch lehne ich die Entwicklung zu immer größeren Einheiten bis hin zu industrieeller Massentierhaltung ab. Der o.g. Nebenerwerbslandwirt meinte, dass diese Leute eben so kleine Betriebe wie seinen kaputt machen.
      Es soll übrigens möglich sein, die Weltbevölkerung problemlos nicht nur einmal mit ausreichender Nahrung zu versorgen. Das es nicht funktioniert, liegt an der unzulänglichen Verteilung der Lebensmittel.

      Wissen Sie übrigens, dass so genannte Landaufkäufer in Rumänien unterwegs sind, um die kleinen “Bauern” zu bewegen, ihr Land an Großinvestoren zu verkaufen. Das wird sogar von der Regierung unterstützt.
      Ich kann mir gut vorstellen, was dann “moderne” Bewirtschaftung der Äcker oder “moderne” Tierhaltung bedeutet.

  7. Das es solche aufkäufe in der EU gibt, war mit bisher nicht bekannt. Ich wusste, dass es in Afrika der Fall ist. und dort ist man nicht wirklich glücklich mit den Ergebnissen. Den Rumänen blüht, was die Äthiopier schon kennen (da sind es Chinesen, die Land auf kaufen!). Die werden sich wundern, was die sich unsägliches ins Haus /Land holen. Das nimmt kein glückliches Ende. Ihre Vermutung dürfte richtig sein. Fruchtbares Land wird zu Spottpreisen verscherbelt und Monokulturen zerstören das Land, das ursprünglich die Bevölkerung ernähren sollte.

    Ich unterstütze Ihre Aussage über die unmögliche Monokultur der Industriellen LW. Viele Kleinbaueren und Nebenerwerbslandwirte finden Brüssel einfach so toll, dass sie die Vorschriften gerne in die…. hauen würden.
    An der Entwicklung tragen auch die Konsumenten eine Mitschuld, weil sie viele Nahrungsmittel möglichst billig haben wollen. Nur wenige wissen, wie viel Arbeit in einem Liter Milch steckt.

    Auch bezüglich der Verteilung der Nahrungsmittel gebe ich Ihnen recht. Übrigens stammt ein Großteil der “Bio”kartoffeln aus ET, was nicht angeht, da brauchen Kartoffeln rund das 3fache mehr an Wasser als in D. Und in D werden hochwertige Bioprodukte verfüttert, weil sie den Lebensmittelketten nicht Bio genug sind und nicht zum gewünschten Zeitpunkt in den Läden verfügbar sein (LW ist wetterabhängig).

    • Da sind wir uns in vielen Punkten einig. Die Entgegnung auf meinen ersten Beitrag vom 03.09 (18.40 h) klang da noch ganz anders, schmunzel.

      Ich erinnere noch einmal an das unsägliche Leid, das unseren Mitgeschöpfen angetan wird. Die führen oft ein grauenhaft qualvolles Leben von der Geburt bis zur Schlachtung.
      Die ganze Widersprüchlichkeit menschlichen Handelns wird z.B. deutlich, wenn ich sehe, wie “luxuriös” teilweise Haustiere (z.B. Hund/Katze) gehalten werden. Gleichzeitig stören sich diese Leute aber nicht daran, Billigfleisch aus der Massentierhaltung zu konsumieren, obwohl sie sicher schon mal von den schlimmen Haltungsbedingungen dieser Tiere gehört haben müssten.
      Vielleicht würden die Konsumenten sensibler einkaufen, wenn auf den Verpackungen der Produkte Bilder aus der Massentierhaltung “ins Auge springen” würden. Was auf den Tabakprodukten inzwischen gängige Praxis ist, sollte da doch auch möglich sein. Wenn aber schon die “Ampel” zur Orientierung der Verbraucher verworfen wurde, wird sich so eine Idee auch kaum durchsetzen.
      Immer wieder wird argumentiert, dass sich viele Menschen teures Fleisch nicht leisten könnten. Ja, muss der Bundesbürger im Durchschnitt denn jährlich 60 kg Fleisch essen? Wie wäre es mit weniger Fleisch, das aber aus Betrieben kommt, in denen die Haltungsbedingungen stimmen?

      “Biene”, stimmen Sie mir zu, dass wir durch unsere kleine “Unterhaltung” bereits wichtige Themen für ein Curriculum in der Schule angerissen haben?

  8. “mehrnachdenken” ich stimme mit Ihnen sehr überein, was die Themen für den Unterrichtsstoff an der Schule angeht.
    Es ist nur eine Schande, dass einige Kollegen die totale Öko-Schiene fahren und dabei keine Ahnung haben, wie es in der Realität aussieht (eine Kommilitonin von mir steht total auf Öko und hat keine Ahnung von der traditionellen LW). In der traditionellen LW werden die Tiere von der Geburt bis zur Schlachtung im Gegensatz zur industriellen LW Humaner behandelt.
    Viele der heute gehaltenen Haustiere haben keinen “Nutzen” im Sinne ihres Ursprungs: Hund als Wächter von Haus und Hof, Katze zum Kurzhalten der Mäuse und Ratten. Es ist durchaus etwas dran, wenn sie sagen, das nicht wenige Haustiere im “Luxus” leben.
    Was die Menge des Fleischkonsums angeht, stimme ich Ihnen auch zu. Als ich noch jünger war, ist bei mir zu Hause (Hausschlachtung) noch weit mehr Fleisch aus Eigenproduktion verzehrt worden wie es heute (keine Hausschalchtung mehr) der Fall ist.

  9. Besten Dank “mehrnachdenken”. Ich habe mir die Broschüre angesehen und finde sie auf den ersten Blick recht ansprechend.

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