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Streit um „Turbo-Abi“: NRW-Verbände wollen G8 beibehalten – fordern aber Verbesserungen

DÜSSELDORF.Der Meinungskrieg um die richtige Schulzeit am Gymnasium tobt in vielen Bundesländern. In NRW zeichnet sich jetzt ab: Das «Turbo-Abi» wird nicht einkassiert.

Weniger Hausaufgaben, weniger verpflichtender Nachmittagsunterricht, aber keine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9) – dieser Schul-Kurs zeichnet sich in Nordrhein-Westfalen ab. Nach fünfmonatigen Beratungen haben die Experten eines vom Schulministerium eingerichteten Runden Tisches Empfehlungen vorgelegt. Laut dem vorliegenden Entwurf soll der achtjährige gymnasiale Bildungsgang (G8) verbessert statt verworfen werden. Mehrere Zeitungen hatten zuvor über den Entwurf berichtet.

Verschiedene Modelle einer Veränderung der Schulstruktur – bis hin zu Parallelsystem innerhalb einer Schule – wurden von der Mehrheit der Experten verworfen. Der hohe organisatorische Aufwand und Vertrauensschutz für die Eltern und Kinder im jetzigen Schulsystem sprechen aus ihrer Sicht gegen die Rolle rückwärts von G8 zu G9. Die Schulzeitverkürzung von neun auf acht Jahre Gymnasium hatten 2005 alle Landtagsparteien befürwortet. Die Bürgerinitiative «G-IB-8» und die Elterninitiative «G9 jetzt in NRW» kämpfen massiv für die Rückkehr zu G9.

Die vorliegenden Empfehlungen entstammten einem Entwurf und seien kein Abschlussbericht, sagte die Sprecherin des NRW-Schulministeriums, Barbara Löcherbach. «Nicht der Runde Tisch entscheidet – die Entscheidung fällt im Landtag.» Die Abschlussrunde der 45 Vertreter aus 30 Verbänden, Gruppen und Parteien soll am 3. November tagen. Anschließend ist die Politik am Zug und muss bewerten, welche Empfehlungen sie umsetzen will. Damit werden sich auch Parteigremien befassen.

Das Schuljahr in Bayern steht noch ganz am Anfang, der Streit um die Abiturzeit geht weiter. Foto: Peter Gugerell / Wikimedia Commons

Das Schuljahr  steht noch ganz am Anfang, der Konflikt um die Abiturzeit schwelt weiter. Foto: Peter Gugerell / Wikimedia Commons

In den vorläufigen Empfehlungen wird eine Klarstellung gefordert, «dass Hausaufgaben der individuellen Förderung dienen, jedoch nicht dazu, Fachunterricht zu kompensieren beziehungsweise zu verlängern». An Tagen mit verpflichtendem Nachmittagsunterricht sollten Lehrer keine Hausaufgaben für den Folgetag geben dürfen. Ebenso müsse klargestellt werden, «dass alle Ergänzungsstunden der individuellen Förderung dienen», nicht aber den Unterrichtsumfang erhöhen sollen. Der verpflichtende Nachmittagsunterricht solle begrenzt werden – ebenso wie die Gesamtmenge an Unterricht, Hausaufgaben und Klassenarbeiten.

Die FDP-Opposition sieht sich in ihrer Haltung bestärkt, an G8 festzuhalten. Die rot-grüne Regierung müsse aber die «Benachteiligung der Gymnasien beenden», forderte die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Yvonne Gebauer.

Der Streit über die Schulzeit am Gymnasium beschäftigt derzeit die meisten Bundesländer. In Hamburg und in Bayern waren kürzlich Volksbegehren zum neunjährigen Gymnasium gescheitert. Das rot-grün regierte Niedersachsen hatte dagegen als erstes Bundesland erklärt, das «Turbo-Abitur» nach acht Jahren wieder abschaffen zu wollen. dpa

27 Kommentare

  1. Bitte korrigieren Sie mich, aber meines Wissens ist der Absatz über NRW [„In den vorläufigen … Klassenarbeiten.“] bereits heute zumindest in der Praxis erfüllt, zum guten Teil auch per Gesetz bzw. Erlass. Dieser Runde Tisch klingt daher nach viel Lärm um wenig bis nichts.

  2. Es ist genau nichts heraus gekommen, und das war auch gewollt. Frau Löhrmann hat es geschafft ein halbes Jahr den Deckel auf dem Thema zu lassen. Jede Nachfrage an sie, das Schulministerium, die Ministerpräsidentin, die SPD oder die Grünen wurden mit einem Hinweis auf den Runden Tisch beantwortet.

    Nun hat der endlich mit massiver Verspätung fertig debattiert. Das Ergebnis: Alles bleibt wie es ist. Es wird wie seit 10 Jahren weiter herumgedoktort. Dass andernorts die Erkenntnis gereift ist dass G8 ein Fehler war – uninteressant. Dass in Hessen meist 95% der schon existierenden 6. Klassen nach G9 zurück wollen – wen juckt das schon. Dass auch hier die wenigen G9-Gymnasien überlaufen ohne Ende sind – lieber ignorieren.

    Frau Löhrmann ist mit ihrem gesinnungsmäßigen Festhalten an G8, mit Lesen durch Schreiben, mit der unsäglichen Kompetenzorientierung, mit Nachmittagsunterricht schon ab 9 Jahren, mit einer 2. Fremdsprachen schon ab 10 Jahren, mit 45 Wochenstunden Schule (Unterricht, Hausaufgaben, Vorbereitung auf Klassenarbeiten, Projektarbeiten) das vielleicht Schlimmste, was unseren Kindern in der Schule passieren kann. Und dass Kinder und Familien darunter leiden interessiert Frau Kraft und Frau Löhrmann. Denn schaut, wir haben doch jetzt Pflästerchen mit bunten Bildchen drauf, die haben uns die uns hörigen Interessensgruppen des Runden Tischs geliefert, die lösen alle unsere Probleme.

    • Wer in NRW ein Abi im G9-Modus machen will, hat genügend Alternativen außerhalb des Gymnasiums, die es so in anderen Bundesländern nicht gibt.

      An den 32-34 WS auch an Gymnasien wird sich nichts ändern, die sind von der APO GY vorgegeben. Der Punkt, um den es geht, ist doch, dass eine große Zahl der Eltern den Ganztag so wie er an Gymnasien praktiziert wird ablehnt. Die Gymnasien haben nämlich nur die wahl zwischen Pest und Cholera, entweder sie klatschen an bis zu 4 Tagen die 7. Stunde an den Vormittag an oder sie entschließen sich an zwei Tagen den Unterricht bis ca 16:00 Uhr auszudehnen. Was an anderen Schulformen gerne angenommen wird, stößt bei Gymnasialeltern auf Ablehnung, da es in die freie Gestaltung der Nachmittage eingreift und den Eltern die Möglichkeit nimmt, individuelle (Bildungs-)Angebote zu unterbreiten. Vor allem fehlt an den langen Tagen die Zeit für die Nachhilfe, die viele nicht deshalb benötigen, weil es G8 gibt, sondern weil sie an der falschen Schulform versiuchen zu reüssieren.

      • Dazu kommt noch der sogar aus Schülersicht unsinnige Mittagspausenerlass:

        Vor dem Ganztag waren sieben Stunden Unterricht zulässig, nach dem Ganztag verboten und müssen ersetzt werden durch 6. Stunde Pause und 7./8. Stunde Unterricht. Oberstufenschüler haben mich schon mehrmals gefragt, ob wir denn die 8. Stunde in die 6. Stunde vorverlegen können, damit die Schüler früher nach Hause können. Die Mittagspause hätten sie für die Mensa wegen des ungenießbaren Essens sowieso nicht genutzt. Das Anliegen, von mir ebenfalls begrüßt, wurde mit Hinweis auf den Ganztagserlass von der Schulleitung abgelehnt.

      • „Wer in NRW ein Abi im G9-Modus machen will, hat genügend Alternativen außerhalb des Gymnasiums, die es so in anderen Bundesländern nicht gibt.“

        Aha. Welche? Wir haben hier im Ort keine Gesamtschulen. Wer also nicht über die Realschule zum Abi kommen will muss in eine andere Stadt. Das macht mindestens 45 Minuten Fahrtzeit, einfache Strecke, bis zur nächsten Gesamtschule.

        Blöderweise nehmen die Gesamtschulen kaum Schüler aus anderen Gemeinden an, weil sie (meiner Meinung nach wegen G9) stark von den Eltern und Kindern vor Ort nachgefragt werden. „Externe“ Kinder mit reiner Gymnasialempfehlung haben es noch schwerer einen Platz zu bekommen, da eine Gesamtschule zwingend auf eine passende Mischung der Schüler achten muss, damit sie ihnen auch noch in 5 Jahren alle notwendigen Kurse für alle Abschlüsse anbieten kann. Also, wo sind da die Alternativen? Wir haben hier keine.

        Und so nebenbei: wenn über drei Viertel der Eltern G8 ablehnen und G9 wieder haben wollen, scheinen ihnen die Alternativen nicht zu passen. Jetzt kann man natürlich erzählen dass die alle wohl keine Ahnung haben und man es ihnen nur genau erzählen muss. Oder man kann sich auf den Standpunkt stellen dass dies mündige Bürger sind und ihre Meinung respektieren. Denn sie ist begründet, ob man das nun wahrhaben will oder nicht.

        Und dann kommt der unsägliche Nachmittagsunterricht. Ihre Aussage, dass das wegen der Nachhilfe stört, ist schlicht polemisch. Fragen Sie doch einfach mal in Vereinen, bei den Pfadfindern und bei den Musikschulen nach was G8 da so alles geändert hat.

        Was irgendwo vorgegeben wurde interessiert mich nicht die Wurst. Das wurde mal festgeschrieben und lässt sich genauso einfach wieder ändern, da wurden schon ganz andere Bretter im Bereich Bildung gebohrt. Wie war das in Hessen und Niedersachsen? Nur hat Frau Löhrmann dazu keine Lust. Es wäre ja auch zu schade wenn die Eltern sich wieder einem G9-Gymnasium zuwenden würden und Frau Löhrmanns heißgeliebte Gesamtschule darunter leiden müsste.

        • Was Sie über die unsägliche Bildungspolitik in NRW sagen, insbesondere über Frau Löhrmann und deren idiotische Kompetenzorientierung mit krampfhaftem Festhalten an G8, teile ich vollkommen.
          In NRW sieht es zappenduster aus mit der Bildung, noch dusterer als bei der Vorgängerregierung.

          • Ihre Meinung über Kompetenzorientierung teile ich. Ebenso Ihre versteckte Kritik am Festhalten an G8, nämlich die miserable Umsetzung.
            G8 an sich halte ich schon um im internationalen Vergleich mithalten zu können für notwendig. Außerdem lernten die Schüler bei G9 nicht mehr oder besser als bei G8. In der damaligen Erprobungsstufe und besonders der Klasse 11 wurde ein Schuljahr mit Nichtstun verloren.

        • GOSt des nächstgelegenen BK.

          • Was sollen wir mit einem Berufskolleg? Das nächste ist noch weiter weg. Nach Google sind es ca. eine Stunde Fahrtzeit, einfache Strecke. Außerdem geht es nicht um eine berufsvorbereitende Ausbildung, sondern um eine allgemeine Ausbildung. Ich zumindest finde den praktischen Unterschied zwischen BK und „normalem“ Gymnasium doch recht groß.

        • Als ob die Vereine nachmittags freie Kapazitäten hätten. Zum einen sind die Hallen und Sportplätze durch die ganztagsschulen blockiert und zum andren welche Trainer können es sich neben einer Vollzeitbeschäftigung erlauben nachmittags schon auf dem Platz zu sein. Hinzukommt dass viele Firmen die Nebentätigkeit als Trainer oder Jugendgruppenleiter nicht oder nur ungern genehmigen. Selbst Freiwillige Feuerwehren leiden darunter, ebso dass viele ihrer Mitglieder auswärts arbeiten.

          • Und weil sie nachmittags keine freien Kapazitäten haben bieten sie schon Gruppen ab 16:00 Uhr an. Natürlich wird das immer schwieriger, weil die Übungsleiter sehr oft Jugendliche sind und selbst noch zur Schule gehen. Wegen dem verstärkten Nachmittagsunterricht und dem verpflichtenden Ganztag können das jedoch immer weniger machen. Dass dann auch viele Kinder erst ab 16:00 Uhr überhaupt zuhause sind macht das nicht einfacher.

            Wer es nicht glaubt kann z.B. bei den größeren Schwimmvereinen in Köln nachfragen.

  3. Jugendliche mit Trainerschein, wer’s glaubt …

    Ja, es gibt Jugendliche mit Übungsleiterschein, aber auf deren Schultern liegt nicht die Jugendarbeit bzw. das Jugendtraining.

    Und BK, das sind Sammelbecken. Aber sie haben eine GOSt, die die AHR verleiht, genauso wie GeS und GY.

    Und wer am Arsch der Welt lebt, muss nicht den ganztag dafür verantwortlich machen, dass ihm die Teihabe am normalen Leben fehlt und ihm der Zugang zu einem breit gefächerten Schulsystem verwehrt ist. BTW 45 minütige Schulwege sind in Großstädten oder urbanen Ballungsräumen eher der Regelfall.

    • Wer lesen kann ist im Vorteil. Die Vereine bieten Sportgruppen ab 16:00 Uhr an, einfach mal nachsehen. Und viele Kinder können daran eben wegen G8 nicht teilnehmen. Das ist Fakt, einfach mal die Vereine, freiwillige Feuerwehren, Pfadfindergruppen und Musikschulen fragen was genau mit der G8-Einführung geschah und welche Kinder aufhören mussten.

      Wir wohnen nicht „am Arsch der Welt“, wir haben hier knapp 50.000 Einwohner und 2 Gymnasien. Die 45 Minuten Fahrt sind nicht wirklich der Regelfall, keine Ahnung wie Sie darauf kommen. Eine Untersuchung in Stuttgart kommt auf einen Median von 18 Minuten – wenn Sie Ihre 45 Minuten irgendwie belegen könnten wäre ich sehr interessiert. Außerdem ist die Chance einen Platz auf einer der Gesamtschulen zu bekommen, für die man von uns aus 45 Minuten braucht, fast Null. Also: was hilft es?

      Sowohl Sie als auch Frau Löhrmann können behaupten dass jedes Kind mit Gymnasialempfehlung ohne größere Probleme das Abitur per G9 machen kann. Leider stimmt das nicht.

      • Eben, wer lesen kann ist glatt im Vorteil. Ich schrieb ja nicht umsonst von den Jugendlichen und nicht von den Kindern. Bei den sportvereinen, die ich in meiner unmittelbaren Umgebung beobachte, ist es so, dass am frühen Nachmittag so ab 15:00 bzw 15:300 Uhr das Training der Kleinsten (Pampersliga) beginnt. Das Training der Jugendlichen (ab 16 J.) und jungen Erwachsenen beginnt in der Regel nach 18:00 Uhr, da ja nicht alle Jugendlichen dieser Alterskohorte noch zur Schule gehen und sich in Ausbildungverhältnissen befinden. Jugendliche im Einzelhandel und der gastronomie haben bei solchen trainingszeiten ohnehin die A-Karte.

        50.000 EW ist für NRW-Verhältnisse ein kreisangehöriges „Kuh-Kaff“. Die beiden Gymnasien können mit Sicherheit nur mit Kindern der Nachbargemeinden gefüllt werden. Vermutlich sind beide oder eines der beiden Gymnasien staatliche Ersatzschule(n). Ist halt eine fehlgeleitete Schulentwicklungsplanung, dafür müssen Sie mir aber nicht die Ohren vollheulen. Wenn man unbedingt G9 in der Stadt als Schulangebot haben möchte, besteht ja die Möglichkeit eines der beiden gymnasien in eine Ges umzuwandeln. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Gymnasium mindestens vierzügig ist.

        50.000 Ew bedeudet bei ca 80 Jahren lebenserwartung, dass durchschnittlich 600 Personen einem Geburtsjahrgang zuzurechnen sind. Gehen wir davon aus, dass die beiden Gymnasien zusammen 7-zügig a 30 Kinder sind, dann gehen 200 von den 600 Kindern auf ein Gymnasium. wo gehen die anderen hin? Es muss folglich eine reihe von anderen Bildungsangeboten geben, also vermutlich eine Hauptschule und drei Realschulen. Hier gebe es ja ebenfalls, den Wunsch der Eltern vorausgesetzt eine dreizügige Sekundarschule oder eine 4-zügige Ges zu gründen, um in den genuss von G9 zurück zu kommen. Das sind die politischen Spielregeln, man kann sie nutzen oder mit viel Aufwand dagegen anpolemisieren. es ist ja nicht so, dass das Gymnasium das non-plus-ultra der Schulformen darstellen würde. Es ist nur für das eigene Selbstwertgefühl entscheidend, wenn das eigene Kind es auf ein Gymnasium geschafft hat und dort am ende der Schullaufbahn von der Einser-Notenschwemme erfasst werden wird, die heutige Abgangszeugnisse ausmacht.

        Aus eigener erfahrung kann ich Ihnen sagen, mehr lernen die Schüler an Gymnasien auch nicht – nur sie lernen anders, sowohl inhaltlich als auch methodisch.

        BTW Sie wollen mir doch Stuttgart nicht wirklich als Großstadt verkaufen? Ich aber schrieb von Großstädten bzw. Metropolregionen. Und da werden sie mit einem median von 18 Minuten für den einfachen Schulweg bei weiterführenden Schulen nicht auskommen, wobei im städtischen bereich der ÖPNV besser getaktet ist als auf dem platten Land.

        Das Fehlen einer Gesamtschullandschaft in bestimmten Landkreisen ist ein hausgemachtes Problem, bedeutet nämlich, dass dort der Elternwille wenig beachtet wird.

        • Mir kommt es manchmal so vor, als ob Sie sich als verlängerter Arm der Kraft/Löhrmann – Administration begreifen.
          Irgendwie sollte sich die Regierung mal kulant erweisen und Ihnen für die freiwillige Werbung angemessene Provision zahlen, grins.

        • Ah, noch mehr Polemik. „Jugend“ beginnt nach allgemeiner Definition mit 13 Jahren. Und warum es egal ist dass Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 15 Jahren wegen G8 immense Schwierigkeiten haben z.B. Sport in Vereinen zu betreiben haben Sie leider nicht begründet.

          Jugendarbeit wird in Vereinen außerdem zum großen Teil von Jugendlichen geleistet. Die Jugend ist sozusagen ein Verein im Verein, mit eigener Organisation, eigenen Abstimmungen und so weiter. Das alles soll Kindern und Jugendlichen schon früh zeigen wie man sich einbringen kann, wie man sich ehrenamtlich betätigen kann, wie man Veranstaltungen organisiert oder zumindest dabei hilft und wie Demokratie auch im Kleinen funktioniert. All das ist gesetzlich vorgeschrieben und meiner Meinung nach ein hohes Gut. Blöderweise bricht es wegen G8 auf breiter Front weg, die entsprechenden Meldungen des Landessportbunds haben Sie bestimmt auch gelesen.

          Wenn Sie behaupten dass 45 Minuten Schulweg der Regelfall wäre sollten Sie vielleicht auch Quellen anbringen. Stuttgart hat in etwa so viele Einwohner wie Düsseldorf und sechs mal so viele wie Siegen. Ob Sie es glauben oder nicht: es gibt auch Menschen, die nicht in Köln oder dem Ruhrgebiet wohnen. Zumindest ist sofort klar, dass Sie auch hier nur Polemik betreiben.

          Da Sie dermaßen die Gesamtschule betonen drängt sich der Gedanke auf, dass Sie eben diese als „Non-Plus-Ultra“ ansehen. Das ist nicht die Meinung von jedem und auch nicht meine. Wenn Sie dann schon mit dem Elternwillen argumentieren sollten Sie dann auch den Willen der Eltern zu G9 akzeptieren. Oder ist das eine mehr wert als das andere, weil es in Ihr Weltbild passt?

          Wie Sie vielleicht wissen werden in Hessen G8 und G9 nun gleichzeitig angeboten. Die Eltern rennen den G9-Gymnasien die Bude ein, es gibt riesige Schwierigkeiten die G8-Züge irgendwie zu füllen. Die Eltern stimmen mit den Füßen ab, und das Votum ist ziemlich eindeutig. Nicht nur bei den Neuanmeldungen wird G9 weit mehr nachgefragt als G8, auch bei Befragungen der Klassen 5-7 sind meist über 90% der Eltern für einen Wechsel zurück zu G9. Ob die Möglichkeit G9 in diesen Klassen nachträglich einführen zu können sinnvoll ist steht nicht zur Debatte, das wäre bei einer Einführung von G9 in NRW ja nicht notwendig. Alternativ kann man auch das Argument „Rechtssicherheit“, dass Hessens Regierung vorgeschoben hat, genauer betrachten. Das hat nämlich Niedersachsen nicht abgehalten existierende Klassen auf G9 umzustellen.

          Falls Sie nun mit der ganz anderen Schullandschaft in Hessen gegenüber NRW argumentieren wollen: lassen Sie es lieber. In Hessen gibt es bei 6 Mio Einwohnern 231 Gesamtschulen mit 181.787 Schüler. NRW hat bei 17,5 Mio Einwohnern 281 Gesamtschulen mit 254.636 Schülern. Die „Gesamtschuldichte“ ist also in Hessen mehr als zwei mal so hoch wie in NRW, und sie konnten schon vorher wählen, ob sie G8 oder G9 anbieten. Da verwundert es doch sehr, dass die Eltern in Hessen dermaßen auf ein G9-Gymnasium pochen, wenn die Gesamtschule eine passende Alternative wäre. Aber wahrscheinlich kommt nun wieder ein Hinweis auf das Selbstwertgefühl der Eltern. Warum Sie nicht respektieren können dass Eltern die Entscheidung der Schulform mit Bedacht und Verstand treffen und da Eitelkeit keine Rolle spielt weiß ich nicht. Ich weiß nur dass Sie damit ein interessantes Menschenbild pflegen und Ihre Meinung über die der anderen stellen. Alle doof außer dickebank, sozusagen. Auch wenn ich mich wiederholen: Polemik. Es wäre erfrischend wenn Sie Argumente bringen würden.

          • vielleicht ordern die Eltern wegen der miserablen g8-umsetzung das Abitur nach neun Jahren, aber ohne die übliche gesamtschulklientel.

          • Ich schrieb, dass selbst in Großstädten wie Berlin oder Hamburg 45-minütige Schulwege keine Seltenheit sind. eine regel oder eine durchschnittliche Fahrzeit hatte ich gar nicht erwähnt.

            Warum Sie hessen anführen entzieht sich mir gänzlich. Aber eingehend auf Ihr Zahlenmaterial möchte ich nur auf die unterschiede zwischen KGS und IGS verweisen, die Sie für Hessen gemeinsam gelistet haben. In NRW gibt es aber infolge des Kulturkampfes vergangener zeiten keine KGS.

            Die Schulentwicklung in NRW machen die Kommunen, es ist also unlauter die landesregierung hierfür zur Verantwortung zu ziehen. Die kann den rahmen vorgeben, was in den Kommunen davon umgesetztw ird ist Folge des geäußerten Elternwillens.

            Der pädagogische Grundsatz „no child left behind“ ist bereits bei B. Sommer aufgetaucht. Diese hat diesen Slogan von der B. Stiftung übernommen. Ebenfalls die Kriterien für die QA, der Kriterienkatalog des Schulministerium entspricht 1:1 dem Vorschlag der von der B. Stiftung vorgelegt worden war.

            Das G8 ist unter dem ehemaligen Zukunftsminister als NRW-MinPrä umgesetzt worden. Dass S. Löhrmann kein Interesse daran hat, diese Entwicklung zurückzunehmen hat sie geäußert. Die Frage ist doch, warum schicken die eltern ihre Kinder auf ein Gymnasium, wenn die SekI dort so stressig ist? warum wählen sie nicht eine andere Schulform des gegliederten Schulsystems (Realschule), damit ihr Kind dort die Voraussetzungen zum Übergang in die GOSt erwirbt?

            Diese Frage ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass die meisten RS als Halbtagsschulen geführt werden.

        • Vielleicht wären Sie auch noch so freundlichen folgende Fragen zu beantworten:

          – In NRW leben ziemlich genau 10 Mio Einwohner in Städten mit >50.000 Einwohnern. Warum soll das Land Ihrer Meinung nach für 43% der Bevölkerung keinen einfachen Zugang zu einem „breit gefächerten Schulsystem“ anbieten?

          – Ihrer Meinung nach lernen Abiturienten weder auf der Gesamtschule noch auf dem Gymnasium mehr. Inhalt und Methodik seien jedoch unterschiedlich. Können Sie mir dann sagen, was Gesamtschüler / Gymnasiasten inhaltlich anders in Deutsch, Englisch, Französisch, Mathematik, Chemie oder Philosophie so lernen?

          Und zur allgemeinen Weiterbildung: Natürlich ist Stuttgart eine Großstadt, es ist sogar die sechstgrößte Stadt Deutschlands. Ihnen steht es natürlich frei den Begriff „Großstadt“für sich selbst umzudefinieren. In einer Diskussion sollte man aber bei der allgemein gültigen Definition bleiben. Naja, vielleicht versuchen Sie sich mit „Metropolregionen“ zu retten, das wird aber einige Salti erfordern.

          • „Ich schrieb, dass selbst in Großstädten wie Berlin oder Hamburg 45-minütige Schulwege keine Seltenheit sind. eine regel oder eine durchschnittliche Fahrzeit hatte ich gar nicht erwähnt.“

            Entschuldigen Sie, aber bruahahahaha… hier ein Zitat aus Ihrem Beitrag:

            „BTW 45 minütige Schulwege sind in Großstädten oder urbanen Ballungsräumen eher der Regelfall.“

            Was genau haben Sie gar nicht erwähnt?

            Vielleicht haben Sie keine Einsicht welche Probleme Realschüler bei der Umstellung auf das Gymnasium haben. Ich durfte das hier schon des öfteren erleben. Komplett andere Methodik, keine Zeit sich daran zu gewöhnen, deshalb miserable Noten. Außerdem: seit wann wird an einer Realschule z.B. Latein angeboten? Doch, es gibt Kinder, die Spaß daran haben. Und wenn ein Kind nun mal auf dem Gymnasium besser aufgehoben ist, verbietet sich dadurch jedwede Kritik an der besch… Umsetzung von G8, die nach meiner Meinung und der vieler weiterer Eltern auch nicht besser wird? Wieder ein interessantes Weltbild.

            Natürlich ist die Landesregierung NRW dafür verantwortlich dass G9 auf dem Gymnasium praktisch unmöglich ist. Dass Frau Löhrmann das so will ist mir erst einmal egal, schließlich bin ich als Bürger nicht verpflichtet die Meinung der Schulministerin anzunehmen. Und wenn ich und viele, viele anderen Eltern sich ein G9-Gymnasium wünschen sind sowieso alle Hinweise Ihrerseits auf die theoretische Umstellung eines hiesigen Gymnasiums irrelevant. Denn darauf hat man als Bürger noch weniger Einfluss – und es ist eben nicht der Elternwille. Es ist egal wie sehr Sie versuchen diesen zu relativieren, nach 10 Jahren Reparaturversuchen an G8 ohne vernünftiges Ergebnis reicht es.

            Nochmals: wie wäre es mit Antworten auf die Fragen oder Argumente? Es ist lustig wenn Sie etwas behaupten und das dann keine 24 Stunden später dementieren, das hat was von Politikersprech. Bei einer Diskussion ist das eher nicht so dienlich.

          • Es muss ja kein Realschüler mit FOR-Q seinen weg zum Abitur an einem Gymnasium antreten. GeS und BK haben ebenfalls allgemeinbildende Oberstufen. Das BK zusätzlich noch eine berufsbildende Oberstufe. Beide Schulformen sind Schulen der SekII.

            Zum 45-minütigen Schulweg.
            In Großstädten gibt es eine Konkurrenzsituation zwischen den GY, die zu Profilierung und Spezialisierung der einzelnen Schulen führt, von denen gerade in Großstädten etwa 25% Ersatz- oder Privatschulen sind. Viele Eltern melden also ihr Kind nicht unbedingt an der nächstgelegenen Schule an, sondern an einer, die ihren Wünschen und Erwartungen entspricht.

            Wenn Sie anmerken, dass in NRW über 40% der Bevölkerung in Städten bis 50 TEw wohnen, ist das statistisch gesehen richtig. Nur ist z.B. Schmallenberg – die größte NRW-Stadt, die Ihrem Kriterium entspricht – ein Mittelzentrum, also nicht einmal ein regionales Zentrum oder Oberzentrum. Vielmehr handelt es sich um eine politische Gemeinde und keine Stadtagglomoration. Sie bestehen mehr oder weniger aus einem Hauptdorf mit zentraler Funktion als Mittelzentrum und einer Vielzahl von ehemals selbständigen Streugemeinden im Umland, die heute Stadt- bzw- Ortsteile sind. Auch hier – wie in vielen anderen vergleichbaren Städten – sind Schulwege um die 45 Min. keine Seltenheit.

            Wir können germe weitermachen, ich finde nach wie vor, dass das gymnasium als Schulform in der derzeitigen Ausprägung maßlos überschätzt wird und nur davon lebt, sich sein Klientel im gegensatz zu anderen schulformen selbst aussuchen zu können. Wer G8 nicht abkann, sollte die Schulform wechseln

  4. „Wir können germe weitermachen, ich finde nach wie vor, dass das gymnasium als Schulform in der derzeitigen Ausprägung maßlos überschätzt wird und nur davon lebt, sich sein Klientel im Gegensatz zu anderen schulformen selbst aussuchen zu können.“

    Wo haben Sie das denn her? Wäre es so, bräuchten wir uns über den stetig sinkenden Niveauverlust an Gymnasien keine Gedanken zu machen.

    Seitdem sich Eltern für eine Schulform entscheiden können, rennt doch alles auf das Gymnasium. Dort gibt’s dann Förderunterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen.

    Steht alternativ auch eine Gesamtschule im Angebot, entscheiden sich viele Eltern dafür. Aber nicht, weil dort das Lernniveau so beeindruckt, sondern weil es dann fast garantiert das „Zeugnis der Reife“ gibt, auch für „Hänschen“, der sich doch in der GS mit dem Lesen, Rechnen und Schreiben so schwer tat.

    • „Steht alternativ auch eine Gesamtschule im Angebot, entscheiden sich viele Eltern dafür. Aber nicht, weil dort das Lernniveau so beeindruckt, sondern weil es dann fast garantiert das “Zeugnis der Reife” gibt, auch für “Hänschen”, der sich doch in der GS mit dem Lesen, Rechnen und Schreiben so schwer tat.“

      Nun ja. Meiner Erfahrung nach ist eher das dort angebotene G9 ein Argument für die Wahl der Gesamtschule. Also: Ein Hauptargument für diese Schulform ist kein inhärenter Vorteil, sondern rein künstlich durch Muftierlass gegeben. Dann gibt es natürlich Kinder bei denen nicht sicher ist wie sie sich entwickeln, und dann ist die Gesamtschule eine gute Alternative.

    • Neidisch?

      Welche GeS soll das sein, bei der alle im 5.Jahrgang eingeschulten SuS erreichen?

      Wenn eine GeS gut ist und die Bildung der Eingangsklassen dem üblichen Drittelmix entspricht, wobei die bedingte Gymnasialempfehlung als Gymnasialempfehlung gerechnet wird, dann erreichen nicht mehr als 40% der Fünftklässler die Empfehlung für die GOSt. In den GOSten der GeS sind etwa ein Drittel des 11. Jahrgangs SuS, die vorher eine HS oder RS besucht und dort den FOR-Q erhalten haben.

  5. „Zum 45-minütigen Schulweg.
    In Großstädten gibt es eine Konkurrenzsituation zwischen den GY, die zu Profilierung und Spezialisierung der einzelnen Schulen führt, von denen gerade in Großstädten etwa 25% Ersatz- oder Privatschulen sind. Viele Eltern melden also ihr Kind nicht unbedingt an der nächstgelegenen Schule an, sondern an einer, die ihren Wünschen und Erwartungen entspricht.“

    Es wird nicht besser. Die 18 Minuten sind nicht der theoretisch mögliche kürzeste Schulweg gewesen, sondern der _Median_. Mehr Regelfall geht nicht. Wollen Sie sich da noch weiter rausreden? Ja, natürlich haben einige längere Anfahrten, das lässt sich gar nicht vermeiden. Das muss ja so sein, da es Schüler gibt die praktisch neben der Schule wohnen. Wer ein Gymnasium mit besonderer Ausrichtung aussucht wird natürlich längere Wege in Kauf nehmen können. Meiner Erfahrung nach sind das jedoch ein sehr geringer Teil der Kinder.

    Aber nun kommen wir zum Kern Ihrer Aussagen:
    „Wir können germe weitermachen, ich finde nach wie vor, dass das gymnasium als Schulform in der derzeitigen Ausprägung maßlos überschätzt wird und nur davon lebt, sich sein Klientel im gegensatz zu anderen schulformen selbst aussuchen zu können.“

    Mit anderen Worten: Eigentlich wollen Sie keine Argumente bringen, sondern einfach Ihre Meinung durchsetzen. Und wer zu schwach ist für G8 soll eben was anderes wählen. Dass der Schulstoff in den ersten Jahren dermaßen komprimiert wurde dass eine Vertiefung schlicht nicht möglich ist ignorieren Sie geflissentlich. Und das gerade bei den Kindern, die eigentlich genau das besonders gut können sollten. Dass Zeit der wichtigste Faktor beim Lernen ist – wen juckt das schon. Mir ist zumindest nicht aufgefallen dass in G9 die Schüler in den ersten Jahren unter besonderer Langeweile litten. Mir ist jedoch dafür aufgefallen, dass weit mehr Stoff pro Tag durchgenommen wird, dass dieser zuhause stärker nachgearbeitet werden muss als in G9 (logisch, ein Kind kann nicht beliebig viel beliebig schnell lernen), und dass das wegen des verkürzten Nachmittags entsprechend schwer fällt. Es fehlen nicht nur ein, zwei Stunden pro Woche für die Freizeit, sondern weit mehr.

    Aber ach, Argumente sind Ihnen ja nicht wichtig.

    Eine Frage hätte ich dennoch: Warum sind Sie dermaßen gegen G9? Was würde sich dadurch so verschlechtern dass der Elternwille in diesem Punkt von Ihnen, Frau Löhrmann und Frau Kraft feste ignoriert wird? Ein Parallelbetrieb von G9 an den Gymnasien, ähnlich wie es in Hessen angeboten wird, nimmt Ihnen oder Schülern anderer Schulformen doch nichts weg. Die Probleme bei der Umstellung existierender Klassen kann man bestimmt anders lösen, und massenweise Proteste wegen Überlastung der Lehrer wegen der G9-Einführung habe ich nicht mitbekommen. Also, was ist schlecht an G9, außer dass sich die Schüler doch einfach nicht so anstellen sollen?

    • Es gibt eben Kinder, die mit der schulischen Situation an einem Gymnasium überfordert sind. Sie wären vermutlich an einer anderen schulform besser dran. Bei der Durchlässigkeit des Schulsystems haben sie ja immer noch die Möglichkeit das Abitur abzulegen, so what.

      Warum sollen SuS an einer GeS 34 WS ertragen könen, während das Gymnasiasten nicht zu zu muten ist?

      Ich bin nicht gegen G9, ich bin gegen die Gymnasien in ihrer jetzigen Ausprägung, die eher der GeS in den 80ern gleichkommt. Zur Studierfähigkeit führen die gymnasialen Bestrebungen jedenfalls nicht. Nicht umsonst machen so viele gymnasiasten anch dem Abi erst einmal eine Ausbildung.

      Der Knackpunkt beim G8 ist doch nicht die Verkürzung auf 8 Jahre, es ist die Festlegung in NRW, dass die gymnasiale Oberstufe aus EF, Q1 und Q2 besteht. Die EF ist so überflüssig wie ein Kropf. Bei Streichung der EF kann die sekI nämlich wie in anderen schulformen weiterhin 6 Jahre andauern. die Verkürzun beträfe lediglich die Oberstufe, die suS würden wie in anderen Bundesländern nach der 10. Klasse und abgelegter ZP10 und dem MSA in die Oberstiufe versetzt. So wird ein Schh drau, alles andere ist aus meiner sicht ’ne nette Freizeitbeschäftigung für Eltern von überforderten Gymnasiasten.

      Leistung muss sich eben wieder lohnen – übrigens keine devise von Rot/Grün.

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